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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-07-08 · N° 28. (8.7.1886) · p. Seite 223

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 28. (8.7.1886)
Date
1886-07-08
Page
Seite 223 (sequence 5)
Language
German
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am Sonnabend ist der Gottesdienst am Freitag Abend und Sabbath gut besucht, die Religionsschule, welcher mehr als 20 Kinder angehören, hat von der Stadt ein Schulzimmer in der I. Bürgerschule, und erfreut sich regelmäßiger Frequenz, auch für koscher Fleisch ist gesorgt. Noch fehlt es daselbst aber an einem Friedhof, und die Leichen, welche zu "Op kommen sollen, müssen mit vielen Unkosten und Weiterungen nach Görlitz gebracht werden. Durch die Energie und Ausdauer des Vorstandsvorsitzenden. Herrn Kaufmann M. Glaser, soll auch in Kurzem diesem Mangel abgeholfen werden. 1000 Mark sind durch seine Bemühung bereits zu diesem Zwecke gezeichnet und die noch fehlenden 3000 will der Rendant der Gemeinde, Herr Fabrikbesitzer Strupp, zu höchst conlanten Bedingungen dazu borgen. Ein Platz dazu ist schon in Aussicht genommen und hoffentlich werden die Behörden nicht zu viele Schwierigkeiten bereiten. Bei der vor kurzem stattqefundenen Generalversammlung ist auch demgemäß die Gründung einer KttTHp beschlossen, deren Statuten berathen werden. Bei derselben Versammlung wurde auch das Gehalt des Beamten um 10°/„ erhöht und eine Einrichtung getroffen, welche wohl auch größeren und älteren Gemeinden zu empfehlen wäre. Die „Kibbudim" wurden abgeschafft und als Ersatz für dieselben eine Lffte zu freiwilligen Zeichnungen aufgelegt, welche diese reichlich ersetzt. Nächst Zittau hat Bautzen die meisten Juden. Auch hier sind die Anfänge einer Gemeindebildung vorhanden. Zehn Familien haben sich unter Führung des Herrn Mendelsohn vereinigt um regelmäßigen Gottesdienst abzuhalten, und zahlen hierzu und zur Armenunterstützung laufende Beiträge. D.r Vorstand der Gemeinde Dresden schenkte dieser Vereinigung eine schöne Thorarolle. Nur einige der am längsten dort wohnenden Glaubensgellossen haben sich! von dieser Vereinigung ausgeschlossen, obschon gerade sie die einzigen sind, welche, schulpflichtige Kinder haben. Diese sträuben sich auch confequent, ihren Kindern regelmäßigen jüd. Unterricht ertheilen zu lassen, trotzdem ihnen die Gelegenheit hierzu billig und bequem geboten wurde. Es ist zu charakteristisch um hier unerwähnt zu bleiben, daß die Frau eines dieser Herren, die sich rühmt, eine Schülerin des scl. Rabbiner in Grätz zu sein, ihren Gatten besonders beeinflußt, ihre Kinder ohne jüd. Religionsunterricht heranwachsen zu lassen. Eben so wenig Erfreuliches läßt sich über Löbau berichten. Von den zwei dort wohnenden jüd. Familien haben beide schulpflichtige Kinder. Wohl möchte die eine Opfer bringen, um ihren Kindern jüd. Religionsunterricht ertheilen zu lassen, da aber die andere sich in ihrer Weise behilft, wird ihr dies unmöglich. Hoffentlich bringt auch da die Zukullst einen Wandel znm Besseren. Aus Württemberg, 1. Juli. Das „Israel. Waisenhaus und Wilhelmspflege" in Eßlingen veröffentlichte in dieser Woche seinen 55. Bericht pro 1. April 1885/86 Das Verwaltungsjahr bereitete der Verwaltung in jeder Hiitsicht Ursache zur Zufriedenheit. Der Gesundheitszustand war ein normaler. Se. Majestät der König bedachte die Anstalt mit einer namhafterl Spende (M. 175). Das Vermögen des Vereins hat sich durch reichlich angefallene Stiftungen (darunter M. 1000 von einem Katholiken in Stuttgart), durch Vermehrung der Jahresbeiträge (M. 1710), sowie durch gesteigerten Eingang von unbestimmten Beiträgen (M. 6805) namhaft erhöht (um M. 7150) und beträgt jetzt ausschließlich des Werths der Immobilien der Anstalt M. 242,816. Zur Vermehrung der Einnahmen werden in den rituell geleiteten Gast- und Wirthshäusern Württembergs Sammelbüchsen ausgestellt. Der Zöglingsstand, der bei Eintritt in das Verwaltungsjahr auf 38 sich bezifferte, ging durch Austritt von 8 und Eintritt von 9 Zöglingen auf 39 über. Die 4 israel. Zöglinge des K. Schullehrerseminars und die 3 Zöglinge der Prüparauden- und Taubstulnmenanstalt haben die rituelle Beköstigung in der Anstalt, mit der auch eine Fortbildungsanstalt für isr. konsirmirte Töchter verbunden ist. Vorstand der Anstalt ist Herr M. H. Goldschmidt in Stuttgart und Leiter derselben Oberlehrer L. Stern hier, zugleich Religionslehrer am Seminar. — Unter den in diesem Blatte jüngst aufgeführten so zahlreichen Gemeinden Deutschlands, welche Synagogen mit Orgelgottesdienst haben, vermisse ich die württembergische Gemeinde Buchau. (Auch aus Posen erhalten wir die Mittheilung von der dortigen Ocgelsynagoge; desgleichen aus Frankreich, Belgien, Luxenbourg und Amerika, aber wir hatten zunächst nur Deutschland im Auge.) Aochuw. Die Konferenz israelitischer Lehrer Westfalens und der Rheinprovinz fand gestern am 13. und 14. Juni hier statt. Zu derselben waren 46 Lehrer erschienen. Herr Blumenau-Bielefeld eröffncte die erste Sitzung am 13. ds., Nachmittags 2*/., Uhr. Der Vorsitzende des Synagogenvorstandes in Bochum, Herr Rechtsanwalt Sutro. hieß die Versammlung Namens der Gemeinde herzlich lvillkommen und theilte mit, daß der Vorstand beschlossen habe, der Unterstützungskasse des Vereins 150 M. als Geschenk zu überreichen. Herr Blumenau berichtet, daß der sel. Herr Wilhelm Hertz in Köln der Unterstützungskasse 300 M. vermacht und Herr Prof. Lazarus aus Berlin in Essen a. d. Ruhr zu Gunsten der Kasse einen Vortrag gehalten, der einen Ertrag yon 132.35 M. eingebracht habe. Aus dem Jahresbericht heben wir folgendes hervor: Die Jahres-Einnahme betrug im Jahre 1885: a) an ordentlichen Beiträgen der Mitglieder 501.00 M. b) an außerordentlichen Beiträgen von Gemeinden, Vereinen und Privatpersonen 2,309.97 „ c) an Zinsen 2,108.92 „ 1,919.89 M. Legat Hertz 300.00 „ Verausgabt sind au Verwaltungskosten, Porto, Drucksachen rc. 161,90 „ so daß zu verrechnen bleibt 4.457.99 M. Hiervon kommt nach § 11 der Statuten pro 1886 die Hälfte zur Vertheilung. Unterstützungsberechtigt sind 11 Familien mit 461 /4 Autheilen, und es ist daher der Unterstützungsantheil auf 48 M. festgesetzt. Das Vermögen des Vereins besteht jetzt etwa aus 55,600 M. Darauf wird beschlossen, der Vorstand solle beim Ober - Präsidien von Rheinland und Westfalen beantragen, eine Kollekte für die Kasse abhalten zu dürfen. Sodann wurde § 7 der Statuten wie folgt abgeändert: „Wer nicht gleich nach bestandener Prüfung der Kasse beigetreten ist oder wer von anderswo nach Westfalen oder der Rheinprovinz verzieht, hat, wenn er die Mitgliedschaft erwerben will, die betreffenden Beiträge vom Beginne feiner init einem Einkommen verbundenen Lehrthütigkeit überhaupt nachzuzahleu". Herr Ostwald-Witten erhielt jetzt das Wort zu seinem Vortrage: „Ueber Autorität und Kollegialität". Der Kern des gediegenen Vortrages lag in einer Reihe von Thesen vor, die nach lebhafter Debatte en bloc angenommen wurden. Die Thesen lauten: 1. Der Lehrer bereite sich auf jede Amtshandlung gründlich vor; 2. er achte sorgfältig auf sein Auftreten in der Schule wie im öffentlichen Leben; 3. er meide jeden intimen Verkehr mit Personen, die ihm keine Ehre machen; 4. er mische sich nicht in Privatangelegenheiten anderer und stelle sich bei Differenzen innerhalb der Gemeinde über die Parteien; 5. er dulde aber auch keinen Eiitgriff in seine Rechte; 6. er wirke für die Oeffentlichkeitserklürung der Schule; 7. er pflege die Collegialitat. Ebenso fand folgende Resolution Annahme: „Die Konferenz erklärt es für unstatthaft, daß ein Lehrer am Wirkungsorte eines Kollegen ohne dessen spezielle Genehmigung irgend eine Anttshandlung vornehme". Nun wurde Krefeld als Konferenzort für das nächste Jahr festgesetzt, und der Vorstand der Synagogen-

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