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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-06-17 · N° 25. (17.6.1886) · p. Seite 209

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 25. (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
Seite 209 (sequence 13)
Language
German
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— 209 - -es Vorstandes der ersten Gemeinde Deutschlands sich anschlössen. — Von einer besondern Petition „Deutscher Rabbiner" glaubte der genannte Central-Ausschuß aus leicht begreiflichen Gründen Abstand nehmen zu sollen. Werkt«, 21. Juni. Die Nachricht, daß Pros. Schwenningcr seinen Patienten nur rituell geschlachtetes Fleisch verordnet, haben Eie mit Recht bezweifelt. Diese von einem orthodoxen Blatte in die Welt gesetzte „geschachtete Ente" muß dasselbe jetzt selbst widerrufen. Ob durch solche „sensationelle" Mittheilungen der guten Sache gedient wird, mögen -ie gesetzestrcuen Leser jenes Blattes selbst beurtheilen. Grfurt, 22. Juni. (Or.-Corr.) In der gestrigen Sitzung der 9 Repräsentanten fand die wiederholte Rabbinerwahl statt. Der Vorstand hatte eigenthümlicher Weise dem Collegium nur die Wahl zwischen den zwei Candidaten Salzberger-Culm und Krakauer- Pasewalk gelassen, indem er von vornherein erklärte, daß er nur die Wahl eines dieser beiden Candidaten bestätigen würde. Obwohl hiernach eine Wahl Gold schmidt's-Weilburg aussichtslos war, hatte dennoch nach langer, sehr heftiger Debatte Or. G. 4 Stimmen auf sich vereinigt. Die anderen 5 erhielt vr. Salzberger. Es sei noch bemerk! daß nach dem Protokoll des Vorstandes der Vorsitzende desselben (Or. Wahl) Herrn Dr. Goldschmidt als „am geeignetsten" zum Rabbiner für Erfurt erklärt hatte. Ob Herr vr. Salzberger nach sothanem Stimmverhältniß die Wahl annehmen wird, steht -noch dahin. Es würde, sagt man hier, die Würde des Rabbinervorstandes nur heben, wenn die Collegen eines Verbandes die Ehre des ganzen Standes .in's Äuge faßten, eingedenk des “J-Qn T!33 VT Ein solches Zusammenhalten würde doch manchem Vorstande eine wohlverdiente Lection geben, so aber denken die Herren am grünen Tische: „An Candidaten fehlt's ja nicht, da können wir mit ihnen nach Belieben umspringen, ist es nicht der,rso ist es der; es findet sich schon Einer!" Waden-Aade«. Die hier weilende Kaiserin Augusta empfing Frau Lrua Morgenstern in Audienz, um sich auf's huldvollste uud mit erfreulichster Theilnahme nach dem Erfolge ihres jüngsten Aufenthalt im Süden zu erkundigen und den Wunsch auszusprcchen, daß Frau M. noch eine Zeitlang in Baden zur Erholung verweile. Ihre Maj. sprach mit der ihr eigenen regen Theilnahme von der Frauenthätigkeit rm Vereinslebcn, auf welchem bekanntlich Frau Morgenstern so Unvergängliches geschaffen und zeigte sich von Allem unterrichtet, was auf diesem Felde geschieht. ßassek, 20. Juni. Der antisemitische Congreß, der hier vorige Woche tagte, ist fast unbemerkt verlaufen. Es waren nur die rainoruva gentium erschienen, die „Häuptlinge" glänzten durch Abwesenheit. Nach einem Referat der „Hess. Morgenzeitung" war man so unvorsichtig zu verrathen, daß die Tendenz der ganzen antiscm. Bewegung auf Aufhebung der Emancipation der Juden gerichtet sei. Es waren im Ganzen etwa 20 Getreue erschienen. Der ganze Kongreß zeigte, daß der Antisemitismus verkracht sei, wie seine Presse durchgefallen ist. Bemerkenswerth ist, daß die Konservativen, namentlich die Subalternbeamten, welche vordem ein großes Kontingent zu den Antisemitenversammlungen gestellt haben, dem Kongreß fern geblieben sind. Nyönik H. Schl. Herr Samuel Schüsser hier schenkte unserer Synagoge eine sehr schöne Sefer Thora, die am ersten Tage des Schowuausfestes in den geschmückten Tempelräumen in feierlicher Weise cingeweiht wurde. So war dieses Fest für uns in wörtlichem Sinne ein min jnü ein „Fest der Thora-Schenkung". Wie«. Im Jahre 1885 sind hier 248 Juden zum Chriftenthume übergetreten. Dem gegenüber haben sich 68 Christen in den Bund des Judenthums aufnehmen lassen. Seit 1868, seitdem es den Juden gesetzlich fretsteht, Proselyten anzunehmen, sind in Wien 1407 Christen zum Judenthum übergetreten. Zürich. Die Bewegung gegen unsere Schlachtmethode geht hauptsächlich von den Thierschutz-Vereinen aus, die hier ihren Centralpunkt haben. Hier in Zürich ist ein allgemeines Schlachthaus, das unter der Aufsicht der Behörde steht. Bei jeder Schlacht - Operation assistiren nicht nur der Vorstand des Schlachthauses, sondern auch ein Thierarzt und ein Abgeordneter der Polizei. Es läßt sich denken, daß, wo die Schlacht-Operation öffentlich vorgenommen wird, kritische Vergleichungen unausbleiblich sind. Der hiesige Thierschutz- Verein intervenirte denn auch beim Bundesrath, daß derselbe ein Gesetz erlasse, dieThiere vor demSchächten wenigstens zu betäuben. Petersburg. Die russische Regierung hat ein neues Ausnahmegesetz gegen die Juden erlassen und zwar betrifft dasselbe die Ableistung der Militärpflicht. (Wir werden die Hauptpunkte desselben in nächster Nr. mittheilen.) Warschau. Hier existirt (in der Nowalipki-Str. 177) eine Anstalt zur Kräftigung von aus den Hospitälern entlassenen armen Kranken, in welcher diese eine Woche bis zu Wiedererlangung ihrer Kräfte verpflegt werden. Diese Pflege wird ohne Unterschied der Confession gewährt und wurden im I. 1885 gegen 300 unserer Glaubensgenossen, für die eine besondere Abtheilung gesteht, darin ausgenommen. Demgegenüber ist es zu beklagen, daß die Anzahl der beitragenden israelitischen Mitglieder dieser Anstalt sehr gering ist. Man hört schon Stimmen laut werden, welche eineAusschließung der Israeliten als erwünscht und durch die geringen Beitrüge von Israeliten als gerechtfertigt erklären. Joppe. Ein deutsches Kriegsschiff landete hier behufs Ausmusterung der unter dem Schutze Deutschlands stehenden Bewohner des heiligen Landes zum Militär. Auf Aufforderung des deutschen Consuls haben sich auch alle Militärpfttchtigen eingefunden. Bonden Juden wurde kein einziger tauglich befunden. (Das Land, welches einst nach Erzählung derSchrist,Riesen hervorbrachte, ist heute ein Land,das au dem Lebensmark seiner Bewohner zehrt, avi j-pSttTp n^DlK JH8) Amerika. In Little Rock (Ark.) hat die jüdische Gemeinde temporär ihren schönen Tempel einer protestantischen Gemeinde zur Verfügung gestellt, darin ihren Gottesdienst abzuhalten und Religionsunterricht zu ertheilen, wenn derselbe nicht von der jüdischen Gemeinde benutzt wird. (Das ist drüben auch schon in andern Gemeinden vorgekommen, z. B. in St. Louis, zu bill'gen ist solche Vermischung nicht.) Mittheilmrgen ans dem IT. O. B. B. Oftrowo, 20. Juni. (Eger Loge) Bor acht Tagen erst berichteten wir Ihnen über ein schönes, frohes Jest. das wir'feierten, heute ist es leider ein Todesfall, der unsere jltnge Loge auf's Schmerzlichste und Tiefste berührt. Am 13. d. M verstarb'Hierselbst unser'Biee Präsident Brnder Nathan Iriedlände r, einer der Begründer hiesiger Loge, inr Alter von 50 Jahren. Der Verblichene war nicht nur eine Zierde nnserer Loge, sondern auch einer der hochgeachtetsten Bürger unserer Stadt und Gemeinde and bekleidete derselbe viele Jahre hindurch die höchsten städtischen Ehrenäinter. Als Zeichen ihrer Verehrung übersandte die Loge der trauernden J-amilie durch eine Deputation von 2 Brüdern einen prachtvollen Kranz mit Widmung für den thcuren Tvdten. — Das Leichenbegängnis;, ivelches heute Nachmittag 4 1kl,r stattfand, bot einen imposanten Anblick dar und betheiligten sich an demselben 1 Delegirter der Lessing Loge, alle unsere hiesigen nebst einer großen Zahl auswärtiger Brüder nnserer Loge, die städtischen Behörden in corpore, die Schübenllilde und eine unabsehbare Anzabl von Freunden und Bekannten aller Konfessionen und Stände. In tief ergreifender Rede zeichnete der Rabbiner hiesiger Gemeinde. Herr Dr Pleßner, die hervorragenden Charakter Eigenschaften, welche den Verewigten an Geist und Gemüth zierten und hob besonders hervor, wie derselbe durch sein gutes Herz es verstanden die Liebe und Achtung Aller ohne Unterschied deS Standes und der Confession sich zu erwerben. — Dieser Rede schloß sich unmittelbar da'- vom Präsidenten nnserer Loge an der Bahre des Pal,ingeschiedenen feierlich vorgetragene Gebet an, das auf die Anwesenden sichtbar großen Eindnlck machte, -rief ergriffen versammelten sich hierauf sämmtliche Bruder im Logensaal zur Abhaltung einer Trauerloge. In warmen ]u)tt)uu£|liollcu ©ovtoii iicbadjte der Präsident, auf den slnruinljilltten verwaisten Sitz des Vieepräsidenten deutend, des großen Verlustes, den wir durch den frühen Heiingang unseres Brnder Viccpräsioenten erlitten welcher von der Gründung der Loge bis zu seiner Krankheit mit großen; und hingebender Liebe für unseren Orden gewirkt und gestrebt. Nachdem, noch die Loge die Abscndung einer Beileidsadresse an die Ä'ä, acht bare Wittive beschlossen, endete die erhebende Feier. (Auch m allen >vchwesterlogen zollt man diesem schweren Trauerfall innigstes Beileid. Der Allvater be,chütze den Orden vor solchen Verlusten, und sende den Trauernden seinen Trost! — Red)

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