Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 25. (17.6.1886)
- Date
- 1886-06-17
- Page
- Seite 208 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-9585330-9585549--6259-9585561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 208 — sucht-.Krankheit. Wir können cs jedoch schwarz auf weiß Nachweisen, daß es schon in alter Zeit Bezirks-Rabbinate in Mähren gab und destomehr in unserer Zeit. Jede Cultusgemeinde, zu welcher ein Bctverein in ihrer Umgebung gehört, war immer ein Bezirks-Rabbinat. So waren Pro'ßnitz, Holleschau, Leipnik schon in alter Zeit Bezirks- Rabbinate. Durch die seit dem Jahre 1878 behördlich neu einget heilten Matrikenbezirke. wonach zu so mancher Cultusgemeindc so viele Ortschaften und mehrere Betvereine gehören, giebt es sogar von der Behörde anerkannte Bez.-Rabbinate. Rechnet man noch den Umstand hinzu, daß im Mähren'schen eine Reihe von Jahren so viele Gemeinden ohne Lokalrabbiner sind und die Rabbiner aus ihren Nachbargemeinden als Rabbinats-Substitute bestellen, wo also in der That die betr. Rabbiner zwei Genieinden in der Seelsorge re. vertreten, welcher alte, unparthciische, vorurtheilslvse mährische Baal-bajis wird solche Rabbiner der Reclamesucht beschuldigen? Wir führen nur einige solche uns in Mähren wohlbekannte Bez.. Rabbinate hier an: Nikolsburg, Proßnitz, Holleschau, Butsch owitz, (wozu Austerlitz gehört) Damboritz. (hat zwei Bez.-Vereine: Stcinitz uiid Klobank und 15 zu ihm anhörende Ortschaften); die Cultusgemeindc Gaya wird dem Damboritzer Rabbiner substituirt. Aber auch der betr. Bez.-Rabbiner-Predigcr, von dem vor einigen Monaten in diesem gesch. Bl. indirikt berichtet wurde, daß ihm seine Gemeinde den großen Theil seines Gehaltes schuldete, ist in aller Wahrheit und Wirklichkeit ein Bezirks-Rabbiner, sowie er in der That Religionslehrer über zwei Decennien an der öffentlichen Schule in seiner Gemeinde ist. Ter verewigte Landesrabbiner Abraham Platsche! s. A. hat sogar demselben im Jahre 1878 selbst hierzu den Impuls gegeben, sich Bezirks-Rabbiner zu nennen und zu zeichnen. Zum Schlüsse wollen wir nur noch bemerken, daß wir diese Entgegnung sofort nach dem Erscheinen der „Briese aus Mähren" veröffentlicht hätten, doch wollten wir abwarten, ob nicht von berufenerer Seite eine Richtigstellung erfolgen würde; da aber dies bis heute nicht geschehen, so fomiteii wir im Interesse der Wahrheit und der Ehre der Thora nicht länger schweigen, damit das Schweigen nicht für Zugeständnis gehalten werde. Amittl. Aus Hakizien, im Juni. (Or.-Corr.) Wie in Ungarn, so müssen auch hier nach einem h. Erlasse die isr. Schüler in den Mittelschulen am Sabbath schreiben, und wenn ein isr. Schüler sich nicht fügt und den „Sabbath" bei einer schriftlichen Arbeit vorfchützt, so kann er vom Schulbesuch ausgeschlossen werden. Der Schomer-Jsrael in Lemberg hat ein Gesuch um Aufhebung dieses Erlasses eingebracht, aber sie hat bis jetzt nichts genützt; es sollten von vielen Gemeinden Petitionen überreicht werden, dann dürfte ein günstiges Resultat erfolgen. Freilich dürften auch in jüdischen Blättern von solchem Einfluß, wiedie Wiener „Neuzeit", die Herr Prediger Jellinek mit feinem Geiste befruchtet, nicht ciuusi-wissenschaftliche Artikel erscheinen, die aus dem Talmud und Schulchan-Aruch zu beweisen suchen, daß das Schreiben am Sabbath gar nicht religionsgesetzlich verboten sei— dem gegenüber nützt alles Petitioniren nichts. Aest. Vor mehreren Monaten wurde Herr Rechtsanwalt Di*. Engellaender hier auf Veraulassung des Obergespans Georg Just wegen Beschuldigung einer Wechselfälfchung inhaftirt. Herr Dr. E. ist einer der geachtetsten Personen der Stadt, und hatte dieser Fall viel Staub aufgewirbelt. Die Haft dauerte freilich nur einen Tag, denn bald stellte sich heraus, daß die Anklage vollständig aus der Luft gegriffen, so daß es gar nicht zur gerichtlichen Verhandlung kam. Herr Just aber blieb unbestraft! Engellaender ist Jude und was lag dem verflossenen Justizminister Pauler daran, wenn einem Juden Unrecht geschah? — Unter Fabiani ist der genannte Obergespan bereits seines Amtes entsetzt, u. zwar enthält das Decret seiner Pensionirung nicht ein Wort der Anerkennung für dem Vaterlande geleistete Dienste re. — „Gleiches Recht für alle" dieser oberste Rechtsgrundsatz, ist lange genug von dem verstorbenen Justizminister zum Schaden der Juden vernachlässigt worden. Numärrien. Mukarest, 14. Juni. (Or.-Corr.) Ich sende Ihnen inliegend einen Ausschnitt aus dem hies. „Buk. Tagebl." vom 12. d. Mts., damit Ihre Leser einmal zu lesen bekommen, wie ein rumänischer Senator über uns Juden spricht. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation des Herrn Gherghel über die Abnahme der christlichen Bevölkerung und Zunahme der jüdischen in den oberen Theilen der Moldau. Herr- GH erg Hel verbreitet sich über die Juden im Allgemeinen und im Speziellen über diejenigen, welche die Moldau bewohnen und konstatirt, daß überall wo der Jude festen Fuß faßt, der Rumäne verschwindet. Hierfür macht Redner den S^litätsrath verantwortlich, der interveniren müßte, um die Rumänen zu schützen; er kann jedoch das aus dem einfachen Grunde nicht thun, weil die Aerzte, die er auf dem Lande^ ernennt, Juden sind. Ein schlagendes Beispiel sei Dr. Kremmer. Die Einwohner von Dorohoi hatten die Ernennung eines rumänischen Arztes angestrebt, der Sanitätsrath aber auf Anrathen der Juden der Stadt geantwortet^ daß das nöthige Geld hiezu fehle. Drei Wochen daraushabe Dr. Felix den Dr. Keemmer zum Arzt für Dorohoi ernannt, obgleich derselbe ein Jude und dazu noch kein naturalisirter sei. Herr Gherghel fragt den Kultusminister, ob er wisse, daß in den jüdischen Gesetzen ein Artikel vorhanden ser, der den Juden vorschrelbt, die Christen zu tobten^ (Großes Gelächter.) Warum vertraut man nun die Rumänen der Pflege der jüdischen Aerzte an? Redner spricht sich noch des Weiteren über die Gier der Juden nach Geld, über die Art und Weise, wie sie die Gesetze umgehen, aus und fordert schließlich die Regierung auf, eine Untersuchung anzuordnen und dann die gesetzgebenden Körper zur Ergreifung von Maßregeln zusammenzuberusen. vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Herr Moritz Baum in Frankfurt a. Mhatte gegen das den Redacteur dieses Blattes öa» jeder Beleidigung freisprechende Urtheil vom 6. October 1885 (wegen eines Artikels in Nr. 83 dies. Bl. „Vom Rhein", Jahrg. 1884, als dessen Verfasser Herr Rabbiner Dr. Lewin, z. Z. in Coblenz, sich ihm genannt hatte) Berufung beim hiesigen Landgericht eingelegt; dieselbe ift pure ooit der Strafkammer verworfen und Herr Baum auch in die Kosten dieser Instanz. verurtheilt worden. (Näheres nach Zustellung des Erkenntnisses. Red.) ZLertin. Der Mangel einer Centralleitung der Gemeinden in Deutschland stellt sich bei jeder Angelegenheit, die ein gemeinsames Vorgehen erheischt, heraus. Man hatte gedacht, daß es durch den deutsch-isr. Gemeindebund in dieser Beziehung besser geworden sei, aber die alle Gemeinden gleichseyr tangirende Gefahr, die dem rituellen Schächten droht, zeigt eine Zerrissenheit der Gemeinden wie je zuvor. Von allen Ecken und Enden sprießen jetzt Entwürfe von Petitionen an den Reichstag in -dieser Angelegenheit hervor: Von den Sepuratgememden in Frankfurt a. M., Mainz, Berlin, auch vom Rabbinat in Hannover, werden größere und kürzere Schemata versandt und die Gemeinden zum Anschluß aufgefordert. Daß das Präsidium des D.-J. G.-B. irgendwelche Schritte zur gemelnsamen Abwehr bet Gefahr gethan hätte, ist uns nicht bekannt worden. Desto anerkennenswerther ist es, daß der Vorstand der Berliner Gemeinde (einer gemeinschaftlichen Anregung des hies. Rabbinats und des hier jüngst versammelten „Cenrral-Ausschusses des deutschen Rabbinerverbandes" zufolge) beschlossen hat, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen und sich mit einer Petition an den Reichstag zu wenden, die den Gemeinden behufs Anschlusses dieser Tage zugehen soll. Es wäre wünjchenswerth, wenn recht viele Gemeinden dieser Petition.