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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-06-17 · N° 25. (17.6.1886) · p. Seite 207

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 25. (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
Seite 207 (sequence 11)
Language
German
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Ober-Rabbiner Dr. Landau die HH. Anerbach und Cantor Wolfsohn. Der Gemeindebeitrag zuin Deutsch-Israel. Gemeindebund beträgt 60 M. An Herrn Or. Rülf iu Memel wurden 571 M. 60 Pf. gesandt für die ausgew. russ. Glaubensgenossen. Der Kassenbestand betrug am 31. Decbr. 42872.21. Die Einnahmen von M. 37146.49 balancirten mit den Ausgaben von M. 36807.98. Im Rahmen der Gemeinde bestehen 11 Wohlthätigkeitsvereine, über die Ihnen ja schon vor einigen Wochen berichtete. Ihr Gesainmtvcrmögen bezifferte sich am Schlüsse des vor. Jahres auf 210,990 M. 67 Pf. Könitz, W.-Pr., 10. Juni. In sehr vereinzelten Fällen hört man nur hier und da nvch heut zu Tage von Aberglaube, Hexen und Zauberern. Daß aber im 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der die Kultur der Menschheit soweit vorgeschritten ist, von Aberglaube die Rede ist und zumal in einer Stadt, durfte wohl etwas sehr Seltenes und daher in dieser Zeitung erwähnt zu werden werth sein. Es wohnten Hierselbst in einem Hause eine alte jüdische Wittwe und die Familie eines Musikers. Als in voriger Woche ein Kind derselben krank wurde, besuchte sie die jüd. Wittwe. Dieselbe neigte sich auch über das Kind hin, um zu sehen, wie es sich befinde. Als nun das Kind tags darauf heftiger erkrankte, bildete sich die Frau ein, die alte jüd. Wittwe hätte ihr Kind behext. Bald darauf rief sie die Wittwe unter dem Vorwande, sie möchte doch sehen, was ihr Kind mache. Als sie in das Zimmer getreten war, wurde sie von der Frau des Musikus geschlagen, indem sie sagte, daß ^ie ihr Kind behext hätte Außerdem hatte die jüd. Wittwe sehr viel von den andern Musikern, die in demselben Hause wohnten, zu erleiden. Es zeigt dieses wiederum, wie vorsichtig man sein muß, um nicht das Opfer irgend eines schändlichen Spieles zu werden. Wie wir vernehmen, wird die Sache noch ein richterliches Nachspiel haben. Aus Kessen. Am 12. d. M. feierte die israel. Gemeinde zu Niederaula ein Fest, das sowohl sie selbst, als auch ihren Lehrer Herrn G. Oppenheim ehrte, der mit dem Laufe dieser Woche die Stelle dvrtselbst verläßt, um solche mit der in Treysa Hu vertauschen. Nachdem er sich bei dem Morgengottesdienste von der Gemeinde verabschiedet, versammelte sich am Nachmittage Groß und Klein zu einem Abschiedsfest. In einer Ansprache gab als Repräsentant der Gemeinde Herr Nußbaum den Gefühlen der Versammlung treuen Ausdruck. Der Trinkspruch des Herrn Oppenheim galt dem ferneren Fortblühen der Gemeinde, während Herr Lehrer Stein aus Raboldshausen, der als Gast dem Abschiedsfeste beiwohnte, der Gemeinde im Namen aller isr. Lehrer Hessens seinen Dank dafür aussprach, daß sie ihren Lehrer so geehrt, denn „die Ehre, die einem Collegen widerfährt, sei eine Ehre für Alle". Es wechselten noch ernste und heitere Reden und man schied erst in später Nacht mit dem Wunsche, daß Herr O. in seinem neuen Wirkungskreise dieselbe Anerkennung finden möge, die er hier gefunden. Oesterreich-Ungarn. Arag. Die Schul- und Studienjahre sind und bleiben dach, trotz allem Schweiße, der ihnen ankl bt, die glücklichste Zeit des Lebens. Wie sollten sie dieses auch nicht! Sie gehören ja unserem Lebensfrühlinge an, in welchem das Gefühl des innern Wachsens die Seele tagtäglich mit neuer Wonne füllt. Wie fröhlich keimt und treibt und sproßt es da in den jugendlichen Geistern und Herzen! Die Gegenwart durch das Streben nach bewußtem idealgefärbtem Ziele gehoben, die Zukunft mit hellleuchtenden Hoffnungsbildern ausgeschmückt: was könnten da kleine Lebenssorgen, die dann und wann an manche der jugendlich Strebendem herantreten, ihnen anhaben? Es ist die Zeit der echten Lebensromantik, welcher der Jugendübermnth in manchen muthwilligen Streiche den Beglaubigungsstempel aufdrückt. Selbst im späten Greisenalter denkt man noch mit freudigem Humor an diese Lebensperiode zurück. So ist es wohl bei den Meisten: doch giebt es auch eine Anzahl Bedauernswerther, denen diese Zeit weder in der Wirklichkeit der Gegenwart, noch in der Erinnerung so lichtvoll erscheint, erscheinen kann. Es sind dieses die sogenannten „Tagesser", d. h. solche junge Leute, welche das Schicksal so karg mit Mitteln versorgt hat. daß sie während ihrer Schul- und Studienzeit nur durch Wandeltische, welche die Barmherzigkeit ihnen bewilligt, ihr Leben fristen müssen. Es ist das eine trübselige Gegenwart, welche der leichte Sinn der Jugend nicht ganz zu verwinden vermag, und trübselig bleibt diese Zeit auch noch in der Erinnerung. Jeden Tag an einem andern Tische, oft gar nicht einmal im Speisezimmer, sondern bei weniger zartiühlenden „Herrschaften" in der Küche essen müssen: das ist wenig geeignet, bei einem jungen Menschen, der mil seinen Studien die höhern Kreise des Lebens anstrebt, das Selbstgefühl zu heben und den Charakter zu bilden und zu festigen. O, wie manche verlorene Existenz ist auf Rechnung dieses traurigen Verhältnisses zu stellen! In Prag, zu dessen Lehrstätten ein so großer Zufluß von auswärtigen isr. Schülern stattfindet, unter denen auch viele unbemittelte sind, haben schon vor einigen Jahren wackere Männer ihr Augenmerk auf diesen Uebelstand gerichtet und demselben durch Stiftung eines „Freitisch- Vereines" Abhilfe zu schaffen gejucht. Der jüdische Wohlthütigkeitssinn verleugnete sich auch hier nicht. Bald waren soviel beitragende Mitglieder eingctreten, daß für die sämmtlichen unbemittelten auswärtigen isr. Schüler ein gemeinsamer Mittagstisch eingerichtet werden konnte und zwar gegenwärtig in dem Triet'schen Gasthofe (Inhaber Herr Moritz Schlesinger) in der Würfelgasse Nr. 117. Wenn dieses schon ein sehr lobenswerthes Unternehmen ist, so wird es das noch in erhöhtem Maße durch die Mühewaltung, welcher die Comitsmitglieder sich bei der Ausführung unterziehen. Ich habe bei einer jüngsten Anwesenheit in Prag Gelegenheit genommen, die Speisung der jungen Leute mitanzusehen. Wenn ich nicht irre, betrug die Zahl der Speisenden 120, Schüler aus allen Lehrklassen und Lehranstalten. Von den Herren des Comitss sind abwechselungsweise täglich jedesmal drei zur Stelle. Präcis 12 Uhr beginnt das Essen und präcis 12 Uhr treten auch die betreffenden drei Comitsmitglieder ein. Es sind dieses Herren aus den verschiedensten Ständen, Berufsarten und Stellungen, welche ihre Geschäfte oder ihre Bureaux, selbst bei dringendster Arbeit, zur bestimmten Stunde verlassen, um hier eine der fcfjönfteii Liebespflichten zu üben. Sie prüfen die Speisen, beaufsichtigen die Tischordnung und besorgen die Einträge in das Tagebuch. Gott lohne ihnen ihre Liebesthaten! Aus Mähre«. In Nr. 16 Ihrer gesch. und. auch bei uns vielgelesenen „Wochenschrift" wird in einer zweiten Serie „Briefe aus Mähren" von einem Herrn Jssaschar Beer, über viele namenlose Rabbiner in Mähren das Schwert der Kritik unerbittlich geschwungen. Wir wollen uns durchaus nicht in eine Polemik einlassen, aber im Interesse der Wahrheit erachten wir es als Pflicht, mancher Entstellung entgegenzutreten. Jeder alte ehrliche Baal-Habajis in Mähren kann es bestätigen, daß wir in Mähren schon seit Decennien keinen Rabbiner aus ungarischen Jeschiboth mit „deutscher Afterbildung" besitzen. Schon seit dem Jahre 1848 existirt hierüber ein Mmisterialerlatz, daß kein Rabbiner in Mähren angestellt werden darf, der nicht den Nachweis über absolvirte philosophische und pädagogische Studien geführt, von dem jeweiligen Landesrabbiner approbirt und von der hohen k. k. Statthalterei bestätigt worden. Schreiber dieses ist ein Mähre und ist mit den mährischen Gemeinde- und Rabbinerverhältnissen wohl bekannt und vertraut, er kennt beinahe sämmtliche mährischen Rabbiner der All- und Neuzeit, aber unter allen keinen Einzigen aus einer ungarischen Jeschlwah mit einer deutschen Afterbildung. Ferner macht es der alte mährische Baal-bajis streitig, daß es überhaupt in Mähren Bezirks-Rabbiner gebe, und wenn einige Rabbiner sich dann doch so nennen, so sieht er darin eine Titel- und Reclame-

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