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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-06-17 · N° 25. (17.6.1886) · p. Seite 201

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 25. (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
Seite 201 (sequence 7)
Language
German
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- 201 — «iner synagogalen Trauung zu suchen, zu einem wesentl. Theile aber gewiß, daß man nicht immer wünscht, fremden Neugierigen zur Befriedigung ihrer Schaulust zu dienen. (Es liegt uns über diese Frage ein längerer Artikel Dar, den wir nächstens bringen werden. Red.) Atatow, W.-Pr., Ende Mai. (Or.-Corr.) Am Montag, den 24. Mai, schied aus unserer Gemeinde durch Uebersiedelung nach Berlin der erste Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde, Herr P. Pink. Derselbe hatte dieses Amt 28 Jahre bekleidet. In treuer, liebevoller Hingebung hatte er sich den Gemeindeangelegenheiten gewidmet; er hat in seiner langen Amtsperiode gezeigt, wie man das Wohl einer Gemeinde fördern, wie man auf ihr Gedeihen bedacht sein muß. Zu Ehren desselben wurde Sonnabend den 20. Mai ein Abschiedstrunk gegeben, an dem über 30 Personen theilnahmen. Von Herrn R. Elkuß, der ebenfalls Vorsteher der hiesigen Gemeinde ist, wurde ihm unter einer Ansprache ein sehr werthvoller Regulator mit entsprechender Widmung überreicht. Zahlreiche Trinksprüche und Lieder würzten die Feier, die bis 2 Uhr die Theilnehmer beisammen hielt. Von der Liebe und Achtung, die sich Herr Pink selbst unter den andern Confessionen erworben hatte, zeugte die große Anzahl von Personen, die bei seiner Abfahrt auf dem Bahnhofe erschienen war, um ihm ein letztes Lebewohl zuzurufen. Würzburg, 10. Juni. Das hiesige israelitische Spital, das vor zwei Jahren eröffnet wurde und dessen Gesammtvermögen sich nicht über 20,000 Mk belief, ist von dem hier verstorbenen Advokaten Or. Ohlesheimcr zum Erben seines 65,000 Mark betragenden Vermögens eingesetzt. iH Salzburg. Auf der hier tagenden Hauptversammlung des deutschen Schulvereins für Oesterreich (an 700 österr. Delegirte und viele Gäste aus dem deutschen Reiche), der auch der Statthalter Graf Thun beiwohnte, rügte der Obmann des deutschen Schulvereins in Wien, Herr vr. Weitlvf, die Unduldsamkeit, die durch die Zeit- und Streitfrage des Antisemitismus in die Kreise des deutschen Schulvereins getragen werde. Die Abstimmung über die Anträge einiger Ortsgruppen, welche zum Endzwecke hatten, die Juden als Nichtdeutsche von dem deutschen Schulverein au szusch ließen, ergab eine Ablehiiung mit allen gegen 22 Stimmen. Aaris Im „Petit Parisien" liest man: „Der Marine- Minister Admiral Aube hat in seiner Rede in St. Jean d'Angöiy sich so geäußert: „Frankreich ist das Land des Rechts, das Land der Freiheit. Und welches ist das erste aller Rechte, die erste aller Freiheiten? Das Recht der Glaubensfreiheit, der Gewissensfreiheit!" — Hier ein Exempel, wie das Recht der Gewissensfreiheit in der Marine berücksichtigt wird: Ein Matrose aus der Bretagne, jüdischer Religion, hat 15 Tage Arrest erhalten, weil er — am Charfreitag sich erlaubte, Fleisch, das er sich aus der Stadt geholt, an Bord zu essen. Dieser Unglückliche mußte auch vor Antritt der Strafe der Abendmesse beiwohnen.. . Nun denn, Herr Marine-Minister: Ehe Sie so beredt von Gedankenfreiheit sprechen, verschaffen Sie ihr Respect bei Ihren Untergebenen!" — — Wenn diese Nachricht wahr ist, dann brauchen wir in Deutschland das „Land der Freiheit" nicht um seine Freiheit zu beneide»!. — Petersburg. „Hameliz", der bisher nur zweimal wöchen tl»ch erschien, wird vom nächsten Quartal ab in ein Tageblatt umge»vandelt. Auch die sistirte Zeitschrift „Mizpeh" .soll wieder im Laufe des Sommers ausgegeben »verden. — Die in Warschau erscheinende hebr. „Hazephira" redigirt von N. Svkoloiv, erscheint bereits seit einigen Monaten täglich; ebenso „Hajom" in Petersburg. Marschau. Ein selten entsetzliches Unglück hat hier stattgefunden. Einem Kutscher (Jsr.) wurde plötzlich das Pferd störrig. Der Kutscher stieg ab, um das Gebiß straminer anzuziehen, da — biß ihm das Pferd plötzlich den Unterkiefer ab und verschlang ihn sammt dem langen Bart und den Zähnen. Das Pferd fiel sofort tot nieder, und auch .der unglückliche Kutscher, der eine Frau mit 5 Kindern hinterläßt, hauchte bald unter schrecklichen Schmerzen sein Leben aus. — Kijkis. In unserer Gemeinde, die größtentheils aus ausgedienten Soldaten besteht, sind 8000 Rubel zürn Bau einer Synagoge gesammelt »vordem Mittheilungen ans dem U. O. B. B. Gleiwitz, 8. Juni. Was ist Humanität? Dem Wortlaute nach ist sie der Inbegriff alles Humanen, d. i. Menschlichen, alles dessen, was den Menschen an und für sich, sowie in seiner Stellung zur gesammten Menschheit angeht, was ihm angemessen ist. ihm geziemt. Sie ist die Menschlichkeit, die Gott dem Menschen in's Herz gelegt hat, damit sie in ihm zur unversiegbaren Quelle der Tugend, d. i. aller guten, menschenwürdigen Handlungen werden soll. Die Humanität begreift soweit in sich Alles, was den Menschen zum wahren Menschen stempelt. — das Rein- und Allgemein-Menschliche. Sie ist der Gegensatz zur Brutalität und Bestialität und somit die einzige Macht, welche den Menscheir aus dem'Zustande des Egoismus u.Thierschen emporhebt auf die Höhe sittlicher Vollkommenheit. Die Humanität ist die gewaltige Triebfeder, die den Menschen aus den beengenden Schranken der Eigenliebe und Selbstsucht herauszieht und ihm jene Achtung vor seinen Mitmenschen, jene Duldsa'm k e it gegenüber ihren Bestrebungen einflößt, die er unbedingt bethätigen muß, wenn er auf eine ebenmäßige Achtung seiner Menschenwürde, auf gleiche Anerkennung seiner Verdienste Anspruch machen will. Die Humanität erweist sich ferner als die Kraft, die das im tiefen Innern der Menschenbrust schlummernde Mitgefühl erweckt, als der göttliche Funke, der in das Herz des Menschen dringt, um in ihm die heilige, Alle gleich umfassende Flamme der Menschenliebe zu entzünden, jener hochherzigen Liebe, die den Menschen zum edelsten und erhabensten Wesen in Gottes reicher Schöpfung stempelt. Und so erkennen wir in der Humanität die echte, wahre und reine Geisteslind Herzensbildung des Menschen. Wir gewahren ihren »vohlthätigen Einfluß in der dem Nächsten im Gewände der Menschenfreundlichkeit kundgcgebencu dienstbeflissenen Artigkeit und Gefälligkeit, sowie in der toleranten Achtung jeder ehrlichen Meinung und Bestrebung; »vir begegnen ihr in dem Ausflusse der Menschenliebe, in allen Aeußerungen des Mitgefühls, von der Leutseligkeit an durch alle Erscheinungen der Mildthätigkeit und Barmherzigkeit hindurch bis zu ihrer endlichen Apotheose in der freudigen Hingebung und Selbstaufopferung für das allgemeine Wohl der gesammten Menschheit, kurz, »vir erblicken in ihr die Mutter der Bildung, Gesittung und Duldsamkeit, der werkthätigen Liebe, des heroischen Edelmuthes, — die Schöpferin des Wahren, Guten und Schönen, des Großartigen und Erhabenen, — den heiligen Born aller inenschlichen Tugenden, aller hohen Verdienste. Daruiu bezeichnen wir mit diesem einen Worte den Inbegriff all' der schönen, herrlichen und erhabenen Ideen, die unser Orden zu venvirklichen sich zur höchsten Aufgabe gesetzt hat, den Höhepunkt, zu »velchem alle Brüder emporzukiiinmen stets bestrebt sein sollen. Berlin, 13. Juni. Eine hochinteressante Sitzung hatte die Deutsche Reichsloge an» gestrigen Abeird; durch die Beamten der Großlogc ivurde der ehrwürdige Ex - Groß - Präsident Br. Adolf Löb aus Chicago cingeführt und der Loge vorgcstcllt. An geeigneter Stelle gab dieser chrwürdigc Br. in einem ebenso interessanten, als lichtvollen Bortrage der Loge Bericht über die Entwickelung unseres geliebten Ordens. Br. Löb gehört unserer Vereinigung beinahe ein Vicrteljahrhundert an und zählt zu den besten Säulen unserer guten Sache. Ostrowo, 13. Juni. (Aus der „Eger-Loge".) Zur Förderung der Geselligkeit unter den Familien unserer Brüder hatte die hiesige Loge beschlossen, für den heutigen Tag ein Waldfest zu veranstalten und die Ausführung der nöthigen Arrangements einen» Festcomitö übertragen. — Den getroffenen Dispositionen gemäß fuhr die Festgesellschaft u»n 11, Uhr Nachinittags in etiva 20 Wagen nach dem 1 Meile von hier in röinantischer Umgegend gelegenen, dem Präsidenten unserer Loge, Herrn Fabian Fränkel, gehörigen Walde, »vo für allerhand Vergnüg»»»lgen, Speise und Traitk auf's Reichlichste gesorgt »var. — Der Herr Präs, begrüßte die anlvesendcn Danreu in einer Ansprache, in »velcher er dein Wunsche und der Hoffnuirg Ausdruck gab, daß das heutige Fest dazu bejtragcu möge, die Ziele und Zwecke unseres Ordens a»»ch in geselliger Beziehung zu fördern. Von» herrlichsten Wetter begünstigt, verlief das Fest in schönster Ei»»tracht mit Spiel, Gesang rmd Tanz und wurden die Damen während des genreinsam eiugcnoinmenen Abendbrodes durch Verloosuitg vieler reizender Geschenke auf das Freudigste überrascht. Erst die für Biele noch zu früh eingetretene Dunkelheit »»»ahnte zur Rückfahrt und begaben sich die Fcsttheilnehiner, um 10 Uhr in der Stadt wieder «»»gelangt, nach den Logcuräumen. »vo Br. Präs, in schwungvollen Worten die Anwesenden begrüßte. In geinüthlicher Unterhaltung bis gegen Mitternacht schloß dc»s schöne, übera»»s gelungene Sommerfest. ®ie Mutige Rr. erscheint theils wegen des christl. Pfingstfestes, an dem in der Druckerei nicht gearbeitet wurde, theils wegen mehrtägiger Abwesenheit des Herrn Redaeteurs ^°^dres. Orte, um zwei Tage später als sonst, was wir zu entschuldrgen bttten. Die Expedition. j, > / i ri i

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