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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-06-17 · N° 25. (17.6.1886) · p. Seite 199

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 25. (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
Seite 199 (sequence 5)
Language
German
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199 — folgte der Gesang „Lob Gottes", worauf Namens der Jacobsonschule in Seesen deren Director Or. Philippfvhn herzliche Grüße und Glückwünsche der Schwester- Anstalt überbrachte. Aus einer rabbinischen Clause sei die Schule zu einer weit und breit geachteten deutschen Erziehungsanstalt geworden, bereu Ausgabe es ist, zu vermitteln zwischen deutscher und jüdischer Bildung. Möge die Samsonschule eintreten ist ein neues Jahrhundert mit ihren bisherigcu Principien als ein leuchtendes Vorbild gesegneter und echt humaner Thätigkeit! Herr Moritz Meyer aus New Z)ork, ein ehemalger Zögling der Samsonschule, jetzt Besitzer der New-Aorker Handelszeitung. nahm nun das Wort zu einem Dankesousdrucke für die Administratoren der Anstalt, denen er beauftragt sei, als Jubiläumsgabe früherer Schüler eine Summe von ca. 5300 M. zu überreichen, aus deren Zinsen strebsamen ehemaligen Zöglingen der Schule eine Beihülfe zugewendet werden solle, falls sie deren bedürfen. — Namens der Administration dankte Rechtsanwalt I)r. Magnus (Braunschweig). Diese Gabe sei um so willkommener, als bereits von verschiedenen Familien, die der Anstalt nahestehcn, ein Fonds (ca. 22000 M.) ausgebracht worden sei, dem man jene Gabe hinzufügen wolle, um aus den Mitteln arme Schüler, welche ans der Anstalt in's Leben treten, in entsprechender Weise auszurüsten. — Nachdem der Schulchor die Motette „Herr, Deine Güte reicht so weit der Himmel ist" gesungen hatte, wurde mit einem ebenfalls von Frl. E. Nosenstock ganz vorzüglich ausgeführten Claviervortrage (Einzugsmarsch aus „Tannhüuser") der schöne FestaciuS geschlossen. Gleich darauf vereinigte ein Festmahl die Schüler der Anstalt in ihrem Speiscsaale unter Assistenz der erschienenen Festtheilnchmer. Dieses Mahl lief parallel mit einem zweiten, welches aus Mangel an geeignetem Raum in der Anstalt die Administratoren, Gäste und Lehrer im Saale des Hotels zum Löwen etwas später zusammenführte. Der jugendliche Frohsinn der Zöglinge gab sich dort in Gesängen und Toasten überreich zu erkennen, während hier bei den Klängen der Musik eine Gesellschaft von ungefähr 80 Personen, darunter ein reicher Damenflor, Platz nahm. Das Diner, welches 4 Stunden währte, verlief in einer wahrhaften Fest- Stimmung. Nachdem der Administrator Dr. Magnus Sr. Majestät dem Kaiser und dem neuen Landesherrn das erste Glas geweiht hatte, begann die lange Reihe der Toaste, welche lowohl der Dankbarkeit gegen die um die Anstalt verdienten Personen lebhaften Ausdruck verlieh, als auch in zum humoristischer Form vergangener Zeiten gedachte. Tischlieder von einer jungen Dame für das Fest gedichtet und das Schulleben der Anstalt in humoristischer Weise vorführcnd, hoben die fröhliche Stimmung. Inzwischen hatten die Samsonschüler in turnerischein Schmucke mit ihrer Fahne, Kapelle und elnem Trompeterchor die Stadt durchzogen und sich nach der Turnhalle begeben, woselbst um sechs Uhr die Festihellnehnier vom Diner und einer großen Menschenmenge aus der Stadl ebenfalls erschienen waren, um dem Schauturnen beizuwohnen. Die Leistungen der Zöglinge befriedigten allgemein. Nach dem Rückmarsch unter Musikbegleitung versammelten sich Gäste, Lehrer und Schüler wieder im Garten des Forsthauses, und das veranstaltete Gartenkonzen, gemischt mit Sang und Tanz, brachte den so schön begonnenen Tag zu einem würdigen Abschluß. Der Rückmarsch zur Anstalt erfolgte unter Musik gegen 11 Uhr. Dem Zuge voran schritten 12 (des Sabbaths wegen uichtisraelittsche) Fackelträger, und so endete das Fest ebenso lichtvoll, wie es weihevoll begonnen hatte. X. Aus dem Ueg.-Aez. ßaflet, 13. Juni. (Or.-Corr.) Die in Ihrer Nr. 23 cnthatlenen Notiz über bie Zurückw eisung der Tochter des aus der Synagvgengemeinde Hers seid „ausgetretenen" Katzenstein von dem Unterrichte an der dortigen Israel. Elementarschule hat nach verschiedenen Dichtungen Befremden erregt. Die Sache — wie sie dargestellt — ist nicht glaublich. Der letzte Absatz des § 6 des Austrittsgesetzes bestimmt ganz ausdrücklich, daß auf die öffentlichen Elementarschulen die Austrittserklärung keinen Einfluß hat. Die Zurückweisung ist also nach dem Gesetze gar nicht möglich. Außerdem würde auch die Königliche Regierung nicht die Gemeindeältesten, sondern den Königlichen Schulvorstand resp. die Stadtschuldcputation mit der Ausführung des Beschlussesbeauftragt haben. Wahrscheinlich aber besucht das Kind eine höhere Schule zu Hersseld und hat nur am Religionsunterricht in der isr. Schule theilgenommen. Dann aber würoe die Zurückweisung etwas ganz Selbstverständliches sein, aber auch die Bemerkungen der „Germania" und der „Volkszeitung" hinfällig werden. Zu letzteren sei bemerkt, daß die christliche Volksschule allerdings verpflichtet ist, diejenigen israel. Kinder des Ones, welche sonst Unterricht nicht erhalten können, aufzunehmen. Das ist auch ganz selbstverständlich, denn diese Schulen werden ja aus öffentlichen Gemeindemitteln erhalten, sodaß die Israeliten auch dann dazu beizusteuern haben, wenn sie eine eigene Schule unterhalten und von der christlichen keinen Gebrauch machen. Die hämische Bemerkung der „Germania" über die Vorliebe der Israeliten für Simultanschulen wäre demnach nicht für die Israeliten, sondern für die rechtliche Gesinnung der „Germania" ein schlechtes Zeugniß. — Bemerkenswcrth ist schließlich noch der Umstand, daß die Hersfelder Syuagogengcmeinde zum Bezirke des Herrn Rabb. vr. Cahn in Fulda gehört und sehr orthodox ist, die Mehrzahl der dortigen „Ausgetretenen" hat dies auch nicht aus religiösen Gründen gethan, sie sind vielmehr durch andere Vorgänge, die sich daselbst abspieltcn, veranlaßt worden, den Austritt zu erklären. Ich mag nicht, näher hierauf eingehen. A. L. Glogau, 13. Juni. (Or.-Corr.) Die Kreslawski'sche Legemaschine soll versuchsweise hier eingeführt werden. Einer der hies. jüdischen Fleischer ist im Besitz eines eigenen Schlachthauses, in welchem die neue Maschine aufgestellt werden soll. Sobald der erste Versuch gemacht ist und er gelingt oder auch — mißlingt, werde ich mich beeilen, Ihnen davon Nachricht zu geben. Vorläufig kann ich nichts verrathen, da der Erfinder der neuen Maschine auch auf einen kleinen pccuniären Vortheil rechnet und zu diesem Zwecke für seine Erfindung ein Patent zu erwerben wünscht. Bevor er dieses hat, wäre er aber durch Veröffentlichung von Nachahmung nicht geschützt. Der Obermeister der hies. Fleischerinnung Herr Feug ler, veröffentlicht in der allgcm. „Fleischer-Zeit." ein Gutachten über K.'s Legemaschine, worin er zum Schluffe sagt: „Ich glaube mein Gutachten dahin abgeben zu können, daß der in Rede stehende Apparat nach Abhilfe der etwa noch sich herausstellenden Mängel ein großer Vortheil im Interesse der Humanität sein würde." Wünschenswert!.) wäre es, wenn die Construktion des „Legestockes" in Kaiserslautern in diesem Blatte mitgetheilt würde, damit man Vergleiche anstellen und das Bessere dem Guten vorzichen könnte. Was die Bemerkung in der Correspondenz Kaiserslautern betrifft, daß die Schächter die Fl eischer veranlassen müßten, bei dem Fesseln vorsichtiger zu Werke zu gehen, so kann ich aus Erfahrung sagen,, daß die Fleischer sich nicht immer darauf cinlasscn. Auch hier habe ich cs wiederholt versucht, allein die betr. Herren wollten und wollen es nicht; lieber quälen sie sich 10 Minuten ab, als daß sie mittelst des Schwungrades das Rind in wenigen Sekunden werfen sollten. Die Fleischer sind darin sehr „konservativ" und wollen sich auf „Neuerungen" nur schwer ein lassen. Danzig, 8. Juni. Nachdem der hiesige Handelsmann Gudel, dessen Ausweisungsfall bereits vielfach besprochen worden, von der hiesigen Strafkammer von der wider ihn erhobenen Anklage wegen Vergehens gegen die Konkursordnung freigesprochen worden, hat derselbe jetzt die Aufforderung erhalten, binnen 14 Tagen das deutsche Staatsgebiet zn

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