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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-06-10 · N° 24. (10.6.1886) · p. Seite 193

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 24. (10.6.1886)
Date
1886-06-10
Page
Seite 193 (sequence 7)
Language
German
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193 — wandten. Kränklichkeit soll das Motiv der entjetzlichen That gewesen sein. Erfurt, 7. Juni. (Or.-Corr.) Am jüngsten Sabbath hielt Herr vr. Dienstfertig, Rabbiner in Cottbus, hier' eine Probepredigt. Da er voraussichtlich die Reihe der Probeprediger schließt, dürfte die definitive Rabbiuerwahl nicht mehr lauge auf sich warten lassen. So viel kann ich Ihnen mittheilen, daß das Urtheil über die rhetorische Befähigung des Dr. Gold sch midt-Weilburg, die ihm zur Zeit die Majorität zuwendete, durch die nach ihm gehörten Predigten sich nicht geändert hat. Emden, d. 3. Juni. (Or.-Corr.) Als erfreuliches Gegenstück zu dem Artikel in einer der jüngsten Nummern Ihres geschätzten Blattes ist es mir ein besonderes Vergnügen Ihnen berichten zu können, daß ein hochangesehenes Mitglied unserer Gemeinde und Stadt, gleichfalls ein viel beschäftigter Arzt, gestern die „Taufe" eines „Schiffes" vollzog, das seinen gefeierten Namen „Or. Leers" führen wird. Das Schiff gehört zur Flotte der hier bestehenden „Actien-Gesellschaft für Heringsfischerei" und ist genannter Herr der Erste von seinen College» im Verwaltungsrath, dem eine solche Auszeichnung zu Theil geworden. Leipzig. Hier ist vom dorpaten Prof. v. Oellingen ein Schriftchen erschienen: „Was heißt christlich-social?," in welcher der strengkirchliche Verfasser, der sich selbst als einen aufrichtigen Verehrer Stöckers vorstellt, über die von Stöcker betriebene „unselige Verquickung von Religion und Politik" und über die ganze Rassen- und Klassenhetzerei den Stab bricht. Dresden, 5. Juni. Der Vorsitzende des hiesigen (antisemitischen) deutschen Reformvereins und Präses der deutschen Reformvereine, Pinkert-Waldegg, erklärt in der antisemitischen „Deutschen Reform", dem Centralorgan der „deutschen Reformbewegung", seine Zahlungseinstellung und das Aufhören des Blattes. (Wieder Einer!) Uromberg Anläßlich der „Jahrzeit" des sel. Rabb. Or. Gebhardt halle Herr Rabb. vr. Kle mp erer in der Gedächtniß rede warm zur Errichtung einer Gebhardt-Stiftung aufgefordect, deren Ertrag Jüngern des Lehramtes zugute kommen solle. Dieselbe ist nunmehr zu Stande gekommen und muß als ein anerkennenswerthes Zeichen opferfreudiger Pietät dankbar begrüßt werden. Besondere Verdienste um die Verwirklichung dieses frommen Werkes hat sich der erste Vorsteher unserer 'Gemeinde, der durch seinen edlen Eifer für alles Gute und Schöne in weiten Kreisen wohlbekannte und geschätzte Bankier Louis Aronsohn, erworben. Lpck. Der Redakteur der hebr. Zeitschrift „Hammaggid" Herr David Gordon, ist am 21. v. Mts. aus dem Leben geschieden. Der Verblichene war sowohl durch sein Wissen, als durch seine Eigenschaften einer der ausgezeichnetsten Journalisten. Geboren in Serai in Polen, wo er dem Thora-Studium oblag, suchte er iu London sich in Sprachen, .sowie wissenschaftlich zu vervollkommnen. Der Begründer des „Hammaggid", Herr Silbermann, berief ihn bald als ständigen Mitarbeiter, und war er die eigentliche Seele dieses Blattes schon vor S.'s Tod. Er schrieb ein klares, populäres und doch gediegenes Hebräisch, übersetzte in düse Sprache eine Menge englischer, französischer und deutscher .Werke aus allen Gebieten der Litteratur und Wissenschaft. Sein Tod hat eine Lücke in der hebr. Journalistik gerissen. Cr hinterläßt eine Wittwe und 2 erwachsene Töchter, und wie man hört, in sehr unzureichenden Verhältnissen. London. Baron Henry de Worms hat wegen eines .Familienereignisses sein Amt als Vorsteher der Gemeinde niedergelegt: seine Tochter hatte mit einem Christen ein Liebesverhältniß angeknüpft, das zur Ehe führte. Der Vater war zu schwach es zu wehren, wohnte sogar der kirchlichen ' Trauung bei, — so fühlte er denn, daß er als Vorsteher nicht an seinem Platze sei und demissionirte. In der letzten 'Vorstandssitzung, präsidirt von Herrn Mocatto, beantragte 'Ellis Franklin, die Demission anzunehmen, Herr Alfred Henriques dagegen beantragte, dieselbe zurückzuweisen und den Baron Worms zur Zurücknahme zu bewegen. Dieser letztere Antrag erhielt die Majorität (9 gegen 7 Stimmen). Httga. Die „Riga'sche Ztg." bringt folgenden Vorfall: „Am 7. Mai Abends wurde ein junges Kind auf den jüd. Friedhof gebracht. Des andern Tages kam der Todtengräber. es zu beerdigen, aber welch' Entsetzen: das Kind lebte noch! Der herbeigerufene Arzt that alles Mögliche, das Kind am Leben zu erhalten, aber vergebens, das Kind starb noch denselben Nachmittag". — Ohne Zweifel ist hier ein fürchterliches Becsäumniß begangen worden; bei ärztlicher Leichenschau wäre das sonst normal gebildete Kind nicht dW Külte auf dem Friedhof ausgesetzt und wohl am Leben erhalten worden. Die Uebereilung mit der Todtenbestattung sollte doch endlich auch in Rußland aufhören. — Jerusalem Die Erntezeit ist nahe und sehen wir Gott s. D. einem sehr fruchtbaren Jahre entgegen, wenn auch in einigen der neu angelegten Kolonien nicht alles gleichmäßig gcrathen ist. Mittheilrmgen aus dem U. O. B. B. Beuthen.*) Es ist in vor. Nr. sehr treffend ans die Nothwendigkeit hingewiesen worden, für die mittel- und rathlos Hinterbliebenen unserer Lieben dadurch zu sorgen, daß wir schon bei Lebzeiten der letzteren, während sie im Kampfe ums Dasein ihre Kräfte noch frei entfalten, unsere Bruderliebe auch in geschäftlicher Unterstützung zu thatsüchlichem Ausdruck bringen. In engem Zusammenhänge mit diesem unabweislichen Erforderniß steht die Vorfrage, wie weit ist cs vom ethischen Standpunkte, der ja in allen Fragen für uns oberstes Gesetz ist, zulässig, einen Br. vor anderen Geschäftsfreunden zu bevorzugen. Die Antwort ergiebt sich ungezwungen aus der Erivägung, daß unser Bruderbund eine große Familie darstellt, deren Gedeihen jedem einzelnen Mitglicdc am Herzen liegt. Was ist da natürlicher, als daß wir auch materiell uns gegenseitig zu stärken und zu heben haben, selbstverständlich unter voller Würdigung und Berücksichtigung der älteren berechtigten Interessen anderer Geschäftsfreunde! Mit dieser Einschränkung, die hier mit allem Nachdruck, gemäß unseren Grundsätzen von der allumfassenden Nächstenliebe betont werden soll, ist cs Bruderpflicht, jederzeit in erster Linie an unsere Lieben zu denken. Diese Verpflichtung tritt um so dringender an uns heran, weil bisher, wie mit Befriedigung anerkannt werden muß, eine beinahe übertriebene, oft sich selbst schädigende Zurückhaltung in geschäftlichen Offerten Seitens der BBrr. geübt wird. Möie diese schöne, selbstlose Gepflogenheit auf der einen Seite auch in Zukunft fcstgehalten, ja zum Princip bei uns erhoben werden! Sie kann aber nur dadurch zur dauernden Institution unter uns werden, daß auf der andern Seite das Pflichtbewußtsein geweckt wird, durch freiwilliges Entgegenkommen, durch Aufsuchen der sich Zurückhaltenden ein Acqnivalent für diese Selbstlosigkeit zu gewähren. Zn letzterem Zwecke, d. h. um diese Aufgabe, die Hilfe freiwillig anzubictcn, leichter zu lösen, dürfte es sich doch empfehlen, ein Bcrzeichniß sämmtlicher Mitglieder den Logen zugänglich zu machen. Jenes Pflichtbewußtsein aber zu wecken und stets wach zu erhalten und zugleich auf den richtigen Gebrauch des Mitgliedcrverzeichnisses, einzig u. allein zur Gewährung, nicht zur I n a n s p r u ch n a h m e, hinzuweisen, dürfte die Ausgabe der Stimmführer in den Logen sein, die ja nicht blos die idealen Zivecke zu fördern, sondern auch der praktischen Bcthätigung unserer Bruderpflichten ihr Augenmerk zuzuwenden haben. Aus Amerika. Während der letzten Wochen hielten die Districts- Grvßlogen Nr. II und VII ihre Jahres - Conventionen ab, crstere in Cincinnati, letztere in New-Orleans. Das Wichtigste ist der Beschluß, das Waisenhaus in Cleveland neu und viel großartiger auß» zubauen, um 500 Waisen darin untcrbringen zu können. „Der Orden B'nai B'rith" — schreibt Dr. Wise — „hat sehr viel zur Einigung der amerikanischen Judcnheit und zur Regelung der Wohlthätigkeits'anstalten beigetragen; er hat großartige Anstalten in's Leben gerufen und unterstützt sie kräftig. Er ist ein historischer und unentbehrlicher Theil unseres Judenthums getvorden." Herr Heinrich Mack arbeitet einen Plan aus, der die Lebcnsversichcrnngsfrage praktisch und endgültig zu lösen geeignet ist. V — Die schon längst geplante Herausgabe einer Zeitschrift für den Orden geht seiner Vcrtvirklichung entgegen. Sic soll den Namen „Menorah" führen und monatlich erscheinen, wie wir hören, unter der verantwortlichen Redaction des Herrn Peix ott o, ehcm. amerikan. Consuls in Rumänien. Nord-Carolina. Ju G ol oboro wurde am 2. Mai unter sehr zahlreicher Betheilignng die „LeopoldZnnz-Loge Nr. 364" installirt. *) Obwohl jeglicher Verdacht, als ob ein persönl. Interesse obige Zeilen diktirtc, von vornherein ausgeschlossen werden muß, bemerken wir zum Ucbcrfluß, daß Schreiber derselben jeglichem geschäftlichen Verkehr fern steht. (Red.)

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