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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-06-03 · N° 23. (3.6.1886) · p. Seite 184

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 23. (3.6.1886)
Date
1886-06-03
Page
Seite 184 (sequence 6)
Language
German
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184 — That, sich und dem Ganzen verloren, indem sie sich einem wenig nutzbringenden Kleinhandel widmet". Aus den Statuten ersehen wir, daß der Verein gleichfalls es sich zur Aufgabe gestellt hat, in Fällen dringenden Bedürfnisses einen Theil seiner Mittel zur Unterstützung Sludirender zu verwenden. Wir sind zwar der Meinung, daß bei der gegenwärtigen Lage der Verhältnisse, wo die verschiedenen Zweige der gelehrten Berufsarten vielfach an Ueberfüllung leiden, den Söhnen unbemittelter israelitischer Familien die Ergreifung des Studiums nicht besonders zu empfehlen ist, halten es aber doch für unsere Pflicht, in Fällen, wo innerer Trieb und entsprechende Befähigung vorhanden ist, das Unsrige zu thun, soweit es ohne Schädigung unseres Hauptzweckes geschehen kann. Der kleine Beitrag von vierteljährlich einer Mark ermöglicht es auch dem Unbemittelten, sein Interesse an den gen. Zwecken wirksam zu bethätigen. Unterschrieben ist das Circulär von folgenden 12 Herren: B. Dukas, Bankier. M. Kaufmann, Arzt, vr. Emil- Levy, Privatdocent an der Universität. Dr. Adolf Lewin, Rabbiner. Dr. Daniel Mayer, Rechtsanwalt. Dr. Heinrich Rosin, Universitäts-Professor. I. B. Weil, Bäcker. vr. S. Weil, Arzt. Heinrich Zivi-Lang, Kaufmann. Aus Thiengen schreibt man uns noch über diesen Verein: Derselbe will seiner sehr zeitgemäßen Aufgabe gerecht werden einerseits durch geeignete Belehrung, anderseits durch Unterstützung israel. Jünglinge und Mädchen, die sich einem Handwerke oder einer technischen Berufsart widmen wollen. Die Unterstützungen sollen darin bestehen, daß der Verein für Unterbringung bei geeigneten Lehrhcrren sorgt, das Lehrgeld zahlt und bei späterer Begründung einer selbstständigen Existenz Beihülfe leistet. Bei Abschluß der Lehrverträge will der Verein dafür Sorge tragen, daß der Lehrling den Sabbath- und Speisegesetzcn genügen kann. Wir begrüßen diesen Verein freudigst und können versichern, daß seitens der israel. Gemeinden des bad. Oberlandes demselben die größten Sympathien entgegengebracht werden. Man sage uns nicht, wozu wieder diese Zersplitterung, hat denn nicht der Deutsch-Israel. Gemeindebund gerade diese Frage m fein Programm ausgenommen? Ja! Wer aber wie Schreiber dieses schon in der Lage war, für einen Lehrling einen passenden Lehrherrn zu suchen, der wird auch erfahren haben, datz die Beihülfe des D.-J. G.-B. einzig und allein darin besteht, daß das Bureau dem Petenten einige Lehrherren namhaft macht, es aber dann dem Suchenden überläßt, sich zu vergewissern, ob die in weiter Ferne wohnenden Meister in ihrer Person die nöthigen Garantien bieten für die Ausbildung des Knaben und ob es demselben möglich sein wird, den Sabbath- und Speisegesetzen zu genügen.*) R,.... LI. IrarrLenthal, Pfalz, 23. Mai. (Or.-Corr.) Die hiesige isr. Gemeinde darf den gestrigen Sabbath als Freudentag mit goldenen Lettern in ihrer Chronik verzeichnen. In ihrem neuerbauten, in seiner Eirlfachheit prächtigen, und der Feier angemessen geschmückten Gotteshause wurde die Confirmation von 8 Mädchen vollzogen. Der Hauptgottesdienst begann um 9 Uhr; die geräumige Synagoge war fast bis zum letzten Platze besetzt, und sei dabei nicht unerwähnt, daß ein mcf)fr. unerheblicher Theil der Besucher den christlichen Confessionen aller Stände angehörte — in der Jetztzeit ein doppelt erfreulicher Beweis von dem friedlichen und toleranten Zusammenleben aller Einwohner der Stadt! — Unter einem Orgel-Präludium, trefflich ausgeführt vom Chordirigenten an der hiesigen Synagoge, Herrn Schadewitz, betraten die 8 Consirmanden, weiß gekleidet, geführt von *) Das wundert uns doch sehr, der Herr Vorsitzende hatte auf dem letzten Äemeindetag in Berlin auf eine diesbezügliche Anfrage von orthodoxer Seite mit großer Wärme erklärt, daß er hierauf ganz besonders sein Augenmerk richten wolle; und irren wir nicht, so hat derselbe auch behufs Feststellung des statistischen Materials eine rege Thätigkeit durch Versendung eigens gedruckter Anfragen an die Delegirten und Bundesgemeinden entwickelt. An Material kann's also doch nicht fehlen. (Red.) Herrn Bezirksrabbiner vr. Salvendi und dem Rcligionslehrer und Cantor, Herrn Singer, den Tempel und nahmen vor der heiligen Lade Aufstellung. — Hierauf trug der gutgeschulte Synagvgenchor einen stimmigen Cyoral vor. dem die Festpredlgt des Herrn vr. Salvendi, anknüpfend an die Sprüche Salomo's „die Wege der Thora sind anmuthige Wege, sie führen hin zum Frieden" folgte, welche, nach Form und Inhalt wohlgelungen, von Herzen kam und zu Herzen ging. Hieran schloß sich ein deutscher Gemeindegesang, ein ebensolches Gebet der Consirmanden und dann die Prüfung der Letzteren durch den Herrn Religionslehrer in den Glaubens- und Sittenlehren. Die Kinder b"antworteteu alle Fragen tadellos und in einer Weise, die erkennen ließ, daß sie auch das, was sie sagten, wirklich in sich ausgenommen haben, und daß sie von dessen Wahrheit durchdrungen sind. Mögen ihnen diese L.hren für immer in ihr Innerstes eingegraben sein! Besonders stimmungsvoll und tiefergreifend wirkte die nunmehr bei gedämpfter Orgelbeglenung folgende Einsegnung der 8 Mädchen durch den Herrn Rabbiner und den Herrn Religionslehrer, der sich ein Lied anreihte aus dem Johlsohn'scheu Gesangbuche „Kinder, die ihr noch m ötreise eurer guten Eltern weilt", zweistimmig von den Consirmanden selbst gesungen, worauf Herr Lehrer Smger eine wohldurchdachte, wirkungsvolle Ansprache hielt, der die Schlußworte des soeben erst vorgetragcnen Liedes „Kindesdank und Pflicht, Kinder, dies vergesset nicht" zu Grunde gelegt waren. — Nunmehr folgten noch Worte der Ermahnung an die Consirmanden und Gebet für König und Vaterlano, gesprochen vom Herrn Rabbiner, ferner Thora-Lesen und Mussaf-Gebet, worauf die schöne und erhebende Feier, die stets in Aller Eriltnerung bleiben wirb und für deren Veranstaltung und Wohlgelingen dem Synagogen-Ausschuß und besonders Herrn Lehrer Singer der wohlverdiente Dank gebührt, mit einem Choralgesang ihren Abschluß fand. — Oesterreich. WriittN, Mat. (Or.-Corr.) Am 9. d. M. hat im Sitzungssaal des mährisch-jüdischen Landesmassafonds die constituierende Versammlung des iSr. Proseminar-Vereins unter dem Vorsitze des LandesrabbincrS vr. Placzek stattgefunden. Der Vorsitzende verlas den Bericht über die bisherige Thätigkeit des provisorischen Ausschusses, aus dem hervorgeyt, daß die Beitrüge der Mitglieder die Höhe von 2400 fl. jährlich erreicht haben. Von diesen ist ein großer Theil durch Fundation auf die Dauer gesichert. Da überdies die hiesige Gemeinde das Unterrichtslocal unentgeltlich zur Verfügung stellt, ist der Bestand des Instituts außer Frage gestellt. Da nun überdies das Ministerlum die behördliche Genehmigung der Anstalt von der materiellen Sicherstellung abhängig gemacht hat, so ist auch die staatliche Anerkennung gesichert. Die Versammlung nahm hierauf die Wahlen ln den Ausschuß vor. welcher aus 7 Mitgliedern besteht, nämlich dem Landesrabbiner, je einem Delegirten des Landesmassafonds-Curatoriums und des Brünner Gemcindevorstandcs und vier vom Vereine gewählten Mitgliedern, unter denen der k. k. Finanzrath vr. Koretz und der Obermgenieur der Nordbahn Epla sich befinden, Männer, deren sociale Stellung und jüdische Gesinnung dem jungen Institute hoffentltch sehr gute Früchte bringen werden. Die Versammlung votierte hierauf den bisherigen Lehrern, Herren vr. Deutsch und vr. Oppenheim, für ihre Leistungen den vollsten Dank, nachdem der Vorsitzende die Resultate oes bisherigen Unterrichtes als geradezu überraschende bezeichnet hatte. Das Interesse, das sich für dieses Institut im ganzen Lande zeigt, beweist, wie zeitgemäß seine Gründung gewesen ist. Auch hat sich der Landtagsabgeordnete vr. Zucker aus Lemberg an die Jnstitutsleitung gewandt, um das Material für Gründung einer ähnlichen Anstalt in Galizien zu erlangen. Wahrscheinlich wird im nächsten Herbst das Institut seine officielle Thätigkeit entfalten können.

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