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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-06-03 · N° 23. (3.6.1886) · p. Seite 185

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 23. (3.6.1886)
Date
1886-06-03
Page
Seite 185 (sequence 7)
Language
German
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185 — Schweiz. Zürich. (Or.-Corr.) Wie schon seit einigen Jahren, haben wir auch an diesem Peßachfest Gelegenheit gehabt, durch die öffentliche Prüfung die Leistungen unserer Reli« givnsschule kennen zu lernen und zu würdigen. Wie jede andere Rcligionsschule. hat auch die unsrige zu leiden, einerseits durch die Gleichgültigkeit vieler Eltern gegen diese Anstalt, andererseits dadurch, daß den Kindern die freie Zeit, die ihnen die städtischen Schulen übrig lassen, mit Beschlag belegt wird, so daß sie von vorn herein unwillig in die Rcligionsschule kommen und die gestellten Aufgaben erledigen. Diese Uebelstände hat unsere Religionsschule mit andern gemein; hier kommt noch der Umstand hinzu, daß die Schulverhältniffe in der eigentlichen Stadt und in den Vorstädten oder Ausgcmeinden differiren, die Stundenpläne nicht übereinstimmen. So z. B. ist in der Stadt der Mittwoch Nachmittag nur für die Primar-Schüler (d. h. für Knaben und Mädchen bis zum 12. Lebensjahr) frei, während die älteren, die Secundarschüler, bis 5 Uhr Unterricht haben; und in den Außengemeinden w'ederum ist statt des Mittwoch, etwa der Donnerstag-Nachmittag oder irgend ein Vormittag frei. Dadurch sind die Schüler unserer Schule, die in den verschiedenen Gemeinden wohnen, vielfach verhindert, dem Hauptunterricht, der auf Mittwoch Nachmittag fällt, beizuwohncn. Für diese bleibt nur der Schulb.esuch am Samstag Nachmittag und Sonntag Vormittag. Selbstverständlich muß dadurch der Unterricht der ganzen Schule leiden, indem kein einheitliches Vorwürtsgehen möglich ist. Trotz alledem berechtigen die Leistungen, die unsere Religionsschule am 21, und 24. v. M. aufgewiesen, zu dem Urtheil, daß sie sich mit jeder anderen messen kann. Jeder, der ein warmes Herz für's Judenthum hat, mußte sich innig freuen, daß die Jugend mit so reichem Wissen ausgestattet wird und so Mancher gestand sich wohl: In meiner Jugend — wurde gar Vieles, was ich heute gehört, nicht gelehrt. Und in der That, nicht nur diejenigen mußte»» befriedigt sein, die von der Rcligionsschule nicht mehr verlangen, als daß sie die Kinder mechanisches Beten und Hersagen des „Benschen" lehre — was übrigens schon die jüngern im Stande waren — auch diejenigen, die einsehen, daß die Neligions-Schule die Pflicht hat, außer dem „Was und Wie" auch das „Warum" zu lehren, sahen ihre Wünsche in vollem Maße erfüllt. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Ein gewisses orthodoxes Blatt in Deutschland, das eben erst seine anti-Goldschmidt'schen Eriurter Berichte einzustellen sich genöthrgt sah, schreibt nun einem clerical-antisemitischcn Luxemburger Blatt, das Juden und Freimaurer gleich sehr verunglimpft, die Behauptung nach, der Rabbiner Or. Blum enstein daselbst (ein „Breslauer") habe in einer R.de, die derselbe im April vorigen Jahres gehalten, „feierlich erklärt, daß er selbst keine positive Religion und keinen Glauben habe und er somit ein echter Freimaurer sei". Wir haben den betr. Vortrag durchgelesen und nichts von diesen, einen Rabbiner verunglimpfenden Aeußerungen darin gefunden. Es ist wirklich weit mit unserer orthodoxen Presse gekomrnen, daß sie solche niedrige Verdächtigungen gegen einen Rabbiner in Amt und Würden ohne jede Prüfung der Quelle in die Welt schleudert. Daß die „Archives Jsraelites" sich dazu hergeben, solche Schmühartikel ncichzudrucken und weiterzuverbreiten, nimint uns von diesem sonst so vorsichtigen Blatte ganz besonders Wunder. Ziromöerg, 31. Mai. (Or. - Corr.) Es dürfte gewiß viele Vorsteher die Mittheilung iuteressiren, daß nach einer Entscheidung des Ober - Verwaltungs - Gerichtshofes die Abhaltung von Nebengottesdiensten in einer Gemeinde von der Genehmigung des Gemeindevorstandes abhängig gemacht ist. Krfirrl, 30. Mai. (Or.-Corr.) Gestern hat Herr Rabb. Or. Salzberger-Culm hier eine Probepredigt gehalten. Dresden. Für die nächsten Herbstmanöver ist Anweisung ergangen, auch in der Verpflegung den Errlstfall zu üben und die Mannschaften »nehrere Tage hindurch nur mit Mehl und Conserven auszustatten. Die Verpflegung in den Ortschaften ist für diese Zeit ausgeschlossen, um die Selbstbereitung der Speisen durch die Truppen einzuüben. Be- »nerkenswerth ist die besondere Verfügung, die Israeliten als Lieferanten nicht anzunehmen. Mien, im Mai. Am 16. d. M. wurden 86 Mädchen im Tempel der Leopoldstadt im Beisein eines zahlreichen Publikums von Herrn Or. Güdemann confirmirt Im Bethause der inner» Stadt geschieht dies Sonntag am 30. In Königsberg i. Pr. fand die Einsegnuugsfeier der 8 Confirmanden am — „Buß- und Bettage" statt. (Wir glauben, daß, wenn die Confirination in den Gemeinden Wurzel fassen soll, dieselbe doch im Anschluß an eines der jüd. Feste — sei es Peßach oder Schvlvnaus — stattfinden müßte und nicht an einem beliebige»» Wochentage. Red.) Prag, 30. Mai. Hier wurde ein jüd. Soldat, Infanterist Jos. Schleifer, beiin gestrigen Gewitter auf dem Wachtposten vom Blitz getödter. Durch den Blitzstrubl waren die scharfen Patronen explodirt und in den Unterleib gedrungen. In Marschau sind niehrere Kinder durch eine Mundkrankheit des Möbel bei der Beschneidung inficirt »vorden. (Wie oft ist darauf schon hingewiesen worden, daß die Mezizah nicht mit dem Munde vollzogen zu werden braucht. Red.) Aaris Am 11. Juni begeht der berühmte jüd. Litterat Senior Sachs, Bibliothekar des Barons Günzburg, seinen 70. Geburtstag. Ein schriftstellerisch so reiches Leben verdient gefeiert zu werden. (Näheres in nächster Nr.) Aerufakem. Von New-Aork ist dem heiligen Lande ein Legat von 50 000 Dllr. zur Verbesserung der Zustände desselben durch H.andwerk zugefallen. Testator war Herr Simson Samson schon vor längerer Zeit, fällig aber sollte das Legat erst mit dem Tode eines Verwandten des Testators »verden, welcher Tod nun erfolgt ist. — Gebe Gott, daß das Geld, mit dem manches Gute geschehen könnte, in die richtigen Hände falle! Mittheilungen aus dem U. O. B. B. Dresden» 27. Mai. Die Frage, wie können »vir für nnsere bedürftigen Brüder, für die mittel- und rathlosen Hinterbliebenen unserer Lieben hinreichend sorgen, ist es eine so ernste, eine unsere praktische Leistungsfähigkeit so sehr auf die Probe stellende, daß dieselbe ganz besondere Beachtung verdient. Ihre Lösung läßt sich nur durch Erhöhung unserer Opserwilligkeit annähernd herbeiführen, sie ganz zu lösen, wird uns nie gelingen. Diese Opfertvilligkeit darf jedoch nicht allein in erhöhten Geldbeiträgen, in directen Unterstützungen gipfeln, wenn unser Bruder vorn »vidrigen Schicksale gebeugt, bereits thatios darniederliegt, sondern muß sich auf eine stete brüderliche Gegenseitigkeit im inenschlichen Leben, namentlich in geschäftlicher Beziehung stützen, wenn unser Br. in seinem Streben, in seiuem Kampfe um's Dasein noch frei seine Kraft entfaltet. Der Verkehr ztvischen den Brüdern muß sich als ein Freundschastsbund gestalten, »venn der Orden »virklich Erfolge erringen will; es muß mit einem Worte den Prinzipien des Ordens ein lebenswarmer, lebenweckender Odem eingehaucht »verden; das Wort, das sich nicht auf die That zu stützen verinag, bleibt tobt und weniger als »verthlos. Das vollendete Werk allein verdient Berücksichtigung, während auch das schönste Project, die beste Idee »rur das Schicksal der schnell verblühenden Blume zu theilen vermag, »venn ihnen nicht ein bildungsfähiger Keim innewohnt, ein Keim, der auf ein Erdreich fällt, rvelches die Entwickelung der Frucht begünstigt. Hamburg. Es ist sehr erfreulich, daß sich auch die Absicht regt, für Hamburg - Altona eine Loge zu gründen. Zu diesem Zwecke »var Sonntag, den 30. Mai, eine Anzahl von Herren zu einer Vorbesprechung zusammengetreten. Man beschloß, sich zuvörderst noch mit verschiedenen einflußreichen Persönlichkeiten in Verbindung zu setzen und sie für die Gründung einer Loge zu begeistern. Wir zrveifeln nicht, daß wir bei dem regen Interesse, das in der Versammlung für diese Angelegenheit vorherrschend war, recht bald in der Lage sind, hier, wo so viel reger Sinn für Edles und Wohlthun herrscht, eine Heimstätte für die hehren Zwecke der Humanität zu errichten. (Wir rufen den Unternehmern ein „Glückauf!" zu ihrern Beginnen zu.)

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