Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 20. (13.5.1886)
- Date
- 1886-05-13
- Page
- Seite 158 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 158 — Jakobson, dann der hohen Braunschweiger Landesbehörde, die von jeher diese Anstalt so wirksam unterstützte und förderte; darauf auch der segensreichen Wirksamkeit seiner Vorgänger im Amte, in Kürze und mit vielem Takte auch seines letzten. Seine Rede entbehrte nicht des erwärmenden Eindruckes aus alle Zuhörer. In seiner Anrede an die Lehrer der Anstalt sprach er die Versicherung aus, daß er mit Vertrauen auf ihr treues Mitwirken an sein Amt gehe und auf ein kollegialisches Zusammenhalten und Wirken hoffe. Ebenso ansprechend war seine Ansprache auch an die versammelten Schüler. Hierauf sprach der Senior unter den Lehrern der Anstalt in wenigen Worten ebenfalls das Vertrauen der Lehrer zu ihrem neuen Direktor aus und dann trat der älteste Schüler der Anstalt hervor und gab im Namen aller Mitschüler das Versprechen des Gehorsams und des Fleißes. Mit einem Schlußgesang endete der Festact, der einer- Wendepunkt in dem Entwickelungsgang der Jakobsonschule bezeichnet. Referent beabsichtigt bei mehr Muße einen Rückblick auf dieselbe unter ihren bisherigen v ier Direktoren zu werfen und in einem längeren Artikel in Ihrem gesch. Blatte zu veröffentlichen. tzotöerg. Dem hiesigen jüdischen Kurhospital ist neuerdings wieder eine größere Schenkung zugewendet worden, die die Anstalt wie die Spenderin in gleicher Weise ehrt. Frau Salomea Ginsberg in Berlin, die seit Jahren ein treuer Gast unseres Badeortes ist, hat am 30. April dem jüdischen Kurhospital ein Kapital von 3600 M. mit der Bestimmung überwiesen, daß aus seinen Zins-Erträgen in dieser Heilanstalt ein „Kurbett für Kinder" unter dem Namen: „Bernhard und Salomea Ginsberg-Stiftung" für ewige Zeiten erhalten werde. Die edle, hochherzige Stifterin wurde von den Verwaltungs-Organen dieses Instituts in dankbarer Anerkennung durch ihre Ernennung zum Ehrenmitgliede des Kuratorii ausgezeichnet. Das jüdische Kurhospital zählt nunmehr bereits 6 solcher Stiftungen, und zwar 2 von Herrn N. Oppenheim, 3 von Herrn Jacob Israel und 1 von Frau S. Ginsberg — sämmtlich in Berlin. — Die Vorbereitungen zur geplanten Errichtung eines öffentlichen Denkmals für den im vorigen Jahre verstorbenen Sanitütsrath Or. Hirschfeld sind nunmehr bereits so weit gediehen, daß die Ausführung des Unternehmens schon für einen der nächsten Monate in sichere Aussicht genommen werden kann. Dank dem freundwilligen Entgegenkommen unserer städtischen Behörden wird das Denkmal auf dem städtischen Grundstücke an der Promenade, in der Nähe beider Soolbade-Anstalten aufgestellt werden, und nach seiner Vollendung m das Eigenthum der Stadtgemeinde übergehen. Dasselbe wird nach einer vom Herrn Stadtbaurath entworfenen Zeichnung sich in Form einer abgestumpften Pyramide aus theils polirtem, theils fein gestocktem Syenit auf einem Sockel bis zur Höhe von fast 4 Meter erheben und von Blumen- und Baumanlagen umgeben sein. Die Ausführung der schlanken und recht gefälligen Pyramide ist einem hiesigen Meister übergeben. Die Kosten sind von dem Komits durch freiwillige Sammlungen aufgebracht; doch dürften immerhin noch einige Hundert Mark zur Deckung sämmtlicher Kosten fehlen. Zeichnung, Plan und Anlage des Denkmals, sowie die Wahl des Orts für seine Aufstellung, berechtigen schon heute zu der Hoffnung, daß dasselbe nicht bloß die Verdienste eines unserer edelsten Mitbürger in würdiger, wenn auch schlichter Weise ehren, sondern auch den öffentlichen Anlagen unserer Strandstadt zur Zierde dienen wird. Marienvnrg W-Ar., 7. Mai. Ihrem Wunsche in der Nr. 19 der ,,Jsr. Wochenschrift" entsprechend, erlaube rch mir, Ihnen Einiges über die hiesigen Schulverhältnisse mitzutheilen: Ich erthcile hier den Religionsunterricht am kgl. Gymnasium (Frequenz: 24 Schüler), an der städtischen höhern Töchterschule (18 Schülerinnen) und Bürgerschule (13 Schüler und 3 Schülerinnen). Außerdem existirt hier noch eine städt. Landwirthschule, die von jüd. Schülern besucht wird, welche keinen Rel.-Unterricht genießen, bis auf einen, der dem Unterricht in der Bürgerschule beiwohnt. Früher, als hier noch kein Rabbiner war, ertheilten die Rabbiner aus den benachbarten Städten Elbing oder Dirschau in zwei wöchentlichen Stunden den Unterricht auf dem Gymnasium. Diese bekamen von der Gemeinde eine Entschädigung von ca. 200 p. a. und vom königl. Prov. Schulcollegium eine Remuneration von jährlich 150 M. Der Zuschuß von der Gemeinde fällt jetzt natürlich fort. — Was die städt. Schulew jedoch anbetrifft, da wird der jüd. Religionsunterricht ganz und gar als Privatsache angesehen und wird hierfür keine irgendwelche Besoldung zu Theil. Nach meiner Herkunft — im Januar d. I. — wandte ich mich an die städt. Schuldeputation mit der Bitte, daß der jüd. Religionsunterricht im Lehrplan der beiden städtischen Schulen Ausnahme finde. Da mein Gesuch ablehnend beschieden wurde, reichte ich die Beschwerde bei der kgl. Regierung in Danzig ein. deren Bescheid jedoch noch aussteht. Ich werde aber nicht ermangeln, Ihnen, wenn event. der Instanzenweg ganz durchgelaufen sein wird, entsprechende Mittheilung zugehen zu lassen. Ich erlaube mir, b.'i dieser Gelegenheit die Bitte an die Herren Collegen zu richten, wie viele derselben gänzliche Communal-Steuerfreiheit genießen, oder gleich höheren Staatsbeamten nur von der Hälfte ihres Gehalts besteuert werden? In meinem früher« Wirkungskreis Bereut war ich steuerfrei. Or. Singer. Rabbiner. Marburg in Westfalen, 7. Mai. (Or.-Corr.) In unserer Gemeinde haben wir einen Fortschritt zu verzeichnen, der auch weiteren Kreisen von Interesse sein dürfte. Durch das wohlwollende Entgegenkommen des Herrn ProfessorsOr.Hen s e , Direkkors unseres Ghmnisiums, ist es deck opferwilligen Bemühungen unseres Synagogen-Vorstandes gelungen, daß seit dem 1. Mai d. I. an allen Klassen der sehr stark frequentirten Anstalt den sämmtlichen jüdischen Schülern, 41 an der Zahl, Religionsunterricht in 6 wöchentlichen Stunden durch Herrn Lehrer und Prediger Oppenheim ertheilt wird. Wenn sich das rege Interesse bei den Schülern und Eltern auch ferner so erhält, so dürfen wir diese Einrichtung umsomehr mit Freuden begrüßen, als die auswärtigen jüdischen Schüler bisher größtentheils gar keinen Religionsunterricht genossen. Das Gymnasialcuratorium hat das Bedürfniß auch rückhaltlos anerkannt und einen beträchtlichen Theil zur Bestreitung der Kosten auf seinen Etat übernommen. Auch der Besuch des Gottesdienstes wird von Seiten des Gymnasiums mit überwacht. Dje Angelegenheit war schon vor 10 Jahren vom damaligen Vorstand angeregt und vom Cultusmiuister Or. Falk genehmigt worden; doch scheiterte sie an der Aufbringung der Mittel. Der gegenwärtige Synagogeu-Vorstand stellte es sich jedoch zu seiner Aufgabe, auf jene Verhandln igen zurückzukommen und sie zu gutem Ende zu führen. Mannheim. Am 23. v. M. ist in Stephansfeld unser früherer Rabbiner Or. Bernhard Friedmanu aus dem Leben geschieden. Geboren in Kempen (Großh. Posen) wurde er frühzeitig von den talmudischen Capazitäten seiner Vaterstadt in das Studium der jüdischen Theologie eingeführt. In Breslau, wohin seine Eltern verzogen waren, absolvirte er das Friedrichsgymnasium und die Universität, auf welcher er sich dem Studium der Philologie und Philosophie widmete und mit den bedeutendsten Männern dieser an geistiger Zierde so reichen Stadt wie Bramß, Elvenich, Roßbach, Westphal, iUiffen, Geiger, Grätz, Berthold Auerbach, Eduard Laster, mtb Ferdinand Lassale, dessen Lehrer er gewesen, den lebhaftesten geistigen Verkehr unterhielt. Er bekleidete das Rabbinat in Nackel und wurde auf Empfehlung Berthold Auerbach's zur Uebernahme des Mannheimer Stadtrabbinats berufen. In Gemeinschaft mit Grätz trat er den reaktionären Bestrebungen Stahl's und Bauers auf wissenschaftlichem Gebiete entgegen und veröffentlichte mehrere gegen die Tübinger Jahrbücher gerichteten wissenschaftlichen Arbeiten