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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-05-06 · N° 19. (6.5.1886) · p. Seite 150

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 19. (6.5.1886)
Date
1886-05-06
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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— 150 — offene Hand bewahrt und versteht es, die Wohlthätigkeit in eben so rühmlicher, als praktischer Weise zur Ausübung zu bringen. So hat sich z. B. vor einiger Zeit zum Zwecke der Unterstützung von isr. Waisen Mädchen von 6—14 Jahren ein Kreuz ervcrei n gebildet, in welchem mit wenigen Ausnahmen die sämmtlichen Gemeinden Böhmens durch zahlreiche Mitglieder vertreten sind. Jedes Mitglied hat wöchentlich einen Kreuzer zu zahlen. Mehrbeträge sind natürlich nicht ausgeschlossen. Der Erfolg ist ein so bedeutender, daß das Einkommen des Jahres 1885 hinreichte, eine Concurrenz von 117 Stipendien zu je 50 österreichische Gulden zu ermöglichen. Hierzu kommen noch drei Stiftungen zu je 50 fl., so daß im Ganzen 120 Stipendien zu vergeben sind. Diese praktische Einrichtung dürfte sich auch anderwärts zur Nachahmung empfehlen. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Am 7. resp. 8. Tage des Pcssachfestes hat in mehreren Gemeinden eine Gedächtnißfeier für Zunz stattgesunden, so hier in Magdeburg, in Braunschweig, Aschersleben, Bacs-Topolya u. a. In Glvgau fand dieselbe, wie man uns nachträglich mitthcilt, ant Sabbath Sachor statt. Merlin. Voit den 15 Candidaten um die hier neu zu -crcirende Predig er stelle sollen demnächst einige zum Abhalten einer Probepredigt in der Synagoge in der Kaiserstr. eingeladen werden, und zwar die HH. vr. Salzberger aus Alsö-Kubin (Ungarn) z. Z. Rabbiner in Culm, vr. Rosenzweig (Tcplitz), vr. Gotdschmidt (Weilburg) u. a. Ersterer hält seine Candidatenrede bereits am 15. d. Mts. Merlin. Die Beschimpfung der Bibel oder einzelner Lehren oder Erzählungen derselben ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 12. Nov. v. I., nur dann als eine Beschimpfung von Einrichtungen der christlichen Kirche aus § 166 des Strafgesetzbuches zu bestrafen, wenn der Thäter sich bewußt war, durch seine Beschimpfung die christliche Kirche in den Grundlagen ihres Wesens zu beschimpfen. Mresla«. Der bisherige Privatdoccnt I)r. S. Fränke l ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der dortigen Universität ernannt worden. Kannvver. Dem zum Consularagenten der Vereinigten Staaten von Amerika ernannten Herrn A. Moritz Simon ist das Exequatur Namens des Reiches ertheilt worden. Hkogau. In der letzten Stadtvcrordneten-Sitzung stellte der Stadtverordnete Or. Gabriel den Antrag, die Thatsache der erfolgten Ausweisung der preußischen Staatsangehörigen Herschkowitz aus ihrer Heimathsstadt Glvgau, nur weil sie einen Ausländer geheirathet hatte, in die Staatschronik aufzunehmen, da die Ausweisung von dem Oberpräsidenten dadurch motivirt war, daß die östlichen Provinzen vor der Polonisirung geschützt werden müßten, und diese Motivirung, auf diesen emzelnen Fall angewendet, interessant genug wäre, der Nachwelt überliefert zu werden. Irankfnrt, 26. April. Eine sehr große Zahl von Leidtragenden bewegte sich heute früh von der Taunusstraße zum israelitischen Friedhof, um Herrn Raphael Rieß er die letzte Ehre zu erweisen. Der Verstorbene (Gründer des weit bekannten Stickereigeschäftcs) war als Mensch und als Gesellschafter gleich beliebt. Von seinen Söhnen hat sich Herr Dr. Jacob Rießer als Jurist bereits einen Namen gemacht. Der Verstorbene war Bruder des Di*. Gabriel Rießer, bekannt durch seine Thätigkeit zu Gunsten der Emanzipation der Juden und im deutschen Parlament. — Am 5. Mai findet in der Loge zur „Aufgehenden Morgcnröthe" eine Logen-Feier zum Andenken an Ludwig Börne statt, der genannter Loge als Mitglied angehört hat. Arankfnrt a. W. Der israelitische Almosenkasten vereinnahmte im Jahre 1885 Mk. 29 939 zur sofortigen Bertheilung, Zinsen von Legaten und Geschenken Mk. 3 805, Mitgliederbeiträge Mk. 12 521 und verausgabte an 448 Familien an vierteljährlichen Gaben Mk. 27 904 und aw monatlichen und außerordentlichen Spenden Mk. 28 457. Es mußten demnach aus dem Reservefonds zugeschossen' werden Mk. 10 095. Mosen. Herr Rohr aus Breslau hat am ersten Jahrzeittage seines seligen Vaters der hiesigen Gemeinde die Summe von 100,000 M. zum Bau eines jüd. Krankenhauses zur Verfügung gestellt. („Die Zierde der Väter sind ihre- Söhne!" Red.) — Dem Herrn Kaufmann Rosenfeld hier ist der Character als Kommerzienrath verliehen worden. Wien, April. In dem jüngst hier von Damen der höchsten Aristokratie gebildeten Comite zur Beschaffung rc. von Geldmitteln für die Poliklinik und für die Gesellschaft vom weißen Kreuze, aus 17 Damen bestehend, befinden sich 6 Israelitinnen. An der Voliklinik wirken mehrere jüdische Aerzte und an der Spitze derselben steht ebenfalls ein Israelit, Herr Regierungsrath Professor Schnitzler. Wien. Bei einer Unterredung des Kaisers Franz Joseph mit dem Künstler Gelli, der des Kaisers Bild zu malen hatte, brachte Gelli einmal die Rede auf den Antisemitismus und bemerkte, in Italien sei diese Erscheinung etwas ganz Unbekanntes. „So ist's auch recht", meinte Kaiser Franz Joseph: „ich schäme mich, daß der Antisemitismus nach Oesterreich gedrungen ist". Lemberg, 30. April. Baron M. von Hirsch in Paris hat dem hies. Statthalter v. Zaleski zur Pertheilung an die Abgebrannten in Stry ohne Unterschied der Confessiou 100,001» Ircs übermittelt. Krakau. Die hiesige Handelskammer ersuchte telegraphisch den Grafen Kalnoky, die Sistirung der russischen Verordnung zu bewirken, wonach die Juden verpflichtet sind^ vom russischen Minister des Innern die Bewilligung zur Reisenach Rußland und Russisch-Polen sich zu verschaffen, worauf dann erst der Paß vom russischen Botschafter visirt werden kann. Maris, 25. April. Das Duell zwischen Arthur Meyer,. Direktor.des „Gaulois", und Drumont, Verfasser des antisemitischen Werkes „La France juive“, fand gestern in einem Walde bei Versailles statt. Die Zeugen des Letzteren waren Alphonse Daudet und Albert Duruy, Sohn des bekannten Unterrichtsministers Napoleon'» III., diejenigen Meyer's seine Mitarbeiter Paul Ferrier und Bayer de Cadusch. Nach dem Protokoll war der Kamps ein äußerst heftigere zweimal mußten die Zeugen trotz der getroffenen Abrede, sich dessen zu enthalten, die Gegner, welche hart an einander gerathen waren, trennen und das Ende war, daß Drumont wegen einer tiefen Wunde am linken Schenkel kampfunfähig, wurde. Das Protokoll erwähnt ausdrücklich, daß Herr Meyer im Augenblick höchster Erregung zweimal mit der Linken nach dem Degen seines Gegners griff; er erklärte dies vor dem Auseinandergehen den Zeugen Drumont's durch seine „Nervosität, deren er nicht Herr gewesen sei." Maris. In den Heften der Revue de« deux Mondes vom 1. und 15. März veröffentlichtErnestRänan eine „Geschichte der Bibel." Das bisher Veröffentlichte ist nur ein Resume. Zürich, 21. April. Ein Rundschreiben der schweizerischen Bundeekanzlei an die Staatskanzleien sämmtlicher Kantone macht bekannt, daß Juden, welche nach Rußland reisen wollen, die besondere Bewilligung des Ministeriums des Innern, dazu einholen müssen, indem ein Visum der russischen Gesandtschaft nicht mehr genügt. Juden, welche ihren Wohnsitz im. Ausland haben und sich vorübergehend in Rußland aufhalten» werden daselbst nicht länger als ein Jahr geduldet. Sie sind, falls ihncil die erwähnte ministerielle Bewilligung fehlt, selbst dann vor einer Ausweisung nicht sicher, wenn ihr Paß das Visum trägt. — Italien Unser Glaubensgenosse, der Ingenieur Angela Luzzatti, erhielt vom König von Siam die Erlaubniß, auf der Insel Malacca Gold-Bergwerke zu eröffnen. Nach einer längern Forschungsreise daselbst hat er in Rom einen höchst bedeutenden Vortrag über die Verhältnisse des von ihm durchreisten Gebietes gehalten.

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