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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-05-06 · N° 19. (6.5.1886) · p. Seite 148

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 19. (6.5.1886)
Date
1886-05-06
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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— 148 — Die Localbehörden ermuthigten ihn zu diesem Schritte und verlangten van ihm den Ausweis von seiner Heimathsbehörde, daß er ans dem österreichischen Unterthanen-Verbande auf seinen Antrag ausgeschieden sei. Diese Urkunde wurde mit den anderen erforderlichen Documenten der preußischen Behörde überreicht. Die Angelegenheit schwebte seit Jahr und Tag. Der Antrag auf Naturalisation war weder abgewiesen noch erledigt. Soviel nur stand fest, daß der Antragsteller, obgleich in Galizien geboren, kein österreichis.her Staatsbürger mehr sei. In der That ging ihm auch in den ersten Monaten keine Ausweisungsordre zu. Wie peinlich wurde er aber vor einigen Wochen mit der Mittheilung überrascht, auch er gehöre zu den Ausgewiesenen, den Bemühungen der preußischen Behörde sei es gelungen, ihm das Jndigenat in Oesterreich wieder zu verschaffen und die Heimathsbehördc sei bereit, ihn wieder in Galizien aufzunehmen. Ein Gesuch von Bürgern dieser Stadt, den höchsten Berufsklassen angc-' hörend, hatte nicht den gewünschten Erfolg, obgleich die eigen gearteten Umstände dieses Falles mit allem Nachdrucke betont waren. In der Gemeinde Zabrze spielte sich am 19. April ein Vorfall ab, welcher sich leicht zu einem Abklatsch von Tisza-Eßlar sn miniature hätte gestalten können. In den Nachmittagsstnnden sollte das Dienstmädchen eines Restaurateurs L. Wasser holen. Das Dienstmädchen entfernte sich, ohne wiederznkehrcn. Der Dienstherr meldete der Polizei das Verschwinden seiner Magd. Das Ereigniß sprach sich im Orte schnell herum und einige böswillige alte Weiber commentirlen die Geschichte in ebenso bornirter, wie gehässiger Weise. Einige polnische Arbeiterinnen nahmen Veranlassung, gegen Abend dem Dienstmädchen eines unserer Glaubensgenossen, Namens G., znzurusen: „Hast Du schon gehört, was dem Dienstmädchen bei L. passirl sein soll? Hüte Dich, daß Dir in dieser Nacht Nichts passirt". Das Mädchen hatte nichts Eiligeres zu thun, als sofort zu ihren Angehörigen nach Ruda abzudampfen. Auch G. meldete der Polizei das plötzliche Verschwinden seiner Magd. Der eifrige Amtsvorsteher wartete kaum das Ende des Abendgottesdienstes ab, um Herrn G., z. Z. Orts- und Synagogen- Gemeindevorsteher in Z., zu veranlassen, ihn auf seinem Amtsgange behufs Vornahme einer Revision bei L. zu begleiten. G. leistete merkwürdiger Weise dieser Aufforderung Folge. Es ist mehr als überflüssig zu sagen, daß die hochnothpeinliche Hausdurchsuchung bei L. völlig resultatlos verlief. Welche Sensation das Vorgehen des Amtsvorstehers in den jüdischen Kreisen Z.'s hervorrief, kann man sich denken. Es wurden auch Stimmen laut, der würdige Beamte habe sich in seinem Feuereifer eine Competenzüberschreitung zu Schulden kommen lassen. Die erregten Gemüther hüben und drüben beruhigten sich erst, als die authentische Kunde anlangte, beide Durchgängerinnen seien frisch, gesund und munter. Die eine wurde sofort in Ruda ermittelt, die andere fand sich von selbst am Nachmittage des folgenden Tages bei ihrer Dienstherrschaft ein. So hat Z. „einen Sturm in einem Glase Wassers" über sich ergehen lassen müssen. Ob der Amtsvorsteher nicht besser daran gethan hätte, mit aller Besonnenheit und objectiven Ruhe, wie man sie von einem zeitgemäß gebildeten Manne in so exponirter und verantwortlicher Stellung erwarten darf, vorzugehen, steht für uns und viele Andere außer Frage. Kanaover. (Or. - Corr.) Wie Ihr geschätztes Blatt bereits berichtete, feierte Herr Or. Kayserling am 8. April das 25jährige Jubiläum als Jnspector der Michael Davidschen Freischule. Der Tag wurde von den ehemaligen und den jetzt die Anstalt besuchenden Schülern festlich begangen und gestaltete sich für den Jubilar zu einem wahren Freudenfeste; es zeigte sich, welcher Beliebtheit sich derselbe überall erfreut. Der Einladung des Comitö'S waren außer den Lehrern der Anstalt noch die des Seminars, an dem auch Herr Or. Kayserling unterrichtete und die der Retigionsschule, sowie sonstige Freunde des Jubilars zur Fcstfeier in der Anstalt gefolgt. Ein zu diesem Tage gedichtetes und componirtes Lied, voll den Schülern vorgetragen, begrüßte ihn und seine Familie beim Eintritte. Der älteste der Schüler überreichte hierauf Namens der Schule mit einer schönen Ansprache die Photographien, Herr Bankier Deichmann Namens des Comite's eine goldene Uhr und Kette als Geschenk ehemaliger Schüler. Die Schüler des Seminars widmeten ihrem Lehrer durch eine Deputation eine geschmackvoll ausgestattete Adresse. Herr Landrabbinec Or. Grone mann gratulirte dann Namens der verschiedenen Wohlthätigkeitsvereine, um die sich Herr Or. K. durch Aufnahme der von jenen gesandten Kinder verdient gemacht und zum Schluß beglückwünschte auch Herr Or. Krön er den Jubilar im Namen des Lehrercollegiums des Seminars. Tief bewegt dankte der Jubilar für die zahlreichen Beweise treuer Liebe und Anhänglichkeit. Abends beschloß ein Festessen in Spaniec's Hotel die Jubiläumsfeier. Möge cs dem verehrten Jubilar vergönnt sein, auch das 50jährige Jubiläum mit derselben Geistes- und Körperfrische zu begehen. A. O.Aon der Hlordfeeküste. (Or.-Corr.) Die Korrespondenz „aus dein Hannöverschen" in Nr. 17 und 18 d. Ztg. drückt mir die Feder in die Hand, um den Herrn Verfasser darauf aufmerksam zu machen, daß im Seminar zu Kassel sowohl in der ersten, als auch in der zweiten (praktischen) Prüfung Lehrproben auch in systematischer Religio ns - lehre abgehaltcn werden. So hatte z. B. Schreiber dieses im 2. schriftlichen Examen den Spruch schulgemaß zu bearbeiten: „Alles, was Odem hat. lobet Gott;" ein anderer Examinand hatte in derselben mündlichen Prüfung eine Lehrprobe zu halten über den Vers: „Besser ist ein Langmüthiger als ein Held, und wer sein Gem.ith beherrscht, ist besser als ein Srädteeroberer". (Natürlich könnten diese Beispiele, wenn der Raum d. Bl es gestatten würde, noch um sehr viele vermehrt werden.) — Auch bezüglich der Anleitung zum system. Religionsunterricht bleibt im Kasseler Seminar nichts zu wünschen übrig. Dort haben die Zöglinge der ersten Klasse in der Uebungsschule in Gegenwart der Seminaristen 1. und 2. Klasse und des betreffenden Lehrers auch in system. Religionslehre wöchentlich je zwei Lehrproben zu halten. Mag sein, daß in der Lehrerbildungsanstalt, deren Zögling einstens der Herr Verfasser jenes Artikels war. diese Lehrproben früher fehlten („weiß nicht, ob's anders geworden in dieser neuen Zeit"), in der zu Kassel sind die von ihm gerügten Mängel nicht vorhanden. Stettin, 22. April. (Or.-Corr.) Der hiesige „Brüder- Verein", der nun bald 25 Jahre erfolgreich besteht, versendet soeben seinen Kassen-Bericht für das verflossene Verwaltungsjahr. Er vereinnahmte a) Beiträge M« 5676,25; b) Aufnahme-Gebühren M. 187,50; c) Zinsen M. 609,50 und d) für Utensilien M. 15 und verausgabte a) Krankenpflege M. 1118,55; b) Unterstützungen M. 80; o) für wissenschaftliche Vorträge M. 828,51; d) Sommer- und Winter-Vergnügungen M. 2l37.05; e) Ressource M. 322,40 und f) sonstige Verwaltungskosten rc. M. 709,40. Das Vermögen des Vereins besteht jetzt aus M. 17753,60 und hat derselbe ca. 500 Mitglieder. Nächst dem „Verein junger Kauflente" ist er der größte Verein hiesiger Stadt, unter seinen Mitgliedern sind, was lobend anerkannt werden muß, alle Classen und Stände vertreten, er umfaßt eben alle Personen mit gleicher Liebe. In seinen Concerten und sonstigen Vergnügungen, die der Verein veranstaltet, fühlt sich Jeder behaglich und sind diese Vergnügungen deshalb stets sehr zahlreich besucht. Für junge Leute, die hier keine Au? gehörigen haben, ist der Verein ein wahrer Segen, in Fällen der Krankheit haben dieselben freien Arzt und Medicin und auf besonderen Wunsch oder in schweren Fällen werden dieselben auch nach dem Krankenhaus gebracht. Möge der Verein auch weiterhin gleich segensreich wirken und möge es ihm vergönnt sein, uncer gleich günstigen Aussichten wie das 25jährige so auch das 50jährige Bestehen öcrmalelnst zu feiet n

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