Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 17-18. (22.4.1886)
- Date
- 1886-04-22
- Page
- Seite 140 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 140 — 17 Stellen, wovon 10 mit Schullehrern und 7 mit Schulamtsverwesern besetzt sind und 183 Knaben und 300 Mädchen zählen, unter Oberaufsicht der katholischen Oberschulbehörde 10 Stellen, sämmtlich mit Schullehrern besetzt, welche 156 Knaben und 206 Mädchen zählen. Diese 27 Schulen zählen also 335 Knaben und 506 Mädchen, zus. 841 Schüler; somit trifft eine Klasse ca. 31 Schüler, während bei den christlichen Schulen auf eine Klasse ca. 73 Schüler kommen. Außer diesen 27 Elementarschulen giebt es in Württemberg noch 20 Religionsschulen, welche unter der Aufsicht der K. Israel. Oberkirchenbehörde stehen und meist von Ausländern versehen werden. Oesterreich-Ungarn. Ireßkurg, 14. April. (Or.-Corr.) Ein seltener Act von Hochherzigkeit und Toleranz ist von hier zu verzeichnen. Die hiesige jüdische Kinder-Bewahranstalt, die vor fünfzig Jahren durch die Stiftung eines Herrn Herrmann Tedesko entstanden, die im Jahre 1848 von dem Pöbel geplündert und nicdergerissen, später aber wieder restaurnt wurde, erfreute sich dort der Gunst des Grafen Johann Palffy, der für die Anstalt, die bloß ein Gebäude, aber keinen Garten besaß, einen solchen direct micthete und ihr zur unentgeltlichen Benutzung überließ Nun verwendete aber der Mann, dessen Eigcnlhrm der Garten war, den letztern zu eigenen Zwecken und es drohte der Anstalt die Gefahr, schon im nächsten Sommer eines freien Raumes im grünen Schatten für die spielenden Kleinen entbehren zu müssen, da spendete der genannte Graf großmüthig die Summe von fl. 7000, um einen eigenen Garten anzukaufcn, was auch bereits geschah. In einem schönen, sympathischen Schreiben stellte er dem Vorstande der Anstalt das Geld zur Verfügung, der wieder seinerseits in einer prachtvoll ansgestatteten Adresse dem hohen Spender den wärmsten Dank im Namen der unmündigen, hilflosen Zöglinge aussprach. Daß die Israeliten an den Landes¬ und städtischen, ja sogar an speeiell christlichen Institutionen sich mit großen Summen bctheiligen, ist hier nichts seltenes, aber eine umgekehrte That, wie die erwähnte, dürfte in Ungarn schon lange nicht vorgekommen sein und verdient, zumal in Zeiten der Intoleranz, verewigt zu werden. Hingegen hat der hiesige Comitats-Verwaltungsausschuß dieser Tage mit einem intoleranten Act debütirt, indem er gegen den jüdischen Schuldircctor in Tyrnau, Herrn S. Goldberger, der in Preußen (Ratibor) eine Civilehe eingegangen, die Disziplinar-Untersuchung einleitete. Der Königl. Schulinspcctor, als Mitglied jener Behörde, protestirte zwar entschieden gegen diesen Beschluß, doch behauptete die Majorität, der Director einer Staatsschule dürfe nicht in Civilehe leben. Sicher meinen die strengen Herren nicht so sehr die Civilehe, deren Annahme ja in der vorigen Reichstags - Session an einem Haare hing, wie den jüdischen Schuldircctor. Die Entscheidung des Ministeriums steht noch aus, dessen Urtheil aber sehr zweifelhaft ist; der Ungar. Cultus- und Unterrichtsminister August v. Trefort kann sich trotz seiner hohen Bildung und seiner liberalen Gesinnung zu keiner ganzen, freien That aufraffen. Das bewies nicht nur der Umstand, daß die alljährliche Interpellation des Abgeordneten Jranyi auf Einführung der vollständigen Religionsfreiheit wirkungslos verhallt, sondern auch die Verordnung, die der Minister jetzt erlassen, daß die jüdischen Studenten in Mittelschulen vom Schreiben und Zeichnen am Sabbath nicht mehr dispensirt sind. Dieser Erlaß birgt in sich eine Intoleranz und eine Halbheit, da er bestimmt, daß jedes einzelne Gesuch um Befreiung direct an das Ministerium gerichtet werden müsse, welches aber nur in Ausnahmsfällen, wie z. B. bei Rabbinerssöhnen oder bei solchen, die sich der Rabbiner-Laufbahn widmen, von ihm Berücksichtigung finden werde. Es ist einleuchtend, daß diese Bestimmung prinzipiell unmotivirt nnd praktisch undurchführbar ist; denn das Judenthum macht ja bekanntlich keinen Unterschied zwischen Laien und Rabbinern und das Religionsgesetz verpflichtet sie Beide in gleicher Weise. Und dann, wie will man den sichern Nachweis erhalten, daß ein Student in der Mittelschule sich zum Rabbiner heranbilden werde, nachdem ihm je nach den Motiven alle Fakultäten offen stehen? Auch hier ist der-Zweck durch scheinend, nämlich, das Sinnen auf Mittel, die Jude n von den Studien fernzuhalten, da man ja auch in Ungarn ewig damit lärmt, daß die jüdischen Studenten die Mittelschulen überfüllen und erst die vorige Woche ein Abgeordneter, Antisemit, im Parlamente den Antrag stellte, es solle kein Jude als Professor angestellt werden. Man glaubt allgemein, der Minister werde den Erlaß zurücknehmen, wie er es mit dem that, dessen in Nr. 6 dieser Blätter Erwähnung geschah. Vermischte und neueste Nachrichten. Werkin, 19. April. Die Firma „Herrmann Gerson" feierte gestern das Jubiläum ihres 50 jährigen Bestehens. Der Jubeltag gab Veranlassung zu einer Reihe glänzender Ovationen, die bewiesen, welch' ehrende Stellung die Firma selbst in allerhöchsten Kreisen einnimmt. So hatte die Kaiserin dem jetzigen Inhaber der Firma, Herrn Albert Philipp Meyer, als Zeichen ihrer Huld eine kostbare Tasse mit dem Bildniß des Kaisers und ein überaus ehrendes Schreiben iiberfanbt Am Vorabend versammelte der Chef seine sämmtlichen Angestellten um sich, um ihnen einen Beweis seiner Dankbarkeit für die treue Mithilfe zu übergeben. Der Verein junger Kaufleute ehrte den Jubilar, indem er ihn zum immerwährenden Mitgliede ernannte. Mrkenfekd, 17. April. (Or.-Corr.) Heute Morgen starb hier unser Landrabbiner Herr M. Goldmann in Folge eines Herzschlages im Alter von 74 Jahren. Derselbe amtirte nahezu 40 Jahre im Fürstenthum und war Anhänger der gemäßigten Reform. Er erfreute sich allgemeiner Liebe und Achtung. Seit einigen Jahren leidend, hat er dennoch seine Berufspflichten erfüllt und des Sabbaths in den Gemeinden gepredigt. Seine Anstellung war eine etatsmäßige. IlaKek. Der Schulvorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hatte unlängst über die Pensionirung des ersten Lehrers der jüdischen Elementarschule, Herrn Golliner.zu beschließen. In Rücksicht darauf, daß dieser Lehrer an genannter Schule sein Amt ca. 40 Jahre in steter Treue und Gewissenhaftigkeit geführt hat, wurde ihm das bisherige Stelleneinkommen incl. der Entschädigung für Brennmaterialien als Ruhegehalt gewährt. Auch seine D i e nstw o hn un g ihm für die Zeit seines Lebens belassen. (Es ehrt dieser Beschluß die Gemeinde nicht minder als ihren Lehrer.) Stargard, 11. April. Lüge oder Wahrheit? Sitzen da in einer hiesigen Kneipe zwei zweifelhafte Existenzen, Bewohner unserer Stadt, deren einer früher ein sehr wohlsituirter Bäckermeister war, und betrinken sich stark. Da fällt es dem letzterwähnten Bäcker S. ein, sich des Mordes an dem Knaben Cybula in Skurz, jener bisher unaufgeklärten Missethat, zu beschuldigen, und zwar, weil er sein G.'wissen endlich erleichtern müsse. Sein Zechkumpan sei sein Mitschuldiger. Natürlich wurden beide verhaftet, man glaubt aber nicht an ihrer Schuld. Altona, 17. April. Herr Justizrath Marburg ist gestern nach längerer Krankheit im 76. Lebensjahre verstorben. 1867 ward er als Vertreter für Altona in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt und hat dieses Mandat bis 1885, wo er es Attersschwäche halber niederlegte, innegehabt. In den weitesten Kreisen genoß der Verstorbene hohen Ansehens und allgemeinster Achtung. In Arankfttkt a. M. traten eine Anzahl Bürger im Goethe-Hause unter Vorsitz des Herrn Dr. Veit Valentin zusammen und beschlossen am Donnerstag den 6. Mai, dem 100 sten Geburtstag Ludwig Börne's, eine öffentliche akademische Feier abzuhalten. Das Börne-Denkmal soll festlich geschmückt werden. Stuttgart, 17. April. Wie der Staatsanzeiger von heute meldet, ist dem Rabbiner Herz in Göppingen aus Anlaß seines vierzigjährigen Amtsjubiläums das Ritterkreuz