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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-04-22 · N° 17-18. (22.4.1886) · p. Seite 139

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 17-18. (22.4.1886)
Date
1886-04-22
Page
Seite 139 (sequence 5)
Language
German
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- 139 — in der Religion, die ganze Systematik auf das reifere Alter zu verschieben und dort lediglich zu systematisiren? Und dann: was und wie soll gelehrt werden? In der biblischen Geschichte soll anerkannterweise mehr der Erzählton vorwalten, moralisireden Nutzanwendungen sollen nur kurz angefügt werden. Beim Pentateuch-Uebersetzen hat man doch nur bei einzelnen Stellen Vorschriften der Religion und der Ethik; bei diesem Unterrichtsgegenstande überwiegt doch das Lehrziel, daß die Kinder geläufig übersetzen und einige grammatikalische Kenntnisse erlangen, und dieses Bestreben erdrückt die übrigen Bestrebungen. Wie kann man nun da, wo so ungünstig vorgearbeitet ist, an ein systematisches Anordnen des ReligionsstoffeS gehen, da dieser selbst noch gar nicht von den Kindern genügend aufgefaßt und begriffen ist? Kurz und gut: Das Systematisiren und Schematisiren ist der Krebsschaden der jüdischen Schule, ebenso das Philosophien. Die Diskussion über diese wichtigen Fragen, an denen bis jetzt nur Herr Or. Goldschmidt allein sich betheiligt hat, muß wieder eröffnet werden.*) Für heute nur soviel: Die Seminarien sollen die Lehrer anleiten zu einer guten gediegenen Lehrweise im echt jüdischen Religionsunterricht, folglich sollen die Lehrproben auch im speciellen Religiosunteraicht gehalten werden, umsomehr als beim 2. Lehrerexamen (gemäß den allgem. Bestimmungen) dieses Fach gar nicht berücksichtigt wird. Nicht das theorethische Wissen ist die Hauptsache, -sondern das praktische Können. Üis Rhodus, hie salta! Paderborn. Der jüngst erschienene 26. Jahresbericht über unsere hiesige Waisen-Erziehnngs-Anstalt liefert einen erneuten Beweis von dem erfreulichen Gedeihen dieser segensreichen Anstalt. 59 Waisen weilten im abgelaufenen Rechnungsjahre in derselben. Entlassen wurden 9 Zöglinge, ausgenommen 11. 4 Zöglinge besuchen ihrer besonderen Begabung wegen das Gymnasium, die übrigen werden in der Anstalt unterrichtet. Die Jahreseinnahinen beliefen sich auf 46326.15 M. und setzen sich zusammen aus 16850 M. für gestiftete Jahrzeilen, 6500 M. Collectengelder in den Einzelgemeinden Rheinlands-Westfalens, 4812 M. besondere Gaben, 4008 M. Pflegegeldcrn, während der Rest aus Beständen aus dem Vorjahre und Zinsen von Actiris resultirt. Unter den Gaben befindet sich auch in diesem Jahre eine außerordentliche Schenkung von 100 M. von Ihrer Majestät der Kaiserin. Die Zahl der Jahrzeiten, die für verstorbene Wohlthäter in der Anstalt abgehalten werden, beziffert sich auf 678. Möge sich dieses herrliche Denkmal werkthätiger Menschenliebe dauernd und in stets erhöhterer Weise in der Gunst des Publikums erhalten! Zwesten. (Rgbez. Cassel.) Die Besprechung des Jahresberichts der Achawa in Nr. 12 und 13 der Wochenschrift veranlaßt mich zu einigen Bemerkungen, die ich eigentlich schon im Herbst nach der Veröffentlichung des Berichts über die Generalversammlung machen wollte, woran mich eingetretene Familienunfülle jedoch verhinderten. Der Bericht über die Generalversammlung enthält, soweit er sich auf meine Theilnahme an derselben bezieht, eine kleine Ungenauigkeit. Es ist nämlich in demselben die Notiz enthalten, Herr Driesen in Tauberbischossheim und ich hätten Anträge auf Umwandlung der „Achawa" in eine Pensionskasse gestellt, und doch ist kein Theilnehmer dem von Herrn Driesen wirklich gestellten Anträge so energisch entgegen getreten als gerade ich. Der Bericht erwähnte auch eines von mir gestellten Antrages, der leider abgelehnt wurde und auf den ich hier näher zurückkommen möchte, um ihn der Erwägung der Vereinsmitglieder zu empfehlen. Daß ich denselben s. G. w. zur nächsten General-Versammlung wiederholen werde — hoffentlich mit besserem Erfolge,—'ist wohl selbstverständlich. *) Wir bemerken, daß obiger Artikel uns eingesandt war, bevor die Reihe der Klingenstein'schen Artikel, die wir in den letzten Nummem brachten und nach dem Feste fortsetzen werden, eröffnet war.;Red.) Ich hatte nämlich beantragt, man möge die Nr. o im § 5 der Statuten (Beibringung eines ärztl. Zeugnisses) streichen. In der Versammlung hatte ich diesen Antrag dahin modificiert, bis zu einem zu bestimmenden Dienstalter (etwa in den ersten 5 Jahren) von der Beibringung eines solchen Zeugnisses abzusehen.*) Aber auch einigen Bemerkungen in der Besprechung des Jahresberichts möchte ich entgegentreten. Der Herr Corresp. sagt: „Da sind erstens die wenigen vom Staate angestellten Lehrer, deren Zukunft nach dieser Richtung leidlich gesichert erscheint, welche sagen: Für uns ist gesorgt, was gehen uns die Andern an?" Die staatlich angestellten Lehrer sollten wirklich so böse Menschen, so alles Corpsgeistes bar sein? Bekanntlich befindet sich das Gros der in Preußen staatlich angestellten Lehrer im Regierungsbezirk Cassel und von den dort wirkenden ca. 80 Lehrern sind 45 Mitglieder der Achawa. Amram. Nachbemerkung der Redaction: Wir sind in der Lage, hierüber sofort nähere Aufklärung nach eingezogenen Erkundigungen zu geben. Man schrieb uns darüber: Was die Bemerkungen über die definitiv-staatlich angestellten Lehrer betrifft, so hatte der Herr Corresp. nicht die kurhessischen, sondern vorwiegend die pfälzischen, badischen, württembergischen und theilweise auch Bayern und selbst einige Hessen im Auge. Besonders unbrüderlich betragen sich die badischen Lehrer. Die Achawa hat dort die größten Nehmer; da ist z. B. ein Lehrer eingetreten, als er schon taub war, er mußte nach 2 Jahren pensionirt werden, starb vor 3 Jahren mit Hinterlassung einer Wittwe und 10 Kinder unter 16 Jahren: die Familie bezieht also seit ca. 12 Jahren stets 3 Theile. Außerdem hat die Achawa dort noch etwa 7 Pensionäre, theilweise mit 3—4 Kindern, so daß 22—23 Theile nach Baden kommen; aber die Herren Gemeindehauptlehrer treten nicht bei; in ganz Baden haben wir — außer Ortlieb in Heidelberg — keinen Freund unserer Sache, wenig oder gar keine Ehrenmitglieder. Aber die Herren erhalten für sich eine Unterstützungsanstalt — Eppsteinverein genannt; und haben vor Jahren einen weiteren Separatverein geplant, der aber in's Wasser fiel. Wen's juckt, der kratze sich! Aus Süddeutfchkaud. (Or.-Corr.) In Nr. 13 Ihrer gesch. Wochenschr. habe ich berichtet, daß das „Südd. Sonntagsbl." begonnen, die Abfertigung Stade's aus der „Wochenschrift" abzudrucken, und habe ich sodann die den Abdruck einleitenden Worte des Dr. Joh. Gihr angeführt. Gestatten Sie mir nun auch, das „Nachwort"dieses trefflichen Redacteurs (Nr. 14 des Sonntagsbl.) hier wiederzugeben; es ist in mehrfacher Hinsicht hochinteressant: „Das Fatalste für einen Geschichtsschreiber bleibt immer die Tendenz. Was für das gewöhnliche Leben sich als das Beste empfiehlt, stets bei der Wahrheit zu bleiben, mit der man unter allen Umständen am sichersten auskommt, sollte für den Geschichtsschreiber das erste und letzte Gebot bleiben, das ihm die Feder führt. Daß dies bei Herrn Prof. Stade nicht der Fall war, hat Herr vr. Kroner überzeugend nachgewiesen. Jetzt heißt's nur noch, Herrn Kroner entweder des wissenschaftlichen Jrrthums zeihen, oder ehrlich eingestehen, daß man selber wissentlich oder unwissentlich geirrt habe, wie es Anstand und „christliche Sitte" erfordern. Es giebt glücklicherweise nicht verschiedene confessionelle Wahrheiten." — (Wie wir aus amerikanischen Blättern ersehen, haben auch diese von der gründlichen Widerlegung unseres gesch. Mitarbeiters, auf welche Herrn Stade jede Antwort ausgegangen zu sein scheint, anerkennend Notiz genommen. Red.) Stuttgart im April. (Or.-Corr.) Nach der neuesten Statistik zählt Württemberg nur noch 27 israel.- „Elementarschulen", nämlich unter Aufsicht der evangel. Oberschulbehörde *) Da der Herr Einsender seinen Antrag in der nächsten in circa ö Jahren stattfindenden Generalversammlung tvieder stellen will, so erscheint uns seine jetzt hier folgende eingehende Motivirung etwas verfrüht, wir haben sie deshalb unfern Lesern vorläufig erspart. (Red.)

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