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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-04-15 · N° 16. (15.4.1886) · p. Seite 131

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 16. (15.4.1886)
Date
1886-04-15
Page
Seite 131 (sequence 5)
Language
German
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— 131 — für die nöthigen Localitäten und Schränke. Die Verwaltung der Bibliothek ist als Ehrenamt einem Curatorium übertragen, das statutengemäß aus dem jeweiligen Gemeinderabbiner, einem Mitglieds des israel. Gemeindevorstandes, einem vom Mendelssohn - Leseverein, einem vom Talmud- Thora-Verein delegirten und einem aus der Mitte der Vereinsmitglieder durch die Generalversammlung gewählten Mitgliede besteht. Für das gegenwärtige Verwaltungsjahr gehören dem Curatorium an die Herren: Or. Appel (Vorsitzender), Leopold Wiesenthal (Kassirer), Julius Braunschweig (Schriftführer), Louis Lehmann und Eduard Emmerich (Revisoren). Außer diesem, den Bildungsinteressen der hiesigen Gemeinde dienenden Vereine ist in längster Zeit zu den bereits bestehenden Wohlthütigkeitsvereinen ein neuer hinzugetreten, der durch Anregung und Bemühung des unermüdlichen Herrn Louis Lehmann gegründet wurde, ein Verein zur Unterstützung israel. Mädchen behufs Erlernung eines Lebensberufs und Ausstattung bei Verheirathung. Es muß mit Befriedigung cvnstatirt werden, daß innerhalb des letzten Decenniums unsere Gemeinde im Innern und nach Außen bedeutende Fortschritte gemacht und ivährend dieser kurzen Zeit mehr geleistet hat. als vorher vielleicht in einem Menschenalter. Möge die friedliche Entwickelung unseres Gemeindelebens in Zukunft einen gleich gedeihlichen Fortgang nehmen! H. Inowrazkaw, 6. April. (Or.-Corr.) Am verflossenen Sabbath P. Hachodesch gedachte der Herr Rabbiner I)r. Kohn Hierselbst in seiner Predigt des verewigten Zunz. Der geschätzte Redner ging zunächst auf die Bedeutung der drei vorangegangenen Sabbathe ein. Der Sabbath P. Sachor will uns die eindringliche Mahnung geben, jeglichen Gedanken des Hasses und der Feindschaft gegen den Mitmenschen aus dem Herzen zu bannen und uns vor einer Handlungsweise, wie die des Amalek gewesen ist, zu hüten. Gebietet uns doch auch geradezu das Gotteswort: „Verabscheue den Edomiten nicht, obgleich er dein Erzfeind ist". P. Parah ermahnt uns, den „Geist der Unreinheit" zu verscheuchen, den Geist der Unduldsamkeit, der besonders heutzutage in Schrift und Wort an den höchsten Stätten zu Tage tritt. P. Hachodesch endlich weise auf die Wandelbarkeit der Zeiten und die Unwandelbarkeit des Glaubens hin nach des Psalmisten Wort: „Er hat den Mond eingesetzt für die Zeiten, die Sonne kennt ihren Untergang". Eine Sonne ain Himmel des Judenthums war der Heimgegangene Or. Zunz gewesen. Er war erfüllt von einer innigen Liebe zur Menschheit, er kannte keinen Haß gegen Andersgläubige, vielmehr suchte er den Geist der Duldsamkeit auf Andere zu verpflanzen. Vor allem aber war er bestrebt, jenen „Geist der Unreinheit" zu bannen, indem er durch seine großartigen, unübertrefflichen Meisterwerke, die Früchte langjährigen, emsigen Forschens, gezeigt, welche kostbaren Schätze in dem Schachte des jüdischen Schriftthums verborgen liegen. Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Reichstagsabg. Or. Kopp, der wegen seines sensationellen Buches „Zur Judenfrage" in welchem er die Rohlings ad absurdum führte, von der antisemitenschen Hetze durch Wort und Schrift verleumdet wird, sieht sich nachfolgende „Erklärung" zu veröffentlichen, um deren Aufnahme auch wir ersucht werden: „Von persönlichen Freunden und wohlwollenden Parteigenossen wurde ich wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß verschiedene Blätter, die ich nicht lese oder auch gar nicht kenne, aus Anlaß meines Buches „zur Judenfrage" eine abenteuerliche Geschichte erzählen, die, von kleinen Varianten abgesehen, darauf hinausläuft, ich hätte dieses Buch rm Aufträge der „Alliance Jsraelite" geschrieben und sei von ihr mit einer ganz exorbitanten Summe entlohnt worden. Im politischen Kampfe alt geworden, bin ich gegen Angriffe aller Art ziemlich abgestumpft und huldige mit Vorliebe dem guten deutschen Sprüchwort: „Wer sein Haus baut an der Straßen, muß die Leute reden lassen." Ich verhielt mich aber ablehnend gegen freundliche Aufforderungen, die erwähnte Fabel zu berichtigen, umsomehr, als ich es für eine Anmaßlichkeit und eine neue Unart halte, eine persönliche Angelegenheit vor dem großen Publikum zu erörtern. Wenn ich diesem Grundsätze endlich doch untreu werde, so bewegt mich hiezu ein besonderer Grund. Es ist ganz in der Ordnung, daß der Advocat für seine rechtsfreundliche Vertretung bezahlt wird, so wie jeder Andere, der in seinem Berufe arbeitet. Die Höhe der Entlohnung wird durch Uebereinkommen oder Richterspruch bestimmt, und selbst eine glänzende Honorirung könnte nur gemeiner Neid bemängeln. Anders ist es, wenn der Advocat als Schriftsteller auftritt und, wie ich es in dem Vorworte gethan habe, dem Publikum erklärt, er habe mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft, mit redlichem Eifer nach Wahrheit gesucht und lege nun dem Publikum das Resultat dieser Mühen vor. Wer öffentlich so spricht und insgeheim doch nur der bestellte und bezahlte Schriftenverfasser einer Partei ist, der belügt und betrügt das Publikum, der entweiht seine Feder in schmachvoller Weise und verdient weder Achtung noch Glauben. In dieser Erwägung also, um Zeugniß abzulegen für die Glaubwürdigkeit meines Buches, welches keine Zeile enthält, von deren Wahrheit ich nicht durchdrungen wäre, trete ich jener albernen Fabel entgegen. Schon im Verlaufe des Processes sprachen allerlei Anzeichen dafür, daß Rohling es auf die gerichtlich. Entscheidung nicht werde ankommen lassen, um nicht in öffentlicher Verhandlung entlarvt zu werden. Ich trug mich daher schon im Laufe des Processes mit dem Gedanken, im Falle der Einstellung des Verfahrens die Ergebnisse der Untersuchung zu publiciren. Kurz vor der mündlichen Schlußverhandlung, also zu einer Zeit, da ich schon das ganze Material gesichtet und studirt hatte, erhielt ich die gerichtliche Verständigung von der Klagabstehung, und am selben Tage begann ich mein Buch zu schreiben. Ich faßte also diesen Plan ohne jedwede fremde Anregung und habe bei der ganzen Arbeit Rath, Mithilfe oder Unterstützung materieller oder anderer Art von Niemanden begehrt oder erhalten. Mit der Alliance Jsraelite bin ich weder aus Anlaß des Processes noch früher oder später, weder direct noch, wie ich hiermit ausdrücklich und mit aller Bestimmtheit erkläre, in direct in irgend welche Berührung gekommen. Niemand hat mir für mein Buch auch nur einen Pfennig versprochen oder gegeben — mit Ausnahme meines Verlegers, den ich bei Uebergabe des Manuscriptes sagte, er möge mein schriftstellerisches Honorar selbst bestimmen, da es mir viel weniger auf dieses als auf die möglichste Verbreitung des Buches ankomme. Ich stelle daher keine andere Bedingung als eine anständige Ausstattung und einen billigen Verkaufspreis. Dieser, wie ich hoffe, deutlichen und unzweideutigen Erklärung habe ich nichts beizufügen, als daß jeder aufmerksame Leser meines Buches ohnedies erkennen wird, daß ich eine strenge objective und unparteiische historisch-kritische Studie, aber durchaus keine Apologie geschrieben habe. Ich stelle zum Schlüsse an die Redactionen aller achtbaren Blätter die Bitte, im Interesse der Wahrheit diese „Erklärung" zu veröffentlichen. Wien, 6. April 1886. Dr. Joseph Kop p." 'Nest. Die Antisemiten im Reichsrath lassen natürlich keine Gelegenheit unbenützt, um Juden und Judenthum einen Hieb zu versetzen. Aber gewöhnlich fliegt der Pfeil auf den Schützen^zurück. So erging es ihnen jüngst bei Berathung der „Comitats-Verwaltung". Es war der Antrag gestellt, daß Äerzte, Richter, Professoren, Schriftsteller und Zeitungs- Redacteure schon bei einer Steuerhöhe von 1000 fl. jährlich Sitz und Stimme im „Cvmitat" (eine Art Kreistag) haben sollten, während Geschäftsleute, Gutsbesitzer und dergl. erst dazu berechtigt sind, wenn sie jährlich 2000 fl. Steuer yj. .

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