Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 12. (18.3.1886)
- Date
- 1886-03-18
- Page
- Seite 94 (sequence 4)
- Language
- German
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94 — ihre Pflicht halten? Wir wollen zugeben, daß es einzelne kleine Gemeinden giebt, in welchen gar Nichts zu thun möglich ist. Aber deren Zahl ist verschwindend klein. In der weitaus größten Zahl der isr. Gemeinden giebt es mindestens einige wohlthätige und wohlhabende Mitglieder oder irgend einen Verein, eine Stiftung, die gerne bereit wären und mit Freuden sich diesem größten und wichtigsten gemeinsamen Vereine der deutschen Judeuheit anschließen würden, der die Zukunft ihrer Gemeindebeamtcn zu sichern berufen ist — wenn sie nur von demselben wüßten! Und offen gestanden — ist dies nicht sogar die heiligste Pflicht der Gemeinden und ihrer Mitglieder? Sind wir ihnen im Ganzen auch nur etwa Dank dafür schuldig, wenn sie für die Zukunft der Männer und deren Hinterbliebenen eintreten, die ihr Leben für winzigen Lohn in ihrem Dienste zubringen? Ueberall bei den Beamten des Staates und der Civilgemeinden treten diese ein für Pension und Wittwengehalt. Wir würden als freisinnige, als liberale Männer gewiß allesammt über Ungerechtigkeit klagen, — und es ist geschehen, als die Pensionsgesetze noch mangelhaft waren, — wenn der Staat seine Beamten und die Bildner des Volkes im Alter darben ließe, wenn er die Wittwen und Waisen derselben nicht gegen Hunger und Noth schützte und unterstützte. Und unsere eigenen Beamten lassen wir in Stich? Schicken sie sogar ins Elend, wenn das Alter, wenn die Dienstunfähigkeit naht? Nein, das würden sich israelitische Männer nicht sagen lassen, das würden die milden Herzen der Frauen in Juda nicht dulden, wenn sie es vermeiden könnten. Und wenn nun der berufstreue und geachtete Lehrer bei den Eltern seiner Schüler, vielleicht bei den erwachsenen, älter gewordenen Schülern selbst anklopst und sagt: „Hier ist eine Anstalt, die meine und meiner Angehörigen, die Zukunft der Angehörigen des gesammten jüdischen Lehrerstandes zu sichern berufen ist; mehr als hunderttausend Mark hat sie bereits an hülssbedürftige Lehrer, an Wittwen und Waisen derselben vertheilt; viele edle israel. Männer und Frauen stehen in diesem Berichte, den ich Ihnen hier vorlege, welche dem Vereine von Jahr zu Jahr einen kleinen Beitrag zahlen. Aber noch sind die Pensionen klein. Wollt Ihr nicht in diese Ehren-Liste der Edlen und Wohlthätigen in Israel eingezeichnet sein? Gebt einen Beitrag, damit durch gemeinsame Wirksamkeit die jährlichen Einnahmen so hoch werden, daß sie hinreichen zu Pensionen, die gegen die Noth vollkommen schützen". Gewiß, nur sehr wenig Herzen und Hände würden sich diesem Rufe verschließen. (Schluß folgt.) IranKfurl a. M. (Schluß.) Nachdem die beiden Krankenkassen während einer langen Reihe von Jahren segensreich thätig gewesen waren, zu einer Zeit, wo die ältere, von Maas gestiftete Anstalt, ihrem hundertjährigen Bestehen entgegen ging, da trat ein Mann auf in der Mitte der Verwaltungen, klaren Geistes und eifrig beseelt für die Förderung der Zwecke dieser Vereine; dieser Mann war Siegmund Geisenheimer. Er erkannte bald, daß die beiden Anstalten vereint, Tüchtigeres zu leisten im Stande sein würden, als es der schwächeren Kraft der einzelnen Anstalt möglich ist. Und so strebte er nach diesem Ziel mit aller ihm eigenen Energie, und der Erfolg seines Strebens war die Erreichung dieses Zieles; gleich wie Benedict Elias Maas, als Stifter der Anstalt, ebenso erscheint Siegmund Geisenheimer nach beinahe hundert Jahren als Reformator der Krankenkassen, welche durch seine Bemühungen vereinigt ihre menschenbeglückenden Zwecke erfüllen. Gleichzeitig mit dieser Vereinigung entstand durch die Munisicenz der freiherrlich von Rothschild'scheu Familie das herrliche Krankenhaus an der Rechneigrabenstraße, welches im Jahre 1829 in Gebrauch genommen wurde. Zum Andenken an den am 12. April 1828 Heimgegangenen Siegmund Geisenheimer wird alljährlich am Stiftungsfeste der Anstalt in der Synagoge derselben ein Gebet vorgetragen, dessen Inhalt in kurzen Zügen eine Darstellung seiner Verdienste überhaupt wie auch besonders um die Krankenkasse wiedergiebt. Am 100jährigen Geburtstage Geisenheimers wurde eine Gedenktafel von den Mitgliedern der israelitischen Männer¬ und Frauenkrankenkassen errichtet, welche folgende Inschrift trägt: Siegmund Geisenheimer geh. zu Bingen den 12. December 1775 gest. zu Frankfurt a. M. den 20. April 1828. Erfüllt von edler Nächstenliebe, Begeistert für menschlich Gutes, i Bescheiden wirkend, energisch anregend, wurde er zum Regenerator auch dieser Anstalt. Im Jahre 1831 errichteten die Verwaltungen der Krankenkassen (Männer- und Frauen-Krankenkasse) den Erbauern des j Hauses eine Gedenktafel aus weißem Marmor, welche nächst! der Synagoge des Hauses angebracht.! Gleich vom Anbeginn an ist der Stiftungstag der Kranken- I kasse hoch in Ehren gehalten worden und dessen Feier in den verschiedenen Statuten, welche sich im Laufe der Zeiten einander folgten, vorgesehen gewesen. Das 100jährige Bestehen der Anstalt im Jahre 1838 wurde im ganzen prunklos und nicht mit größerem Aufwande, als die alljährlich wiederkehrenden Stiftungstage gefeiert und sind im wohlthätigen Sinne des Stifters 12 unbemittelte Gemeinde-Angehörige mit Erlassung des Einkaufsgeldes in die Gesellschaft ausgenommen worden, und die damalige Verwaltung beschloß noch die Errichtung eines Gedenksteines zu Ehren des Stifters, welcher denn auch rechts vom Eingang nächst dem Sitzungssaale sich befindet; derselbe ist in weißem Marmor ausgeführt und hat folgende Inschrift: Benedict Elias Maas vereinigte gleichgesinnte Glaubensgenossen zur Gründung der israelitischen Männerkrankenkasse im Jahr MDCCXXXVm. Ein Jahrhundert segnet fein Werk. Seinem Andenken gewidmet von den Mitgliedern dieser Anstalt im Jahre MDCCCXXXV1II. Die Feier des jährlichen Stiftungsfestes hat außer den Mitgliedern der Verwaltung auch stets noch einen weiteren Kreis von Freunden und Gönnern der Anstalt vrreinigt und unter den mancherlei Trinksprüchen, welche bei solchen Gelegenheiten nicht fehlen, zeichnete sich von jeher der auf das Andenken des Stifters aus, welcher in früheren Zeiten in der Regel bei geöffneten Fenstern auf den hinter den ehemaligen Krankenhäusern liegenden israelitischen Begräbnißplatz hinausgerufen wurde, dem Gründer Benedict Elias Maas galt und das Dankgefühl feiner Nachkommen bekundete. KaiferskaUlern, 4. März. (Or.-Corr.) Am 26. v. M. feierte die hies. isr. Gemeinde ein Fest, das nicht blos den Mitgliedern derselben, sondern auch allen Theilnehmern, Juden wie Nichtjuden, die weck und breit herbeigestcömt waren, unvergeßlich bleiben wird. Es galt der Einweihung der neuen Synagoge, die, vom Architekten Ludwig Levy aus Landau erbaut, ihrer Bestimmung übergeben wurde. Nachdem der Bezirksrabb. Herr vr. Landsberg in der alten, vor 40 Jahren erlaubten Synagoge eine den zahlreichen Zuhörern zu Herzen gehende, melsterhafte Abschiedspredigt gehalten, bewegte sich der Zug, der nach vielen Hunderten zählte, geordnet mit Musikbegleitung in die neue Synagoge. Dort angekommen, öffnete der Rabbiner, nachdem ihm durch den Vertreter der Königl. Regierung der Schlüssel übergeben worden, den Tempel mit den Worten: „Im Namen Gottes des Einzigen und Unsichtbaren, eröffne ich hiermit das Gotteshaus mit den Worten des Psalmisten: „Erhebet, ihr Thore, eure Pforte, daß einziehe der König der Ehre? Wer ist der König der Ehre? Der Herr Zebaoth, er ist der König der Ehre", — der Gott, der einst den Schaaren Israels voranzog. und auch uns jetzt voranziehen und unser» Einzug segnen möge, Amenl"