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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-03-18 · N° 12. (18.3.1886) · p. Seite 93

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 12. (18.3.1886)
Date
1886-03-18
Page
Seite 93 (sequence 3)
Language
German
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— 93 — pädagogische Vorlesungen gehalten werden. Nein, die Pädagogik muß da eine ganze Kraft ausfüllen, denn der Arbeit und des Materials giebt es da für ein selstständiges Spezialfach genug. Hier ist nur das Ganze etwas und ein Bruch gar nichts. (Schluß folgt.) Uever die Kchnleu der Allianz. IV. r Auch inSamacoff hat die von 149 Schülern in 4 Klaffen besuchte Knabenschule schlechte, die Mädchenschule — 74 Zöglinge in 4 Klassen — bessere Räume. Die Haltung und Sauberkeit der Kinder war besonders zu loben. An der Knabenschule lehren: Der Director, ein Lehrer des Bulgarischen und 3 Rabbiner. Die Mädchenschule ist von einer ehemaligen Allianzschülerin aus Adrianopel gegründet und hat man das Centralcomilö der Allianz um Zusendung einer Schuldirektorin gebeten. Im Ganzen war Herr Pariente mit den Leistungen der Knabenschule zufrieden. Auch das Lehrlingswerk mit 16 Lehrlingen — Schuhmacher, Schneider, Hufschmiede rc. — scheint gut zu gedeihen. In Varna, wo vor 10 Jahren nur 10 jüdische Familien wohnten, besteht jetzt eine, allerdings nicht wohlhabende, Gemeinde von 600 Seelen. Die Knabenschule war wegen Abgang des Directors, und da der neue Director noch nicht eingetroffen war, geschlossen. Die Mädchenschule mit 44 Zöglingen zeichnete sich duech die Sauberkeit des Locals, die Haltung und das Wisser Kinder sehr vortheilhaft aus. Die Errichtung eines Lehrlingswerkes ist im Plane. T atar-Bazardjik zählt 1200 jüdische Einwohner. Das Localcomüö der Allianz ist zugleich Schulvorstand und Konsistorium, eine zweckmäßige Einrichtung. Die Knaben- und Mädchenschule befinden sich, zwar getrennt, aber in einem Gebäude, welches von der Gemeinde mit einem Aufwande von 40 000 Mark, wozu Baron v. Hirsch 2000 Mark und die Stadtgemeinde die Steine hergab, sehr zweckmäßig erbaut ist. Der Spielplatz der Knaben enthält Turngeräthe. Die Knabenschule hat in 4 Klassen 139 Schüler, die unterste Klasse lernt nur bebräisch. Die Mädchenschule ist von 100 Zöglingen im Jahre 1883 auf 60 heruntergegangen. Die Hauptschuld liegt in dem Mangel einer Handarbeitslehrerin, welchen Mangel jetzt abgeholfen werden soll. Das Lehrlingswerk ist schon gut eingerichtet und liefert vorzügliche Resultate; die Lehrlinge arbeiten gut und ihre, meist christlichen, Meister sind mit ihnen zufrieden. An der Spitze des Werkes steht eine Gesellschaft junger Leute aus der Gemeinde, die sich der Sache mit großem Eifer annehmcn. Die Zahl der Lehrlinge ist 16, worunter 7 Schuhmacher. Philipp opel ist die bedeutendste GemeindeOstrumeliens. Die 205 Zöglinge der Knabenschule in 6 Klassen sind in ziemlich guten Gebäuden mit geräumigen Höfen untergebracht. Die 4 obern Klassen erhalten regelmäßigen Unterricht, auch im Bulgarischen, die beiden unteren, von Kindern besuchten Klassen erhalten nur hebräischen Unterricht von drei Rabbinern, von denen nur einer zu unterrichten versteht. Für eine Mädchenschule haben die beiden sehr opferwilligen Gönner der Allianzschule, der Herr Baron v. Hirsch und Herr S. H. Goldschmidt, ein schön und bequemes Haus angekauft und zur Verfügung gestellt, und ist die Schule, vorläufig mit 61 Kindern eröffnet. Es fehlt jedoch noch die Schuldirection, um welchen man das Centralcomitv angegangen, die dieses aber noch nicht hat beschaffen können. Das Lehrlingswerk mit 18 Lehrlingen ist im guten Gange; die Meister, zum größeren Theile Nichtjuden, sind mit den Lehrlingen zufrieden. Einer der Meister ist ein Jude, der unter Mitwirkung der Allianz früher in Adrianopel ausgebildet ist und jetzt als Klempner und Blechschläger guten Verdienst hat. In Z)ambvli wohnen 825 Juden. Die Knabenschule befindet sich in einen: neuen, sehr schön gelegenen, von der Gemeinde mit einem Aufwande von über 10 000 Mark errichteten Gebäude. Sie zählt 100 Schüler in 3 Klassen welche in Fleiß, Dir ciplin und säubern Aussehen einen guten Eindruck machen. Das Unterrichtspersonül besteht aus einem Director, einem Lehrer des Bulgarischen, einem Hülfslehrer, und einem Rabbiner. Die Mädchenschule ist kein Institut der Allianz, sie wird von einer früheren Schülerin der Allianzschule zu Adrianopel geleitet. Herr Pariente war mit der Haltung und die Fortschritte der Schülerinnen sehr zufrieden und lobt deren Fleiß und Eifer. Dem bisherigen Mangel des Handarbeitsunterrichts soll demnächst abgeholfen werden. Ebenso ist ein Lehrlingswerk in der Gründung begriffen. Aamboli hatte in der Person des verstorbenen Raphael Crispin einen sehr tüchtigen und gebildeten Rabbiner, dem es zu verdanken ist, daß sich in der Gemeinde noch mehrere in der hebräischen Literatur sehr bewanderte Männer finden. Kenchte und Correspondenzen. Deutschland. Hver-Augelheim, 5. März.(Or.-Cor.)Dersoeben erschienene 21. Rechenschaftsbericht der Achawa giebt ein erfreuliches Bild von dem Gedeihen und der segensreich fortschreitenden Wirksamkeit dieses Vereins. An Jahresunterstützungen wurden im vergangenen Jahre verausgabt 8 06 0 Mark (gegen 7700 im Vorjahre) unter 53 Patenten mit 65 Theilen (gegen 68‘/4 im Vorjahre). Ein Theil betrug 124 Mark (gegen 112 Mark im Vorjahre.) Kein Patent wurde abgewiesen! Außerdem wurden in außerordentlichen Fällen im Laufe des Jahres 850 Mark aus dem Reservesond verabreicht. Das Vereinsvermögen beziffert sich auf 146,3 7 6 Mark 27 Pfennige. Die Jahreseinnahmen betrugen an Geschenk Mk. 10264,93; an freiwilligen Jahresbeiträgen Mk. 184,80; an Einkaufsgeldern (es siad im Laufe des Jahres 15 neue Mitglieder ausgenommen worden) 600 Mark: an Beiträgen von 596 Ehrenmitgliedern 357 6 Mark; von den Mitgliedern 1640 Mark (incl. 138 Mark rückständiger Beiträge); an Zinsen Mk .5317,47.— Die Zahl der Mitglieder ist auf 255 gestiegen. Ein Vergleich der Liste der Ehrenmitglieder ist äußerst lehrreich — und zugleich beschämend für viele jüdische Religionsgemeinden und Religionsbeamten. Aus Frankfurt a. M. kam der größte Theil der Geschenke, wenn wir das in diesen Blättern schon erwähnte Legat des Lehrers Heß lein von Bamberg — sein Andenken sei gesegnet — (5000 Mark) in Abzug bringen. In Frankfurt haben wir 380 Ehrenmitglieder. In allen übrigen Gemeinden — einschließlich 34 im Auslande und zwar in England, Amerika, China (Shangai) uiib; Italien — 242; kommen also auf alle übrigen deutsch-israel. Gemeinden 208!! Sind es die Gemeinden, oder ist es die Gleichgültigkeit der betreffenden Religionsbeamten und Lehrer, welchen hier die Schuld beizumessen ist? Wir glauben mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß es die Lehrer rejp. Neligionsbeamten sind, die allein die schwere Verantwortung zu tragen haben! Ich spreche hier nicht mehr von den Nichtmitgliedern. Ich glaube nachgerade, daß die größte Zahl der würdigen Lehrer aus den Ländern und Provinzen, welche nicht einen Separatverein haben, der Achawa angehören. Aber die Mitglieder selbst sind leider zu indifferent, die willfährigen Männer und Frauen in ihren Gemeinden zum Beitritt als Ehrenmitglieder aufzufordern und mindern dadurch die Erträgnisse eines Vereins, der doch einstens ihnen selbst und den Ihrigen Hülfe und Trost bringen soll Sie möchten gern recht große Pensionen und dergl., raisoniren und kritisiren, aber — selbst Etwas thun wollen sie nicht. Das sollen immer die Anderen. — Wann wird das sich ändern? Wann werden unsere Lehrer so viel Corpsgeist haben, daß sie eine Anregung in dieser Hinsicht — und nur eine solche ist nöthig — für

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