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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-03-04 · N° 10. (4.3.1886) · p. Seite 80

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 10. (4.3.1886)
Date
1886-03-04
Page
Seite 80 (sequence 6)
Language
German
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— 80 — Portrait-Medaillon auf der östlichen Giebelseile des dortigen neuen isr. Schulhauses vorfinde. Dieses gelungene Werk stammt aus den Händen eines Künstlers, welcher am 3. Jan. 1822 in Sontheim bei Heilbronn geboren wurde. Sein Name ist Albert Gülden stein und sein Aufenthaltsort schon seit 1849 Stuttgart. Er war zuerst Graveur in der Bruckmann'schen Silberwaarensabrik. Nach mehreren Jahren begab er sich als Ciseleur nach München in das Atelier des berühmten Professors Schwanthaler daselbst, welcher ihn zur Ausführung von Bildhauerarbeiten verwendete. 1843 kehrte Güldenstein nach Stuttgart zurück und modellirte in der dortigen Kunstschule unter Professor Theodor von Wagner ein Relief, eine Scene aus der Sündfluth darstellend, was ihm ein Staatsstipendium zu einer Reise nach Berlin verschaffte, die er zur Bewerbung um den von Michael Beer für Bildhauer israelitischer Religion behufs ihrer weiteren Ausbildung in Italien ausgesetzten Preis unternahm. Er erhielt solchen im Jahre 1845 und trat 1847 die Reise nach Rom an. In Italien vollendete er eine Thiergruppe, wozu er den Auftrag von König Wilhelm erhalten hatte. Von seinen Arbeiten find zu nennen: drei durch große Naturwahrheit ausgezeichnete Thiergruppen für die Wilhelma in Stuttgart (Hirsch, von Wölfen angefallen, Bären- und Schweinshatz), eine Triumphfontaine des Kaisers Napoleon III., Sculpturen der Creditbank in Zürich und der Figurenschmuck des Brunnens für die Villa des Kronprinzen bei Berg-Cannstatt. Das Haut - relief Mendelssohns hatte der Künstler seinem Jugendfreunde Oberlehrer Alexander Elsässer als Bewohner des neuen Schulhauses in Laupheim zum Hausgeschenke gefertigt und verehrt. Die beiden Familien waren von jeher engbefreundet. Elsässer, Enkel des berühmten Landesrabbiners Alexander Elsässer in Freudenthal, — von dem im Noda bi - Jehuda von Landau sich mehrere Ansprachen befinden — Gülden st ein der Gelehrten - Familie Sondheimer aus Sontheim angehörend; Vaters Bruder war S'l;-pDltD ,"R2?a Rabbiner in Hanau. Diesen, hat Professor Oppenheim in seinen Bildern aus dem jüdischen Volksleben verherrlicht. Oppenheim, aus Hanau gebürtig, stellt in dem Bilde „Der Freitagabend" dar, wie er, der Künstler, als Knabe in der Synagoge von seinem ehrwürdigen Rabbi gesegnet — gebenscht — wird. Der Familie Güldenstein- Sondheim gehören noch mehrere berühmte Rabbiner an. Rumänien. Aus Aafly brachten die „Archives Jsraslites" eine Corre' spondenz, worin gesagt war, daß die Freimaurerlogen, welche von dem italienischen „Grand-Orient" in Rom abhängen, sich anschickten, in Rumänien eine nationale Großloge zu gründen, von welcher die Juden ausgeschlossen sein würden; daß schon die „Revista ma^nica“ das Organ der Loge „Vutarul", welche keine Juden in ihren Schoß aufnimmt, in der Säkular-Formel das Wort „Gleichheit" weggelasien hat. Der Korrespondent ruft mit vollem Recht aus: „Eine schöne Freimaurerei diese rumänische Freimaurer ei!" Gegen diese Correspondenz wendet sich ein Mitglied des ital. Freimaurerordens zu Paris in folgendem Briese: „. . . Wie Sie wissen, werthester Herr, bin ich Israelit und mache mir eine Ehre daraus, der großen italienischen Freimaurersamilie anzugehören. In dieser doppelten Eigenschaft halte ich es nun für wichtig, ein paar Worte zu dem hinzuzufügen, was in Ihrer schätzbaren Zeitung veröffentlicht worden, nnd was diejenigen Ihrer zahlreichen Leser zu einem Jrrthum verleiten könnte, die das freimaurerlsche Wirken nicht kennen. Es ist für Niemand ein Geheimniß, daß die Freimaurerei aus der Zeit des Königs Salomon stammt, daß man den Versammlungssaal der Maurer „Tempel" nennt; daß ihre Symbole denen des Tempels zu Jerusalem entlehnt find; und daß sogar mehrere ihrer eigenartigen Ausdrücke der hebräischen Sprache angehören. Die Freimaurer stellen keine Frage hinsichtlich der Religion, indeß ist es unerläßlich für Alle, an Gott zu glauben. Jedermann weiß, daß der Hauptzweck der Freimaurerei darin besteht, den Versinsterungsgeist zu bekämpfen, die ganze Welt durch die Bruderliebe zu vereinen, einander beizustehen und die Wohlthätigkeit in jeder Beziehung auszuüben. Nun aber weiß man auch, daß die Gleichheit eine der ersten Grundlagen dieser allgemeinen Verbindung ist und daß alle ihre Mitglieder den Namen „Brüder" tragen und sich wie solche behandeln. Ich kann Ihnen das tiefe Befremden nicht verhehlen, das mich überkam, als ich erfuhr, daß man, auf die von dem italienischem Grand-Orient abhängigen Maurerlogen sich stützend, im Begriff stehe, den nationalen Grand-Orient von Rumänien zu gründen. Wenn die Informationen Ihres Korrespondenten genau sind, so steht außer Zweifel, daß alle „Grand-Orients" und rechten Maurerlogen keinerlei Beziehung zu demjenigen (Grand-Orient) haben werden, der auf Grundlagen errichtet ist, welche dem Geiste der wahren Maurerei entgegengesetzt sind, und der nichts Freimaurerisches hat als den Namen. Wenn nun die Existenz der Freiinaurerei in der ganzen Welt nützlich ist — die Thatsachen, von denen in dem Berichte Ihres Korrespondenten die Rede ist. beweisen die unbedingte Nothwendigkeit für alle ehrenhaf en und freisinnigen Leute, öffentlich zu protestircn. indem sie die Fahne der wahren Freimaurerei recht hoch erheben. Alle Freimaurer, welchem Lande sic auch angehören, von welchem Grand-Orient sie auch abhangen, sollen sich als Brüder betrachten und in dem Streben sich vereinen, den Verfinsterungsgeist und die Vorurtheile, welche demselben entstammen, zu bekämpfen. Die echten Freimaurerlogen in Rumänien, rvelche von dem Grand-Orient Italiens abhängen, haben noch viel zu thun, ich sehe es, auch wünsche ich von ganzem Herzen, als Israelit und als Maurer, daß sie bald zu einem günstigen Erfolge gelangen mögen, in dem Sinne, daß dort, wie in allen civilisirten Ländern, von Religionsunterschied nicht mehr die Rede sei. Alle rechten Freimaurer werden also ihren Brüdern in Rumänien ihre Beihülse gewiß gern gewähren, und ihre Bemühungen werden, wie ich hoffe, gelingen, dieses unwürdige Vorurtheil zu beseitigen; was die rumänischen Juden betrifft, so werden sie, Dank der Wirksamkeit und den Schulen der Alliance Jsraolite, beweisen, daß sie auf der Höhe des Jahrhunderts stehen und der Gleichheit würdig sind, auf die sie Anspruch haben. Ich wage zu hoffen, werther Herr Redacteur, daß Sie gegenwärtigen Zeilen in Ihrem Blatte sreundtiche Aufnahme gewähren, damit unsere Brüder in Rumänien wissen, daß wir uns mit ihrem traurigen Loose viel beschäftigen, und daß sie auf alle ehrenhaften Leute rechnen dürfen, welcher Nationalität und Religion sie auch angehören. Genehmigen Sie, mit meinem Dank, rc. Paris, 7. Febr. 1886. __ Baron G-uilio di Castelnuow. (Sollte dem Hern Baron unbekannt geblieben sein, daß die meisten preuß. Logen, was die Aufnahme jüd. Mitglieder anlangt, ganz auf rumänischem Standpunkte stehen? Red. d. Isr. Wvchenschr.) Aegypten. Kairo. Hier leben ungefähr 200 jüdische Familien, meistens Handwerker, nur wenige sind Kaufleute oder haben Regierungsofficialen. Die große Majorität sind Emigranten aus Rumänien, Rußland und Oesterreich-Ungarn; hier genießen sie eine Ruhe, die sie zu Hause nicht kannten, und all' die Wohlthaten der politischen Freiheit, die ihnen gestattet, die vollen Früchte eines fleißigen und nützlichen Lebens zu pflücken. Sie sind wesentlich wohlhabend; aber ihre religiöse Erziehung tst beklagenswerth. Die größte Unwissenheit herrscht vor; sie wissen, daß sie Juden sind, aber was das Judenthum bedeute, geht über ihre Sehweite hinaus. Als diese Familien

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