Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 10. (4.3.1886)
- Date
- 1886-03-04
- Page
- Seite 81 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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i — 81 - einwanderten, waren sie so tief in den Kampf ums Dasein verwickelt, daß sie an die mit Leichtigkeit zu verschaffende Bildung und Erziehung nicht denken konnten. Seit den letzten Jahren aber hat die europäische Cultur und Civilisation sich auch hier ihren Weg gebahnt und chr Einfluß machte sich fühlbar. Die weltlichen Schulen hier können nicht mit europäischen Schulen verglichen werden und sind keine Schulen, in denen die jüdischen Kinder Unterricht in den Lehren ihrer Religion erhalten können. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat sich eine Gesellschaft vor ungefähr 6 Monaten gebildet, eine Art brüderlicher Vereinigung, unter dem Namen „Schemesch", mit folgenden Zwecken: Ausübung von Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit, Unterricht in den Grundsätzen und Lehren des Judenthums und die Ergreifung von Maßregeln zur Hebung der moralischen und geistigen Fähigkeiten der Juden. Der Verein machte anfangs nur langsame Fortschritte, aber die Mitgliederzahl nahm allmälig zu und mit Beharrlchkeit erreichte die Gesellschaft eine segensreiche Stellung; sie stiftete schon viel Gutes während der kurzen Zeit ihres Bestehens. Kranek und arme Familien erhielten Beistand und es wurde eine Schule errichtet, in der jüdische Kinder unterrichtet wurden im Hebräischen, in der biblischen und jüdischen Geschichte und in der Religion. Ein Abendcursus für Erwachsene ist eingeführt worden, wo Unterricht im Deutschen, Französischen und Englischen ertheilt wird. — Der Verein sucht (wie in vor. Nr. gemeldet) die Verbindung mit dem Orden B'nai Berith. Uermischle und neueste Nachrichten. Magdeburg. In Rudolf v. Gottschalls „Bl. f. l. U." erhebt auch der verdienstvolle Biograph Moses Mendelssohns, Herr Rabb. vr. Kayserling in Pest, seine gewichtige Stimme für das Mendelssohndenkmal. Er schließt, nachdem er vorher daran erinnert, daß schon vor 100 Jahren sich unter Ramlers und Herz Wessely's Mitwirkung zu gleichem Zwecke ein Comitö gebildet hatte, das aber an verschiedenen Hindernissen gescheitert sei, mit den Worten: „Zur Feier des hundertjährigen Todestages Moses Mendelssohns haben wieder deutsche Männer sich vereinigt, diesem „Vorkämpfer der Blütentage deutschen Geisteslebens" in seiner Geburtsstadt Dessau ein Denkmal zu errichten. Hoffentlich wird diesmal der Gedanke auch zur That werden. Die Nation trägt eine Ehrenschuld ab, wenn sie das Bild Moses Mondelssohns, eines der geistig einflußreichsten deutschen Männer, in den Kreis der deutschen Geisteshelden stellt, als Meister hochstrebender Idealität und Willensstärken Gesinnungsadels." Zterlin Dr. Justus Brimanus, der berüchtigte Schwindler und Lehrer des Jesuiten Rohling im Hebräischen, ist, wie wir der „Lombardia" entnehmen, in Mailand aufgetaucht. Dort dementirt er alle gegen ihn und seinen Freund Rohling gerichteten Angriffe der italienischen Presse als pure Erfindungen. Wie verlautet, begiebt er sich nach Rom zum heiligen Vater, um dort in der Bibliotheka Vaticana eine größere Arbeit über den Talmud und den rituellen Mord zusammcuzustelleu. Wie es scheint, hat ihn Rohling mit guten Empfehlungen versehen. London. Ueber die von uns gemeldete Anstellung des rumänischen Gelehrten vr. Gaster, als Lektors am Taylor- Institut in Oxford schreibt das „Jew. Chron": Es ist von nicht geringer Bedeutung, daß kein Jude früher diesen hervorragenden Posten bekleidet. Die Thatsache, daß ein ausgewiesener rumänischer Jude gewählt wurde, ist ein praktischer Protest Oxfords gegen das Benehmen der rumänischen Regierung, die ihn auswies. Der Gelehrte, den Rumänien verbannte, wird von englischen Gelehrten dazu ausersehen, eine Ehrenstellung in ihrer Mitte einzunehmen. Kiew, 27. Februar. Von den wegen Rückführung eine getauften, der russischen Landeskirche angehörenden Jüdin zur mosaischen Religion angeklagten Juden und Jüdinnen verurtheilte das hiesige Bezirksgericht sieben Personen zu siünfmud drei Personen zu drei jähriger schwerer Bergwerksarbeit. Mittheilungen aus dem U. O. B. B. Magdeburg Auf die mehrfachen Anfragen über unsere Stellung zu der Stcrbekassen-Angelegenheit erwidern wir kurz: wir halten fest an dem in der Sitzung am 18. Februar er. von den Repräsentanten der deutschen Logen einstimmig gefaßten Beschlüsse und sehen den weiteren Schritten des in der Großlogen-Sitzung zur Weiterführung der Angelegenheit gewählten Comites (Vorsitzender H. S. Simmel, Berlin, Heiligegeiststr. 12) entgegen. Das erscheint uns als der einzige legale Standpunkt, der, unbeirrt durch die von verschiedenen Seiten zugesandten Circuläre, festgehalten werden muß. Das oberste Gesetz alles Logenwesens ist unbedingte Unterwerfung unter die von der Großloge gefaßten Beschlüsse : alles Agitiren und Conspirircn ist verwerflich. Im Uebrigen wiederholen wir, was wir in Nr. 6 bereits gesagt. Wer im wirklichen Interesse der Angelegenheit Rathschläge zu machen hat, der sollte sie dem genannten Vorsitzenden des Comitss zugehen lassen und nicht als Gährungsstoff in die Einzellogen werfen. Die beste Sache und Absicht wird zu Schanden, wenn sie zu illegalen Mitteln greift. Ostrowo« Am 21. Februar wurde hier die nach dem berühmten Posener Rabbiner R. Akiba Egcr s. A. genannte „Eger-Loge" Nr. 359 installirt. Der officielle Acr wurde in feierlicher Weise nach dem Ritual von dem Großpräsidenten Hn. Julius Fenchel unter Assistenz der Expräsidenten Rechtsanwalt Salz von der Amicitia-Loge (Posen), Steinitz von der Mamre-Loge (Beuchen), Kuhn von der Lessing-Loge (Breslau) und Werth ei m Caritas-Loge (Kreuzburg) vollzogen. Das rituelle Gebet hatte Br. Emil Sachs von der Lessing-Loge übernommen. Der officielle Theil währte von 5—9^ Uhr, der sich daran anschließende gesellige Theil von 10 Uhr Abends bis 4 Uhr Morgens. Die Logenhalle ist eine der schönsten der bis jetzt vorhandenen, es ist ein sehr großer, gut ventilirter Saal, der mit einer wirklich gediegenen Eleganz ausgestattet worden ist. Etwa 50 Brüder der Schwesterlogen nahmen an der Feier Theil. Zum Präsidenten wurde H. Fabian Fränkel, zum Vicepräsidenteu H. Nathan Friedländer gewählt. Die Loge zählt 30 Mitglieder, überaus opferbereite Männer, die (Gewähr dafür bieten, daß das Samenkorn edler werkthätiger Liebe und geistiger Veredlung in einen guten Boden gelegt worden ist. Möge es in den warmen Herzen keimen, blühen und reichliche Früchte tragen! A. W. Dresden. (Fraternitas-Loge) Das am 14. v. M. begangene erste Stiftungsfest unserer Loge legte ein beredtes Zeugniß ab von dem edlen Streben und harmonischen Zusammenwirken der Mitglieder, wovon die Durchführung des beifolgenden Programms den schönsten Beweis liefert. Es sei mir gestattet, dasselbe hier in Kürze zu skizziren. D^e schöne Feier eröffnete die Jubel-Ouverture von Weber, gespielt von den Frauen zweier Mitglieder (Wolfsohn und Schleich). Hierauf folgte der in voriger Nummer mitgetheilte „Prolog zum Stiftungsfeste", gesprochen von Herrn P. Schlesinger. Diesem schlossen sich mehrere Lieder und Dcclamationcn, zum Theil mit musikalischer Begleitung, an, vorgetragen von Herrn und Frau Cantor Wolfsohn, Bicepräsident S. Fränkel und den HHrn. Jablonsky, Jonas, M. Hirschfeld. Den würdigen Schluß bildete der von BBr. gut gespielte und mit Beifall gelohnte Einacter „Der Wahrheit eine Gasse". Hieran schloß sich die Festtafel, welche durch geistvolle Toaste und drei sehr beifällig aufgenommene Tafcllieder (von Schleich, Wolfsohn und Fr. Großmann) gewürzt wurde. Ein in allen seinen Theilen wohlgelungencr Ball, welcher die Festthcilnehmer bis zur frühen Morgenstunde in heiterer Stimmung beisammen hielt, beschloß das Fest, auf dessen schönen Verlauf sämmtliche Mitwirkende mit freudiger Gcnugthuung zurückblicken können. Hannover. Die Installation der „Zion-Loge" Nr. 360 findet am 14. d. M. Nachmittag 3 Uhr statt: die zu Ratibor Mitte April. Philadelphia. Am 31. Januar er. hielt die Großloge Nr. HI ihre Jahresversammlung unter Vorsitz des Pr. S. I. Strauß ab. 105 Delegirte waren anwesend. Die Gesammtmitgliederzahl belief sich im Jahre 1885 nach dem Berichte des Secretärs auf 2903. Gestorben waren 35 (d. i. 12 pro Mille). Die angesammelten Logen-Fonds betrugen 76.138 Dollars. Von wichtigeren Gesctzcsabänderungen sind zu nennen: 1. der Beschluß, die Sitzungen statt alljährlich, alle zwei Jahre abzuhalten, 2. den Jahresbeitrag zum Endowcment (Vcrsorgungsfonds) auf IG1/* Dollar (etwa 68 Mark) festzusetzen. Am Abend fand in der oberen Halle ein Bankett statt, das die hies. Logen den Gästen boten. — Der am 3. Februar von der hies. vereinigten jüd. Wohlthätigkcits-Gesellschaft (United Hebr. Charity Association) im Saale der Musik-Akademie veranstaltete Ball, welchem 8000 Personen anwohnten, ergab ein finanziell überaus glänzendes Resultat: 20.000 Doll. Reinertrag zu wohlthätigen Zwecken. (Präsident der Gesellschaft ist Herr Ph. Lew in) Ausbreitung des Ordens. Die Loge inCairo wird sich nächstens constituiren. Auch aus Ungarn, Böhmen und Galizien sind Anträge wegen Gründung von Logen bei der Constitutions-Großloge in New-Uork eingetroffen. (Den Fragesteller aus Wien ersuchen wir, sich ebenfalls direct an den Präsidenten der Constitutions-Großloge, Mr. Julius Bien in New-Aork, Duane Street 139, zu wenden, da die Jurisdiction der Districts-Großloge für Deutschland sich nicht auf Oesterreich erstreckt. H. A. in Sch. Wollen Sie sich an den Präsidenten der Amicitia- Loge, Herrn Rechtsanwalt Julius Salz in Posen, wenden.)