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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-03-04 · N° 10. (4.3.1886) · p. Seite 79

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 10. (4.3.1886)
Date
1886-03-04
Page
Seite 79 (sequence 5)
Language
German
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— 79 — Berlin bewilligt hatte. Die hieraus Unterstützten hinzugerechnet, sind im Laufe des Jahres 1277 Personen, meist zur UebeMedelung nach überseeischen Ländern unterstützt und befördert worden. Rechnet man zu allem diesen die Verwaltung des dortigen Armen-Krankenhauses und der Armenschule noch hinzu, so wird man zugeben müssen, daß die Tyäligkeit des Comitss eine ebenso schwierige, anstrengende, als segensreiche war- Lissa, 18. Februar. Das 60jährige Amtsjubiläum des isr. Hauptlehrers Moritz Siegmann wurde hier in würdigster und wahrhaft erhebender Weise begangen. Am gestrigen Vorabend brachten die Lehrer der städtischen Schulen und der Umgegend ihrem College« ein Ständchen dar. Heute Vormittag um 10 Uhr wurden dem Jubilar eine kunstvoll ausgesührte Adresse und ein Sparkassenbuch über tausend Mark als Ehrengabe überreicht. Beides ist non Freunden, Gönnern und früheren Schülern dem Jubilar gewidmet. Dieser nahm die Gaben dankend entgegen und erklärte, daß er die Geldsumme zu einer wohlthätigen Stiftung verwenden wolle. Gegen 11 Uhr erschien eine Deputation vom Schulvorstand, um den Jubilar zu Wagen nach dem Ka>serhof zur osficiellen Feier abzuholen. (Da einer dieser Herren zufällig von den früheren Schülern des Jubilars in Chicago im Staate Illinois den Auftrag erhalten hatte, diesenr eine werthvolle goldene Uhr zu überreichen, so konnte er es gleichzeitig thun.) Als der Jubilar im dichtgefüllten, mit Topfgewächsen, Guirlandcn und Fahnen reich geschmückten Saale des Kaiserhofes eintrat, intonirte der auf der Bühne aufgestellte Schülerchor den Choral „Lobe den Herrn", begleitet von einer Musikkapelle. Alsdann ergriff Herr Bürgermeister Herrnialtn das Wort und überreichte unter Ausdrücken der Anerkennung und Beglückwünschung dem Gefeierten die Insignien des Hoyenzollern'schen Hausordens. Die Herren Kreisschulinspectoren, Superintendent Petzold und Stadtrath Scheibet, als Vorsitzender des Schulvorstandes, beglückwünschten den Gefeierten mit warmen Worten. Das Lied „Die Ehre Gottes" von Beethoven wurde hierauf gesungen und es ergriff nunmehr Herr Rabbiner vr. Bäck als Localinspector das Wort. In längerer Rede feierte er den Jubilar und übereichte ihm als Geschenk von der Gemeinde eine Prachtbibel mit den berühmten Illustrationen von Dor«. Sodann sprach Herr Rector Rajewski als Vertreter der College« des hiesigen Conserenzbezirks und behündigte zum dauernden Andenken eine schön ausgeführte Adresse. Hierauf erschien eine Deputation der Stadtverordneten unter Führung ihres Vorstehers. Das Lied „Der Herr ist mein Hirt" schloß sich an die ehrende Ansprache desselben an, worauf drei junge Mädchen ihren Dank und ihre Glückwünsche in Versen vortrugen und einen prächtigen frischen Blumenstrauß, einen grünen Lorbeerkranz und einen von den Lehrern und Schülern der Anstalt gestifteten silbernen Pokal mit entsprechender Widmung überreichten. Der Choral „Großer Gott, wir loben Dich" bildete den würdigen Schluß dieser ungemein erhebenden Feier. Abends versammelten sich die Freunde, Gönner und früheren Schüler des Jubelgreises im Kaiserhofsaale zu einem solennen Festessen. Irankfnrt a. M. (Or.-Corr.) Am bevorstehenden Sabbath Parsch. Schekalim begeht die hiesige „Israelitische Mänuerkasse" das 148. Stiftungsfest ihres Bestehens mit Gotiesdienft und Festmahl. Eine kurze Geschichte dieser überaus segensreich wirkenden Anstalt dürfte daher für den weiten Leserkreis Ihres gesch. Blattes wohl am Platze sein. Wir geben sie an der Hand der Notizen, die vor längerer Zeit der damalige Senior der Verwaltung (Herr Elias Ul lmann) veröffentlicht hat. Schriftliche Nachrichten über das erste Entstehen der alten Männer-Krankenkaffe sind nicht vorhanden. Bei der großen Feuersbrunst, welche im Jahre 179g die Judeugaffe verhedrte, ist der erste Gesellschaftsvertrag nebst vielen gleichzeitigen Papieren ein Raub der Flammen geworden. Die älteste der noch vorhandenen Urkunden ist der Gesellschaftsvertrag vom Jahr 1772. Damals hatte die Anstalt schon 34 Jahre bestanden. Ueber ihre Entstehung und ihre ersten Anfänge ist man zum Theil auf Ueberlieferungen beschränkt welche sich in der Gemeinde erhalten und vom Vater auf den Sohn vererbt haben, jedoch mit einer Treue, welche die Unvollständigkeitschriftlicher Nachweisungen kaum empfinden läßt. Das auf Kosten der Gemeinde unterhaltene Hospital war schon in den frühesten Zeiten nur für Fremde bestimmt gewesen. Kranke aus der Gemeinde konnten nnr ausnahmsweise und nur gegen vollständige Erstattung der Kosten Aufnahme darin finden. Da geschah es, daß ern hiesiger Israelit ledigen Standes, erkrankte. Arm und hülflos, ohne Verwandte, ohne Annehmer, konnte rr nicht in das Hospital ausgenommen werden und mußte sterbend aller Pflege entbehren. Dieser traurige Fall erregte allgemeine Aufmerksamkeit und ließ viele mit aanger Sorge in die Zukunft blicken. Konnte ihnen nicht, wenn Armuth und Krankheit sie heimsuchten, gleiches Schicksal bedrohen? Benedict Elias Maas faßte zuerst den Gedanken, unter den Gemeinde-Angehörigen einen Verein von Freunden zu bilden, welche in Erkrankungsfällen einander besuchen, pflegen, unterstützen sollen, und zwar sollen die Mittel zu dieser Pflege und Unterstützung durch einen für alle Mitglieder gleichen wöchentlichen Beitrag aufgebracht werden. Er theilt diese Idee seinen Freunden und Genossen mit; es gelingt ihm, nicht ohne Mühe, sie dafür zu gewinnen, und es währt nicht lange, so hat er einen Verein der bezeichneten Art um sich her gebildet. Dieß geschah im Jahre 1738. Die Zahl der ersten Theilnehmer scheint nicht über 20 bis 25 gewesen zu sein. Der erste wöchentliche Beitrag war drei Kreuzer. In einem der drei Häuser, welche die Krankenkassen nachmals käuflich an sich gebracht haben, wurde ein Zimmer gemiethet, in welchem die Kranken verpflegt wurden. Erst nach vielen Jahren konnte ein zweites Zimmer in Bestand genommen werden. Eine Anstalt, welche, wenn auch aus dem am nächsten liegenden, dringendsten Bedürfnisse hervorgegangen, gleichwohl dem Bestehenden und Hergebrachten gegenüber eine neue Erscheinung war mußte wohl auch, besonders im ersten Anfänge, Gegner haben. So wird unter anderm erzählt, daß der damalige Rabbiner ursprünglich, und zwar aus wohl zu beachteten Gründen, einer ihrer heftigsten Bekämpfte gewesen. Der Druck der Zeiten nämlich und die Beschränkung der Gewerbe hatte es für den jungen Mann in der Gemeinde ohnehin schon schwierig gemacht, an Verehelichung zu denken. In vielen Fällen war es nur die Furcht, in Atter und Krankheit der Pflege zu eutbehren, welche sie bestimmte, das Band der Ehe zu schließen. Diese fehlende Pflege nun verhieß ihnen die Krankenkasse, und der Rabbiner, für die seit Jahrhunderten bewährte Sittlichkeit der Gemeinde väterlich besorgt, befürchtete, daß dadurch für Viele ein Sporn weniger zur Verheiratung borhandeu sein und die schon eingegrlffene Ehelosigkeit noch weiter um sich greifen möchte. Es wird sogar hinzugefügt, daß später, als der Rabbiner wahrnahm, daß seine Besorgnisse unbegründet gewesen und die Zahl der Ehen sich nicht verminderte, er günstig für die Anstalt gestimmt worden, und sich von einem Gegner in einen warmen Freund und Beförderer derselben verwandelt habe. So ward die alte Krankenkasse für „ledige Männer", wie es ursprünglich hieß, gestiftet. Benedict Elias Maas, der Stifter der Krankenkasse, war aber auch zugleich derjenige, welcher sie in der ersten Zeit beinahe allein im Gang erhielt. In einer kupfernen Büchse, welche noch heute bei der Anstalt aufbewahrt wird, sammelte er die wöchentlichen Beiträge ein; das Nothdürstigste an Leinenzeug und Brennholz ward durch ihn angeschafft. Bei erkrankten Mltgliedern leistete er die Dienste des Krankenwärters, mit edler Selbstvecläugnung die niedrigsten Verrichtungen nicht scheuend. (Schluß folgt.) Keilöronn. In einem Bericht aus Laupheim über die im Monat Januar d. I. daselbst abgehaltene Mendelssohn - Feier wird auch darauf hingewiesen, daß sich dessen

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