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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-02-25 · N° 9. (25.2.1886) · p. Seite 73

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 9. (25.2.1886)
Date
1886-02-25
Page
Seite 73 (sequence 7)
Language
German
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Fall, daß diese Festlichkeit begangen wurde und wie nun zu hoffen ist, wird die Gelegenheit dazu jährlich wiederkehren. Nest. (Or.-Corr.) Während der langwierigen Debatte über das Budget des Cultusministeriums im ungarischen Abgeordnetenhaus kam es bei der Position von 5000 Fl. Subvention für kirchliche Zwecke der isr. Confession, wie vorauszusehen war. zu einem Einspruch von Leiten der Antisemitenpartei. Der Antisemiten-Baron Andreänsky wollte die Summe nicht votiren, sondern selbe lieber culturellen Zwecken, z. 23. dem Museum, zuwenden. Hierauf erhob sich der alte Freund der Juden. Direktor ebendesselben Museums, Franz Pulszky, und wies mit edler Entrüstung das freventliche Spiel dieser Ritter von der traurigen Gestalt zurück, die aus jeder Frage eine künstliche Judenfrage machen wollen, die seit l1/, Jahren mit, einer besseren Lache würdigem Eifer eine Contession zu schmähen bemüht sind, welche gleich den besten Bürgern des Vaterlands ihrer Pflichten und Lasten mit williger Opferfreudigkeit sich entledigt. Der kurzen, aber geharnischten Rede zollte das Haus ungelheilten Beifall und die Position wurde natürlich votirt. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Nach dem soeben von dem Vorsitzenden Herrn Ao. Rosenthal und dem Rendanten Herrn Ad. Jacoby ausgegebene Bericht über die „israelitische Beerdiguitgs - Gesellschaft" beliefen sich die Einnahmen pro 1885 auf 3461.10 M., die Ausgaben (darunter 200 M. Beerdigungskosten für Arme) auf 2912.54 M. Das Vermögen der Gesellschaft wuchs um 961 M. und hattte Ende 1885 die Höhe von 14 400 M. (darunter Grundbesitz für 9000 M.) erreicht. Gestorben sind im abgclaufcnen Jahre 34 (17 Erwachsene und 17 Kinder). Die Gesellschaft zählt gegenwärtig 202 Mitglieder. Werlirr. Das Damen-Comits, welches sich an die Spitze einer Sammlung von Gaben zu Chanuka-Geschenken für arme jüdische Kinder gestellt, veröffentlicht eii'en Bericht über den sehr befriedigenden Erfolg der Sammlung. Außer einer großen Menge werthvoller Bekleidungsstoffe, fertiger Sachen. Bücher rc. sind baar eingegangen Mark 9612,65. Sämmtliche 771 Gesuche (168 mehr als im Vorjahre) sind von den Damen persönlich recherchirt worden: in fast allen Fällen.wurden Stiefeln und Kleider nach Maatz angefeitigt und Nothwendigcs an. Wäsche, Schulbücher rc. verab^ reicht; der Aufwand hierfür ist auf mehr als M. 16 pro Kopf zu veranschlagen. Der bei der Deutschen Bank zinsbar verbleibende Ueberschuß v. I. 1884 beträgt 3636 M. Der «Bericht schließt mit Worten des Dankes an alle Wohlthäter. Wir schließen unfern kurzen Bericht mit herzlichem Dank an die geehrten Damen (den drei Rabbinerinnen, sowie den Frauen: M. L. Meyer. Julie Neumann, Jul. Böhm. Fr. vr. Grabower. vr. Lazarus, vr. Liebermann, L. Sieskind, E. Treitel und E. Unger), die sich der großen Mühewaltung der Recherche und Vertheilung unterzogen. Werkin. Am 2. Februar feierte Herr M. G. Lewy seinen 70. Geburtstag. Herr Lewy. einer der so seltenen Männer, die bei unbedingter Toleranz nicht nur streng religiös gesinnt sind, sondern auch streng jüd. religiös leben, wurde von den verschiedensten gelehrten Vereinen und Wohlthätigkeits- Jnstituten durch Deputationen beglückwünscht. Als Reisegefährte des Prof. Grätz nach Palästina ist Herr L. noch im Angedenken der jüd. wissenschaftlichen Welt. Die interessanten Reiseberichte hat Herr L. zur Zeit, wenn ich nicht irre, in der „Israel. Wochenschrift" veröffentlicht. — (Anm. d. Red. Auch wir bringen dem Jubilar nachträglich die herzlichsten Glückwünsche dar: ebenso dem in allen jüd. Kreisen verehrten Greise, Herrn Jacob Hamburger, zu seinem 80. Geburtstage. Gott erhalte und beschütze beide Jubilare ‘ttTÖ'S! Von solchen Greisen gilt: TD3 V3pt *133! Die „Reisebriefe aus dem Orient" des Elfteren stehen im Jahrg. 1872 d. Bl. Nr. 14 ff. — Red.) . Stuttgart, 17. Februar. Die heutige Mummer des „Staatsanzeiger für Württemberg" veröffentlicht das Rechnungsergebniß der „Israel. Centralkirchenkasse" Württembergs pro 1885. Die Einnahmen betrugen 64 578 M.. darunter 10 900 M. Landeszulage, 7960 Beiträge der Gemeinden zu den Rabbinatsgehalten, 23 180 M. Zuschuß der K. Staatskasse; die Ausgaben 55 183 M., darunter 8006 M. Verwaltungskosten. 23100 M. Rabbinatsbesoldungen, 9428 Gehaltsaufbesserungen für Lehrer und Vorsänger. 3702 M. Talmud- und Kirchenkosten. Das Vermögen beträgt 169 970 M. Sarkad (Ungarn). Unser Glaubensgenosse. Jsaac Bleyer und seine Frau, haben jüngst das seltene Fest der diamantenen Hochzeit mit 148 Enkeln und 40 Urenkeln gefeiert. Amsterdam. Herr Baron Georg von R o s e n t h a l erhielt das Ritterkreuz des schwedischen Gustav Vasa-Ordens. London, 19. Februar. (Or.-Corr.) vr. Ga st er, der seit seiner bekanntlich unverdienten Ausweisung aus Rumänien hier weilte und litterarisch beschäftigt war, ist jüngst zum Lector an der Universität Oxford gewählt worden. Die von ihm zu haltenden Vorträge werden speziell auf die rumänische Sprache und Litteratur nebst den südslavischen Dialecten Bezug haben. Dies ist eine erfreuliche Thalsache und beweist, daß man hier zu Lande dem wahren Verdienste die gebührende Anerkennung zollt. Or. G. hat es verstanden, sich hier allgemein beliebt zu machen und hat sich daher viele Freunde erworben. Welersvurg. Im „Meliz" wird ein neues, sehr zeitgemäßes Projcct zur Verbesserung der Lage der Juden in Rußl-nd besprochen, nämlich: Fabriken zu errichten und die Fabrik-Arbeit unter den Juden zu verbreiten. Ackerbau dürfen die Juden in Rußland jetzt nicht mehr selbstständig betreiben, der „Verein zur Verbreitung der Handwerke" kann, im Berhältniß zur Anzahl der Dürftigen, kaum Nennenswerthes leisten, umsoweniger, als die Bedeutung des Handwerkes in unserm Zeitalter der Dampfkraft so sehr geschmälert ist. Die Idee, durch Fabrik-Arbeit einzugreifen, scheint eine glückliche. Netersöurz. Der so viel gefeierte Patriot Aksakow, der so plötzlich dem russischen Volke durch den Tod entrissen wurde, war im Beginne seiner Laufbahn ein Freund der Juden, der für volle Gleichberechtigung derselben eintrat. Seitdem er vom Strom des Panslavismus sich erfassen ließ, ist er ein Feind der Juden geworden und plaidirte für Rechtsbeschrankung derselben. Hdesta Die jüdischen Arbeiter haben hier eine Bibliothek von Werken in hebräischer Sprache gegründet, die es in kurzer Zeit bereits auf 1500 Bände gebracht hat. Ainnkand. Auch hier fängt man an. sich mit der Judenfrage zu beschäftigen. Die antisemitische Agitation stützt sich auf ein Gesetz vom 26. Januar 1779, demzufolge den Juden blos in Stockholm Synagogen zu bauen gestattet ist: damals war Finnland noch schwedisch. In Schweden ist seitdem die Gleichberechtigung aller Confessionen in absolut freiheitlichem Sinne längst anerkannt; in Finnland, das nun so lange nicht mehr schwedisch ist. will man — schwedischer als Schweden sein. — Mittheilungen aus dem V. O. B. B. Magdeburg. Die Mendelssohn-Loge hat die auch ihr übersandten Anträge der Commission der „Reichs-Loge", die Organisation der Sterbekasse betreffend, nach eingehender Debatte aus sehr triftigen Gründen (besonders wegen des ganz unannehmbaren Punktes ck. — „kann die Verwaltung", „bis 1000Mark". „Ein Recht... steht nicht zu." —) einstimmig abgclehnt. In Berlin wird von kundiger Seite eine Widerlegung des den Logen seitens einiger BBr. der deutschen Reichsloge zugcsandten Circulairs vorbereitet. Gleiwitz. Die Mitgliederzahl der Humanitas-Lvge ist auf 80 gewachsen. (Der aus'Dresden uns zugegangene ausführliche Bericht über die schöne und wohlgelungene Feier des Stiftungsfestes mußte mit mehreren anderen „Mittheilungen" aus San Franzisco, Rumänien rc. rc. Raummangels wegen für die nächste Nummer zurückgelegt werden. Red.)

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