Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 8. (18.2.1886)
- Date
- 1886-02-18
- Page
- Seite 65 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/5369809-9585330-9585397--6102-9585404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^gewiesen werden und machte nun seine Staatsangehörigkeit nach Gotha geltend. Seitens der preußischen Regierung wurde beschwerdeführend bei der herzoglichen Staatsregierung geltend gemacht, daß Stein sich nur um der verfügten Ausweisung zu entgehen in Gotha habe naturalisiren lassen und nur zum Zweck der Täuschung vorgegeben habe, sich in -Gotha niederlassen zu wollen. Die Naturalisation entbehrte somit der gesetzlichen Grundlage und die Urkunde sei zurückzuziehen. Das Staatsministerium ließ die Sache durch den Stadtrath untersuchen und bestimmte nach Beendigung der Feststellung des Thatbestandes, daß, da es sich um ein Scheingeschäft handle, die durchstrichene Urkunde zu den Acten zu mehmen sei, Nun klagte Stein gegen den Stadtrath auf Herausgabe der Urkunde oder Zustellung einer beglaubigten Abschrift. Dieser Proceß schwebt noch; doch erkannte das Landgericht, daß zunächst der Stadtrath die Genehmigung der Stadtverordneten zur Proceßsührung einzuholen habe. Diese sprachen in ihrer Sitzung vom 9. die Genehmigung aus, ersuchten nach der „Thür. Post" aber, dem Ministerium den Streit zu verkünden, da dieses die Sache verschuldet habe, indem es sich der preußischen Regierung gegenüber so -gefügig gezeigt habe. Inzwischen hat das Staatsministerium die Zuständigkeit der städtischen Behörden zur Ausfertigung der Naturalisationsurkunden aufgehoben und selbst übermommen. ___ Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Von der hiesigen Stadtverordneten- Bersammlung wurde jüngst der Oberstabsarzt Or. Rosenthal zum Mitglicde der städtischen Schuldeputation mit großer Majorität gewählt. Schönebeck, 10. Februar. Das älteste Mitglied des Gr.-Salzer Turnvereins, Herr Kaufmanu Abraham Heinemann daselbst, welcher im vergangenen Monat seinen 80. Geburtstag feierte und bis heute noch eins der eifrigsten Mitglieder des Vereins ist, hat der Stadt Gr.-Salze ein Capital von 3000 Mk. geschenkt mit der Bestimmung, daß die Zinsen diese Capitals den dortigen Ortsarmen zu Gute kommen sollen. Hamburg. Hier geht man von orthodoxer Seite damit um, ein neues jüdisches Blatt zu gründen. Ein Lehrer der Stern'schen Schule soll Redakteur desselben werden. Nordhauser», 12. Februar, Die Gedächtnißfeier des hiesigen Gemillus Chassodim Vereins hat am 7. Adar im Saale „zur Hoffnung" unter zahlreicher Betheiligung stattgefunden. In seiner Rede gedachte der Herr Rabbiner Or. S. Gelbhaus nach altem Brauche der in diesem Jahre dahingeschiedenen Vereinsmitglieder. Das Andenken Sir Moses Montefioee's und des Landrabbiners vr. L. Adler wurde in die Andacht eingcschlossen. Der Feier schloß sich ein Vereinsmahl an, das bis Mitternacht dauerte. Naris Der König von Ba>ern soll, nach dem 0H1 Blas, hier gewesen, und bei Herrn Baron Hirsch in der Bus äs l'LIisäs abgestiegen sein. Naris. Die von Jsaac Päreire auf Veranlassung des äs' 8aulo^ in den fünfziger Jahren erworbenen sogenannten „Königsgräber" (Husbur-sl-LLaluk) zu Jerusalem sind von dessen Erben dem französischen Staate zum Geschenk gemacht worden. Naris. Unsere Börse hat eine ihrer ersten Größen, Herrn M. Lsvy-Crsmieux. verloren. Moskau. Hier haben die christlichen Kaufleute eine Eingabe an den Minister gemacht, die Juden zum Markte in Charkow zuzulassen, da sonst das Geschäft darniederliege. Petersburg. Wie wir hören, ist Hoffnung vorhanden, daß die Israeliten, die vor 1874 im Heere gedient haben, hier in der Residenz zu wohnen, die Erlaubniß erhalten werden. Petersburg. Unter den hiesigen Candidatinnen der Medizin sind 42 Israelitinnen, von denen 3 das Judenthum verlassen haben. — Die isr. Lehrerinnen haben die Erlaubniß erhalten. Töchterschulen zu eröffnen, dafür ist diese Conzession allen isr. Lehrern entzogen worden. Nizza. Der Grand - Rabbin von Frankreich, Herr Rab. Isidor, weilt hier zur Kur, und diesen Umstand benutzte Herr Baron Arthur v. Rothschild, denselben auf seine zu Villa franca vor Anker liegende Jacht „l'Eros" einzuladen, um auf derselben Gottesdienst zu halten und den Segen Gottes für dieselbe zu erflehen. Der Rabbiner von Nizza verlas den Psalm 107 und Herr Isidor hielt eine Ansprache. Der Eindruck soll ein sehr erhebender gewesen sein. Doch nennt der „Figaro" diesen Akt „Taufe" der Jacht, und der „Univers" scheint darum nicht sehr erbaut zu sein, obgleich er erklärt, es gehöre nicht unter die Kategorie von „Chuckas hagoj". Nizza. Unsere durch die Hochherzigkeit unseres Gemeinde-Präses Herrn Polonais so sehr im Bau geförderte neue Synagoge wird nun bald eingeweiht werden. Der Grand-Rabbin von Frankreich, der eben mit seiner Frau sich hier zur Kur aufhält, wird wohl an der Einmeihungsfeier Theil nehmen — Mittheilungen aus dem U. O. B. B. Magdeburg. Auf die in vor. Nr. hier wiedergegebenen Bemerkungen eines jiid. Bl. über unfern Orden, zu denen nachträglich noch mehr provocirende Auslassungen in einem andern jüd. Bl. kamen, sind uns von mehreren Seiten ganz wohlgemeinte, auch treffende Erwiderungen zugegangen, aber wir wollen in treuer Befolgung der Ordensmaxime: „Wer sich nicht belehren lassen will oder kann, mit dem lasse man sich in keine Erörterungen ein" — an dieser, den friedlichen Ordensbestrebungen geweihten Stelle auf derartige Auseinandersetzungen nicht näher eingehen, um den Orden und seine im Dienste der Eintracht und Bruderliebe stehenden Arbeiten nicht in den Staub des Parteigezänkes und in den niedern Dunstkreis der Zeitungsatmosphäre hinabziehen zu lassen. Das Gebiet der menschlichen (politischen oder religiösen) Kämpfe und Zänkereien darf der Orden nie betreten, seine Domäne sind die Gefilde des Friedens und der reinsten werkthätigen Menschenliebe, die ihre Sonne unterschiedlos über Alle scheinen läßt. Innerhalb der Ordenssphäre ist kein Raum für die Schlagwörter „Orthodoxie" und „Reform", „conservativ" und „liberal". Jedes Hineinschmuggeln spezifisch religiöser oderpolitischer Tendenzen in den Orden wäre für diesen ein geheimer Giftkeim, der sein Dasein bedrohte. Aus diesen dem Orden schuldigen Rücksichten legen wir uns selbst Enthaltsamkeit auf und bescheiden uns, den gesch. Fragesteller in vor. Nr. „zur Beruhigung ängstlicher orthodoxer Gemüther" statt jeder weiteren Erörterung nur auf folgende authentische Interpretation hinzuweisen: „Die Bereinigung, welche der Orden geschaffen, steht auf einer Plattform der Unabhängigkeit, frei von aller Intoleranz, jedoch Achtung zollend den persönlichen Ansichten über Beobachtung religiöser Uebungcu und Observanzen". — Der Orden der B'nai Brith ist die absolute religiöse Toleranz innerhalb des Judenthums, die Humanität ist das Leitmotiv seines ganzen harmonischen Gebildes, der Grund, auf dem er ruht, das innerste Wesen seines Seins — sie ist und bleibt Stern und Kern des Judenthums, und, wie schon der Talmud lehrt, das „Alpha und Omega der Thora!" (m HS1D1 N"2 mm) Beuthen O.-S. Bei dem immer mehr zunehmenden Wachsthum der Mamre-Loge hat sich das Bcdürfuiß und das Verlangen nach hänfigereu Versammlungen geltend gemacht. Demzufolge hat dieselbe einstimmig — beschlossen, statt wie bisher zweimal monatlich, von jetzt ab allwöchentlich Sitzungen abzuhalten. Amerika. Am 17., 18., 19. Januar, an denselben Tagen, wie die Districtsgioßloge für Deutschland (Nr. VIII), hat in Springfield (Illinois) die Districtsgroßloge Nr. VI ihre 18. Jahresconvenlion abgchaltcu. Es waren 63 Repräsentanten von 42 Logen erschienen. Der Großpräsidcnt Adolph Löb führte den Vorsitz. — Der Distriet zählt 2597 Mitglieder. Es waren 32 Todesfälle im abgelaufenen Jahre vorgekommcn. Zum 1. Präsidenten wurde Herr H. Felsenthal, zum 1. Vicepräs. Herr B. A. Lange gewählt. Cairo. Von der hier cxistirendcn Gesellschaft „Schemesch“ ist an das Executiv - Comitö eine Petition — unterzeichnet von 22 Mitgliedern — abgegangen, in welcher sie sagt, daß, da sie von den guten Werken des neu errichteten großen Zweiges des Ordens B'nai Brith in Deutschland gehört und gelesen hat, sie sich auch mit dem Orden zu vereinigen wünscht, und zwar beabsichtige sie, nicht nur eine Loge in Cairo zu gründen, sondern den Orden über den ganzen Orient zu verbreiten und Logen in der Türkei und Egypten zu errichten. Sie erhoffe eine günstige Antwort auf ihre Bittschrift und verspreche sich große Erfolge von der Ausbreitung des Ordens; sie beabsichtige, mit der in Deutschland errichteten Großloge gemeinsam zu arbeiten. Der Präsident der Gesellschaft ist Louis Grünberg, Vicepräsident A. Kraßnoff und Secretär Louis Primer.