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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-02-11 · N° 7. (11.2.1886) · p. Seite 53

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 7. (11.2.1886)
Date
1886-02-11
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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— 53 — Zwietracht anfachen, unmenschsichc Grausamkeiten veranlassen, solche Leute wären die geeigneten RepräsAitanten eines Jähr- .-Hunderts, um des Ruhmes, human zu sein, theilhaftig' zü^ werden? Doch hierüber bedarf es kaum noch eines Wortes zur Begründung meiner Ansicht. Von einigem Interesse war mir der Auffatz, der den Thieren die Emancipation von dem Begriffe „Sache" werschaffen will. Also das Thier soll nicht mehr als eine Sache, sondern als? — nun als eine Person gelten! Ein Drittes giebt es ja.nicht! Ist es nicht Verirrung des Geistes, für die Thiere ein Recht in Anspruch zu nehmen, da ja doch alle Moralisten einig sind, dem Recht entspreche die Pflicht? Wer nicht fähig, ist die 'Pflicht zu übernehmen, der kann auch nicht Anspruch auf den Besitz des Rechts machen. Sind ja doch selbst die Rechte der Minderjährigen beschränkt! Das Recht der Thiere soll ein angeborenes Naturrecht sein! Fürwahr, wenn das richtig wäre, so hätte das Thier doch vor Allem das Recht zu — leben und mit welchem Rechte darf denn der Mensch ihm dieses nehmen? Ob mit mehr oder weniger Schmerz, darauf kann es doch unmöglich .ankommen! höchstens kann die Tödtung nur aus Nothwehr gestattet sein, nicht aber Viehzucht zu treiben, um das großgezogene und gemästete Vieh, das Niemanden etwas zu leide thut, hinzuschlachten. Warum eifern die Schutzvercine nicht gegen die Treibjagden? In einer Zeit, in der leider die Verbrechen so sehr überhand nehmen, wären vielleicht Menschenschutzvereine doch noch viel mehr geboten, als zum Schutze der Thiere. Wer vernünftig und sittlich denkt und fühlt, wer als Mensch seiner Menschenwürde sich bewußt ist, wird gegen seine Mitmenschen, wie gegen seine Mitgeschöpfe liebevoll und barmherzig sich benehmen, gegen Elftere. weil sie es rechtlich zu fordern haben, gegen Letztere, weil es Menschenpflicht gegen uns ist, indem wir es unstrer eigenen Menschenwürde schuldig sind. Die Erkenntniß dieser Wahrheit und deren richtiges Verständniß bringe man den Menschen bei und es bedarf keiner Vereine, weder zum Schutz der Menschen noch der Thiere". Sp. Komöurg vor der KöHe. Von dem im Jahre 1818 gegrünveten, segtnsreich wirkenden Israelitischen Armen-Holz- Verein zu Homburg vor der Höhe liegt uns der Rechenschaftsbericht für das Jahr 1885 vor. Wir entnehmen dem Vorwort folgendes: „Die Einnahmen an 62 Mitgliederbeiträgen bezifferten sich auf Mk. 273.10, die Zinsen von ausgeluhenen Kapitalien betrugen Mk. 230.36 und an Gescheiten gingen ein Mk. 530.08 einschließlich einer Summe von Mk. 150, welche wir von Frau David Schwarzschild am Ende des Trauerjahres um ihren seligen Gatten erhielten. Die geehrte Spenderin hat sich hierdurch die immerwährende Mitgliedschaft unseres Vereins erworben. Die Ausgaben für Wohlthätigkeitszwecke beziffern sich für 20 Unterstützte, welche mit 578.55 Centner Steinkohlen und 12 Raummeter kleingemachtem Buchenholz bedacht wurden, auf Mk. 601.24. — Durch das Wohlwollen edler Menschenfreunde, namentlich durch die uns so erfreuende Zuwendung von Spenden ist es uns gelungen, das unveräußerliche Vereins-Vermögen in diesem Jahre von Mk. 5086.02 auf die Summe von Mk. 5489 zu erhöhen. Dieser seit fast einem Jahrzent wiederkehrende Erfolg, der Vermehrung unseres Fonds um einige Hundert Mark jährlich, trotz bedeutend gesteigerter Wohlthätigkertsausgaben, ermulhigt uns nunmehr, an neue Unternehmungen für Zwecke der Wvhlthätigkett zu denken." ES zielen diese letzten Worte auf die Wiederaufrichtung des im Jahre 1844 aufgelösten Hachnosath-Kalloh-Vereins hin, also eines Vereins, der sich die löbliche Ausgabe stellt, hülfsbedürftige israelitische Mädchen zu unterstützen und auSzusteuern. Hoffentlich wird der projectirte Verein ins Leben gerufen und demselben von allen Seiten eine rege Theilnahme entgegengebracht werden. Es heißt darüber in einer Anmerküng, die den speziffsch jüdischen Charakter des neuzugründenden Vereins zu rechtfertigen bemüht ist, wie folgt: „Der Jude, in seiner Mehrzahl, gehört nicht mehr, wie seine biblischen Altvordern, dem Ackerbau-, sondern dem Hendelsstande an. Er ist m Folge dessen gezwu ngen(?), bei seiner Selbstständigmachung und Geschäftsbegründung darauf zu sehen, ein mit Glücksgütern gesegnetes Mädchen zu erheirathen. Mittellose Mädchen, wenn sich kein Annehmer für sic findet, oder weun sie nicht besonders talentirt sind, bleiben ledig und stehen dann meistens allein und verlassen da, ein freudeloses Dasein fristend." Wir wissen wohl, duß sich vielfach bei jüdischen Geschäftsleuten und nicht bei diesen allein, der moralisch verwerfliche Grundsatz eingebürgert hat, nur ein „Mädchen mit Vermögen" zu heirathen und so die edle Institution der Ehe zu einem reinen (?) Geschäft herabzuwürdigen. Das ist eine sehr traurige Erscheinung; aber diese als berechtigt anzuerkennen und sogar von „gezwungen werden" zu sprechen, möchten wir ohne Widerspruch nicht hingehen lassen. Adelebsen, Provinz Hannover. (Or.-Corr.) Am 1. Febr. wa^en es 25 Jahre, seitdem der Lehrer Blumenfeld in hiesiger Synagogen-Gemeinde wirkt. Die von der Gemeinde und früheren Schülern veranstaltete Festlichkeit war eine wahrhaft erhebende und gab Zeugniß von der segensreichen Wirksamkeit des Jubilars, der es verstanden, die Liebe und Zuneigung seiner Gemeinde und seiner Schüler in einem solchen hohen Maße sich zu erwerben, wie cs wohl selten der Fall ist. Am Vormittage beglückwünschten Deputationen der Gemeinde und der jetzigen und früheren Schüler, sowie viele, theils aus weiter Ferne gekommene Freunde und Verehrer den Jubilar, demselben schöne und werthvolle Ehrengaben überreichend. Um 1 Uhr fand in der schön geschmückten Synagoge ein^Festgottesdienst statt, bei welchem der Cantor Nuß bau Düngen durch seine herrliche 1 SlZAne erhebend 9LlU vo" Herrn Landrabbiner Ehr. Guttmann aus Hildesheim gehaltene Festrede war so inhaltreich und packend, daß sie wahre Begeisterung hervorrief. Der Jubilar brachte in kurzen und sinnigen Worten seinen Dank zum Ausdruck, betonend, daß er die Feier als eine Anerkennung seines guten Willens auffasse, die Ehre aber gebühre Gott allein, der mit seinem Geiste ihn unterstützt. Dem Gottesdienste schloß sich um 3 Uhr ein Festessen in dem ausgeschmückten Saale des Rathskellers an, an welchem sich fast 100 Personen, darunter auch der Bürgermeister, betheiligten. Die Stimmung war eine ebenso gehobene, als freudige und fand in vielen schönen und sinnigen Reden und Trinksprüchen ihren Ausdruck. Der erste Toast wurde von Herrn vr. Guttmann auf den allgeliebten Kaiser und Sein erlauchtes Haus gebracht. Um 8 Uhr begann der Festball, der die Festgesellschast bis zum lichten Tag zusammenhielt. Während des Tags empfing der Jubilar eine sehr große Anzahl von Glückwunschtelegrammen und Zuschriften. Die ganze Feier verlief in der schönsten Weise, und die empfangenen Eindrücke werden gewiß noch lange in den Herzen der Theilnehmer lebendig bleiben. Oesterreich-Ungarn. 8. Lemberg,'1. Februar. (Or.-Corr.) Das war ein wahrer Triumph, den Herr vr. Gustav Karpeles, der zur Abhaltung einiger Vorlesungen hierher eingeladen wurde, hier gefeiert hat. Schon einige Wochen vor seiner Ankunft brachten die hiesigen bedeutendsten polnischen Blätter, in Anerkennung der Sympathien, die er in vielen seiner litterarischen Arbeiten für die polnische Nation bekundet hat, spaltentange Artikel, die eine ausführliche Biographie von ihm brachten und in vollem Maaße seine Leistungen auf litterarischem Felde würdigten. Sowohl von jüdischen als christlichen Honoratioren war ihm hier bei seiner Ankunft der glänzendste Empfang bereitet. im

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