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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-02-11 · N° 7. (11.2.1886) · p. Seite 51

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 7. (11.2.1886)
Date
1886-02-11
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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ärzte, der Studirenden, der Gymneisiasten! Es ist ein Heroismus eigener Art, daß der Verein nicht erlahmte, sondern seiner Thätigkeil nunmehr vornehmlich die Richtung auf Unterstützung und Förderung des Errichtens von Knaben- und Mädchenschulen, aus Unterstützung von Studirenden und Pensionirung oder wenigstens Unterstützung alter keuntnißreicher und brodloser Lehrer gab. 187& wurde der Plan gefaßt, auch zu Handwerk Und Ackerban anzuregen; 1884 wurden die Ziele, die der Verein ins Auge zu fassen habe, angegeben: 1. die Unterhaltung von Schulen in kleinen Orten, 2. Stiprndien für Studirende nimmt, und weibl. Geschlechts an den Hochschulen, 3 Verbreitung belehrender Werke, wie auch philosophischen und relig. Inhaltes in hebräischer Sprache, 4. Unterstützung derer, die das Studium beendet, aber noch nicht Brod gefunden haben, 5. - Unterstützung tüchtiger Schriftsteller und Lehrer, 6. - Verbreiten wissenschaftlicher Schriften und Zeitungen, 7. Heranbilden geeigneter Rabbiner. Dazu wurde die Gründung eines Fonds für die Erweckung und Belebung der hebr. Sprache erstrebt. 309 998 Rubel sind aus den Fonds des Vereins und den ihm zur Verfügung gestellten großen Spenden in den 21 Jahren seines Bestehens für diese Zwecke verausgabt worden, davon entfallen auf Bücher und die Litteratur überhaupt 35556, auf Schulen 23961. Wenn wir schließlich auf das Buch*) einen Blick werfen, dem wir diese Angaben verdanken, so erscheint es zuerst unverständig, daß die Protokolle in allen kleinen Einzelhelten wiedergegeben werden. Aber bald erkennt man, dieser Herausgeber konnte dieses Buch nicht anders schreiben. Der Herausgeber ist nämlich der Schatzmeister des Vereins, Herr Leun Rosenthal, welcher von der Begründung an, sich und seine Habe in den Dienst dieser edlen Sache gestellt hat. Er durfte die Ruhmeskrone nicht meißeln, zu der das Material in diesen Protokollen bereit liegt, für ihn und seine Verwandten, den Baron I. Günzberg, den nach seinem am 6. Januar 1878 erfolgten Tode fern Sohn Horaz Günzberg im Vorsitze des Vereins ersetzte. Außer der lebhaften Theilnahme, außer der vollen Hingebung, die diese Männer — ihnen zur Seite steht ihrer würdig 02 min) Herr L>r. Harkavh — dem Jubenthume widmen, mögen die Zahlen der von ihnen gespendeten Summen sprechen (die kleinen Einzelbeiträge und die durch den Verein angeregten Unterstützungen lassen sich nicht addiren). Die beiden Barone Günzberg haben uuhr als 1/4 der ganzen Vereinsansgabe geliefert, nämlich 87227 Ruoel und Herr Rosenthal zählt für sich (ich beziveifle, ob er Alles mitgezählt hat) nur 30888 Rubel! Können wir anders schließen, als indem wir Gottes Segen über Israel mit den Worten erflehen? IST QmöD dann werden alle Aufeindungell ur Nichts zerfallen, alles Gehässige zerftiebeu, wie Rauch vor dem läuternden Siurme! Freiberg i/B. Lewin. Berichte und Corresponbenzen. Deutschland. Magdeburg. Februar c. Zu unserer Briefkasten-Notiz in der letzien Nr. d. Bl. gehen uns vielseitige Znstlmmungen zu, von denen wir die liachsleheiide als von einem feit vielen Jahren bewährteil und angeseheneli Kämpfer für die ideellen Güter des Judenlhums herrührend auszugsweise hier wiedergeveu wollen. Er schreibt uns: KDN paa ^ntra nbrstrn wa man nnbin e mxarr rann nv (i8t>3) -rann nmiDTin mwa ♦^nto T?n nwo nna *m,T mann na« '"2 man In Petersburg bei I. H. Pines gedruckt. (Die Protokolle enthalten rmn pirxn pnn 1885. 208 Seiten und 1 Tabelle. Der Ertrag ist zu Gunsten des Vereins bestiinmt. „Uebrigens muß ich Ihnen meine besondere Freude darüber aussprechen, daß Sie endlich zu dem Entschluß gekommen sind, den Kampf niit den Organen unserer heutigen Orthodoxie aufzugeben. Sie wissen, daß ich diesen Standpunkt längst vertreten habe. Seitdem die Führerschaft unserer Orthodoxie auf Männer übergegangen ist, die in kleonischer Weise dem Gegner zu Leibe gehen, denen jeder. Adel der Gesinnung eine uilliekannte Größe ist, deren einzige verächtliche Taktik die ist, allen sachlichen Erörterungen ynszuweichen, dafür aber die An- und Absichten der Gegner völlig auf den Kopf zu stellen, ihnen Motive unterzuschieben und anzüdichten.^ au die er nie gedacht hat, ihn statt zu widerlegen einfach in effigie"nicbcr« zuhauen, ist cs wahrlich keine 'Ehre mehr, mit ihnen zu streiten. Es ist genau dasselbe Bild, wie inr protestantischen Lager, der Kampf des ehrlichen Protestantismus contra Richtung Stöcker. So lange aber unserer high life- Orthodoxie solche Mittel und Vertreter nicht für zu schlecht gelten, thut man ihnen wirklich zü viel Ehre an, sich mit ihnen einzulassen. Es trifft hier das alte Lichtenberg'sche Wort zu, daß bei so verschiedenen Mitteln der.Gegner nothwendig gewinnen und die gute . Sache selbst Schaden leiden müsse, da ein Unverschämter wohl die Maske des Anstandes annehmen, seine Lüge in die Gewandung der Wahrheit kleiden, ein Anständiger aber niemals unverschämt auftreten könne, jener also allemal im Vortheil sei. Bleiben Sie also fest, verehrter Herr Or. und lassen Sie jene Männer und ihre Organe fortan ganz außer Betracht. Kämpfen wir um Ideen und gönnen wir der Orthodoxie solche Führerschaft." Magdeburg, im Februar. Bei vbjectiver Beurtheilung wird man nicht leugnen können, daß auch dem häßlichen Antisemitismus, so sehr er auch unserem erleuchteten neunzehnten Jahrhundert zur Uuehre gereicht, ein Theil von jener Kraft innewohnt, die stets das Böse will und das Gute schafft,^wie denn überhaupt in der Hand der Vorsehung auch das Schlechteste guten Zwecken Tribut zahlen muß. Zu diesem Guten zählen wir in erster Linie die Selbsterkenutniß, die sie bei gar Manchem, der sich aus abschüssiger Bahn befand oder sich darauf begeben wollte, erweckte, die Umkehr bei Andern, die aller Mahnung unserer Religion und ihrer Wächter und Lehrer zu Trotz, sich über Manches hurwegsetzten, das Aechtung verdiente und fand und die größere Sorgfalt, die Alle auf sich und, soweit ihr Einfluß reichte, auch auf ihre Glnubensbrüder verwenden, um berechtigten Vorwurf nicht auf sich zu laden. Wir zählen dahin ferner das Besinnen vieler unserer GlaubenSbrü ec auf sich selbst, die das alte stolze Jim onauchi, „ich bin ein Jude", >mt Heine für ein Erbübel hielten, über das sie durch Nachäffen antijüdtscher Aeußerlichkeiten sich hinwegzuhelien glaubten und denen das Jim atto, „D u bist doch etn Jude" unserer Antisemiten die heilsamste Medicrn war und ich zähle endlich dahin den Zwang, der auf Freund und Feind, soweit letztere es ehrlich meinten, geübt wurde, all die Anschuldigungen, die man auf uns häufle, auf ihre Quellen zu prüfen und den Vorurtheilen, die Tausenden und Abertause»rden uns gegenüber innewohnen, mit wissenschaftlicher Schärfe auf den Grund zu gehen und das konnte selbstverständlich dem Judentyum nur zu 'Nutz und Frommen gereichen, sofern sich nämlich allemal die Grundlosigkeit aller gegen das Judenthum erhobeueu Beschuldigungen zur Evidenz ergab. Es ergab sich und mußte sich ergeben, daß der Wucher ebenso wenig Mit dem Judcnlhum zu thun habe, wie die Blutbeschuldigungen und Blutvergiftungen und daß die Quellen wirklich vorhandener Schäden ganz anderwärts, als in dem vielverschrlenen Talmud zu suchen sind. Der Werth der dadurch geschaffenen üutcratuc ist gar nicht zu unterschätzen. Zu den werthvvllitcn Büchern der letzten Art zählt das soeben im Verlage von Julius Krinkhardt in Leipzig erschienene Werk des österr. Reichs:athsimtgiredes und Hof- und Gerlchts- Advocaten Dr. Joseph Kopp „Zur Judenfrage", das ur An-

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