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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-01-21 · N° 4. (21.1.1886) · p. Seite 30

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 4. (21.1.1886)
Date
1886-01-21
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 — aufgerufen. Nach diesem betrat der Reallehrer, Herr Professor Or. Pollak, die Kanzel und hielt eine, an die Haphthoraworte V'Xb IWi! nptm sich anlehnende ergreifende Ansprache, der die Zuhörer mit Aufmerksamkeit folgten, und die des Eindruckes nicht verfehlte. Nachdem noch ein Vers eines deutschen Liedes gesungen worden war, wurde das Mincha zu Ende gebetet, und Alle verließen in gehobener Stimmung das Gotteshaus. Der Cultusgemeinde Wien gereicht diese Einrichtung zur Ehre, und es wäre zu wünschen, daß auch in andern Gemeinden, in welchen die Schulverhältnisse gleiche Mißstände Hervorrufen, gleiche Einrichtungen getroffen würden. Bei dieser Gelegenheit konnte man auch noch eine für die Gestaltung eines Gottesdienstes wichtige Wahrnehmung machen, die Einsender dieses auch anderwärts zu machen Gelegenheit gehabt hat, die Wahrnehmung nämlich, wie viel erhebender und zur Andacht stimmender beim Gottesdienste ein ein stimmiger Chorgesang ist, an welchem die Gesammtgemeinde sich betheiligen kann, als die mehrstimmigen Chorgesänge, welche der Gemeinde Schweigen auflegt und sie dahin bringt, sich des Betens zu entwöhnen. Ueberlasse man doch die mehrstimmigen Gesänge den Concertsälen, wohin sie gehören. Der einstimmige Chorgesang würde auch der Gemeinde keine schwere, weit besser zu verwendende Geldopfer auflegen und sie nicht uöthigen, wie dieses leider jetzt in vielen Gemeinden der Fall ist, außcrjüdische Gesangeskräfte zum jüdischen Gottesdienste zu verwenden. Wenn bei dem Wiener Schülergottesdienste noch etwas zu wünschen übrig bleibt, so ist es die Hinzuziehung auch der weiblichen Jugend zu demselben. Diese bedarf wahrlich der religiösen Einwirkung nicht minder, als sie ja dereinst das werdende Geschleckt zu erziehen haben wird und bekanntlich den zersetzenden Einflüssen des gesellschaftlichen Lebens der Jetztzeit noch leichter zum Opfer fällt, als die männliche Jugend. Hfrag im Dccember. (Or.»Corr.) Wenn es Aufgabe der jüd. Organe wäre, ihrem mehr oder minder großen Leserkreise nicht etwa geistig fortschrittliche Anregung, sondern öfters Gelegenheit zu geben, sich an dem Gezänke ihrer gegenseitigen Correspondenten zu ergötzen, würde ich auf die mir scheinenden Gemeindeblatts gewidmeten Art tgfciten (?) in der in Nr. 24 des in Zeiträumen von 14 Tagen in Böhmen ersetzt so beliebten „schärferen Tonart" geantwortet haben — doch ich bin gewöhnt, die Feder, und nicht die Keule zu führen; — ich wiederhole darum sine ira, meine frühere Behauptung, bezüglich der Ueberflüssigkeit eines ''Vereins gegen den Antisemitismus, ich weise auf den von dem Central-Vereine rc. erlassenen „Aufruf" hin, in welchem es heißt: „gewissen mittelalterlichen Strömungen aufs wirksamste entgegenzu treten" — man muß — denke ich — etwas begriffsstützig fein, um bei diesen Worten nicht an das von dem bekannten Schriftsteller Marr erfundene Wort „Antisemitismus" zu denken, wenn es auch eben nicht offen, sondern umschrieben erwähnt wird. Man kann wahrlich ein ganz ehrlicher Jude, und braver Staatsbürger sein, und dabei doch von der Meinung ausgehen, daß Alles was der „Central-Verein" anstrebt, in erster Linie Sache jedes einzelnen intelligenten Juden, dann aber auch in repräsentativer Beziehung, Sache des in jeder Cultusgemeinde gewählten Cultus-Dorstandes, endlich aber speciell in Böhmen, der vom besten Geiste beseelten „israelit. Landes-Repräscntanz" sei. — Zn behaupten, daß die Bildung des „Central-Vereines" eben kein dringendes Bedürfniß war, ist daher kein crimen laesae majestatis. Doch genug davon, mir fehlt es an Zeit und Lust zu Klopffechtereien — ein für allemal. Wie man hört, sollen die hiesigen ehrwürdigen Herren Rabbiner beschlossen haben, in Zukunft keine schriftlichen Empfehlungen an „arme Reisende" mehr zu ertheilen — was sehr wünschenswerth wäre. Pravdecky. In chakizien waren es die beiden Hauptgemeinden, Lern-- berg und Krakau, in denen der lOOste Todestag Moses Mendelssohn's würdig begangen wurde. In ersterer hielt Herr Pred.vr. Löwenstein die Gedächtmßrede; m Krakau veranstaltete die Fortschrittsgemeinde am Vorabend des 4. Januar in ihrem Tempel eine tiefergreisende Seelenandacht. Das Gotteshaus, welches der Weihe des Tages angemessen decorirt war, war in allen seinen Räumen erdrückend voll. Zum großen Theile waren die Besucher durch die sogenannte religiöse „Mittelpartei" vertreten. Die ganze Andacht, welche nahezu zwei Stunden andauerte, fiel über alles Erwarten glänzend aus. Der Chorgesang, geleitet von unserm trefflichen Oberkantor Fischer, war meisterhaft ausgeführt. Nicht minder hat Rabbiner Dr. Duschak durch seine Gedächtnißrede die Herzen der frommen Zuhörer begeistert. Zum Schluß seiner mit Enthusiasmus anfgenommenen Rede sprach der Redner den Wunsch aus, es möge sich ein Verein bilden, der es sich zirr Aufgabe stellen sollte, die jüdische Wissenschaft im Geiste Moses Mendelssohns zu fördern. — Mendelssohn-Feier wurde noch in folgenden österr. Gemeinden abgehalten: In Brüx (vr. Tauber), in Linz (Rabb. Friedmann), in Bielitz (vr. Knrreiu), T^oppau (Di*. Blüh), Mährisch-Ostrau, M.-Kroman, Triesch, Pohrlitz, Eibenschitz, Kauitz, Drohobycz u. a. Rumänien. Wukarest. Es ist Hoffnung vorhanden, daß sich bald vor uns in Rumänien ein neuer Horizont eröffnen wird. Der Mann, der sich den traurigen Ruhm erworben, der moderne „Haman" zu sein, der Chef des Antisemitismus im östlichen Europa, der Vater der gehässigen Maßregeln, die uns seit 15 Jahren getroffen, Demeter Brati a no, scheint nun am Anfänge des Eudes seiner Dictatur zu sein. Da er nun nacheinander alle Parteien, ja. man kann sagen, alle Mächte, getäuscht hat, sieht er endlich eine Coalition aller einflußreichen Männer des Landes sich gegen ihn erheben. Da unsere unerträglich gewordene Lage nur gewinnen kann und nicht verlieren kann, so können wir jeder politischen Veränderung nur mit Hoffnung entgegensehen. Vermischte twfc neueste Uncheichterr. Werttn, 16. Januar. Der heutige 70. Geburtstag des Handelsrichters, Commerzienrath Samuel Aron, gab sehr vielen Freunden und Vereinen willkommene Veranlassung, diesen Ehrentag des wohlverdienten, wohlthätigen und allgemein beliebten Mannes durch vielfache Ovationen, die ihm von Nah und Ferri zu Theil wurden, zu einem schönen Fest- *a9e äu gestalten. (Den uns zugegangcnen Bericht über diese Feier können wir Raummangels wegen erst in nächster Nr. bringen.) Dessau, den 16: Januar. (Or.-Corr.) Ans *dem hiesigen jüdischen Friedhofe befindet sich das Grab des Vaters Moses Mendelssohn, Mendel Sofer. Da diese Grabstätte dem Verfall nahe, hat sich der Ururenkel dieses Mannes Herr Ernst Mendelssohn-Bartholdy in Berlin, auf Anregung des Vorstehers der Chewra kadischa, Herrn Hofzahnarzt vr. Htrschseld, bewogen gefühlt, dieser Chewra eine namhafte Summe zur Reuovirung des Grabes zu übergeben. Dieselbe war dadurch in den Stand gesetzt, besagtes Grab auf Jahre hinaus vor Verfall zu fchützen. — Auch sind die m Nr 2 dies. Bl. erwähnten 2000 Mark, welche z. Z. von Herrn M.-B. versprochen wurden, hier bereits eingegangenen und die betr. ntrftungsurkunde darüber ausgenommen Das erste fclmni?rbeam 5.Schebat(11. Januar c.) bereits abqehalten. Nicht unerwähnt sei bei dieser Gelegenheit dafi Herr «Hier, ein ta^oZXl berühmten Rabbi Moses Frünkel, Lehrers Moies Mendelsohns, ebenfalls die Grabstätte seines Ahnen hat renoviren lassen. Die Gräber beider Männer, Mendel -Sofer und- Frankel, bilden eine Zierde des hiesigen altehrwürdigen Friedhofs

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