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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-01-21 · N° 4. (21.1.1886) · p. Seite 31

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 4. (21.1.1886)
Date
1886-01-21
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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— 31 — Karmover. Die Feier des 100. Todestages Moses Mendclssohn's wurde in der hiesigen Synagoge am Sabb. K2 'S nach einem eigens hierfür gedruckten Programm durch trefflichen Gesang (hebr. und deutsches Lied) und eine sehr ansprechende inhaltsvolle Predigt des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann begangen. Auch die Lehrerbildungsanstalt hielt einen Festactus ab. 3?fe|. 11. Januar. (Or.-Corr.) In unserer Gemeinde wurde heute Mendelssohn's Andenken erneuert, indem Herr Rabbiner Dr. Brann mit Hülfe des hiesigen Dilettantenvereins eine Gedenkfeier zu Stande brachte, die zugleich dem praktischen Zwecke diente, einen Fond zur Beschaffung von Schulbüchern für arme Zöglinge der Religionsschule zu begründen. Deklamatorische und musikalische Vorträge, welche letztere Herr Cantor Löw theils leitete, theils selbst zu Gehör brachte, wechselten vor und nach der Festrede des Herrn Rabbiners ab, welche M.'s Stellung zur deutschen Philosophie, sowie zum deutschen Judenthum zeichnete. Kalle a. S. In hiesiger Synagoge fand die Mendelssohn-Feier in folgender Weise statt: Nach Verlesung des Abendgebetes und nach Gesang eines hebräischen und deutschen Recitativs hielt der Rabbiner, Herr Dr. Fröhlich, die Festpredigt, welcher als Text die Worte zu Grunde lagen: „Köstlich ist in den Augen des ewigen Lottes der Tod des Frommen". Mit Schlußgesang und Gebet schloß die schöne Feier. Am Abend sprach Herr Dr. Moritz Brasch aus Leipzig in der „Litteraria" über Mendelssohn als Menschen und Philosophen. Von den dreierlei Beziehungen, in denen Mendelssohn von Einfluß gewesen, hob der Herr Redner besonders diejenige hervor, die seine Popularphilosophie angeht und berührte mehr nebenbei auch seine Erfolge als Schriftsteller und religiöser Reformator seines Stammes. Der Vorsitzende dankte dem Redner für den geistvollen Vortrag. Hierauf gab Herr Dr. Fröhlich noch einige Mittheilungen über die Dessauer Festesfeier. Ein Festmahl bildete den Schluß der Feier. ßoöurg, 18. Januar. (Or.-Corr.) Die Mitiheilung des folgenden echt toleranten Zuges unseres vielgeliebten Herzogs dürfte den zahlreichen Lesern dieses gesch. Bl. von hohem erfreulichen Interesse sein. Anläßlich des Todes der Frau Commerzienräthin Betty Mayer Hierselbst, einer Frau, die in der Blüthe ihrer Jahre einer schweren Krankheit erlegen und welche wegen ihres Wohlthuens sowohl, wie ihres schlichten und braven Charakters wegen, bei Christen und Juden sehr geachtet war, schrieb der Herzog einen eigenhändigen Trostbrief an die Hinterbliebenen, worin er in huldvoller und herzlichster Weise denselben sein Beileid rrusdrückte. Bei dem am 13. d.M. stattgefundenen Begräbnißließ der Herzag sich durch seinen Kammerherrn vertreten, welcher sich dem Leichengefolge bis zur Ruhestätte anschloß und den erbauenden Worten des Lehrers Oppenheim (Coburg hat leinen Rabbiner) und den ceremoniellen Gebeten am Grabe bis zu Ende seine Aufmerksamkeit schenkte. Auch die Herzogin hatte ihren Galawagen gesandt und betheiligten sich die Spitzen der Behörden, sowie andere Notabilitäten der Stadt, bei dem Trauerzuge. Der israelitische Friedhof liegt in Coburg hart am christlichen und wie hier stets Frieden herrscht, so sind auch die Beziehungen im Leben zwischen Juden und Christen im Coburger Land stets friedliche und humane. Das erhabene Vorbild unseres hochherzigen Regenten läßt confessionellen Hader nicht aufkommen. Irankfrrrt a. M., 8. Januar. 'Herr Antiquitätenhändler S. Goldschmidt hat der israelitischen Religionsgesellschaft 100 000 M. für eine israelitische Volksschule und 12 000 M. für Bücher verehrt. Alzey, 14. Jan. In hiesiger Synagoge wurde die Mendelssohn-Feier in würdiger Weise abgehalten und der Gefeierte in zwei Reden, erstens in seiner allgemeinen Wirksamkeit für die Welt und zweitens in seiner speciellen Wirksamkeit für die Juden, besprochen. Auch in den Religionsstunden der verschiedenen Schulanstalten wurden für die Schüler und Schülerinnen entsprechende Vorträge über Mendelssohn gehalten. Meiningen. Nicht nur in unserer Gemeinde, sondern auf Anordnung des Herrn Landrabbiners in allen meiningischen Gemeinden fand in Tempel und Schule eine Mendelssohn-Gedächtnißfeier statt. Wiesbaden, 15. Januar. (Or.-Corr.) Am Donnerstag d. 7. c. haben wir den sel. Landrabbiner Dr. Lazarus*) Adler zu Grabe geleitet. Der Vorstand der isr. Cultusgemeinde Wisbaden hatte mit Rücksicht auf die hervorragende Bedeutung des Entschlafenen für eine solenne Leichenfeier Sorge getragen und der Synagogen-Gesangerein durch den Bortrag einiger erhebenden Grabgesange die Feier erhöhet. Von auswärtigen Collegen des Entschlafenen waren anwesend: DDr. Brüll-Frankfurt a. M., Steckelmacher-Mannheim. Goldschmidt-Weilburg, En och-Kreuznach. Als Deputation von Cassel war Landrabbiner Dr. Prager und Vorsteher Abt erschienen. Die Grabrede hielt Bezirksrabbiner Dr. Silberstein, dieselbe wird auf ausdrücklichen Wunsch durch den Druck veröffentlicht. Auch Landrabb. Dr. Prager sprach tiefempfundene Worte der Liebe und dankbaren Anerkennung. Der isr. Gemeindebund ließ einen Kranz auf das Grab niederlegen. Auch die All. isr. univ. sprach durch den Mund des Rabb. Dr. Silberstein dem Entschlafenen Dank und. Anerkennung aus. Es war eine Leichenfeier, die des großen Lehrers in Israel würdig war. — Die Reihen der bedeutenden Männer aus der Uebergangsperiode lichten sich. Wer tritt an ihre Stelle? (Ein' ausführlicher Bericht ist uns nach Redactionsschluß zugegangen, wir bringen ihn in nächster Nr.) Kamburg, 13. Januar. (Or.-Corr.) Herr Philipp Simon s. A., der Heimgegangene Präsident des Hamburger Alliance-Comits's. hat 23,000 Mk. testamentarisch für jüd. Wohlthätigkeitsvereine und Erziehungsanstalten, sowie Talmud- Thora, Töchterschulen, für dieJacobsohnschule in Seesen vermacht. Die Mendelssohns-Feier im Tempel fiel sehr erhebend aus. Herr Dr. Jonas sprach über „Mendelssohn und sein Wirken resp. seine Vorarbeiten für die Verbesserung der gottesdienstlichen Formen", die zum ersten Male im Hamburger Tempel ihre Realisirung gefunden. In der Aula der isr. Töchterschule feierte Herr Dr. Lei mdörfe r nach einem gemeinschaftlichen Gesang und einer Deklamation einer Schülerin der ersten Klaffe, Mendelssohn als Lehrer und Bahnbrecher der Ideen der modernen Pädagogik unter Zugrundelegung eines ethischen Lehrsatzes aus seinen Schriften.**) Wien. Herr Dr. Jellinek fordert in einem begeisternden Aufruf zur Bildung von „Mendelssohn-Lessing-Vereinen" auf; wir bringen den Inhalt des Aufrufs in nächster Nr. Jassy, 4. Januar. Die Mendelssohn - Gedächtnißfeier wurde heute hier in dem von Herrn Jacques v. Neuschotz erbauten Tempel „Beth Jakob" abgehalten. Mittheilungen aus dem IT. O. B. B. Berlin. Die Sitzungen der Großlogc, an der die Repräsentanten aller deutschen Logen theil nahmen — in Summa 27 — währten 3 Tage. Es wurden wichtige Beschlüsse betreffs der Sterbekasse u. der Organisition des Ordens gefaßt, die Beamten der Großloge.daslAppellationsgericht und des General-Comitö's gewählt, sowie die neuen Districts- und allgemeinen Logengesetze berathen. Wir wollen durch vorzeitige Mittheilungen den Berichten der heimkehrden Repräsentanten nicht vorgreifen. — — Freibriefe für neue Arbeitsstätten wurden auf Grund eingetroffener Petitionen crtheilt an: Ostrowo, Bielefeld. Hannover. *) Der Verstorbene hieß ^MSJ p Lazarus, nicht Levi — wie es irrthümlich in Kayserling's: „Berühmte Kanzelredner" heißt — und war jro, darauf bezog sich die Anwendung des Bibelverses: „Ein Mann aus dem Hause Levi ist dahingegangen!" in vor. Nr. **) Ich will nicht unterlassen, hier einen Jrrthum zu berichtigen, welcher sich in Nr. 2 d. Bl. findet; Dr. Gottthold Salomon, Prediger am israelitischen Tempel zu Hamburg, ist am l. Nov. 1785 (17. Marcheschwan 5546) in Sanders leben (Anhalt-Dessau) geboren, nicht in der Stadt Dessau. (S. G. Salomon Selbstbiographie, Leipzig 1865).

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