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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-01-21 · N° 4. (21.1.1886) · p. Seite 28

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 4. (21.1.1886)
Date
1886-01-21
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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— 28 — - f: auf die Sentenz Matth. 5, 39: „So dir jemand einen Streich giebt auf die rechte Backe, dem biete auch die andere dar". Kamkurg, den 11. Januar. (Or.-Corr.) Gestern fand die Einweihung des „Altenhauses der deutsch-israelitischen Gemeinde" in einfacher aber recht würdiger Weise statt und erntete die Feier, bei welcher, um nach keiner Seite hin zu verletzen, die Mitwirkung von Geistlichen ausgeschlossen war, den Beifall Aller, welche daran theilnahmen. Die Reden wurden von zwei Mitgliedern des Gemeinde- Vorstands und zwar vom Präses desselben und vom Vorsitzenden des Altenhauses gehalten, der gesangliche Theil ward vom Chorverein ausgeführt. Das Gebäude prangte im festlichen Schmucke und machte einen sehr vortheilhaften Eindruck. Ueberall bot sich dem Auge das Bild einer behaglich eingerichteten, bürgerlichen Häuslichkeit dar. Auf Luft und Licht und auf Alles, was der Gesundheit förderlich, ist besonders große Rücksicht genommen. Die Ausstattung der Zimmer ist zwar einfach aber höchst geschmackvoll. Besondere Sorgfalt ist auf die Küche und deren mechanische Einrichtungen verwandt und auch alle anderen, zum Betriebe der Hanshaltung gehörigen Räume sind mit Allem ausgestatiet, was die Neuzeit verlangt. Am schönsten geschmückt zeigte sich die in der Mitte des Hauses belegene, für etwa 40 Personen hergestellte Synagoge. Auch eine Laubhütte befindet sich in dem hinter dem Hause belegenen großen Garten; kurz es ist auf Alles Rücksicht genommen, was das religiöse Leben in der Anstalt erforderlich macht, indessen ist statutarisch jeder Zwang ausgeschlossen, insoweit die Ordnung und die Rücksicht auf das religiöse Gefühl der Mitbewohner nicht darunter leiden würde. Der Plan zum Bau des Hauses wurde s. Z. vom Architekten S. Seelig so entworfen, daß, sobald erforderlich, eine Vergrößerung durch Anbau ohne Schwierigkeit hergestellt werden kann, vorläufig sind jedoch nur achtzehn Zimmer für Pfleglinge vorhanden; außerdem enthält das Haus ein Speise- und ein Versammlungszimmer, ein Lesezimmer, vier Zimmer für den Oeconom, einige Zimmer für das Gesinde, sowie die nöthigen Räume für die Wäsche, das Heizmaterial und was sonst für die Haushaltung erforderlich ist. — Bis jetzt sind elf Pfleglinge, darunter ein Ehepaar ausgenommen, welches bereits im 85. Lebensjahre steht. Was den Vermögensstand der Anstalt betrifft, so stellt sich derselbe nach ungefährer Schätzung, abgesehen von dem Hause und der Einrichtung, auf 228,500 Mk. Der Grundfond hierzu rührt aus dem Vermächtnisse des im Jahre 1839 verstorbenen Vorstandsmitgliedes der Gemeinde Js. Hartwig her und bestand aus Rubel 25,000 Russ.-Hamb. Certificate; er ist durch die Zinsen auf p. p. M. 132,500 angewachsen. Am 10. Jan. 1883 stellte Herr E. Ewards der Gemeinde M. 150,000 zur Verfügung und wurde in Folge dessen der Bau beschlossen. Seitdem sind durch Vermächtnisse und Schenkungen verschiedener Wohlthäter noch circa M. 46,000 hinzugckommen. Unter diesen befinden sich M. 15,000 zur Stiftung eines Zimmers für eine Hospitalitin bestimmt, welche deshalb einer besonderen Erwähnung verdienen, weil sie von einer Christin, Frau Wittwe L. Smidt, geschenkt worden sind. Wie kürzlich bekannt wurde, sind sehr ansehnliche Legate in den Testamenten von Freunden des Stifters für das Altenhaus ausgesetzt, darunter eines in der Höhe von M. 250,000, so daß zu hoffen ist, die Verwaltung werde recht bald im Stande sein, nicht nur die Zahl der Pfleglinge bedeutend zu vergrößern, sondern auch der Idee der Errichtung eines Siechenhauses näher zu treten. — In das Budget des Synagogen-Verbands ist für das laufende Jahr ein Posten von M. 5000 für einen Rabbinats-Assessor eingestellt, der als Prediger sungiren soll, aber sonstige Amtshandlungen nicht verrichten darf, welche ihm nicht vom Vorstande zugewiesen werden. Wir bezweifeln einen Erfolg auf Grund des (Artikel 7 der Constituirungs-Urkunde vom 1. April 1868) unter den Fundamental-Bestimmungen aufgenommenen Passus, welcher lautete das Oberrabbinat wird von dem gegenwärtigen (sollte wohl heißen: „z. Z. im Amte befindlichen") Herrn Oberrabbiner d. d.-isr. G. bekleidet und können dessen Stellung und Gerechtsame, so lange derselbe beim Synagogen-Verbande als Oberrabbiner zu verbleiben geneigt ist, nicht ohne dessen Zustimmung verändert werden". Es ist daher höchst unwahrscheinlich, daß der Oberrabbiner auf diese Beeinträchtigung seiner Gerechtsame einzugehen geneigt sein und die Anstellung eines Predigers zulassen wlrd. Kanuover. (Or.-Corr.) Die zahlreichen Leser Ihres Bl. aus dem Lehrerkreise dürften zeitweise Mittheilungen aus der hies. Lehrerbildungsanstalt sicherlich willkommen sein. Ich bin darum gern bereit, von Zeit zu Zeit allgemein Wissenswerthes dies, gesch. Bl. zugehen zu lassen. So kann ich Ihnen als erfreulich mittheilen, daß heute bei Wiederbeginndes Unterrichtes auch der Handfertigkeitsunterricht seinen Anfang genommen hat. Es nehmen vorerst der 2. und 3. Cursus des Seminars und die Präparande in je 2 Stunden wöchentl. von 5—7 Uhr Nachmittags daran theil. Derselbe wird von Herrn Walsemann, einem tüchtigen Lehrer am hiesigen Knabenhort, ertheilt. Man hat mit Papparbeiten begonnen, weil der Raum zu Holzarbeiten noch nicht vorhanden ist. Da der Verein für Handfertigkeit es aber als sein Ziel betrachtet, vornehmlich die Holzarbeiten betreiben zu lassen, ist in der Mitte desselben der Entschluß gefaßt worden, so bald als möglich den Neubau eines Seminargebäudes zur Ausführung zu bringen, eine Nachricht, die gewiß alle Freunde des Seminars mit Freuden begrüßen werden und bei dem bekannten opferfreudigen Sinn, der G. s. d. in unserer Gemeinde herrscht, läßt sich die Erfüllung des Wunsches nach einem neuen Seminarbau in nicht allzulanger Zeit erhoffen. Aber auch die. ehemaligen Schüler des hiesigen Seminars, von denen ja viele in großen bedeutenden Gemeinden (Breslau, Magdeburg, Wiesbaden, Altona, Braunschweig rc.) und in guten Stellungen sind, könnten sich ihrer alma mater nicht dankbarer zeigen, als wenn sie zur Vergrößerung, resp. zum Neubau der Anstalt und zur Herbeiziehung noch einer Lehrkraft für die Seminarschule reichlich Mittel zufließen ließen. Seit dem Amtsantritt des neuen Seminardirectors ist auch die Einführung des bisher ganz vernachlässigten M us i k - Unterrichtes vollzogen worden. Wenn derselbe vorläufig auch nur Geigenuuterricht umfaßt, so können wir ihn doch als einen bedeutenden Fortschritt betrachten. Man denke sich ein Seminar, dessen Schüler später größtentheils, ja fast alle, auch das Canto rat zu versehen haben, ohne die geringste Musikkenntniß einerseits, und das Drängen der Gemeinden nach Verschönerung des Gottesdienstes, nach Chorgesang andrerseits, so wird der Vortheil in die Augen springen. Sind die Gemeinden noch so klein, und die Ansprüche derselben noch so bescheiden, der ins Amt eingetretene Lehrer fühlt nur zu bald eine bedeutende Lücke in seiner Ausbildung. Deshalb ist die Einführung aufs freudigste zu begrüßen. und der Wunsch der meisten Lehrer nach dieser Hinsicht hin auf dem Wege der Erfüllung, die eintreten kann, sobald Die Geldmittel reichlicher fließen werden. Als drittes neues Fach hätte ich noch Unterricht in jüd. Pädagogik zu nennen, den Herr Or. Kroner in je einer Stunde wöchentlich selbst ertheilt. , Aodenfekde, 14. Januar. (Or.-Corr.) Einen schmerzlichen Verlust hat die Gemeinde Bodenfelde-Uslar durch den, am 9. d. Ms., Tod des Vorstehers Herrn Joseph Kahlberg erlitten. Auf die Kunde vom Heimgänge dieses edlen, gottesfürchtigen Mannes eilten von Nah und Fern seine zahllosen Freilnde, Bekannte und Verwandte herbei, um rr zu erweisen, auch viele christliche Bürger schlossen sich dem Lelchenzuge an, welcher von Uslar nach dem Friedhöfe zu Bodenfelde sich bewegte. Am Grabe sprach Herr Lehrer Weinberg die Gedächtnißrede. Als- Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr vr. Tawrogl, m ergreifenden Worten Abschied von seinem. V

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