Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 4. (21.1.1886)
- Date
- 1886-01-21
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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t — 26 — freund während der letzten einundfünfzig Jahre seines Lebens wohnte, werden die Tugenden, die sein Herz zierten, und einen hellen Glanz um den jüdischen Namen verbreiteten, am besten gewürdigt. „Der Verblichene starb in dieser Stadt Anfangs 1854 und seine sterbliche Hülle ward nach Newport, Rhode Island, zu seiner Familiengrufr gebracht, wo ein passendes Denkmal über seinem Grabe errichtet ist. „Nun ist es der Wunsch der Israeliten dieser Stadt — ein Wunsch, der von unseren nichtjüdischen Mitbürgern, deren thätige Theilnahme dazu gewiß ist, mit gehegt wird — das Andenken des verstorbenen verehrten Edlen, durch Errichtung einer Statue (von Bronze oder Marmor), oder eines andern Monuments (Denkstein, Säule oder Obelisk) zu Ehren des Verstorbenen zu verewigen, vorausgesetzt, daß eine solche Handlung nicht im Widerspruch steht mit den Gesetzen und Gebräuchen Israels. „Um nun die Zweifel der jüdischen Gemeinde in dieser Hinsicht zu beseitigen, ward in der ersten Sitzung des ausführenden Comitcs des Touro-Monument-Vereins beschlossen, daß, bevor irgend welche weitere Schritte gethan werden, in Betreff der Zulässigkeit des Unternehmens vom religiösen Standpunkte die Gutachten mehrerer d^r bedeutendsten rabbinischen Autoritäten Europas eingeholt werden sollen und daß die Angelegenheit in allen ihren Theilen der Entscheidung des Oberrabbiners Or. N. M. Adler zu London, des Rabbiners S. Raphael Hirsch zu Frankfurt am Main, des Oberrabbiners vr. Z. Frankel, Direktor des theologischen Seminars zu Breslan, und des Oberrabbiners S. L. Rapoport zu Prag unterbreitet werden soll. „Als Vertreter des Vereins erlaube ich mir deshalb, ehrwürdiger Herr, Sie um Ihre Ansicht über diese Angelegenheit und um Ihre Antwort auf die folgenden Fragen zu ersuchen". Wir können uns den Abdruck der eine volle Druckseite füllenden „Fragen" wohl sparen, da dieselben aus den prägnanten Antworten Frankels ersichtlich sind. Aus die andern Gutachten sowohl, wie auf F/s einleitende historische Skizze kommen wir vielleicht ein anderes Mal zurück; für heute genügt die Mittheilung der Antworten Frankels, die sich genau an die Anfragen der Reihe nach anschließen. Sie lauten: „Zu I. 1. Die Errichtung einer Statue zu Ehren eines Israeliten sowohl, als eines anderen Menschen ist durch das jüdische Religionsgesetz verboten. (Siehe ^kors äsa 141, 4.) Zu I. 2. Die Errichtung eines Monuments in der in dieser Frage beschriebenen Weise ist ohne Bedenken gestattet. Zu II. 1. Zu subscribiren*) ist nicht verboten (siehe To8. Rosch. Hasch. 24 und Jore Dea I. c. 17.), eben so wenig thätigen Antheil zu nehmen, mit Ausnahme der Errichtung selbst, d. h. der Bildhauernrbeit daran". (Schluß folgt.) „Eine Enthüllung" AVer die »freie Wereinigung für die Interessen des IudentHnms." „Eines glauben wir im Vorhinein bemerken zu sollen. Ein irgend welches Einschreiten in die innern Angelegenheiten einer Gemeinde oder au ch nur der Versuch eines Einwirkens auf das amtliche Verhalten eines Angestellten wird der orthodoxen jüdischen Vereinigung jederzeit fern liegen", — so erklärte Samson Raphael Hirsch in seiner Aufforderung zur Bildung der rubricirten Vereinigung. — *) d. h. wörtlich: unterschreiben, seine Unterschrift geben, sei es zu Aufrufen oder auf Sanlmellisten. (Red.) Als Illustration hierzu diene folgende Thatsache. Zwer Lehrer meines Bezirkes machten mir, indem sie quasi meinen Rath nachsuchten, die Mittheilung, sie hätten von Herrn Dr. Plato, Dir. des Cölner Lehrer-Seminars, dessen Zöglinge sie waren, ein Schreiben ungefähr folgenden Inhaltes erhalten: . . „Auf meine Veranlassung ist etne „freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" ins Leben getreten. Ich kann Ihnen nur den Rath geben, diesem Vereine beizutreten, da dies für Ihre Zukunft förderlich sein kann." Interessant ist, daß vr. Plato sich in diesen Briefen den Veranlasser des „orthodoxen Vereins" nennt. Ebenso interessant sind die Motive, durch welche die Lehrer zum Beitritt veranlaßt werden sollen: „es könllte für ihre Zukunft förderlich sein". So spricht ein Lehrer zu seinen Schülern, die selber Lehrer sind. — Doch das nur nebenbei. Aber eine Frage wollen wir laut und vernehmlich an die Oeffentlichkeit richten: Ist eine solche Aufforderung zum Beitritt nicht ein „Versuch eines Einwirkens aus das amtliche Verhalten eines Angestellten?" „Samson Raphael Hirsch, — so schrieb ein ortho. doxes Blatt im Anschluß an die Aufforderung — „der Mann, welcher vor einem halben Jahrhundert zuerst muthig in die Bresche trat und die Fahne des gesetzestreuen Judenthums in dem Augenblick entrollte, da dasselbe fast verwaist ohne Annehmer schien, Samson Ra pH. Hirsch ist es, der ... heute die Stimme erhebt" rc. . . . Samson Raphael Hirsch und mit ihm die jüd. Gemeinschaft ... „die als wahrhafte pKl T9“ dasteht, die Israelitische Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M." — (ein wörtliches Citat aus dem Dithyrambus des gen. orth. Blattes) — sie haben sich dafür verbürgt, daß „auch nur der Versuch eines Einwirkens auf sdas amtliche Verhalten eines Angestellten" unterbleiben wird, und schon im ersten Vierteljahr nach der Aufforderung schreibt der Schwiegersohn Samson Raph. Hirsch's, Or. Plato, indem er sich als den Urheber des Vereins bezeichnet, solche Aufforderungen an Lehrer im Bezirke eines notorisch nicht orthodoxen Rabbiners! Ein solcher Brief ist auch von demselben, wie ich eben von denselben Lehrern erfuhr, an einen Lehrer im Nachbarbezirke ergangen, dessen Rabbiner ebenso notorisch kein Orthodoxer ist, und demnach wahrscheinlich an alle früheren Zöglinge des Cölner Seminars. — Ich nenne meinen Namen nur aus Rücksicht für die Lehrer nicht, denen es bei solchen Opportunitäts-Principien immer schaden könnte, mir, wenn auch nicht in denunciatorischer Absicht, die Mittheilungen gemacht zu haben. Doch erfolgt diese Veröffentlichung nicht ohne daß ich den Lehrern frei gesagt hätte, welchen Gebrauch ich von ihrer Mittheiluna machen werde. — dlus dieser „Enthüllung" können die Gemeinden selbst ersehen, ob die „freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" nicht lne Gefahr für den Frieden der Gemeinden ist. Ein notorisch nichtorthodoxer Rabbiner. Ans der orthodoxen Uroers. Gestatten Sie mir, geehrtester Herr Redacteur, unter dieser Rubrik aus der Praxis eines modernen neuorthodoxen Rabbiners Hildesheimer'scher Richtung einige Fälle mitzutheilen, deren Wahrbelt von competentester Seite verbürgt ist. Bei der jetzigen Confusion der religiösen Parteien, da diese Richtung sich als die eigentliche Besitzerin des Mendelssohn'schen Geistes aufspielt — so sagte ja der Festredner bei der Mendelsohnfetet in der Hlldesheimer'schen Seminarsynagoge: „Gerade unsere Schule ist auf den Prinzipien Moses Mendelssohns aufgebaut..." —, ist es gut, wenn man statt mit Worten s.