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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-01-14 · N° 3. (14.1.1886) · p. Seite 22

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 3. (14.1.1886)
Date
1886-01-14
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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22 aus Mendelssohns religionsphilosophischen Schriften an den geeigneten Stellen einftocht. Natürlich konnte es nicht fehlen, daß auch seines Freundes Lessing in rührendster Weise Erwähnung geschah. Wahrlich, es wäre zu wünschen, daß in einer Zeit, die wie die heutige leider noch immer unter dem Zeichen des Antisemitismus steht, die Lebensbilder jener berühmten Vorkämpfer der Humanitätsidee, des herrlichen Dioskurenpaares: Lessing und Mendelssohn in den weitesten Kreisen Verbreitung finden. Liturgische Gesänge begannen und schlossen die erhebende Feier. Das Ergebniß einer vorher veranstalteten Sammlung ist als Beitrag an das Comitö zur Errichtung des Mendelssohn-Denkmals nach Dessau abgesandt worden. 'Zfosen, 31. Dezember. Der vor Jahresfrist hier verstorbene Stadt- und Kommerzienrath Herr Samuel Jaffe hat laut Testament die Summe von 100,000 Mark zu einer Stiftung bestimmt, deren Zinsen alljährlich am Todestage des Testators (13. Januar) an fünfzig achtbare christliche und jüdische Bürger aus Stadt und Provinz gezahlt werden sollen. Auch Herr Stadtrath Louis Jaffe, der vor wenigen Jahren verstarb, hat eine beträchtliche Summe ausgesetzt, deren Zinsen in Beträgen von je 100 Mark alljährlich an hiesige achtbare, hilfsbedürftige Personen zu vertheilen sind. Vor wenigen Tagen wurden durch diese bedeutende Gaben elf Einwohner der Stadt erfreut. Ztoim, 3. Januar. Heute feierte Herr vr. Cohn sein fünfundzwanzigjähriges Amts - Jubiläum als Rabbiner und Prediger. Derselbe fungirte seit 1861 in den Gemeinden Cöthen, Waren, Oels und seit 1882 Hierselbst, überall sich Liebe und Achtung erwerbend. Der hiesige Gemeindevorstand erschien in corpore heute in der Wohnung des Jubilars und überreichte demselben als Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit eine Ehrengabe mehrerer Gcmeindemitglieder, bestehend in einem namhaften Geldgeschenk. Der Vorsitzende, Herr R o b. Goldschmidt, gedachte dabei in einer warmen Ansprache der Verdienste des Jubilars, der für die ihm erwiesene Ehre dankte. Der Synagogenchor ließ demselben durch eine Deputation einen prachtvollen Blumentisch übergeben. — Die Mendelssohnfeier fand hier am 2. Jan. beim Sabbath-Nachmittag-Gottesdienste durch Gesang und Predigt — über Daniel 12.3 — statt. Irarrkfurl <*. H. Unter den am 15. December von der französischen Akademie der Medizin Preisgekrönten befindet sich auch ein Frankfurter Kind. Der Ohrenarzt vr. Benno Löwenberg zu Paris erhielt für seine 1879 geschriebene Arbeit: „les tumeurs adenoides du pharynx nasal etc.“ den Jtaryschen Preis (2500 Frcs.), welcher für das beste Buch der praktischen Medizin und angewandten Therapie, das innerhalb der letzten Zeit erschien und sich auch bereits durch mindestens zwei Jahre als mustergiltig bewährt hat, bestimmt war, eine Auszeichnung, die doppelt hoch anzuschlagen ist, als sie unter einer relativ größeren Anzahl von Bewerbern gerade einem Deutschen ertheilt wurde. — Komvurg, 5. Jan. Zum Gedächtniß Moses Mendelssohns hielt Herr Rabbiner vr. Appel gestern Abend im Saale des Hotel Braunschweig vor einem zahlreichen Auditorium einen Vortrag. Zum Schluß desselben gab Redner die Anregung zur Bildung einer Bibliothek, vermittelst deren das Judenthum auch den Nichtjuden offenbart werde, nicht um Propaganda für dasselbe zu machen, sondern um die Jrrthümer und Vorurtheile, unter welchen es noch heute zu dulden hat, mehr und mehr zu beseitigen. Menöurg a. W. Mit der Feier des Regierungsjubiläums am 2. Januar, war gleichzeitig die Gedenkfeier für Moses Mendelssohn in der Synagoge verbunden. Herr Lehrer Eckmann entwarf in klarer Rede ein vorzügliches Bild von dem Lebensgang des Philosophen und der Thätigkeit und Wirksamkeit desselben für Deutschthum und' Judenthum, anknüpfend an Hiob 8,7. Die einfache und prunklose Doppelfeier hat einen erhebenden Eindruck im Herzen der Hörer zurückgelassen. Dresden. Der hiesige „Brüder-Verein" hat auf seinem am 3. Januar abgehaltenen Feste auch das Gedächtniß. Mos. Mendelssohn's in würdiger Weise gefeiert. In Chemnitz geschah es in Verbindung mit dem Sabbathgottesdienst. Der hiesige „Litterarische Verein", dem die hiesige Eliteder Kunst und Wissenschaft angehört, hat Herrn Oberrabb. vr. Landau ersucht, seinen im Brüderverein gehaltenen Vortrag über M. Mendelssohn auch in ihrem Kreise zu halten.. Das „Dresdner Tagebl.", Organ der Conservativen, zollt ihm dafür Anerkennung; es sagt u. A.: „Der hervorragende Humanist Herr Oberrabb. vr. Landauer, Ritter 1. Kl. des Albrecht-Ordens, hielt einen tief durchdachten, sehr anregenden Vortrag" u. s. w. Alkenstein, 3. Januar. (Or.-Corr.) Das 25jährige Regierungs-Jubiläum, an welches gleichzeitig die Mendessohn- Gedächtnißfeier sich anschloß, ist gestern in unserer Synagoge beim öffentlichen Vormittags-Gottesdienste, unter Betheiligung, aller Gemeinde-Angehörigen in würdiger Weise begangen worden. Eröffnet wurde die Feier mit einem Gesänge, Psalm 21.. Die von unserem Lehrer und Prediger Herrn Tonn gehaltene Festpredigt, sowie die Ansprache und Ermahnung an die anwesende Schuljugend war erbauend und der Bedeutung des Tages angemessen. Wiesbaden, im Decbr. (Or.-Corr.) Auch in diesem. Jahre fand in unserer Gemeinde, im Saale des Grand Hotels, eine Chanucka-Feier für unsere Schuljugend statt. — In würdiger Weise beging der „Synagogen-Gesangverein" die Mendelssohn-Gedächtnißfeier. Herr Rabb. vr. Silberstein hielt die Festrede, die auf Wunsch gedruckt werden soll. In Ksten fand die Mendelssohnfeier ebenfalls in recht würdiger Weise im Saale statt. Lehrer Blumenfeld hielt die Festrede; Choral und Prolog, Declamation aus „Nathan", Quartett aus dem „Elias" gingen voran und Vertheilung der Biographie M/s an fleißige Schüler nebst Gesang schloß die schöne Feier. Laupheim. Die Jahrhunderterinnerung an Moses Mendelssohn wurde hier den 2. Jan. in der Synagoge durch Predigt und Gesang festlich begangen. Rabbiner Kahn schilderte den 3. Moses als den Wohlthäter, Religions- und Kulturförderer seines Volkes; als höchstes Verdienst für das Judenthum kennzeichnete er dessen rettende That, die Uebersetzung der Bibel von der Ursprache in's Deutsche. Er nahm ihn besonders gegen die Verkezerung der Zeloten, die sein Bibelwerk nach seinem Erscheinen mit Bann belegten und verbrannten, in Schutz. Mendelssohn war durch und durch eine konservative Natur, der weniger ein Reformator wie Luther, sondern eher wie Melanchthon ein magister Judäorum gewesen. — Wenn in der Synagoge die Bedeutung Mendelssohns als Jude hervorgehoben wurde,. so wurde in einer Festversammlung im Saale zum Kronprinzen Abends am 3. d. M. derselbe in einem längeren Vortrage von Rabbiner Kahn in seiner hohen Bedeutung für das ganze deutsche Volk in der Geschichte der Litteratur,. der Philosophie und der deutschen Sprache geschildert. Er ist der eigentliche Begründer der deutsch-jüdischen Volksschule. Als solcher wurde ihm bei Erbauung des neuen israel. Schulhauses dahier im Jahre 1868 im Giebelfelde von der Künstlerhand Güldensteins ein Denkmal gesetzt, das den Begründer des deutschen Volksgeistes und der deutschen Wissenschaft unter den Juden verherrlicht. 8. Nostock. Am 4. Januar hielt Herr Landrabbiner vr. Feilchenfeld hier wie in Schwerin, Güstrow, Bützow und Teterow einen Vortrag zum Gedächtnisse Mendelssohns. Der große Saal hier war gefüllt, von jüdischen und christlichen Besuchern, darunter auch der Rektor der Universität, viele Professoren, Pastoren, die alle den. wie die Rostocker

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