Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-01-14 · N° 3. (14.1.1886) · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 3. (14.1.1886)
Date
1886-01-14
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9585330-9585354--6059-9585361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Zeitung berichtet, inhaltsvollen und von einem weiten Ueberblick über die Zeitgeschichte zeigenden Ausführungen des Redners mit großem Interesse folgten. N. MarsVerg. (Westfalen.) Auch hier wurde der Todestag Mendelssohns festlich begangen. Am Sonnabend Abend versammelte sich die Gemeinde im Saale des hiesigen jüd. Männervereins. Der Lehrer Braun sprach über das Leben und Wirken Mendelssohns und knüpfte am Schlüsse an das Jubiläum des Kaisers an. Frl. R. und H. Nordheimer trugen einige Hauptscenen aus „Nathan" vor, und schlossen sich hieran noch mehrere Vorträge von Erwachsenen und Kindern an. Hlödekyeim, 3. Januar. In den letzten Tagen des alten Jahres ist die landesherrliche Genehmigung für die von dem in Frankfurt a. M. verstorbenen Menschenfreund und Wohltäter, Herrn Arthur Mai, der hies. isr. Gemeinde gemachten Schenkung von 10.000 Mark eingetroffen. Nach dem in dem Testamente ausgesprochenen Willen sollen die Zinsen dieses .Kapitals im Betrage von 4OO M., zum Ankauf von Osternbrod und Fleisch für die Armen der isr. Gemeinde verwendet werden. Da nun die Zahl der in Betracht kommenden Familien keine geringe ist und seit dem Tode des Testators noch einige dazu gekommen sind, dürften die einzelnen Quoten geringer ausfallen, als ursprünglich angenommen wurde. Der Gemeindevorstand, welcher im gegebenen Falle als Stiftungs- .Lommission fungirt, wird den richtigen Vertheilungsmodus statutarisch festsetzen müssen. Stuttgart, 4. Jan. (Or.-Corr.) In Folge eines Erlasses der K. Israel. Oberkirchenbehörde wurde in allen Gemeinden Württ. eine Gedächtnißfeier für Moses Mendelssohn -gehalten; hier fand dieselbe gestern statt. Der Synagogenchor leitete die Feier mit einer Motette von Bach ein, die von Musidirektor Fink geleitet und mit Orgel begleitet war. Kirchenrath vr. v. Wassermann hielt die Festrede, in der er ein Lebens-Characterbild des Philosophen gab und das Ringen und Streben Mendelssohns in seinen Knaben- und Jünglingsjahren, seine Glaubenstreue und Sittenreinheit mit beredten Worten hervorhob. Der Freundschaft mit Lessing wurde lebhaft gedacht und schließlich ein Vergleich der beiden Menschenfreunde Moses Mendelssohn und Moses Montefiore gezogen, auch der schwäbische Dichter Karl Philipp Conz angeführt, der auf Mendelssohn ein lyrisch-didaktisches Gedicht schrieb und ihn „den Stolz Europa's" nannte. Gebet und Gesang schloß die Feier. Stuttgart. In der letzten Decemberwoche v. I. haben drei jüdische Theologen das Staatsexamen bei der K. israel. Oberkirchenbehörde gemacht und bestanden und zwar Rabbinats- Verweser Lau pH ei m er in Buttenhausen, geb. Württemberger, Dr. Stößel, Rabbinatsvicar in Stuttgart, Oesterreicher, Schüler der vvr. Kämpf und Jellinek und als Dritter Dir. Treuchlein, Religionslehrer in Karlsruhe, ein Breslauer, .als Rabbiner nach Oberdorf designirt. 'Zkrag. Für den Prof. Dr. Kämpf ist Herr Dr. Goldzieher in Pest zum Professor für oriental. Sprache und Litteratur an der hies. Universität in Aussicht genommen. Aamvoritz (Mähren). In unserer kleinen und stillen Gemeinde feierte jüngst unser Rabbiner, Herr Samuel Hahn, sein 25jähriges Amtsjubiläum. Da der Jubilar die Absicht hegte, diesen Tag nur im engsten Familienkreise festlich zu begehen, verlautete hier erst unmittelbar vor dem Jubiläumstage etwas Näheres darüber. Wenn daher auch am Festtage jede größere Ovation von Seiten der Gemeinde unterbleiben mußte, ließ sie es sich doch nicht nehmen, einige Zeit später ihrem verehrten Rabbiner Beweise von Sympathie und Liebe entgegenzubringen. So überreichte ihm noch vor Kurzem der Vorstand der hiesigen Chewra-Kadischa einen schönen Pokal mit entsprechender Widmung. Der Jubilar. post festum .überrascht, weihte den Pokal sofort zum Kelche der Freude, den er unter trefflicher Ansprache auf das Blühen und Gedeihen seiner Gemeinde und ihrer humanen und religiösen Vereine erhob. Nunmehr entwickelte sich ein improvisirtes, aber darum nicht minder schönes und gemüthliches Familien- und Gemeindefest, an welches die Theilnehmer noch lange mit inniger Freude denken werden. Möge es unserem verehrten Rabbiner gegönnt sein, noch lange in Freuden zum Heile seiner Gemeinde zu wirken. In Hesteneich hat man ebenfalls in zahlreichen Gemeinden Mendelssohns Säcularfeier durch Predigt und Gesang begangen. So in fast allen Bethäusern Wien's, (es predigten die DDr. Jellinek, Güdemann, Ungar, Groß, Wollner, Heller.) Brünn (vvr. Placzek und Deutsch), Proßnitz (Or. Hoff), Horitz (vr. Ehrentheil), Jglau (vr. Unger), Trebitsch (Or. Pollak), Brody (vr. Herzel), Znaim (Holzer), Pest. Gr. Becskerek (vr. Klein), Vesprim (vr. Hochmuth), Siklos (Or. Roth) u. v. a. 'Nrerau. Hier wurde vr. Tauber, bisher Rabbiner in Brüx, zum Rabbiner gewählt. Amerika. Die jüdischen Unterthanen in den Ver. Staaten haben als einen Beweis ihrer Dankbarkeit für den ihrem Glauben gewährten Schutz der Nationalregierung eine colossale Statue der „Religionsfreiheit" verehrt. Die Statue ist die Schöpfung Ezekiels, des großen amerikanischen jüdischen Bildhauers, und stellt Amerika mit gegen einen die Religion repräsentirenden Jüngling wie zuin Schutz ausgestrecktem Arme dar. Die linke Hand der Amerika ruht auf einer Gesetzrolle der Ver. Staaten, welche allen ihren Söhnen religiöse Gleichheit giebt. Am Fuße befindet sich der amerikanische Adler, mit seinen Krallen am Halse der Schlange Intoleranz. Das Denkmal, welches in Kurzem aufgestellt werden soll, wird von den amerikanischen Juden als ihre 100jährige Jubiläumsgabe überreicht werden. Mittheilungen aus dem U. O. B. B. Berlin. Die erste ordentliche Sitzung der Großloge für Deutschland, zu der die gewählten Repräsentanten sämmtlicher deutschen Logen eingeladen sind, findet am 17. d. Mts. Vormittags 9*/, Uhr im hiesigen Logenlocale (Brüderstr. Nr. 2) statt. Fraternitas-Loge zu Dresden. Am 4. Januar cr. beging unsere Loge den Gedenktag Moses Mendelssohn's in ebenso erhebender als würdiger Weise. Das Comits für die geistige Fortbildung beauftragte Br. Pflaum zur Abhaltung eines Vortrages über: „M. Mendelssohn" und den Br. Obercantor Wolfsohn mit der Leitung des musikalischen Theiles. — Die Büste des großen Denkers war au diesem Abende mit einem Lorbcerkranze pietätvoll geschmückt worden und gereicht diese Feier den Brüdern: Vicepräsident Fränkel, P. Schlesinger und H. Simon ob des vortrefflichen Arrangements zur vollsten Ehre. — Der Vortrag wurde feierlichst auf dem Harmonium durch „eine Betrachtung", comp. v. „Felix Benda", eingeleitet. Wir lernten in Br. Pflaunl einen sehr begabten Redner kennen, tvelcher dem Institut, welchem er seine geistige Ausbildung verdankt (Seesener Pädagogium), jederzeit zur Zierde mit Recht gereichen dürfte. — Der ebenso interessante als gehaltvolle Vortrag, formvollendet, fand reichen Beifall. Den Schluß bildete „ein Schäferlied", comp, von dem jüngst verstorbenen, berühmten hiesigen Hoforganisten C. Merkel und auf dem Harmonium von Br. Wolfsohn vorgetragen. — Der würdige Präsident Br. A. Schleich ersuchte die Versammlung, den Vortragenden durch allgemeines Erheben von den Plätzen zu ehren, was auch von den Zuhörern einmüthig erfolgte. In gleicher Weise dankte der Präsident dem Br. W. für die musikalischen Leistungen. — Ich schließe meinen Bericht mit dem ungefähren Wortlaute unseres Vortragenden: „In Deinem Sinne und Geiste, edler Denker, lehre uns auch ferner streben! Du gabst den Impuls zur Begründung deutscher Schulen in den Gemeinden Jsrael's, welche die Israeliten nicht nur von der leiblichen, sondern auch von der geistigen Knechtschaft für immer befreiten. Dein Andenken wird in unserer Mitte ein immerdar gesegnetes bleiben." A. W. — Die Fraternitasloge hält am 16. d. M. einen Familienabend, am 14. Februar ihr 1. Stiftungsfest ab. — Bielefeld. Am 2. Januar hielt Herr Hermann Blumenthal aus Halle a. S., Mitglied des General-Comite's der Gr.-Loge Nr. 8, in einer Versammlung hochachtbarer Gemeindemitglieder Hierselbst einen Bortrag über die Geschichte, Zwecke, Ziele und erhabenen Tendenzen des Ordens, worauf fast sämmtliche anwesende Herren eine Petition an die würd. Groß-Loge Unterzeichneten, worin dieselbe ersucht wird, in Bielefeld die erste Arbeitsstätte des B'nai-Brith-Ordens auf westfälischem Boden zu errichten. In Frankfurt a. M. wird demnächst ebenfalls eine Loge des 11. O. B. B. errichtet werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.