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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-01-01 · N° 1. (1.1.1886) · p. Seite 6

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 1. (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nation als das Wer? der fluktuirenden jüdischen Bevölkerung bezeichnet hat. Indem M. die deutsche Uebersetzung in seiner Pentateuch-Ausgabe mit jüdischen Lettern drucken ließ, wirkte er segensreich für die deutsche Sprache unter einer Bevölkerung, die heute bereits eine reine deutsche ist. In Königsberg, auf der Grenze slavischer und germanischer Nationalität, ließen seit 1783 bekanntlich seine Schüler auch eine jüdische Zeitschrift erscheinen. Wom Schrvarzwatd, 25. December. (Or.-Corr.) Eine Stunde von Nordstetten, dem Geburtsort des unvergeßlichen Berthold Auerbach, liegt das Dorf Rexingen, rings von Tannenwäldern umgeben. Links an der Bergwand liegt der „Gute Ort", der dem Gesammtbild ein düsteres Gepräge giebt. Dort begrub man dieser Tage einen Mann, der nicht aus der Reihe der Lebenden scheiden soll, ohne seiner auch in weiteren Kreisen in gebührender Ehre zu gedenken. Es war dies Haimann Öttenheimer, ein Schwager von Berthold Auerbach. Schon als kleiner Junge zeigte Öttenheimer große Begeisterung für hebräisches Wissen und wurde in seinem 12. Jahre (1827) von seinen armen Eltern zu dem damaligen Bezirksrabbiner Or. Adler in Mühringen geschickt, der den eifrigen und begabten Jungen in die Grundlagen der hebräischen Disciplinen einführte. Später kam er in das vielbesuchte Beth-Hamidrasch zu Hechingen, wo auch Auerbach zu den Füßen berühmter Talmudgrößen saß. Als fahrender Schüler kam er später nach dem Elsaß und wurde Hauslehrer in Rappoltsweiler, vertauschte aber diese Stellung bald mit einem festen Posten als Lehrer in Oberinow (Frankreich), wo er 23 Jahre thätig war. In seinem 40. Lebensjahre kam er wieder nach seinem Heimathort Rexingen und verheirathete sich mit Jette Auerbach. Gerade damals begann der Stern des Dichters der „Dorfgeschichten" zu^stcigen und das gute Jettchen war nicht wenig stolz auf die Erfolge ihres „geliebten Berthold". Es war nicht zu verkennen, daß in der Ottenheimer'schen Familie der Idealismus des verehrten Bruders die schönsten Früchte trug. Aber nach siebenjähriger glücklicher Ehe, der eine Tochter entsproß, starb Jettchen Öttenheimer und hinterließ eine unersetzbare Lücke in ihrem Familienkreis. Berthold Auerbach war über den Verlust seiner Schwester untröstlich und ich erinnere mich, daß er nach Jahren noch öfters kam, um das Grab Jettchens zu besuchen. Mit seinem Schwager und der jungen Nichte blieb der Dichter im innigsten Contakt, was bei den beiden Ersteren unverkennbar hcrvortrat, wenn man sich über dies oder jenes Thema des allgemeinen Wissens mit demselben unterhielt. Öttenheimer selbst war eine ideal angelegte Natur, und wahrend er mit einem französischen Abschiedsgruß im Munde seinen Sack auf die Schulter nahm, um die rauhen Berge der schwäbischen Alb zu besteigen und dort die Bauern von der Güte seiner Waaren zu überzeugen, sann er über die bedeutendsten Probleme der gebildeten Welt nach. Er ernährte sich und die Semen ehrlich und redlich und wußte sich in seiner Gemeinde beliebt und nützlich zu machen. Seine Vortrüge, die er in den Trauerhüusern und bei den religiösen Vereinen hielt wurden mit hohem Interesse verfolgt, da er in die Bearbeitung derselben seine reiche Phantasie einfließen ließ. Er ließ sich für diese seine Liebtingsthätigkeit nie bezahlen, obwohl er materiell mcht gerade auf Rosen gebettet war. Ueberhaupt machte er sich um das religiöse Leben seines Heimathsortes in der hingebensten und uneigennützigsten Weise verdient. — Jetzt liegt er dort droben an der Bergwand, von' welcher man das nahe Nordstetten erblickt; dort, wo auch sein Schwager Berthold Auerbach ruht, winken Tannenwipfel herüber zum Grab der Schwester und des Schwagers, als wollten sich die Todten grüßen. — Ehre ihrem Andenken! L. Levi in Hechingen. Hannover, Ende Dezember. Herr LandrcMMI Dr. Gronemann versendet an die Vorstände seines SprenM folgendes Circulär: Die gottesdienstliche Feier des 25 jährigen Regierung^ Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs, welches am 3. Januar k. I. im ganzen Lande festlich begangen wird, ist mit höherer Genehmigung in den Synagogen meines Bezirkes bereits an dem — gerade auf den Sabbath fallenden — 2. Januar zu begehen. Demgemäß flnd am genannten Sabbath ht das hehr. Gebet für Kaiser und Ruch die Worte einzuschaltcn: IniDbfcb uton iS □i'O (»am Lag.' da 25 Jahre seit seiner Regierung verflossen") und alsdann folgendes Gebet zu sprechen: „Laß, o Herr, Deine Gnade groß werden über dcn Kaiser, unfern König und Herrn, und wie Du 25 Jahre lang die Regierung in seiner Hand erhalten, ihn dabei aus großen Gefahren gerettet, in Krieg und Frieden mit Barmherzigkeit überschüttet und mit Ehren gekrönt hast segnet sei dafür Dein heiliger Name! — so sei Du auch ferner sein Schirm und Schild und sein großer Lohn, beivahre ihm noch Geist, Seele und Leib in rüstiger Kraft und setze ihn nach wie vor unserem Lande zu bleibendem Segen. Amen!" Psalm 21 und 45 ist vorher, zum Schlüsse Ps. 72 (mit Ausnahme des letzten Verses) oder Pf. 150 zu recitiren. Wo angänglich, ist die Feier auch noct) durch eilte Festpredigt zu heben. In den jüdischen Elementarschulen des Bezirks ist gleichfalls eine angemessene Feier und zwar am 4. Januar zu veranstalten. Dieselbe wird mit dein Singen entsprechender Gesänge und patriotischer Lieder, einem geschichtlichen Hinweis auf die glorreiche, gesegnete Regierung Sr. Majestät, unter Ausschluß der' eigentlichen Unterrichtsstunde, und etwaiger sonstiger Veranstaltung gemeinsamer Zusammenkunft und geeigneter Spiele zu begehen sein, damit in unserer Jugend die Gefühle ehrfurchtsvoller Dankbarkeit geaen unfern Kaiserlichen und Königlichen Herrn geweckt und ge stärkt werden. Gleichzeitig fühle ich mich veranlaßt, angesichts der bevorstehenden hundertsten Wiederkehr des Sterbciageö eines (?) Moses Mendelssohn, des 6. Schebat, ivclcher in diesem Jahre auf den 11. Januar fällt, die Herren Vorsteher zu ersuchen, entweder an diesem oder an einem der nächsten Tage,*) dieses großen Mannes und seiner unsterbllchen Ver dienste um das Judenthum durch einen Vortrag in bei Synagoge und eine Ansprache in der Schule in würdiger Weise gedenken zu lassen. Auch kleineren Gemeinden lst dazu die Möglichkeit geboten durch einen gedruckten Festvortrag, den auf Verlangen der Ausschuß des Deutsch- Israel. Gemeindebundes in Berlin gratis versendet.**) Oesterreich-Ungarn. Wien. Wenn Moses Mendelssohn auch nicht in Wien gelebt, — schreibt Dr. Jellinek in der „Neuzeit" — so hat doch sein Geist hier mehr als in irgend einer anderen Stadt (außer Berlin) angeregt und besonders nach seinem Tode fortgewirkt. Wir wollen nicht geltend machen, daß seine sammtlichen Werke hier zum ersten Male in einem Bande als National-Denkmal gedruckt wurden, sondern bei dem Theile seiner schriftstellerischeu Thätigkeit verwelleu. der für seine Glaubensgenossen bestim-.nt war. Wir meinen seine deutsche Uebersetzung biblischer Bücher. Drei Jahre vor seinem Tode, das ist 1783, erschien in Berlin die erste Ausgabe seiner Uebersetzung des 6. B. Moses und der Psalmen. Die erstere wurde in Berlin nicht wieder, die letzteren noch zweimal dort - gedruckt. Wer hat es nun *) Warum denn nicht an dem nun einmal vom Jubiläums Comits acccptirten 4. Januar (nach deutschem Kalender)? **) Wir hätten es für angemessener gefunden, wenn der Herr Landrabbiner den betr. Gemeinden seines Sprengels einen geeigneten Vortrag gleich mitgesandt hätte, statt sie nach Berlin an das Bureau des D.-J. G.-B. zu verweisen.

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