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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-01-01 · N° 1. (1.1.1886) · p. Seite 7

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 1. (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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übernommen, diese Mendelssohn'sche Übersetzungen zu vervielfältigen und zu verbreiten? Wien! Die hebräische Presse Wiens hat den Pentateuch und das Psalmbuch mit Mendelssohn's deutscher Uebersetzung mit hebräischen Lettern seit 1791 sechsmal gedruckt und dazu beigetragen, daß die Geistesarbeiten Mendelssohns, welche aus die Bildung der Juden berechnet waren, Verbreitung fanden und da Buchdrucker uud Verleger nichts weniger als Idealisten und Förderer der Aufklärung, sondern Geschäftsleute sind, welche zu rechnen verstehen, so ist anzunehmen, daß zunächst in Oesterreich das Bedürfniß nach den Mendelssohn'schen Uebersetzungen vorhanden war und durch die Wiener hebräische Presse befriedigt wurde. Uud so war es auch. In den meisten jüdischen Familien, besonders in Böhmen, Mähren und Schlesien, fand man ein „Chummesch" und ein „Tehillim" mit Mendelssohn's Uebersetzung, nicht selten auch die übrigeil Theile der Bibel mit den deutschen Uebertraguugeu der Jünger Mendelssohn's. In Wien erschien auch 1794—1796 eine Sammlung von Briefen Moses Mendelssohn's in hebräischer uud in deutscher Sprache mit rabbinischeu Lettern. In Wien wurde die periodische Schrift: „Der Sammler" (Ha-Meassef), den die Freunde und die Jünger Mendelssohn's zur Bildung und Ausklärung der Juden Herausgaben, theils überdruckt und lheils in neuer Gestalt unter dem Namen „Bikkure Ha-Jttim" fortgesetzt. Kurz, Wien ist nach dem Tode Mendelssohn's die Rolle zugefallen, dessen Geist durch die Drucklegung seiner Werke lebendig zu erhalten und fortwirken zu lassen. Ueberhaupt war die typographische Thätigkeit der hebräischen Presse in Wien von dem Genius Meudelssohu's und seiner Schule beherrscht. Sie lieferte biblisch-exegetische Werke in mehrfachen Auflagen, hebräische Grammatiken, hebräische Wörterbücher, hebräische Darstellungen der israelitischen Religionslehre für Lehrer und Lernelide. Diese typographische Betheiligung Wiens au der Fortsetzung und Verbreitung des Mendelssohn'schen Bildungs¬ und Aufklärungswerkes zeugt dafür, daß die Verehrung Mendelssohn's in Oesterreich einen hohen Grad erreicht hatte und immer mehr au Ausbreitung gewann. Wen die Erinnerungen seines Lebens Jahrzente in die Vergangenheit zurückführen, der weiß es, wie mächtig die Schwingen des Mendelssohn'schen Geistes in Oesterreich sich regten, wie populär er im Kreise der Höherstrebenden war und wie tief die Verehrung seines Namens in jüdisch-österreichischen Herzen wurzelte. Wahrscheinlich waren es die Jugendeindrücke in meiner österreichischen Heimath, welche mich antrieben, jedes Jahr während der Neujahrsmesse in Leipzig entweder am Sabbath vor oder am Sabbath nach dem 4. Januar in der öffentlichen Rede Moses Mendelssohn's zu gedenken. Wien hat Mendelssohn's für die Juden bestimmte Schriften fleißig gedruckt und die Juden in Oesterreich haben sie noch fleißiger gelesen und studirl. Wien nimmt daher bei dem herannahenden Centennarium zur Erinnerung an Moses Mendelssohn einen hervorragenden Platz ein. Vermischte und neueste Nachrichten. Dessau. Der Herzog und die Mitglieder der herzoglichen Familie haben ihr Erscheinen in der Synagoge zur gottesdienstlichen Feier des Mendelssohns-Jubiläums anmelden lassen. (Ein in unseren Zeiten doppelt erfreuliches Zeichen und strahlendes Vorbild echter Toleranz dieses erleuchteten Fürstenhauses. Red.) Dessau. Wie wir erfahren, entsendet u. A. auch der Vorstand der Gemeinde Wien zwei Mitglieder — die HH. Stiaßny und Baum garten — als Deputirte zu der Hierselbst statt- . findenden Mendelssohus-Feier. Berlin. Zum Andenken an den hundertjährigen Todestag Moses Mendelsohn's veranstaltete auch der „AkademischeVerein für jüd. Geschichte und Litteratur« eine Gedüchtnißfeier. J. Dlrschau. Der Kaufmann Herr Philipp Lebenstein und Frau feierten am 8. d. M. das Fest der goldenen Hochzeit. Zu demselben hatte der Kaiser die Ehejubiläums- Medaille nebst einem Glückwunschschreiben gesandt. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Nordheimer, im Namen der Stadt sprach Herr Bürgermeister Wagner, der Vorstand der Synagogeu-Gemeiude überreichte eine prachtvoll ausgestattete Adresse und alle Vereine gratulirteu durch Deputationen. Das Jubelpaar hatte zu feinem Freudeutage die Armen ohne Unterschied des Glaubens mit einer namhaften Summe bedacht. München, 23. Deebr.. Der kürzlich hier verstorbene k. Hofvankier Jos. Frhr. v. Hirsch, Vater des bekannten Philantropen Baron v. Hirsch, hat für wohlthätige Stiftungen und zur Vertheilung an Arme eine summe von 100 000 M. durch letztwillige Verfügung bestimmt. Diese Zuwendungen sollen theils der Stadt München, theils den Landgemeinden Planegg und Umgebung und zum Theil den israelitischen und anderen Wvhlthätigkeitsanstalten in München zufallen. Kreysa (Hessen-Nassau), Am 21. Dezember feierte der hies. Lehrer Herr M. Rothschild sein 50 jähriges Amtsjubiläum. Die ganze Stadt, ohne Unterschied der Konfession, hatte sich an dem schönen Feste betheiligt. Schon am Vorabend ward dem greisen Jubilar ein Ständchen durch den Münnergesangverein und früh ein solches durch ein Musikkorps gebracht. Im Lause des Vormittags erschienen verschiedene Deputationen, um dem ebenso beliebten als wohlverehrten Lehrer ihre Glückwünsche darzubringen. Nach beendigtem Festgottesdienst ward der Jubilar in geordnetem Festzuge, au welchem die Spitzen der Behörden, sämmtliche Schulen re. Theil nahmen, zum Festsaale abgeholt, woselbst ein solennes Festmahl stattfand, an welches sich dann Abends theatralische Aufführung und Ball anschloß. Wien. Laut Beschluß des hiesigen Gemeindevorstandes und des Bethausvor>taudes wird am Abend des 4. Januar eine Gedüchtnißfeier Moses Mendelssohn's in den Bethüusern abgehalten werden. Zu diesem Zwecke componirte Herr Obereantor Singer Psalmenverse nach Mendelssohn's deutscher Uebersetzung. Auch die Exhortanlen beim Jugeudgottesdienste sind angewiesen, Samstag den 2. Januar der Schuljugend von dem Leben und Wirken Moses Mendelssohns zu erzählen. In den Provinzgemeiudeu werden ebenfalls Anstalten getroffen, das Andenken Moses Mendelssohn's in würdiger Weise zu feiern. Aus Lemberg wird uns geschrieben: In der letzten Sitzung des Lernberger Gemeiuderathes wurde der Beschluß gefaßt, die irn dritten Bezirke der Stadt Lemberg befindliche Messinggasse „Doktor Beiser-Gasse" zu neunen. Diese neue Bezeichnung geschah zu Ehren des im Jahre 1880 verstorbenen Gemeindeuud Kultusrathes Med. Dr. Moses Beiser, welcher durch fünfzig Jahre unermüdlich im Interesse der Humanität thätig war. Am 9. November 1876 war Dr. Beiser zum Ehrenbürger der Stadt Lemberg eiustlinmig ernannt und ihm nach seinem Ableben von Seite des Lemberger Magistrates ein Denkmal auf dem israelitischen Gottesacker errichtet worden. Odessa. Am 4. Januar feiert die hiesige Gemeinde das 25 jährige Amtsjubilüum ihres hoch um sie verdienten Rabbiners Dr. Schwabacher. Mittheilurrgerr aus dem II. O B. B. . Magdeburg. Die von der Mendelssohn-Loge zur Säcularfeier Moses Mendelssohn's beschlossene, in Dessau abzuhaltcnde Festloge wird in Mendelssohn's Gebnrtshause (Askanienfrüher Spitalstraße) am 4. Januar Vormittags Uhr stattfinden. Berlin. Die hiesigen Logen haben beschlossen, Delegationen zur Mendclssohnfeier nach Dessau zu entsenden. Hannover. Eine Anzahl das Gute fördernder Gemeindemitglicder ist zum Zwecke der Gründung einer Loge des Ordens B. B hier zusammengetreten.

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