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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 43 (1885) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
43 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 168 (sequence 2)
Language
German
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— 168 — Du kannst dann als Meierhofpächter irgendwo nach Belieben Deiner Geflügelzuchtpassion gerecht werden, denn hier oben, wo die Todten ruhen, ist kein Raum für eine Versuchsstation zu Deinen Gunsten" — sprach's und wollte sich rasch entfernen, doch schon hatte sich Zalel ein Herz gefaßt und auf Herrn Kalman einen Schritt näher hinzutretend, sagte er: „Herr Vorsteher wissen vielleicht nicht, daß die Rabbiuerstochter Frl. Mathla den ehrwürdigen Papa gegen mich gehetzt, und waS fremdes, durch den schadhaften Friedhofzaun wahrscheinlich eingedrungenes, Geflügel da drinnen verschuldet, mir zu Last gelegt, aus Rache dafür, daß ich dem jungen christlichen, hiesigen Hilfslehrer au der Stadtschule nicht erlauben wollte, von den Maulbeerbäumen da drinnen Blätter für seine Seidenraupen zu pflücken —" „Was schwatzt der boshafte Mensch da von Rabbincrstochter und christlichen, Lehrer?" sagte Herr Kalma» im Tone tiefster Verachtung, und dem Lcichenhofwächter einen niederschmetternden Zornesblick zuwcrfend, verließ er den Hausflur; — würde Herr Kalman nur einen einzigen Blick auf den sogenannten „Friedhvspascha" zurllckgeseudet haben, gewiß, er Hütte es bemerken müssen, wie derselbe schadenfroh und verschmitzt lächelnd ihm nachschaute, nachdem cs seinem Luchsauge nicht entgangen war, wie es im Angesichie Herrn Kalman's jäh aufblitzte, als er Frl. Mathla die Rabbinerstochter mit dem jungen Hilfslehrer in Zusammenhang gebracht nennen hörte. — Die drei Worte hätte er freilich nicht hören können, die der böse Zalel dabei leise in den Bart brummte; sie lauteten: „Der Hieb sitzt!" _ lFortsetzung folgt.) Versöhnt! & Original-Roman von Ida Barber. XIX. Der Hochzeitstag. Man traf am folgenden Tage in Aussee zusammen, machte von da, unter falschem Namen reisend, eine Tour durch das Salzkammergut und Tyrol nach dem Bodensee und war glücklich, an den unseligen Zwischenfall nicht erinnert zu werden. „Wenn wir zurückkchren," sagte der Graf, „wäre cs angezeigt, die Hochzeit in aller Stille zu feiern. Treten wir hernach als Gatte und Gattin auf, so mögen die Herren Sanders und Genossen —" „Noch reizender denke ich mir," unterbrach Jlka, „die Hochzeit fcru von all' den Menschen, die sich schon in Tritsch und Tratsch mit uns beschäftigt, zu feiern. Es wäre mir schrecklich," setzte sie fast schaudernd hinzu, „wenn ich denken sollte, daß Scenen, wie wir sie vor und nach der Verlobung erlebt, sich wiederholen sollten!" „Du bist ein gescheidtes Mädchen," sagte der Vater, dem auch schon die Idee aufgestiegen war, die Traung in der Ferne vollziehen zu lassen. „Die Documente habe ich gleich nach Eurer Verlobung beordert; sie sind zur Hand; für die Brauttoilette wird die Mutter sorgen, es steht also gar nichts im Wege, die Hochzeit so bald als möglich —" „Das ist ja herrlich! herrlich!" unterbrach der Graf, seine Braut umarmend. „Wir feiern Hochzeit unterwegs, begeben uns dann gleich weiter auf die Hochzeitsreise, nach Venedig, Neapel, Nizza, wohin Du willst, Liebchen, und lassen die sauertöpfischen Tölpel daheim sich die Köpfe zerbrechen wie das Alles zugegangen". Frau Braun wußte dagegen, so gut ihr unter gegebenen Verhältnissen der Plan schien, ihre Einwendungen zu inachen. Hatte sie doch gehofft, die Hochzeit ihrer ältesten Tochter mit allem Pomp feiern zu können; die ganze Gentry des Landes sollte geladen werden, ihr Brillantschmuck, ihr reiches Silber- und Goldservice gerechte Bewunderung herausfordern, die ganze Stadt sollte sich von der grand fete unterhalten und nun so in aller Stille, — ohne Pomp, ohne Hinzuziehung der eleganten Welt, das wollte ihr nicht in den Sinn. Jndeß als ihr Gatte nur einige Worte privatim mit ihr gesprochen, die überzeugend wirken mußten, gab sie nach; man könne ja, tröstete sie sich, zum Empfange der Neuvermählten wenn sie zurückkehrten ein großes Fest veranstalten. Dann sei keine Störung mehr zu befürchten, dem fait accompli beuge sich die Welt. Vor der Hochzeit galt es aber noch eine, wie Alois Braun gewissenhaft sagte, „religiöse Pflicht" zu erfüllen. Jlka mußte in den Schooß der allein-seligmachenden Kirche übertreten. „Mir ist so kalt um's Herz," sagte sie am Tage, da sie das Bekenntniß ablegen sollte; „fast höre ich eine abmahnende Stimme, indeß — ich betrachte das Ganze nur als leere Form, die erfüllt sein will!" Und Jlka erfüllte die Form, sagte sich in der Kirche zu Bregenz laut vom Glaube» ihrer Väter los und gelobte — eine gläubige Christin zu sein. Doch während sie die Formel sprach, weilten ihre Gedanke» dort bei dem stillen, freundlich blickenden Man» mit dem schwarzen Sammetkäppchen, dessen religiösen Betrachtungen sie so gern gelauscht, dessen Lebensanschauungen sie so gern zu den ihrigen gemacht hätte. Ein stiller Seufzer entfloh ihrer Brust. „Es hat nicht sollen sein," murmelte sie tief bewegt! Tags darauf wurde in aller Stille die Trauung des Grafen Zandos mit Jlka Braun vollzogen. Wie war das Alles so unheimlich in einer fremden Stadt, unter fremden Menschen! „Ich hätte mir doch meine Hochzeit ganz anders gedacht!" sagte Jlka zur Mutter. „All' meine Freundinnen und Jugendgespielinnen —" „Nur nicht sentimental, Jlka," unterbrach die Mutter, „das paßt für eine Gräfin Zandos nicht!" Der Vater überreichte ihr nach der Trauung einen herrlichen Brillantschmuck, wie ihn schöner vielleicht keine Fürstin getragen, vom Grafen erhielt sie ein kostbares, mit Brillanten, Rubinen und Saphiren besetztes Bracelet — doch einen wie lebhaften, fast oberirdischen Glanz die Steine auch ausstrahlten, sic erfr Uten ihr Herz nicht. Es beschlich sie, ohne daß sie es bannen konnte, ein Gefühl der Kälte, der Verlassenheit. Von dem nach der Trauung in dem Hotelsaale servirtcn Mahl mochte sie keinen Bissen ge,ließen; die Kehle war ihr wie zugeschnürt. Erinnerungen eigener Art stürmten auf sie ein. — Sie wollte ihnen entfliehen, stand, als die Hochzeitstafel kaum beendet war, heftiges Kopf vorschützend auf und begab sich in ein an den Salon anstoßendes Zimmer. Hier mochte sie wohl eine Viertelstunde geruht haben, als sie vom Nebenraume her, der nur durch eine dünne Bretterwand von demjenigen, in dem sie sich befand, getrennt war, Stimmengewirr vernahm. Erschreckt horchte sie auf. War das nicht ihr Gatte, der da in mehr als barschem Tone sagte: „Aber ich verstehe nicht, wie Sie sich weigern können! Glauben Sie wirklich, ich hätte um der Ehre willen, ihr Schwiegersohn zu heißen, eine Mesalliance geschlossen? Da ich zu rücksichtsvoll war, Ihnen vor der Hochzeit eine bestimmte Summe zu nennen, wollen Sie mich jetzt mit einem Gnadengeld abspeisen!" „Sind denn 200 000 Gld. eine Gnadengeld?" hörte sie ihren Vater entgegnen. „Eine Bagatelle," sagte verächtlich der Graf. „Ich hielt Sie wirklich sür einen Gentleman, unterließ cs dieserhalb, genau zn prücisiren, was mir zur Rangirung —" „Lieber Dagmar," unterbrach Braun, „zur Rangirung Ihrer Verhältnisse haben Sie, seitdem ich die Ehre Ihrer Bekanntschaft habe, netto 70 000 Gld. von mir erhalten. 30 000 Gld. auf ihr Gut vor Ihrer Verlobung, 50 000 nach derselben. Ich glaube, daß kein Gentleman nobler handeln kann, als ich. Ach completire Jlka's Mitgift, indem ich Ihnen jetzt noch 120 000 Gld. gebe. 20 000 baar, 100 000 , ls erste Hypothek auf mein neuerbautes Haus."

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