Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 42 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sonne ihre goldigen Strahlen hernieder, und flicht leuchtende Kränze um die Grabdenkmäler derjenigen, die in getreuer Pflichterfiillung cingegangen ins Reich des Lichts und des ewigen Friedens. — „Aber lieber Vater! warum, da doch im Jahre 1866 in der mörderischen Schlacht bei Königgrätz wahrscheinlich auch viele Juden gefallen, sah ich noch nirgends hier auf weitgedehntem Schlachtfelde irgend ein speciell dem Andenken an gefallene jüdische Krieger gewidmetes Denkmal?" so fragte jetzt eine am Arme ihres Vaters bereits längere Zeit über das ehemalige Schlachtfeld einhcrschrcitende junge Dame, doch der ältliche Man», cs war der Rabbiner einer benachbarten jüdischen Cultusgcmeindc, sprach mit einem würdevolle» Ernste: „lieber was Du, liebe Martha, Dich nicht Alles wunderst! Die da hier auf dem Schlachtfclde unter den grünen Hügel», alsbald nachdem die Schlacht ausgetobt, ein Grab gefunden, sind weder als Juden noch als Christen, sondern als in treuer Pflichterfüllung gestorbene Menschen, als brave Soldaten, zur ewigen Ruhe gebettet worden, wenn trotzdem auch die Ria ssengräber mit dem Symbole der christlichen Lehre, mit dem Kreuze, geschmückte Denkmäler erhielten, so werden darum die jüdischen Kämpfer, die unter den Denkmälern ruhen, und die wohl nrit dem jüdischen Glaubensbekenntnisse auf den im Tode erbleichenden Lippen gestorben, darum doch nicht weniger der himmlischen Sceligkeit im Jenseits theilhaftig werden, und ist ihnen ein ewig rühmliches Andenken gewahrt, nicht bloß im Herzen der Ihrigen, sondern im Gcmllthc jedes wahrhaft erleuchteten Bekenners des JudenthumS". — Mit diesen, von einem milden, vorurthcilsfreiem Sinne Zeugniß gebenden Worten, glaubte der Rabbiner sein Kind hinlänglich beruhigt und belehrt zu habe», und hielt es nun aber auch an der Zeit, nach anstrengender Wanderung über das ganze Schlachtfeld, eine Tour, die er seinen darum bittenden Töchlcrlein seit Jahren schon versprochen, und jetzt erst gewährt hatte, auf die Rückkehr in'S nächste Dorf allwo ihn die gcmicthete Fahrgelegenheit erwartete, zu dringen, — Schon hatten Vater und Tochter das schlichte, sie im Dorfe erwartende Gefährte bestiegen, um die Heimkehr anzutreten, als noch eilenden Schrittes, und hocherglüht vom raschen Gange, ein hübscher, einfach und nett gcklcioetcr, intelligent aussehendcr junger Alaun, sich dem Rabbiner näherte, und indem er sich demselben als Hilfslehrer an der Stadtschule zu N. B, allwo auch der Amtssitz des Herrn Rabbiners, war vorstelltc, die Bitte vorbrachte, ihm ein Plätzchen auf dem Wagen zur Heimreise nach N. B. gönnen zu wollen, wenn dies ohne Vater und Tochter zu belästigen geschehen könne; seine im höflichen bescheidenen Tone vorgetragene Bitte wurde von dem' freundlichen Rabbiner auf's Zuvorkommenste gewährt, und umwehet von kühler Abendlnft, in anregendem Gespräche begriffen, fuhren die drei Schlachtfeldpilger der nahen Hcimath zu; der freundliche Rabbiner, der in seiner amtlichen Thütigkeit und in seinem ihm lieb gewordenen Talmudstudium nur wenig oder gar keine Zeit zu gesellschaftlichem Verkehre in N. B. gewinnen konnte, war bis allher besonders jedem Verkehre mit nichtjüdischen czechischen Kreisen vollends ferne geblieben, um so angenehmer war er überrascht während der Fahrt in dem jungen Mitreisenden einen der deutschen Sprache vollkommen mächtigen wohlunterrichteten, und überhaupt einen in jüngeren czechischen Lehrerkreisen selten zu findenden vourrtheilsfreien, von nationaler eben so wie von confcss io ne l ler Einseitigkeit gleich fernen jungen Alaun kennen zu lernen; Nach kurzer Fahrt in N. B. angckonnncn, verabschiedete sich der junge Lehrer mit herzlichen, gewählten DankcSworten, nachdem er seine Karte mit dem Namen BonifaciuS Jaroslowsky in der Hand des Rabbiners zurückgelaffeu, sich vor der jungen Rabbinerstochter verneigt, und endlich seitens des ehrwürdigen Herrn noch nur die Erlaubnis gebeten, das Rabbinerhaus dann und wann besuchen zu dürfen, was auch der gutmllthige, menschenfreundliche Rabbiner gerne gewährte; — die flüchtige Helle Rothe die bei dieser Erlaubnißerthcilung über das Gesicht seines geliebten Töchterlcins Mathla zog, hatte der gute Mann nicht beobachtet. — (Fortsetzung folgt,) Versöhnt! Original-Roman von Jda Barber. XVIII Der Angegriffene. Alois Braun war eben dabei, dem Juwelier den Auftrag zugeheu zu lassen, für seinen Schwiegersohn den Graf Zandos eine Brillantnadel von seltener Schönheit zu senden,' als der Graf unangemeldet und in höchster Erregung eintrat. „Unmöglich!" rief Braun, nachdem der Graf berichtet. „Dieser Elende hat es gewagt, sich Jlka zu nähern!" „Ich werde mich mit ihm schlagen müssen," entgegnete der Graf, erregt im Zimmer auf- und abgehend, Frau Rachelle, noch im Frisirmantel, steckte den Kopf durch die Thür, da sie Stimmengewirr hörte uno war nicht wenig erstaunt, öcu Grafen schon zu so früher Morgenstunde zu scheu. Als sie den Grund seines Kommens erfuhr, vergaß sie der falschen Flechten und Zähne, die sic eben hatte anlegen wollen, des eleganten Robe de chambre, den sie eigens zum Empfange des Grafen sich hatte anfertigen lassen und eilte halbangekleidet, wie sie war, in den Salon, um das Unglaubliche vom Grafen selbst zu hören, „Ich lasse ihn für wahnsinnig erklären," rief Alois Braun, „der Mensch muß unter Cucatel gestellt werden! Wir werden sonst unser Lebtag keine Ruh.' vor ihm haben." „Ich muß Salissaction haben!" entgegnete, sich stolz in die Brust werfend, der Graf. „Ec hat mich beleidigt, das fordert Blut!" Und sporcnklirrcnd verließ der in seiner „Ehre" gekränkte Edelmann den Salon, Im Kurgarten traf er mit einigen seiner Freunde zusammen, denen er den Fall mittheilte und die, froh, an das monotone Badcleben ein wenig Abwechselung bringen zu können, sich selbst zu Seeundanten anbotcn. Nach Verlauf von wenig Stunden erhielt Or, Sanders seine Forderung zugestellt, „Mein Leben hat einen andern Zweck und Werth," sagte er stolz, „als dem hochwohlgeboreuen Grafen Zandos als Zielscheibe einer Waffenübung zu dienen. Ich nehme das Duell nicht an, fordere aber, daß er, wenn er nicht abermals von mir beschimpft werden will, seine Beziehungen zu meiner Gattin einstellt!" Vergeblich juchten ihm die Seeundanten klar zu machen, daß der Gras sich schießen müsse, seine Ehre als Edelmann vertrage den ihm angethanen Schimpf nicht. „Ehre und Edelmann," höhnte Or, Sanders, „Lassen Sie mich mit diesem Phrasengcklingel in Ruh! Ich kenne Graf ZandoS; weiß, daß nicht die Liebe, nein, daß nur die Noch ihn treibt, die Tochter eines Juden zu freien; im Innersten seines Herzens ist ec Antisemit, verachtet und haßt die Juden, Jlka ist ihm nur das Mittel zum Zweck; sicht er seine Schulden bezahlt, so wird er sie wegwerfen wie eine ausgeprcßte Citrone, sic —" „Wir sind nicht hierher gekommen, Ihren Expectvrationen ein willig Ohr zu leihen," sagte einer der Seeundanten.. „Wenn Sie kein Feigling sind, nehmen Sie des Grafen Zandos Forderung an," „Sic können mich nicht beleidigen," entgegnete ruhig Or, Sanders. „Gerade weil ich kein Feigling bin, will ich mich dem Duell entziehen; ich muß leben, um sie zu schützen, die in eitler Verblendung ihrem Verderben entgegen geht!" Graf Zandos wllthete, als er hörte, daß Sanders ihm Genugthnung verweigerte. „Was thun," rief er außer sich, „ich kann und darf die mir angethanc Beleidigung nicht hinnehmen! Das hat