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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 39 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
39 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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l#i!5. i. Aeikage z. „Züd. Aamikien -Wlatt." festgebannt da, als sie wie aus der Erde cmporsteigcnd Ellimar Sanders sah. Schon wollte sie zurückweichen, als der junge Mann, ohne daß sie es hindern konnte, ihren Arm in den scinigcn legte und ihn wie mit eisernen Zangen festhaltend, sie einige Schritte weiter in einen Scitengang führte, „Mein Herr!" sagte sie erbleichend, „zwischen uns ist—" „Spiele mit mir keine Komödie, Jlka!" unterbrach Sanders das junge Mädchen. „Aus Deinem Munde will ich hören, ob das Alles wahr ist, ob Du mein vergessen, wer Dich gezwungen, des Grafen Braut zu werden ob —" „Geben Sie mich frei," rief Jlka, ihren Arm aus dem seinigen befreiend, „Ich habe Ihnen Ihre Briefe und Geschenke zurückgeschickt, denn nach dem, was ich über Sie erfahren, sah ich ein, daß meine Ellern nur zu sehr Recht hatten, mir von einer Verbindung mit Ihnen abzurathen!" „Jlka! Jlka! Welche Worte muß ich von Dir hören!" rief schmerzcrfüllt der junge Mann, „Sprach das dieselbe Jlka, die ich licbeglühcnd in meinen Armen hielt, dieselbe, die mir ewig Treue gelobt?" „Das war," cntgcgnctc verwirrt das junge Mädchen, „als ich Sie noch meiner Liebe würdig hielt!" „Und wodurch hätte ich mich derselben unwürdig gemacht?" fragte sie scharf fixirend Dr. Sanders, „Erlassen Sic mir, davon zu sprechen," entgegnete ausweichend Jlka, „Hier liegt ein Jrrthum zu Grunde," rief Alles erkennend Dr, Sanders, „Sage mir, Mädchen," rief er in höchster Aufregung, „welche Mittel man angewendet hat, Dich von mir abzuwcnden! Ich werde sie zermalmen, die Schändlichen, die sich zwischen mich und mein Glück drängen!" „Welche Sprache!" rief Jlka bebend. „Ich glaube, Sie sind von Sinnen!" „Ein Wunder Gottes, daß ich es nicht bin," entgegnete Sanders, denn was ich in diesen 3 Monaten erduldet und gestern mit ansehen müssen, kann einen stärkeren Menschen um den Verstand bringen!" „To wissen Sie also, daß ich des Grafen Zandos Verlobte bin?" „Das bist Du nicht, bei Gott, das bist Du nicht!" rief Dr, Sanders, ihre Hand derart drückend, daß sic laut hätte ausschrcien mögen, „Du bist mein angctrautes Weib! Ich gebe Dich nicht frei! Kann Dich nicht frei geben, Jlka, wenn ich nicht wahnsinnig werden soll!" „So haben Sie doch jene Andere frei gegeben," entgegnetc das junge Mädchen," der Sie gerade wie mir Liebe geheuchelt und die Sie dann schändlich verlassen!" „Ich verstehe Dich nicht! Von wem sprichst Du?" cntgegnete Sanders, „Von der unglücklichen Theresia Holm, die Sic mit 2 Kinder» treulos verließen, diedann ihren Tod in denFlutheu—" „Theresia Holm?" unterbrach fragend Dr. Sanders, „Wer hat Dir das Märchen aufgebunden?" „Kein Märchen," entgegnete Jlka fest. „Ich selbst habe die Briefe gelesen, die Sie ihr geschrieben!" Dr, Sanders sann eine Weile vor sich, als ob er in alten Erinnnerungen stöberte, „Halt, ich hab's!" rief er, „die Rest, eine Putzmacherin, die mich, als ich noch das Gymnasium besuchte, mit ihrer Liebe verfolgte, von ihr wird man Dir —" »Mein Herr," hörte man jetzt eine fremde Stimme, „ich beobachte Sie schon eine Weile und bitte Sie, den Arm des Fräuleins, den Sie wie mir scheint wider deren Willen in dem Ihrigen halten, frei zu geben!" „Ich glaube wohl, ein Anrecht zu haben, Fräulein Jlka Braun führen zu dürfen," entgegnete stolz Dr, Sanders, „Du kennst diesen Herrn, Jlka?" fragte ohne ihn einer Altwort zu würdigen der Graf. Das junge Mädchen bebte am ganzen Körper, Sie wollte auf den Grafen zueilen, doch Sanders hielt sic fest. „Ich traf ihn zufällig?" entgegnete sie erröthcnd. „Er will Rechte geltend machen, die —" „Aber mein Herr," unterbrach unwillig Graf Zandos, „geben Sie den Arm der Dame frei! Fräulein Jlka Braun ist meine Braut und ich —" „So? Ihre Braut?" höhnte Dr. Sanders. „Wissen Sie nicht, daß Sie vor 3 Monaten mir angetraut worden, daß ich —" „Hier ist nicht Ort, nicht Zeit, Verhältnisse so delicater Art zu crörteru," sagte erbleichend der Graf. „Wenn Sie kein Ehrloser sind, so werden Sie die Dame hier nicht compromiltircn und sie ruhig ihres Weges gehen lassen." „Ehrloser?" rief Dr, Sanders jetzt, ohne daß er es wußte, Jlka loslassend und sich mit geballten Fäusten vor den Grafen hinstellend, „Ehrloser? Und das wagen Sic mir zu sagen, Sie Lump, Sie Ehebrecher, Sie Schwindler, der keinen Kreuzer sein nennt und nur, um seine Schulden zu bezahlen —" „Sie werden mir Rede stehen," unterbrach ihn der Graf und sürchtcnd, daß die auf der Esplanade Wandelnden den sich in der Seiteuallee abspiclenden Disput mit anhören könnten, ging er, Jlka mit sich fortziehend, mit schnellen Schritten von dannen. „Führe mich nach Haus, Dagmar," bat Jlka; „ich bin dem Umsinkcn nahe!" „Verflucht," murmelte der Graf zwischen den Zähnen. Er überlegte gerade, daß, wenn die Partie zurückginge, er sich eine Kugel durch den Kopf schießen könnte. Kein Gcldleiher wollte ihm mehr warten. Alles war verpfändet, er hatte beabsichtigt, am folgenden Tage seinem Schwiegervater eine Anweisung auf 20 000 Gld, abzuvcrlangen — doch nun? — Ein Duell war unvermeidlich. Und die Folgen? Während all' diese Gedanken sich in seinem Hirne tagten, war er am Hause angelangt, Jlka, todtenblcich, verabschiedete sich mit den Worten „sie bedürfe der Ruhe" und überließ es ihm, den Sachverhalt den Eltern vorzustellen, (Fortsetzung folgt) Allerlei siir den Familientisch. Wer ist Kasalet i Man erinnert sich, daß als Träger eines Projectes, Juden in Syrien anzusiedeln und zwar neben ncuerbauten Bahnen dieser Namen genannt worden ist. „Hameliz" beantwortet die Frage dahin: Kasalet ist ein Engländer, dessen Vater in russischem Geschäfte große Reichthümer erworben hat. Sterbend hatte der Vater dem Sohne ausgctragen, russischen Juden Gutes zu thun. Deshalb hat dieser Herr Kasalet der Jüngere andere Bankiers für seinen Plan zu intercjsiren gewußt, denen es freilich nur um die Dividende, während cs ihm um Erlösung der leidenden Juden zu thun war. Sein Geschäftsführer in Constantinopel war ein Herr Alexander, ein aus Düsseldorf gebürtiger deutscher Jude, der 27 Jahre in England gelebt und dort tüchtig geworden war. Ihm ist der Erlaß von 1881 zu danken, daß jüd, Einwanderer, welche erklären, Unterthanen der Türkei tverden zu wollen, unter denselben günstigen Bedingungen auf unentgeltlich hergegebene Staatsländereien angesiedelt werden durften, wie einwandernde Mohammedaner. (In Asien 12 Jahre steuerfrei), — Die Nationalitätsschreier aber haben geschadet. In Marseille hat letzte Woche eine erhebende Zeremonie stattgcfunden. Der Präfcct ckso Bouches-du-Rhone begab sich in das Pharo-Hospital, um einer barmherzigen Schwester, die seit 40 Jahren sich den Kranken widmet, das Kreuz der Ehren-Legion zu überreichen. Warum wir das hier mittheilcn? Weil dieser hohe Beamte bei diesem Acte nicht nur

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