Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 28 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 111 — f ," rtnlhi 'Vri'lV fic, le" %n her- Sottien’ dm Perron ™« bie lnb Lmh s (ieb, ^«iteut, qu* ’*e äufmerffaai= 1 «r (o fira- 1 im Annes»»! zn lueiltn, saftige #(bj> jagcuheii »nbttä chmals herzliche fauste mit so er sich berouBt, :j ihrem Qlüie c. örnuusche Heliitklicheu Richte, : ihre Lmh das nit sie der te Jlka schien von der inneren Einrichtung des Hauses noch weniger erbaut, sic machte gar kein Hehl daraus, daß sic nicht begreifen könne, wie man sich in so beengten Verhältnissen wohl suhle. — Daß Leah's Hochzeitsfcier unlängst stattgefunden, daß Leah sich »och weit einfacher werde einrichten müssen, theilte man ihr mit; sie bcdaneite, die Cousine nicht mehr anzutreffen, ward aber ganz stutzig, als sic hörte, daß das junge Paar nur eine aus 2 Zimmern, Alkoven unv Küche bestehende Wohnung gcmicthet, nur ein Mädchen zur Bedienung haben werde und, um mit dem beschränkten Gehalte Lchners auszukommen, vor der Hand auf kostspielige gesellige Vergnügungen werde verzichten müssen. Der Onkel, ihren Gedankengang errathend, fragte sie: „Hast Du auch schon darüber nachgedacht, liebe Jlka, ob Du . in Verhältnisse», die Dir einen Verzicht auf den Comfort, den Du im Elternhaiise genießest, auferlegeii, zufrieden sein; könntest?" „Bah," -eutgegiicte Jlka leichthin, „hat der Vater erst; seine Einwilligung gegeben, so muß er auch auShelfen, wo es | fehlt, er ist ja reich genug!" I „Wie ich ihn feinteerwiderte der Onkel, „wirst Du \ mit Trotz bei ihm nichts erreichen!" i „So willst Du, ich soll inich taufen lassen, und den l verlebten Grafen Zandos heirathcn?" entgegnete Jlka, die wohl wußte, wie sie de» Onkel zu nehmen hatte.;! „Da sei Gott vor," erividerte er energisch; „Du bleibst dem Glauben Deiner Väter treu und kannst von unserer; Seite auf jede Unterstützung rechnen." Das wußte Jlka und darauf hi» baute sie ihren Plan. (Fortsetzung folgt.) Jüdisch-deutsche Redensarten, erläutert und zum Theil auf ihren Ursprung zurückgcfuhrt von Lehrer I. Hcrzberg. lte ö sch itcht p zu bczriitzm. schm, die man i an der nöthii mat eritaimt, ms dem Wegen , in keiner Weise che»?' rief sie Ätzung vorüber, gen, der Beter schließlich sich e» Lchntz nnbewnte, .bedenke Wie nun, wenn Du bist selbsiugen, chein Rni lifche» unb w>J I 8. Der ist mechaUel Schabbes umsonst. Die Entweihung des Sabbaths, des von Gott als Ruhetag eingesetzten heiligen Tages ist, wie jedem bekannt, eine schwere Sünde, die mit harter Strafe bedroht ist. Jedoch erfolgt nicht selten diese Entweihung ohne bestimmten Zweck, ohne einen materiellen Vortheil dadurch zu erzielen, sei cs aus Leichtsinn und Gleichgültigkeit, sei es aus Engherzigkeit, die lieber ein so heiliges Gottesgcbot Übertritt, als sich den vermeintlichen, vielleicht nur gcriugsügigen Vortheil entziehen zu lassen, der ihm durch jene Entiveihung geboten wird. Häufig aber erzielt er bei der Entweihung viel mehr Rachtheilc, zudem aber auch wird in ihm das Bewußtsein geweckt, ein heiliges Gebot übertreten zu haben und dafür die göttliche Strafe zu empfangen, die gewiß nicht ausbleiben wird. — So daher Jemand ein Unrecht begeht, ohne einen wesentlichen Vortheil damit zu erzielen, sich einer Mühe mit Aufopferung eigener Mittel unterzieht, wovon kein Nutzen, vielmehr Nachtheil zu erwarten ist, so sagt man: „Der ist auch mechallel Schabbes umsonst!"- 9. „Mach' Schabbes davon!" Der Sabbath ist zu allen Zeiten dem wahrhaft religiös gesinnten Juden ein heiliger Tag gewesen, dessen äußerliche Verherrlichung als erste Mich galt. Aus ihn war ein großer Theil aller Mühen und Sorgen der vorangcgangenen sechs Werktage gerichtet. Während diese ihm Sorgen und Lasten in großer Zahl brachten, war es der heilige Sabbath, der ihm körperliche Ruhe und Erholung bot. Wenn er sich unter Entbehrungen jeglicher Art von einem Wochentage zum anderen hingeschleppt, wenn der eine Tag dem anderen aus's^neue die Sorge uni das tägliche Brod für sich und die Leinen, das er oft unter großen Beschwerden sich erringen mußte, überantwortet halte, — dann war es „der liebe Schabbes kaudesch," der mit einemmale alle Sorgenfalten von der Stirne mischte, und das Antlitz in heiliger Sabbathsreude erglänzen ließ. Besondere körperliche Genüsse gönnte er sich während der verflossenen Werktage selten, bei aller Last und Qual darbte er gerne und entzog sich oft das für's Leben Nolhwendigste, nur um die Mittel zu erschwingen, den heiligen Sabbath in würdiger Weise feiern zu können, auf daß ihm i» Wahrheit N2V 3312 die wahre Sabbath-Hcrzensfreude werde, die das jüdische Haus überhaupt zu einem so gcmüthvollcn stempelt. Was. die Woche an besondecen, kostbaren Dingen, die zum Genüsse bestimmt, gebracht, wurde aufbewahrt auf de» Labbath TCS1?! Es war aber auch nicht selten eine schwere Aufgabe für den bedrängten Familienvater, den Sabbath ohne Sorgen in würdiger Weise zu begehe» und sich besondere, kostspieligere Genüsse zu gestatten, da das „Schabbes machen" mit verhältnißmäßig großen Opfern verknüpft war, die man aber gern und freudig solch heiligem Zwecke weihte, wenn sie auch oft den ganzen Wocheuverdienst (Uifzehrten. — Glaubt nun Jemand, irgend etwas nach Bewältigung großer Beschwerden erreicht zu haben, was ihm zwar keinerlei materiellen Vortheil in Aussicht stellt, dessener sich aber dennoch freut, so sagt man: „Nun, mach' Schabbes davon!" 10. „Mehr Schoch'tim, wie Hühner!" Der angehende Schochet (Schächter) hat sich bekanntlich, bevor er seine Functionen ausübeu varf, bei einem autorisirten Rabbiner einer eingehenden Prüfung in allen, auf das Schächtfach bezüglichen rituellen Vorschriften und Observanzen zu unterziehen. Auch muß er vor dem ihn prüfenden Rabbiner praktisch lhätig sein, damit derselbe sich wie von seiner theoretischen, so auch von seiner praktischen Tüchtigkeit überzeuge. Er har zu dem Behufe sowohl Großvieh, als auch Kleinvieh, insbesondere Hühner, zu schächten. Es ereignet sich wohl häufig, daß mehrere Schächter zu gleicher Zeit dieser Prüfung sich unterziehen und sämmtlich sich das erforderliche Geflügel, nämlich zwei Hühner und einen Hahn, beschaffen müssen, was zumeist nicht allein u»tcr großen Schwierigkeiten geschieht, sondern sogar ganz unmöglich wird, sodaß es manchem versagt ist, seine Kunstfertigkeit im Schächtfache an Hühnern zu bcthätigen, weil eben „mehr Schoch'tim, als erforderliche Hühner vorhanden sind." — Im gewöhnlichen Leben, besonders in der Geschäftswelt, sagt man auch, wenn das Angebot größer als die Kauflust; wenn mehr Verkäufer, als Käufer vorhanden; wenn überhaupt um Erreichung einer Sache so viele sich abmühcn, die man uuinöglich sämmtlich befriedigen kann: „Mehr Schoch'tim, wie Hühner!" Allerlei für den Familientisch. Hamburg. Die jetzt circulirende Erklärung zu Gunsten Ehren-Stöckcr's hat auch der hiesige Landrichter Or. Riecke unterzeichnet. Die hiesige „Reform" bemerkt hierzu u. A.: „Für einen Richter nach dem Erkenntniß, in dem gesagt wird, daß der Zeuge Stöcker verschiedene Male mit der Wahrheit in Konflikt geratyen, in dem erklärt wird, daß die Verwendung der 2000 Mk. eine inkorrekte gewesen, — daß die Leistung des Eides in Sachen Ewald eine fahrlässige, — zum mindesten ein starkes Stück. Glaubt der Herr Landrichter Riecke vielleicht, daß seine Kollegen in Berlin minder gewissenhaft als er, in einem richterlichen Erkenntniß über einen Zeugen derartige Urtheile fällen würden, wenn sie nicht durch die schlagendsten Beweise von deren Richtigkeit, überzeugt waren, wie kann er seine Unterschrift für die Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit des Mannes cuisetzen, dessen Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit seine Berliner College» gewogen und zu leicht befunden haben. Wie», 7. Juli. Wie ein Privat-Telegramm meldet, wurde August Brimann, der Verfasser des „Judenspiegels," gestern von dem Wiener Landesgericht wegen des