Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 27 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 107 — ünfe '-'föft IfiVn v w ».;|En ■ w« -L-- 1 dnrchr ,r« d»v G,Hik lulfiib Dan! für &l ^ran, i!|reii : >kbk» Hon i^fi, - 'P-ta tot Salon ■ .!le a» fei» onit so bercbten acht Ober die Äonen an-- 'l^laj lebt imi) Sitenitiau fe hin- »fcn Slötf, >oel- Wjett er über-- und redlih zt, Je, der ihm feit GoiteshonS mar i Tempel betrat en K, alö ob n, die vielleicht n Da» Mze £ ie Lilie, jehtitt j stände sie vor t>: Äelnbde ab, »Za" mar mit im, daß sie es taniend ©Öen Glnikmnnjchen tbit Kernftehen- Veiß getleidete ien dem jungen Flamen auf es Hanfes eine liitzr'Halle, jede oben Jrau ihr jede ein Sort; irde mahl auch man vom im ,mah! anflrng, iziinmer ifjrcr an der hoch- Wich, als jikrnahm, wie c- ,njprache» und reichlich E ,ch Hans mit- Alles jchie»! nzadl °"W"' i u ijä et v ein, lu* | Ein Mißton war in die noch eben so fröhliche Gesellschaft gefalle», — Es war bestimmt, daß das junge Paar eine Hochzeitsreise antreten und mit dem 6 Uhr - Zuge abfahren sollte. War dies möglich, wenn eine so nahe Verwandte eine Stunde später anlangte? Jndeß Frau Rosa lies, da keine ernsten Bedenken auskommen, „Dieser Tag, liebe Kinder." sagte sie. „ist dem unge. störten Frohsinn geweiht, Ihr iverdel reisen und dürft mir getrost die Sorge für Jlkr überlasse». In 8 Tagen s. G, w, werdet Ihr in Marienbad sein, ich beabsichtige Euch eine Freude zu bereiten, indem ich Euch dort überrasche; ich gedenke Jlka milzubringen, Ihr werdet sie dort sprechen und nach Kräften zu zerstreuen suchen!" „Tie Mutter weiß immer Rath," sagte Leo Braun, und sich an seinen Schwiegersohn wendend, fuhr er fort: „Möge es Leah vergönut sein, Dich so glücklich zu machen, wie ich es, dem Allmächtigen sei Dank, durch ihre Mutter geworden bin!" „Hab' Dank für Deine Worte," sagte schamhaft crröthend Frau Rosa; „es ist nicht mein Verdienst, daß Alles zwischen uns so geivordcn ist, wie Du cs dankbaren Herzens anerkennst, Gottes Segen ivar mit uns, wir waren stets einig in Allem, was wir anstrebtcn, und wollte ich wirklich einmal anderer Meinung sein, so sagte ich mir, daß Du gar so viel gcscheidter und erfahrener —" „Run werden unsere Alten sich noch gegenseitig Complimeittc machen," unterbrach Vetter ElauS," überlaßt das den Jungen, die heute mehr als alle Andern das Recht haben, einander Angenehmes zu sagen!" (Aortsepung folgt.) Ein Vermächtnis;. Die Jomim Nvroim ivaren vorüber. Rauhere Winde entlaubten die Bäume und wirbelten die bunten Blätter rauschend vor sich her. Graue Nebel brüteten über die Stadt X. und das letzte Grün schillerte von frostigem Reife, — Den Herbst bedräute der Winter und seine Schneegestöber brausten von Ferne, — So warS, als der Vorsteher Herr Adolf Kern in dem Lehnstuhl saß, um nach seiner Weise ein kurzes Mittagsschläfchen zu halten. Doch heute ging cs damit nicht, so sehr er sich auch zwang. Ungeduldig schob er sein Käppchen hin und her, wie eS so seine Gewohnheit war, wenn er etwas aus der Leber sitzen hatte. Er stand aus und schritt gedankenvoll, die Hände aus dem Rücken, die Stube aus und ab, „WaS du nur heute wieder hast, Adolf?" fragte ihn seine Frau Rosa, „Schlummere doch ein wenig," „Weiß der Himmel! — aber, ich kann einen quälenden Gedanken nicht los werden, und" — hier schob er wieder sein Käppchen in den Nacken, „Bist wirklich ein merkwürdiger Mensch," entgegncte Frau Rosa, und machst dir immer unnütze Kopfschmerzen, — Du mußt dein Amt niederlegen, sonst reibst du deine Gesundheit aus. Hat nicht Jemand an die Stubenthllr gepocht?" Auf des Vorstehers laut gesprochenes „Herein" trat der alte Cantor Samuel Nürnberger auf die Thürschwclle. Eine bescheidene, aber doch imponireude Erscheinung. — Er mochte ein hoher Fünfziger sein. — „Willkommen!" begrüßte Herr Kern den Eintrctenden, ergriff freundlich dessen Hand, und bot ihm einen Platz an, „Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?" „Sie dürfen mir es nicht übel nehmen, wenn ich störe, — Hier dieser Brief, dessen Inhalt Ihnen bekannt sein dürfte," Herr Kern schob sein Käppchen rückwärts und blieb im ersten Augenblicke die Antwort schuldig. Beide standen Aug in Aug stumm nebeneinander. Der Vorsteher brach das Schweigen, „Bitte, lesen Sie gefälligst den Brief, ich will Ihnen nachher zu meiner Rechtfertigung Rede stehen, Herr Cantor!" Mit zitternder Stimme las Herr Nürnberger: „In der gestrigen Vorstandssitzung wurde einstimmig beschlossen. Sic Ihres Amtes vom 1, Januar ab zu entheben, weil die Gemeinde nicht in der Lage fein dürste, Sie später peusioniren zu können, obzwar ihr Wirken und Streben die vollile Anerkennung verdient, R . . . den 17. Nov. 18 . . . I, V, Der Vorstand: Weinlaub, Nachdem der Brief beendigt war, machte Herr Kern eine rasche Bewegung und in einem schmerzhaften Ton ries er: „Wo bleibt die Wahrheit — Einstimmiger Beschluß! — Hier meine Hand, nur Gott kann Sie Ihres Amtes entheben. Sie sind mit mir alt geworden, haben treu mitgearbeitet und wacker gekämpft gegen Leute, die nichts vergessen, und nichts lernen, haben Ihres Amtes als würdiger Beamter gewartet, und diese Schmähschrift soll Ihre Alterszulagc sein? Nie und nimmermehr! — Seit Jahren kämst se ich gegen die Rechtlosigkeit der jiid. Cantoren und Lehrer und besonders gegen das unberechtigte Verhalten der Vorstände. — Ich ehre Ihren Beruf, Herr Cantor, aber ich muß ihn bedauern. Einen heißen Kamps führte ich in der gestrigen Sitzung für Ihre gerechte Sache und nur wenige im Collegium stehen aus der Stufe wahrer Hutnanität, Der die Gemeinde entwürdigende Beschluß, den ich nicht Unterzeichnete, wurde gefaßt und Ihnen zugeschickt. Derartige Vorkommnisse entheiligen uns selbst in den Augen unserer christlichen Mitbürger, aber sie charakterisiren die Sachlage," Das eifrige Sprechen schien den braven Mann erschöpft zu haben; er blieb aber ruhig, um die Entgegnung des Canlors zu hören. Ein stummer Händedruck war die Antwort deS alten Beamten, — Nach einiger Sammlung erwiederte Herr Nürnberger: „Gotteslohn werde Ihnen, verehrter Herr, für die Lanze, die Sie gebrochen, für inich und meinen Stand. Und wenn ich noch Worte in dieser Angelegenheit verliere, so geschieht es nur im Interesse ineiner unversorgten Familie. Es zerschneidet mir das Herz, wenn ich an deren Zukunft denke. Als ich vor 20 Jahren das hiesige Amt übernahm, war ich wohl eine gefeierte Persöulichkett, wenn auch mein Eiukoinmen ein höchst bescheidenes war, jetzt — wo meine Kräfte im Abnehmen begriffen sind, soll ich zum — Bettler werden?" Dies Alles sagte der Cantor in ganz ruhigem Tone, seine Augen glänzten, wie wenn er die ergötzlichsten Dinge erzählte, auch nicht ein Fältchen zttckte. Es war der Seelenkampf eines biederen Mannes, dessen Ehre lies gekränkt wurde, „Welch unglückseliger Gedanke — Bettler!" — Freund, nehmen Sie das Wort zurück, es würde sonst einen trüben Schalten auf den Abend meines Lebens werfen, wenn ich bedenke, daß unter meiner Verwaltung eine solche frevelhafte Handlung geschehen konnte. Ich werde Bahn brechen, damit eine bessere Zukunft sich für Sie und Ihre Amtsbrüder gestalte, — Rosa, Rosa! ries der Vorsteher, meinen Rock, Hut und Stock! Schnell, schnell! Auf Wiedersehen, Herr Cantor," Es geschehen alle Tage noch Wunder, Acht Tage waren verflossen und keine Acnderung war in der Angelegenheit des Cautvrs eingetreten. Eben drangen durchs Fenster die letzten Strahlen der niedergehenden Sonne und der Cantor schickte sich zur Abendandacht an, als der Gemeindebote eiutrat, einen versiegelten Brief überreichte und sich entfernte. Bebend erbrach Herr Nürnberger das Schreiben, welches die Kündigung in Ehren aufhob, Herr Kern halte es in einer geheimen Sitzung bewirkt, daß dem beleidigten Beainteu Genugthuung verschafft werde. Er selbst legte 6000 M, als Grundcapital zu einem Bcamtenpensionsfonds nieder und durch sein edles Beispiel ausgemuutert, bildete sich innerhalb der Gemeinde ein Verein, dessen Mitglieder sich verpflichteten, einen monatlichen Beitrag zu dem Fonds zu zahlen und bei allen Familienereignissen Sammlungen zu veranstalten, damit das Grundcapital zum Nutzen der Gemeinde und zum Wohle der Beamten reichliche Zinsen abwerfe, Herr Nürnberger, Mit-