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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 25 (1885) · p. Seite 98

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
25 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 — „Albernheiten?" fragte Jlka in wenig respektvollem Tone. „Was Du eine Albernheit nennst, ist bei mir eine Lebensfrage/' „Wahrlich, Du hättest besser gcthan, auf Deinem Zimmer zu bleiben," sagte vorwurfsvoll die Mutter. „Du weißt übrigens, daß die Sache abgethau ist und der Papa nicht mehr davon reden hören will!" „Tantchen, bestes Tantchen," rief das junge Mädchen, beide Arme um die kleine Frau schlingend, „wenn Du mir helfen könntest! Ich suhle mich so namenlos unglücklich, da Niemand mich versteht noch verstehen will, ich soll auf ein Glück verzichten, daß —" „Aber Jlka," unterbrach wiederholt die Mutter, „mit welchem Recht behelligst Du die Tante mit Deinen Fadaiscn?" „Laß sie reden, liebe Rachcllc." sagte Frau Rosa ernst, „ich freue mich, daß sie noch das alte Vertrauen zu mir hat und sich ein Herz faßt, mir mitzntheilen, was sic bedrückt!" „Aber cs bedrückt sic ja gar nichts," sagte Frau Rachelle übellaunig, „Die Sache ist einfach die: Sic will unsere Einwilligung zu einer Verbindung mit einem jungen Habenichts, dessen schöne Augen es ihr angethan. erzwingen, Der Papa hat ganz andere Projekte, er will sich seinen Schwiegersohn in den Reihen der Adligen, der Barone und Grafe», suchen und das unverständige Mädchen, anstatt auf seine Intentionen j einzugche», setzt es sich in den Kopf, einen armen Advocatcn; heirathen zu wollen, der weder Rang noch Namen hat!"; „Und ich gebe Dir mein Wort, Mama, daß wir nicht > von einander lassen," cntgegnetc fest das junge Mädchen, „Ihr habt an Eli Sanders nichts auszusctzen; er gilt im Kreise der ersten Rcchtsgclchrtcn als kenntnißrcicher Mann, dem eine große Carrisrc bevorsteht, seine Familie ist hochangesehen —" „Schon der Name Eli Sanders," unterbrach geringschätzcnd die Mutter, „klingt so plebejisch," „So nenne ihn statt Eli doch Elimar, Edgar, oder wie Du sonst willst," entgegnete die Tochter, „Der Name giebt bei mir keinen Maßstab, den Werth eines Menschen zu beurtheilen, es ist nur das Unglück, daß Ihr Beide, Du und Papa, Alles nach dem äußeren Klange —" „Aber Jlka", konnte sich Frau Rosa nicht enthalten einzuwerfen, „Du willst doch Deiner Mutter keinen Vorwurf machen?" „Ach, die Mutter hat kein Herz für mich," entgegnete Jlka, in Thränen ausbrechend, „Jede andere Mutter —" „Deine Eltern wollen sicher nur Dein Glück," entgegnete begütigend Tante Rosa, „Du bist noch jung und unerfahren, kennst die Welt nicht, benrthcilst die Menschen und Verhältnisse nach —" „Nach ihrem wahren Werthc," unterbrach eifrig Jlka; „glaube mir, Tantchen," fuhr sie fort, sich zärtlich an die Tante anschmiegend, „so jung ich bin, weiß ich den Geist zu beurtheilen, der in unserem Hause herrscht, — Papa würde mich jedem verschuldeten Magnaten, der eine Grasenkrone im Wappen führt, lieber zur Frau geben, selbst wenn er Beweise hätte, daß Jener ein Lump ist, als einem rechtlich strebenden Manne unseres Volkes, dessen Vorzüge ihin meine Zuneigung gewonnen," „Wie bedaure ich, liebe Rosa," nahm Frau Rachelle das Wort, „daß Du gleich am ersten Tage in so unliebsame Debatten hineingezogen wirst! In den 10 Jahren, da wir uns nicht gesehen, hat sich leider bei uns Vieles geändert; die Kinder haben verlernt, der Eltern Willen zu rcspectiren, Jedes geht seinen eignen Gang, Dn kannst mir glauben, daß ich darüber arr fond de mon coeur sehr unglücklich bin!" Und das sagte die von Brillanten strahlende Frau, die in all ihrem Glanze, inmitten ihres prächtigen Boudoirs, dessen Ausstattung wohl Tausende gekostet, fast Mitleid erregte, — (Fortfepuiig folgt.) Guter Rath. Von M o v i ft Scherbe! in Hmnbinnen. Reb David Wackelkopf war nicht blvs ein sehr anständiges Mitglied der kleinen Gemeinde Riechelheim, sondern er leistete auch in der ehrenhastestcn Weise alles das, was jeder Körper pflichtgemäß zu leisten hat, nämlich sich in die Länge und in die Breite auszudchnen, Reb David Wackelkops dehnte sich in die Länge aus, mehr aber noch in die Breite, will sagen in die Dicke, und konnte sich des Besitzes eines recht respectablen Bäuchleins schmeicheln, das er mit einem gewissen Stolze in der Welt umhertrng und auf welchem sich ein Theil der Rcpräsentantenwürde, welche ihm vor einigen Jahren das Vertrauen der Gemeinde übertragen hatte, abla gelte. Nebenbei war Reb David auch so etwas, was man fromm und gelehrt nennt. Wir sagen etwas — viel nicht. Denn was seine Frömmigkeit anbelangte, so wollte Dieser und Jener an unserem Reb David Wackelkopf schon manches bemerkt haben, was ihn nicht zu den Frommen zählen ließ. Die wirklich Frommen und die Aufpasser der Gemeinde wollten sogar wissen, daß er am Sabbath durch eine Hinterthür Schnaps verkaufe, während vorn der Eingang fest geschlossen war, Reb David besaß nämlich eine Schankwirthschaft. Und was seine Gelehrsamkeit, ans welche er immer sehr viel hielt, anbetraf, so gab sie sich an den hohen Festtagen, an welchen Reb David vorzubeten pflegte, in ganz eigenthümlicher Weise zu erkennen, und mancher der Zuhörer, der das Glück — für Reb David freilich das Unglück — hatte, mehr zu verstehen, als er, schüttelte bedenklich das Haupt, wenn Reb David Wackelkopf, der Täuschung seiner schwachen Augen »achgebend, ein „Nun" mit einem „Gimmel", oder ein „Bes" mit einem „Kas" verwechselte, oder im schnellen Dahincilen ein ganzes Wort anslicß, das da stehen blieb zur Aufbewahrung für das nächste Jahr, Wie dem aber auch sein mochte, Reb David hielt sich für fromm und gelehrt, und in ersterer Eigenschaft glaubte er sich berufen, alle Diejenigen, die da abwichen von dem jüdischen Gesetze, zurechtzuweisen, ihnen ins Gewissen zu reden und sic auf die Dringlichkeit einer baldigen Besserung aufmerksam zu machen. Nun schickte es sich, daß in derselben Gemeinde Riechelheim neben Reb David Wackclkopf noch ein Mann, auch ein Gemeindcmitglied, lebte und vorhanden war, der aber den entschiedensten Gegensatz zu Jenem bildete, Jckefche Schlucker war schmächtig, kurz und hager, und konnte .in Betracht seiner körperlichen Minorität kaum ein Ableger von Reb David genannt werden. Aber das obwaltende Gegenspiel der Natur blieb hierbei nicht stehen, sondern griff hinüber auf die Charakteristik, besonders auf die Religiosität beider Männer. Jckefche Schlucker, der Gegenpart von Reb David Wackelkopf, war, — wir wollen gerade nicht sagen Atheist, Freidenker, — aber doch einer von denjenigen, die entweder gar nicht, oder — was nach der Ansicht von Reb David viel schlimmer war — zu spät nach der Schul kamen. Er, Jckefche Schlucker, aß frank und frei trefenen Käse und hatte nicht einmal am letzten Schiwosser-betammus gefastet, Das konnte Reb David freilich nicht hingehen lassen. Dabei trank Reb Jckefche auch gern ein Gläschen Branntwein, was, wenn es nicht gerade in der Schankwirthschaft von Reb David geschah, diesem immer Gelegenheit gab, über den sündhaften Durst von Reb Jckefche zu sprechen. Freilich, wenn dieser einmal getrunken hatte, so konnte er nicht immer die Grenzen der Bescheidenheit innehalten. Da erging er sich denn gewöhnlich in leichtsinnigen Reden und Späßen, und was das Schlimmste war, daß diese Späße sich immer an der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit von Reb David festsetzten. f» ü li p > <1 , a» SW 3' ©unter oii lango1 uni o» Einini gtrafpieij 1° Gehimw" „Thr Wie es t! 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