Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 25 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Hcraiisgegebcn von I)r, ld)cutbür cl)tcrmit fotgenöe bie Jijorjs lüaatc) ich bie Selb?* "llllhstiihe der £l)orofciiittiiijj pMsi); battet Äst Dielleidjt Ü isl allftbingö t ©urigen mez>l britigcit üt Selb: mm, ' für Geld! — l. i. litten, r; i iiebeili'lcücM' die wortftrtbic- ■tt» LoM''rü«mnc 2tfl5! in Morgen! (Ziini Bochcnabschnilt Korach.) .nne pnxi kt nnx n "ab vn (IV Moses l(j,16.) Das Lebe» ist ci» .stampfplatz! stampfgciiosse» Sollt, Menschen, ihr stets fiir ciilander fein. I Weh' dir, wen» Hasi, wen» Unrecht dir entsprossen, l Wenn Brüder D» gestürzt in Nnglückspcin! Aus keiner Hohe glaube dich geborgen: „D n st c h st mit i h n e n v o r d e m H e r r «».... m o r g e »". , Und du, o Armer, dem das Leben grollte,! Der in den Brüdern Henkersknechte fand: r Wer weis;, warum der Vater cs so wollte? s Kurzsichtig ist der irdische Verstand. , O groll' den Brüdern nicht im Sturm der Sorgen! I „Du stehst mit ihnen vor dem Vater .... morgen". Und dn, o Israel, du sollst hicnieden Der Menschheit schmiede» eine» Liebes ring . . . i sie wollen ans Dir eine stctte schmieden , Des Hasses, der stch um die Menschen schling', ' Damit der Herrschsucht will'ger fic gehorchen: i „Dn stehst mit ihnen vor dem Richter .... morgen". I vr. I. Goldschmidt-Weilburg. Versöhnt! fi Original-Roman von Ida Barber. ' (Fortsctzmig.) : Als das Mahl bcenbet, führte Frau Rachelle ihre ' Schwägerin durch ben Salon in die Geniälbe-Gallerie, von ba in ihr Bonboir. Das kleine Gemach lvar mit bem rasfinirtesten Luxus ausgestattet, bie Wänbe bis hinauf mit gestickten Panneaux gedeckt, die mit rotheul Atlas bezogenen Möbel mit kostbaren Points d’aiguilles drapirt; in ben Nischen waren exotische Pflanzen aufgestellt, unter diesen Etagen von Elfenbein, die wieder mit allerhand Nippes über- . laben waren. Staunend musterte Frau Rosa all' diese; Schönheiten. j „Wie findest Du mein Boudoir?" fragte die Schwägerin, (sich an ihrer Berwnnberung weideild. „Schön, sehr schön," sagte Rosa, „doch sage mir, Rachelle, - fühlst Du Dich hier gemüthlich?" : „Warum sollte ich nicht?" entgeguete die Schwägerin,! „sehe ich doch, daß Jeder, der es betritt, entzückt ist, und —"; „Ich meine," unterbrach Frau Rosa abwehrend, „ob | Du hier mit den Deinen schon manch traute Stunde verlebt,! ob Du das wahre Familieuglück in diesen Räumen genossen, - nach dem das Herz der Frau, der Mutter, sich sehnt?" „Du sprichst wie eine Kleinstädterin," entgeguete über-; legen und doch wehmüthig lächelnd Frau Rachelle. „Ich! sagte Dir schon einmal, unsere Verhältnisse bedingen es, daß j Jeder sein chez soi hat, mein Mann das seine, ich das i meine; eine Frau von Welt hat überdies ihr Boudoir nur, l um in demselben allen Pomp, über den sie verfügen kann, » anzuhäufen, so daß ihre Freundinnen, die sie in demselben empfängt, ein Gefühl illigestillten Neides empfinden, wenn sie es verlassen!" „Rachelle, Du ehedem eine so kluge, welterfahrene Frau," konnte sich Rosa nicht enthalten auszurusen, „Du speeulirst aus den Neid Deiner Rivalinnen?" „Man gilt Nichts in der Welt," sagte Nacheile, den Brillantriug an ihrem Finger, der ein wahres Wtrahlenfeuer von sich gab, betrachtend, „wenn man sich nicht mit einem gewissen Glanze nmgiebt, der den Leuten imponirt. In jüdischen Häusern, die sich zu gewisser Höhe emporgeschwungen habe», ist es jetzt ausnahmlos bon ton, sich in Führung des Haushalts, Erziehung der Kinder re. den altadligen Familien gleich zu stellen. Man wird fast als Parvenü angesehen, hört wohl gar den Vorwurf, daß man nicht oonivas il faut zu leben wisse lind hinter der Zeit zurückbleibe!" Frau Rosa staunte nur, wo sich ihre Schwägerin diese Fülle von Fremdwörter» zu eigen gemacht, sie, die ehedem kaum im Stande war, ihren Kindern eine französische Arbeit zu verbessern. Bei all' dem sie umgebenden Glanz sah Rachelle nicht glücklich aus. Sie schien bedeutend gealtert, ihre Gesichtszüge, ehedem so angenehm, hatten einen strengen, vornehm sein sollenden Ausdruck angenommen, die rmiöc Figur war in enge Formen gepreßt, das Haar gefärbt, die ganze Erscheinung machte den Eindruck des Gekünstelten. — Wie anders die soeben eintretende Tochter Jlka, ein blühend schönes Mädchen von 17 Jahren, die der Tante fast stürmisch in die Arme flog, sie herzte und küßte, als ob es ihr Bedürfniß wäre, der geraden, bieder» Frau, die sie, da sie noch Kind war, mit so viel Liebe gepflegt, ihre Sympathie zu bezeugen. „Tantchen, bestes, liebstes Tantchen," rief sie, „Dn hier und ich weiß Nichts davon?" Und wieder schmiegte sie sich an die Brust der erstaunt dreinblickenden Tante, die das schöne Mädchen nicht genug anstauneu, aber auch nicht klar sehe» konnte, weshalb man ihr ihre Anwesenheit verschwiegen. „Rachelle, der Schwägerin Befremden erkennend, sagte: „Jlka hat sich nämlich seit 3 Tagen absentirt; sie ist einer Meinungsverschiedenheit wegen außer allem Connex mit uns, verschließt sich in ihr Zimmer, schützt Migräne vor, um nicht an unfern Mahlzeiten Theil zu nehmen —" „Aber Mama," unterbrach jetzt das junge Mädchen, „Tante Rosa muß ja, wie Du mich schilderst, einen schönen Begriff von mir bekommen; willst Du ihr uicht lieber mittheileu, weshalb ich ulich auf mich selbst verweise?" „Das bleibe sntrs nous,“ sagte die Mutter mit bedeutungsvollem Blick. „Ich sehe nicht ein, weshalb?" entgeguete achselzuckeud das junge Mädchen. „Mir ist es gerade lieb, daß die Tante gekommen, um unparteiisch und —" „Aber Jlka," unterbrach die Mutter, „Du wirst doch die Tante, nachdem Du sie kaum begrüßt, nicht gleich mit Deinen Albernheiten plagen wollen?"