Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 24 (1885) · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
24 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492351-9586216-9585183--0378-9585186
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 95 — S i8ni 8 o Uf e 10 8at|)e[(j nife. ff- ">ii> Mos, «"Ifa ftine ^».Währen '^hljiMtnue itn T» fnqumtia, u> ihre 1 ^,anch aitge 0,l,tä«Be fein.!t K »ch «rgaß . eil,;. mitten unter l> ™ Verkehr mit m Stauen jenes W rächtet!hres d. ja sogar seind- . >»» der Mete enden Kirche ntn. >md Stimm iinjci: »" irinen damal» fetteten. i. 'Jlotieinbet 1819 > Wissenschaft der llieiju gaben die e in jenem Jahr tr-Päbel ansgesetzt den. durch diesen ti die Nejartu des * Ziel mar alleri t merth. Sie Zttee; :ba«. Dir erste - s mar. treu bei Preis zur Herr- ' tigeren Generation , tdigem Glanbensnen es Ernst «r er; hatte iitr die nt 4. August 1822 srigsten Nttglteder ereitts und seiner titut-;" regelmäßig netla-3 am 1. und mein atgiehettdctt' juenuereiit, dessen des Mturuereins jin Ruttdschretbe» iten iilwiontmeit, -netten unterrichtete tsjuftalt des 8et> fite unb üitteratur. iq eine* Seif o«*’ eitrig Vfl.** pfJte*-!IU *lS in ieinei«ö(t>'n' das damals nach für die höchsten Güter der Menschheit begeistert schlug. Tarn», kehrte sich die Antipathie Heines aneh gegen diejenigen, welche daS Judenthum vollständig reformiren wollten, und am meisten gegen die Fahnenflüchtigen und Abirünnige». Die Reform hatte dem Jndettthnm im Ganzet, wenig Heil gebracht: weil ihnen das Hatts gefährdet schien, trugen sie das Dach ab — ihre ganze R'efvrtn beschränkte sich im Wesentliche» ans eine Aendernng des Gottesdienstes, dem sie durch setchte Predigtet, und Lieder, durch modernen Chorgesang und Orgelklang säst einen protestantischen Zuschnitt gaben. Gegen diese Reform eifert nun Heine in seinen Briefen aus jener' Zeit mit merkwürdiger Begeisterung. Cr batte sich den Berjüngungsproeest des Judenthums wohl anders gedacht, als jene Flachköpse, die ihn, weil ihnen seine geistige Kraft gefährlich wurde, zu verlästern suchten. Das Evangelium, das den Armen von Judäa vergeblich gepredigt worden, sei jetzt bei den Reichet! in Flor, beklagt er einmal. und feinem Hasse gegen den Abfall und Berrath unter seinen Glaubensgenossen giebt Heine den beredtetsleti Ausdruck in seiner Tragödie „Älmansor". Cs ist dies Drama ein Klagelied des unterdrückten Judenthums und eine Satyre auf jene Judenchristen, die damals in der Berliner Gesellschaft eine so tonangebende Rolle spielten. Dem Zweck der Satpre entsprechend, verlegt Heine die Handlung in ferne Zeiten und ferne Länder uttd lieg statt der Judeti Muselmänner austrete», das; sie in glühenden Versen ihren Haß und ihr Weh aussprächen. Doch auch Heine sollte bald ein Renegat werden. Vor seiner Abreise aus der alten Universitätsstadt Göttingen erledigte Heine noch eine Angelegenheit, die für sein ganzes zukünftiges Lebett von größter Tragweite werden sollte, wenn sie auch zunächst nicht die Bedeutung gewann, die sich Heine davon versprochen haben mag — er suchte sich durch den Taufzettel das „Entrsebillet zur europäischen Jiultur" zu verschaffen! — Welche äußere Anregungen in dieser Beziehung damals — im Jahre 1825 — eingewirkt haben mochten, ist nicht bekannt und gewiß ist nur, daß er durch die Taufe eine Anstellung im preußischen Staatsdienst zu erlangen hoffte, und daß in seiner ganzett Familie keiner gegen die Taufe war, als er selbst, Schott ein Jahr vorher wurde im elterlichen Hause die Nothwendigkeit dieses Aktes erwogen, und Heine schrieb damals an Moser: „Aus meiner Denkungsart kannst Du es Dir wohl abskrahiren, daß mir die Taufe ein gleichgiltiger Akt ist, daß ich ihn auch symbolisch nicht wichtig achte, und daß ich mich der Verfechtung der Rechte meiner Stammesgenossen mehr weihen würde. Aber dennoch halte ich es unter meiner Würde und meine Ghre befleckend, wenn ich, um ein Amt in Preußen anzunehmen, inich taufen ließe. Wir leben in einer traurigen Zeit, Schurken werden zu den Besten, und die Besten müssen Schurken werden. Ich verstehe sehr gut die Worte des Psalmisten: „Herr Gott, gieb mir mein täglich Brod, daß ich Deinen Namen nicht lästere!" —Trotz dieser und ähnlicher Klagen sah sich Heine nun dennoch zum Uebertritt genöthigt. Gerade in der Zeit, in welcher ihm durch seine „Rabbi von Bacharach" und die sich daran knüpfenden Studien des Judenthums besonders theuer und nah war, ließ er sich in Heiligenstadt in die christliche Gemeinschaft aufnehmen. — Die merkwürdigsten Zeugnisse aber für Heine's Gesinnung sind die Briefe an Moser aus jener Zeit, in denen er den treuen Freund wiederholt bittet, ihn nicht nach dem Maße seiner eigenen großen Seele zu messen! Diese Briefe über seinen eigenen Glaubenswechsel und über das Renegatenthum von Eduard Gans sind in der Thai von tragischer Wirkung und ergreifendem Inhalt. Die erste Mittheilung an Moser von dem vollzogenen Taufakt kautet folgendermaßen: „Vielleicht schicke ich Dir heute ein Gedicht aus dem „Rabbi", worin ich leider wieder unterbrochen worden. Ich bitte Dich sehr, das Gedicht, sowie auch das, was ich Dir von meinen Privatverhältnissen sage, Niemandem mitzutheilen. Ein junger spanischer Jude, von Herzen ein Jude, der sich aber aus Lnxusiibermnth taufen läßt, correspondirt mit dem jungen Jehnda Abarbanel und schickt ihm jenes Gedicht, ans dem Maurischen übersetzt. Vielleicht scheut er es doch, eine nicht sehr noble Handlung dem jungen Freunde unumwunden zu schreiben, aber er schickt ihm jenes Gedicht. — Denk' nicht darüber nach." Fast alle Briefe aus jener Zeit können als Dokumente dienen für die wärme Anhänglichkeit Heines an seine Stammesgenossen, für die rührende Liebe, die gerade in den Tagen seines Abfalls von der gemeinsamen Idee um so tiefer und inniger in ihm lebte, je'weniger sie sich laut äußern durfte. L. H. in G. Neber die Juden in Afghanistan giebt die Londoner „I. W." einige, gerade in jetziger Zeit interessante Details. Ihre Zahl wird auf vierzigtausend geschätzt, welche hauptsächlich im nördlichen und nordwestlichen Theilen des Landes wohnen. Die vornehmste Gemeinde ist die der Hauptstadt Kabul mit etwa 2000 Seelen, worunter eine Anzahl sehr wohlhabender Familien. Diese stehen in sehr lebhafter Haudelsverbinbung mit eipem großen Theile des mittleren Asien und haben mit den übrigen jüdischen Gemeinden Afghanistans einen regelmäßigen und sehr zuverlässigen Botendienst eingerichtet, der eine Postverbindung ersetzt und die nützlichsten Dienste leistet. Die afghanischen Juden leben sehr zurückgezogen und halten sich von den öffentlichen Angelegenheiten möglichst fern, werden zwar von dem Herrscher des Landes im Ganzett gut behandelt, sind aber im Uebrigen denselben Beschränkungen, insbesondere in ihrer Kleidung und im öffentlichen Auftreten, sowie allen den Unannehmlichkeiten ausgesetzt, denen die Juden in den übrigen muhamedanischen Ländern unterworfen zu sein pflegen. In ihrer Körperbildung und im Gesichtsausdruck ähneln sie den übrigen orientalischen Juden, unterscheiden sich aber von ihnen in manchen religiösen Dingen: So halten sie allerdings an der Beschueidung fest, feiern denSabbath und üben die Schechitah aus, aber nicht die B'dikah. Sie kennen weder den Talmud, noch die später» Poskim, und haben Gebete, die von dem europäischen und von dem orientalischen Ritus abweicheu, dagegen an die Liturgie der Karäer erinnern. Sie habet! keine öffentlichen Synagogen, sondern versammeln sich an den Feiertagen zum Gottesdienst in den Häusern einiger reichen Gemeindemitglieder. Die Welobieett ihrer Gebete — eilte wichtige Sache im Oriente — stimmen meistens mit denen des Bagdader Ritus überein, indessen herrscht andrerseits in dieser Hinsicht große Willkühr. Den Pentateuch lesen sie nicht, wie in Europa und sonst im Orient, in 52 wöchentlichen Abschnitten, sondern nach beliebiger Auswahl. Es giebt einige „Medreffeu"*), in denen an den Freitagen und an den Vorabenden der Feiertage an die Armen Speisen vertheilt zu werden pflegen. Das Hauptfest ist das Sukkothfest, an welchem man sich gegenseitig besucht und die Armen reich beschenkt. Die Juden in Kabul leben zwar zum Theil in Polygatnie, allein ihr häusliches- und Familienleben gilt als ein durchgehends sehr glückliches und werden die jüdischen Frauen von Kabul als geistreich und liebenswürdig geschildert. Die landläufige Erzählung von der jüdischen Abstammung des Afghanenvolkes hat man schon lange als eine Fabel erkannt. Die Afghanen selbst haben eine wunderliche Legende über ihre Abstammung von einem „Birkia" genannten Sohne des israelitischen Königs Saul, welchen letzteren sie „Meist Talut" d. h. König Talut neunen. Dieser Birkia habe einen Sohn Namens Asghan gehabt, und von diesem stammten die Afghanen. Es ist dies weiter nichts, als eines jener unzähligen Mährchen, tvie sie im Oriente zu allen *) Bohl Botte Midrasch, Bezeichnung für „Tynagoge".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.