Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 24 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 94 — in krausen Lacken auf den alabastcrweißen Hals: das lichtblau seidene Kleidchen war mit weißen Spitzen garnirt, „Cher« taute,“ rief sie, sich van der Hand der Gouvernante losmachend, „soyez la bienvenue!“ Wieder verständigte die Mama, daß man mit der Tante Rosa deutsch sprechen müsse, „Wie bist Du in den Jalircn, da ich Dich nicht gesehen, gewachsen," sprach die Tante, da-? blonde Lockenköpfchen küssend, „Sichst Du, Mama," nahm Clairc gleich das Wort, „Tante Rosa sagt auch, ich sei groß geworden! Die Mama," fuhr sic zur Tante gewendet fort, „will mich noch wie ein Kind behandeln; ewig soll ich hüben bei Mademoiselle bleiben und lernen, ist Gesellschaft da, darf ich nicht eintreteu, kurze Kleider soll ich tragen, die unschuldigste» Romane werden mir conftscirt —" „Paul de Kocks .Mathilde' nennst Tu einen unschuldigen Roman?" unterbrach unwillig die Mutter, „Bah, da habe ich, als Miß Dum bei uns war, noch ganz andere Romane gelesen," entgegncte Claire, überlegen lächelnd, „Wer ist Miß Dum," fragte die Tante, der es ganz kalt wurde, als sie nach den eben vernommenen Worten das coquett herausgcputzte vierzehnjährige Mädchen betrachtete, das jetzt in ihren Augen alle Kindlichkeit verloren zu haben schien. „Miß Dum ist Claire s srüherc Gouvernante," entgegnete die Schwägerin; „wir mußten sic plötzlich entlassen, da sie ohne unser Wissen eine Liaison hatte und dem Mädchen ein sehr schlechtes Vorbild war," „O, Tantchen, wenn Tu wüßtest," begann Claire, „wie oft sie im Garten heimliche Rendezvous —" „Schweig," unterbrach die Mutter ernst. „Du machst mich schon wieder ganz nervös vurch Dein Geplauder: ich glaube, es ist besser, Mademoiselle, Sic nehmen Claire mit auf ihr Zimmer!" „Da soll ich schon wieder wie ein unartiges Kind abgesührt werden," sagte Clairc trotzig, „Du gehst," entgegncte die Mutter streng, „Aber ich werde mich, wen» Papa kommt, erwiderte Clairc im Hinausgehcn, „beklagen, daß ich immer —" Ihre letzten Worte verhallten im Corridor, „Arme Rachellc," sagte Frau Rosa theilnahmsvvll, „da machen Dir wohl Deine Kinder viel zu schaffen?" „Unsäglich viel," sagte, froh, ihr Herz erleichtern zu können, die arme reiche Frau, „Ich habe den Kindern gegenüber gar keine Autorität; Alois legt zu viel Gewicht ans das, was die Gouvernanten und Hofmeister sagen: bin ich nicht ihrer Meinung, so ziehe ich jedesmal den Kürzeren. Da heißt es, ich sei in kleinstädtischen Verhältnissen erzogen, kenne den Verkehr der großen Welt nicht und was dergleichen Vorurtheile mehr, die ich wohl alle entkräften könnte, doch — Alois hat sich einmal, seitdem er die Rolle des grand Seigneur spielen will, darin gefallen, mich als das Gänschen vom Lande hinzustellen und, will ich mich nicht blamiren und vor dem Personal Scandalscenen aufführen, so gebe ich lieber nach." — „Schöne Häuslichkeit das," dachte Frau Rosa, und inmitten all' der mit Gold broncirten, mit Elfenbein ausgclegten Möbel, der mit Gobelins bekleideten Wände ward es ihr plötzlich so angst, ein Gefühl übcrkam sie, als müsse sic in dieser Atmosphäre ersticken. Die silberne Schüssel, die ihr die Hausfrau reichte, entfiel fast, da sie sie fassen wollte, ihren Händen: der Appetit ivar geschwunden, am liebsten hätte sic der Schwägerin gesagt: „Ich bedaure Dich vom Grunde meines Herzens" — doch sie hielt a» sich; welches Recht hatte sie, in diesem Hause, dessen Führung so wesentlich verschieden von derjenigen war, die ihr, der schlichten, braven Frau als die ideale vorschwebte, eine Meinung zu äußern? (Fortsetzung iolgt.) lieber Heinrich Heine's Stellung rum Iudenthnm k n r z v o r n n d n a ch f e i n c r Taufe giebt uns dessen »encster Biograph, Gustav Karpeles, interessante Mittheilungcn, Cr erzählt: „.Diese drei Männer Znnz, Gans und Moser wußte» Heine in merkwürdiger Weise für die Interessen seines Stammes und seiner Glanbensgenosseti zu begeistern. Während er in heiterer Freunde Kreis Nächte dnrchschwärmte und Abende lang poetische und ästhetische Salons frcquentirte, und obwohl die juridischen Brotslndicn wieder in ihre Rechte getreten waren und ihn oft die höchsten Fragen der Philosovhic und Wissenschaft fesselten, beschäftigten ihn doch auch angelegentlich und nachhaltig die damaligen Zustände seiner Glaubensgenossen, Denn Heine war ein Jude, und daß er es nicht vergaß mitten im Taumel eines bachantische» Lebens, mitten unter den dem Jndeuthnm gehässigsten Einflüssen, im Verkehr mit Rahel Lcwi», Henriette Herz und anderen Frauen jenes genial-liederlichen Kreises, die alle abtrünnige Töchter ihres Glaubens waren und den, Jndenthnmc fremd, ja sogar feindlich gegenüberst.rüden. in einer Gemeinde, wo der größere Theil innerhalb weniger Jahre zur herrschenden Kirche übergegangen war, das zeigt, daß die Einflüsse und Stimmungen mächtig in seiner Seele lebten, die ihn an seinen damals noch geknechteten und mißachteten Stanun ketteten, Gans, Znnz und Moser hatten am 27, November 1S19 in Berlin einen „Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden" gegründet. De» üußereil Anlaß hierzu gaben die rohen Aligriffe, welchen die Juden gerade in jenem Jahr von dem deutschen Straßen- und Litteratur-Pöbel ausgesetzt waren: das Hauptmotiv war das Bestreben, durch diesen Verein auf die Kultur der Jude» und aus die Reform des Judcnthums fördernd einzuioirken, — Das Ziel war allerdings ein hohes, des Schweißes der Edlen wcrth, die Idee eine hochfliegend große, aber unausführbare. Die erste Ordensbedingung der Gründer deS Vereins mar, treu bei dem Judenthume anszuharrcu, um keinen Preis zur herrschenden Kirche übcrzuiretcn und so der jüngeren Generation ein leuchtendes Beispiel von märthrerfreudigem Glanbensmnth zu geben, — Einer der wenigen, denen es Ernst war um die gemeinsame Sache und der etn Herz hatte sür die Leiden seines Stammes, >var Heine, der am 4, August 1832 dem Verein beilrat und bald eines der eifrigsten Mitglieder wurde. Er wohnte den Sitzungen des Vereins und seiner Zweigabtheilung des „wissenschaftlichen Instituts" regelmäßig bei, sührte zum Theil die Protokolle und verlas am 7, und 17, November einen eingehenden und „ungemein anziehenden" Bericht über einen zu begründenden Frauenverein, dessen Tendenz darin bestehen sollte, die Zwecke des Äulturvereins in Familie und Gesellschaft zu fördern. Ein Rundschreiben über diesen Plan, welches er anszuarbeiten übernommen, blieb, wie der Plan selbst, unausgeführt; dagegen unterrichtete Heine wöchentlich dreimal in der UnterrichtSanstalt des Vereins mehrere Monate hindurch in der Geschichte und Litteratur. Auch an den Berathungen über die Abfassung eines Religionsbuches für die jüdische Jugend nahm er eifrig Theil und auch sonst machte er für den Verein sowohl in Hamburg, wie in seiner rheinischen Heimath eifrige Propaganda, Für die Zeitschrift wollte er wiederholt einen Beitrag liefern, aber die Zeitschrift war inzivischcn bereits eingegangen und der Verein der Auflösung nahe. Eine allgemeine Fahnenflllcht war die Folge und Eduard Gans war einer der Ersten, der die gemeinsame Sache im Stich ließ, Heine dagegen hielt das Judenthum damals noch nicht „für eine längst verlorene Sache" wie später. Den Gott des Jndenthums hatten ihm Hegel und seine Schüler allerdings wegphilosophirt, von dem Lehrinhalte der jüdischen Religio» hatte er kaum eine genaue Kenutniß. aber das historische Mannesbewußtseiii lebte mächtig in seinem Herzen, •bas M»!“ acütcrt 3 Tiiti dikjeiiigvl ruoOttii. i ttünnijM' Wich trugen i« sich i>u * dem sic i hherzeje! schnitt $c Kick» e chr I wohl eilt feine gcü Tu» w f predigi r 1 einmal, unter ie ji «„Äliiö | Drum i eine Sun f der Suti g Zeiten n inunner i und ihr f Renegut | Bo 1 Minze? sein gun i sollte, i i die sich > .Kultur" dieser B hoben n durch d: zu erlui! gegen di mürbe i emiogen Dentin:, die Tue liich nie der Re, Aber d Chre b, nehmen traurige Beste» Brod, I und ch tritt ger seine Studie, äch er aufnch Besinn, denen e Kisch äRittljei folgenb »uz de den, j ich Sit I