Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 24 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1885 m 24. Aüdisches L^UUikll-Kis// .vicraiiägt'iicboit von l>r. Nahmer in Magdeburg. Zur Unterhaltung u. Belehrung für die israelitische Jugend. l>ii,ulbenStrette. Ium Wochennbschrult 8e1i1ae!i-1tzetiv. Bon Dr. I. Goldschmidt-Wcilburg. BersölM. Dnäuiaf^^omcm uoit CVtlfinff* Idn Barbcr. lIorn'chmiq.) — Ueder Heinrich Heine's Stellung zum Judcnthum kurz vor und nach seiner Laufe. — lieber die ^UIJIUI. ^Hbi'u in Asgliauiftan. "A llerlei für den Icimilieniisch: Berlin. Pest. London. — Mleine indische Charakterzuge. Näthsel-Aufgaben und RaU-sel-Losungen. , («lanbenstrene. ) ^'lum Wochennbschnitt Lotitkreü-Itzlcho.) Versöhnt! Original-Roman von Idn B.rrber. Hs-I. me, >meu,!ist. sei. ihagen. rtchen i\. ViTSK TILLd TS S*'X TX W'X lfm jfbcv TOnmt jiir feiner Bäter Stumm. (IV. «. Moses 37,2.) »ört, dic ihr nicht (»friede» seid, zu lehren, Was ihr als bcff're Wahrheit Habt erkannt; Die ihr allein die Mensche» zu bekehre» Die golddnrchtvirkte» Nehc eifrig spannt . . . D triibe lodert eures Altars Kl»»"»': «bin jeder Man» für feiner Väter Stamm"! Wie? jhr behauptet, Gottzu ehr'» im Geiste, Nnd gierig ihr mit eurem Golde trennt, Was Gott durch die Natur zusammen schweißte? Nach einem leeren Wort ihr gierig rennt? Gin Wort, ei» „Tropfen" ist ei» schwacher Damm: "Gin jeder Man» für seiner Väter Stamm"! Geht! Gnrc Seclenjagd ist widerwärtig! Sind den» die Gnrc» Gn'r? Nach Gurem Sin»? Tihr seid ja mit euch selbst noch lang nicht fertig, Was glicht die andern ihr zu euch zu zieh»? Schafft doch aus Gnrem Strom erst fort den Schlamm! „Gin jeder Man» für seiner Väter Stamm"! ehr g-Nj gleich msreich; I beut, andre seid. h a. ltiif h ättet Recht ihr, wie ihr Unrecht habet, Ihr thätct neue höh're Wahrheit kund, Und N'ärt mit höhrer Tugend ihr begäbet, Und euer Herz so süß, wie euer Mund, Auch dann de» jsahnenfliicht'gc» ich verdamm': «Gin jeder Man» für feiner Väter Stamm"! t. tat’.) und Statt ei« ignagagendiener. Allein bedenkt: Der Gott, de» ihr verehret. De» gab euch unser „Altes Testament"; Ihr habt mit Formel» freilich ihn beschweret, Daß er wohl selber stch nicht mehr erkennt. Gs sei! Doch sprcch' für uns ich unbeugsam: «Gin jeder Mann für seiner Väter Stamm"! Ich laß von jedem gern mich unterweise», Und nchm' von Glich da» Gute auch mit heim» Befruchtend strc»' ich's ans in meinen .streifen, Gs treibe da als ein gesunder steim. Kragt je der Gute: Wo erblüht sein Sa,»'? «Gi» jeder Mann für seiner Väter Stamm"! Der Libanon trägt seine alte» Zeder», Und Gichen trägt der schöne deutsche Wald: stönnt Zedern ihr in Gichenrinde ködern, Und Gichen ihr in zcdcrnc Gestalt? Gott schuf de» Le», de» Wolf und auch das Lamm: «Gin jeder Mann für seiner Väter Stamm"! Der ganzen Menschheit meine Liebe lodert; Mein Ent und Blut gehört dem Vaterland; W o nur ei» Mensch Grhcbung, Hilfe fodert, '-St» her lieb’ ihm zugcwandt. ,i'n chlanbcnsah»' jedoch bleibt Abraham: ,,Gl» >cder Mann für feiner Väicr Stamm"! _ Dr. Z. Golds ch »lidl - Weilbnrg. *) 'i'OviiHluiii durch Pie vor. Woche nligdwltciii' Gencral-Bersamm- * liiiig Per Gesellichost zur Pesörderiiiig des lshristeiillniiiiS liiiter den Jiidcii. (stehe w. u. S. '.»>.) I <Forisevui,g.) „Ich bewundere," nahm Frau Rasa das Wort, „das; Du freiwillig aus das Bcrgnügen verzichtest, Deine Kinder um Dich zu haben." „O, sie machen mich nervös," eutgegnete dic Schwägerin, ihren Kopf mit beide» Händen haltend. „Du glaubst nicht, wie schwer cs ist, sie zu beanssichtigen! Außerdem müssen sie enorni viel lernen, Claire spricht bereits englisch und französisch, James lernt latci» und griechisch, Arithmetik, Mathematik, Geometrie, Rhetorik; er soll einst die diplomatische Carriere ergreifen, muß" — doch da wurde dic Thür geöffnet, ein blasses, zwölfjähriges Bürschchen, dem man die Treibhaus-Cnltur nur zu deutlich ansah. sprang herein, schaute zuerst die Tante, als ob er sich ihrer nicht ensiiincn fömite, befremde! an, fiel ihr aber dann um bc» Hals nnd küßte und umarnite sie herzhaft. „Ollere taute, que je suis rejouis de te revoir!“ tiefer. — „La taute ne comprend pas t'ranyais," unterbrach die Mutter. „Das ist lieb von Dir, Tatitchen, daß Du gekotuiiic» bist," sprach daS Kind; „Schwester Claire wird auch gleich kommen; sic wollte schnurstracks hierher kommen, aber Mademoiselle will sie erst putzet,, damit sie —" „Schwatz' nicht so viel," unterbrach die Mutter. „Hast Du der Tante schon dic goldene Uhr gezeigt?" „Eine Uhr?" fragte Frau Rosa erstaunt; „die haben meine Söhne erst zur Bar-Mizwa-Einsegnung bekommen." „Wir machen diesen Firlefanz," sagte Frau Rachclle verächtlich, „nicht mit. Es ist eine leere Ceremonie, von der ja das Kind mit 13 Jahren doch noch nichts versteht und mein Mann — Du weist, er hat viel Beziehungen zu Adelskreiscu — will cs vermeiden, derartige jüdische Ceremonien —" „Aber liebe Rachclle," unterbrach Frau Rosa, „Du als Frau solltest doch Deinen Kindern eine religiöse Erziehung zu geben bemüht sein! Wie willst Du erwarten, daß ne dereinst fest im Leben stehen, dic Achtung ihrer Mitmenschen erringen können, wenn ihr Herz von den heiligen Worten Gottes nichts weiß?" „Du hältst einen Sermon, wie ein Prediger," sagte Frau Rachclle fast unwillig. „Mein Man» und ich, wir haben uns seit Jahren von dct. Formen des Judcuthums losgesagt, unsere aufgeklärte Zeit, die Kreise, in denen wir uns bewegen, bedingen, daß man . . ." „Lieber James, willst Du nicht Dein Schwesterchen holen?" unterbrach Frau Rosa, nur um das Kind zu entfernen, es vor dem Anhören jener Worte zu bewahren, die nach ihrer Meinung Gift für das junge Herz sein mußten. „Sie kommt schon," eutgegnete James, dessen feines Ohr bereits den Tritt der Schwester vernotumen. Au der Hand der Gouvernante betrat ein vierzehnjähriges reizend schönes Mädchen den Salon; ihr blondes Haar fiel