Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 14-15 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
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r I ^°°h°ld S°h7 'to M big L'"V sind!? 7'V lein %i mü^etig |r? Pflegt 1 Oppenheim de,, te »nznische «bei ,Wn den alt- °!'s Geschlech, in b'f äriitdratie ®n die mächtige 'Satrapen, durch d»°°r gefeit, daß lsrn Reihen. Fär- >ie Pewandischasi hebräischen Ach, gl und jerftreut, «hm, besteht das Der elbarmungsifchen Antlitz, er n Säbel n»d in len in alle alten! Menge von den rem Witze znrilik: Mich jf o n verliflenoerein mache hre Cohnwrdia, s noch nicht bis jernb, auf Kahn hieb und schlage imenbrichl, Härten Im vierten Stocke des Nachbarhauses wohnten vor Jahren zwei Judenjungen in einer Stube und schliefen in einem Belte, Im Ofen hatten sie kein Feuer, so suchten sie einander in dieser Weise warm zu halten, Moriz war ein braunlvckiger Bursche, Heinrich ein Rothkops, Und er hatte, weiß Gott, mehr als genug zu leiden dessenthalben; es frommte ihm auch nicht, daß er iminer und immer wieder versicherte, wenn er auch rothes Haar habe, sein Herz sei deshalb doch gut, Moriz lachte ihn aus. Wie willst Du ein gutes Herz haben mit diesem rochen Haar! „Rother Hund und rothes Pferd und rothe Menschen sind nichts werth!" Stell' mich auf die Probe! rief Heinrich, Gut denn! Ich bin eben sehr durstig; hole mir Wasser vom Brunnen, Bier Stock hoch , , , . die Treppe finster . , . . eine grimmig kalte Winternacht, An Heinrich sträubte sich jedes Stämmchen seines rothes Haares empor — aber er stand vom warmen Bette auf und schickte sich zu dem Gange an. Er hüllte sich in die dünne blaue Bettdecke, tappte sich über die Treppe in den Hof hinab, schöpfte am Ziehbrunnen die Flasche voll, stieg wieder hinaus und reichte dem lachenden Moriz zähneklappernd das Wasser, dann faßte er sich grimmig am Kopfe und ries weinend vor (Erbitterung: Warte du! Hatte ich nur keine rothen Haare!- Es ist, als ob jeder Kohn, jeder Jude rothhaarig wäre. Er muß der Vollkommenste sein, um nicht für den Allerschlimmsten zu gelten. Ich bedauere ihn, ich tröste und ermuthige ihn und dulde mit ihm. Oft will sich tiefe Entrüstung und Grimm meines Herzens bemächtigen; allein ich dränge die Bewegung zurück und hoffe. Auch diese Drehkrankheit wird ja vorübergehen und der „cunge Kohn" endlich zur Ruhe kommen! Budapest, Porzo. Allerlei für den Familientisch. Gmili» Morpurgo. Italien und besonders die ttalienische Judenheit hat durch den Tod Emil io Morpurgo's (starb 49 Jahre alt am 15, Februar i,t Padua) eine» herben Verlust erlitten, Morpurgo ivar einer von jenen anserwahlten Geistern, die nicht nur die Ehre ihres Vaterlandes, sondern der ganzen Menschheit sind. Er war Abgeordneter im Parlament, Gemeinderath von Padua, Professor der Statistik an der Universität von Padua, Mitglied vieler Akademien und Gesellschaften. Unter Minghetti hatte er das Amt eines Generalsecretcirs im Ministerium für Ackerbau, Industrie und Handel bekleidet; er war ferner Rector der Universität in Padua gewesen, Referent in der Kammer für das Budget des öffentlichen Unterrichts u, s. w. Unter seinen Schriften haben „die Statistik und die socialen Wissenschaften" (In statistica e le scienze sociali), „der technische Unterricht in Italien" (!' istruzione teonice in Italia), „die Demotratte und die Schule" (3a democrazia e la scuole) u. a. ineit über Italien hinaus Bedeutung und Anerkennung erlangt, Außerdem war er Verfasser einer großen Anzahl von Studien und Essays in italienischen und ausländischen Zeitschriften ersten Ranges, Als Professor wurde er von seinen Schülern hoch verehrt; unter den Deputaten war er einer der gelehrtesten und der beredtesten; als Schriftsteller gediegen und scharfsinnig; als Mensch groß und bescheiden zugleich. Sein Andenken wird auch außerhalb seines engeren Vaterlandes stets in Ehren bleiben, Dr. 8, 8, Kleine jüdische Charakterzüge. Bon Hx. Rk. in Brandend. «Nichtig»« »Mt* „fatsche - Sch'korim (Lägen). So geläufig und heilig stets das Wort der Thora: Vom Wort der Lüge halte Dich fern! (2, M, 23,7) und das 59 — Wort des Talmuds: Das Siegel des Heiligen — gelobt fei er! — ist Wahrheit. (Sabbat 55 a und öfter) sowie ähnliche Sprüche den Juden waren, ebenso verhaßt und widerivärtig waren ihnen Lügen und Lügner, Diese werden in mancherlei Anekdoten verspottet, deren eine hier Platz finden möge: Reb Leib, ironisch der Jsch Eines (Mann der Wahrheit) genannt, war Kaufmann, Er reiste alljährlich einmal nach Leipzig, um Maaren einzukaufen, und wenn er heimkehrte, versammelte sich in seinem Hause Jung und Alt, um von ihm Leipziger Chidduschim (Neuigkeiten) zu hören. Wohl wußte man, daß sie alle erlogen seien, aber man ergötzte sich an der eigenartigen, grotesken Darstellung, die gewöhnlich stürmische Heiterkeit, ja geradezu zwerchfellerschütterndes Gelächter provocirte, Einst reiste Reb Leib wieder nach Leipzig, erkrankte aber unterwegs und mußte unverrichteter Sache wieder heimkehren. Alsbald kam wieder Jung und Alt, um Leipziger Chidduschim von ihm zu hören. Reb Leib aber sagte, daß und warum er diesmal garnicht in Leipzig gewesen sei. Erzählt uns dennoch, Reb Leib — so bat Alles — es sind ja doch immer nur Sch'korim gewesen, was Ihr uns sotist erzählt habt. Jawohl, erwiderte der Angeflehte, es sind nur Sch'korim, „richtige" Sch'korim gewesen, und solche allein erzähle ich; da ich aber diesmal nicht in Leipzig war, fürchte ich, „falsche" Sch'korim zu erzählen — Dinge, die sich dort wirklich diesmal zugetragen haben können. Gedichte. Pharaoh's Geburtstag.*) Von Dr. Immanuel Deutsch, Sopran O,-Zch, Welch' einRauschcn, welch' ein Wogen Geht durch Pharaoh's Palast? Sind doch selbst von Fern gezogen Fürsten bei ihm ein zu Gast. Mit Geschenken, auserkoren, Huld'gen prunkend sie und laut Heut' dem Tag', da er geboren Und zuerst die Welt geschaut. Die Genossen kommen alle, Die die Fürstenkrone ziert. Fassen kann sic kaum die Halle, Die das Fest heut' hergcsührt. Unter diesen Fürstenschaareu Finden sich zwei Brüder ein, Stirngcsurcht und reich an Jahren, Ohne Gaben, groß und klein. Dem Gebieter tvard verkündet: „An der Pforte, beim Palast „Sich ein Paar von Greisen findet, „Bittet heut' sich dir zu Gast", „ „Rahen sic mitFestgeschenken?—"" Fragt der König mit Begier. „Rein, daran ist nicht zu denken, „Nicht zu seh'u der Gaben Zier," Ob der Antwort ganz beklommen Pharaoh darauf gebeut: „Laß zulcpt sie vor mich kommen „In der Fcstschaar dicht gereiht". Schon entlcd'gcn sich der Gaben All' die Fürsten, groß und klein; Doch die Brüder — was wohl haben Sic zu reichen, sie zu wcih'u? Frei sie sprechen zum Gebieter: „Gott hat uns zu dir gesandt, „Der Hebräer Hort und Hüter, „Geh', entlast' sie aus dem Land — „Die zur Ungebühr du knechtest, „Peinigst schwer durch harte Qual. „Ihr Beschützer mit dir rechtet lenk' an deiner Sünden Zahl.' „Späh' nicht in dem todten Buche, „Schau zum Aether, licht und klar— „Und im Raum der Wellen suche _ „Unsern Gott, der einzig wahr!" *) Nach Midrasch Talkut Schemot Nr. 175. Aus fährt nun in frevlem Spotte Pharaoh, von Zorn gebläht: „Kommt es zu denn diesem Gotte, „Daß am Festtag er mich schmäht? „Der Hebräer Gott ihr nennet. „Nie hab' ich von ihm gehört, „Der den Fürstcnbrauch nicht kennet, „Kein Geschenk mir heut' bcscheert, „Kenn' ich doch die Göttcrhcldcn „Aller Völker, groß und klein. „Nie noch hörte ich je melden, „Wer der Sklaven Gott könnt' sein? „Schlaget auf die Göttcrrollcn, „Sucht, ihr Weisen, recht genau! „Kann derIklavcn Gott mir grollen? „Ob den Boten ich >vohl trau'?" Und sie suchen mit Behagen Den Hcbräergott im Buch Mästen arg sich dabei plagen. Auf der Arbeit ruht der Fluch, Arg sie kommen iu’S Gedränge; Denn gescheitert ist die Müh'. Götter fanden sie in Menge, Den Hebräergott doch nie, Amram's große, weise Söhne Herrscht der König spöttisch an: „Euren mächt'gen Gott ich höhne, „Den kein Buch mir nennen kann," Es ertoidern ihm die Greise: „Wir bedauern dich, o Thor! „Sich', es müht aus diese Weise „Eitel sich der Priester Chor, „Nicht bei falschen Wahngebilden „Zeigt sich der Hebräer Hort, „Aus der Erde Lustgefilden „Und im Himmel ist sein Ort, „Leben ist sein Reich und Wahrheit, „Deine Götzen, sie sind t o d t. „Fesseln löset er in Klarheit „Seinen Kindern in der Roth. 1 AM