Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 14-15 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 8)
- Language
- German
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Der Mutter Ahnung.*) Von Lehrer A. Spcier in Heinebach. Schon war nah' die Mitternacht, Alles schläft schon, keiner wacht. Nur im Bett ein Mütterlein Kann nicht schließen die Augen sein, Gedenkt des Sohnes in ferner Stadt, Der längst schon nicht geschrieben hat. „Warum schreibt nicht der Liebling mein?' Mit diesen Worten schläft es ein. Es sieht den Liebling nun im Traum, Wie er im bedeckt mit Schaum. Wie wild das Haar den Kops umwallt, Das Auge zu, die Lippe kalt. Da — horch! ein Pochen an der Thür „Wer ist da? und was wollet Ihr?" „Eine Depesche bring' ich in Hast, Macht nur auf Schlimmes Euch gefaßt!" So spricht der Bot' zürn Mütterlein Und tritt dann schnell in's Haus hinein. C, armes, gutes Mütterlcin — Du liesest jetzt den Todtcnschcin Von Deinem Sohne brav und gut, Den man gestürzt in Wasserslruh, Den mau gefunden in der Jll. Das Aug' geschlossen, den Atbcm still. Keine Thrän' dem Mütterlein entfällt Es hält sich tapfer wie ein Held; Denn für solch' herben Seelcnschnterz Hat Thränen nicht das Mutterhcrz. „Du gabst ihn mir, Du nahmst ihn mir Gepriesen seist Dil für und für!" R a ch a b. Nach einer Dalmudstelle von M. Sp. in A. lieber heilge Schriften sinnen, Unr Erkenntnis zu gewinnen, In Gemeinschaft die Rabbinen, Als beim eifrigen Dispute Nun ein Greis mit ernsten Mienen — Nicht int Jugendnbermuthe — In schier wunderbarer Weise Redet einem Weib zum Preise: Er erzählt von Rachabs Schöne, Wie sie alle Schönheit kröne; Er vergleicht sie mit der Sonne, Attdre Frauen nur den Sternen, Tie bei Heller Tageswonne Sich dem Menschenblick entfernen; Er vergleicht sie mit dem Golde. Das des Alters Rost nicht schändet — Und so hat er auf die Holde Noch manch Gleichnis; ailgewendct, Bis er mit den Worten endet: „Niemand noch sie je erblickte, Dem sie nickt das Herz bestrickte, Die nur ihren Namen nennen, Schon vor Lust und Liebe brennen!" — Und ein junger Rabbi schüchtern Hat das Schweigen nun gebrochen: „Hab' das Wort schon oft gesprochen. Aber blieb doch stets noch nüchtern!" „Freund, ihr mögt mirs frei gestehen, Ihr habt Rachab nie gesehen!" Sagt der Alte lächelnd, leise, — Und sie nicken all' im Kreise. Leeres Wort soll euch nicht meistern, Ke nn tu iß nur kann recht begeistern. Eine alte Liebe Er liebte sie, als noch jung er war, Jetzt liebt er sie mit grauem Haar. Sie aber ist kalt und fiihllos geblieben, Hat nicht erwiedert fein Sehnen und Lieben. Doch spricht er noch sterbend: „O bringet sic her, Bald ist es vorbei — ich küss' sie nicht mehr". Man bringt sie — und glühend mit heißem Kusse *) Nach einer wahren Begebenheit. Küßt Rabbi Menachem die alte Mesuffe. Nicht thut's der Weg, das Ziel thut's nur. Po» I. Cornelius in Rotenburg a/F. - - i-prn rann bx Zur Bohne sprach der Hopfen eben: „Mein lieber Freund, was muß ich sehn? Grundfalsch ist ja dein ganzes Streben. Du gehst ja links, statt rechts zu gehn!*) - „Sieh' nur auf mich. dann kann's nicht fehlen, ''Nur inliner rechts gebt meine Bahil: Und wirst Du meine Bahn nicht lvühlen, So hast Du dran nicht wohl gethan!" Draus sprach die Bohne ganz bescheiden: „Cb rechts, ob links, 's ist einerlei, Der Weg geht aufwärts ja uns beiden, Cb auch der Weg verschieden sei."- So streiten sich die Menschen leider, Wes Glaube wohl der rechte sei, Und streitend wird die Kluft stets weiter Und recht der Liebe Band entzwei. Die schlichte Pflanze will uns werden Ein malmend Bild in der Natur: Cb links, ob rechts wir gehn auf Erden: Nicht thnt's der Weg, das Ziel ibut's nur! — *) Anm: Bekanntlich windet sich die Bohne links und der Hopsen rechts. Rath Irl-Aufgaben. I. Deutsches Sitbenräthlel. Bon M. Lrpschitz in Könitz. Aus folgenden 41 Silben sind 17 Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen ein Fest, deren Entbuchstaben, von oben nach unten gelesen ein Elternpaar nebst einem ihrer Söhne, der die Hauptrolle bei diesem Feste spielt, bezeichnen. Die Silben lauten: а, bam, her, bi, bo, co, dom, e, e, el, el, ga, i, iab, ka, la, lech, Xi, Io, ma, me, me. mus, na, ne, nim, nis. ram, rod, ri, ru, sa schäm, se, si, .stern. tarn, tob, ul. up, zim. Die Worte bezeichnen: 1. Stadt Schwedens. 10. Stadt in Basan. 2. Nachkomme Abrahams. ' 11. Baum. 3. Fluß in Preußen. 12. Gewaltiger Jäger. 4. MännlicherName im 1. B. Sam. 13. Berg in Palästina. 5. Berühmter jüd. Gelehrter. 14. Stadt in Judäa. б. Berühmter Mischna Lehrer. 15. Jiidischer Monatsname. 7. Fluß Italiens. 16. Deutscher wcibl. Eigenname. 8. Mannesname im Buche Ruth. 17. Gervürzart. 3. Stadt in Judäa. II. Deutsches Homonym. Von Fräulein Emilia Pflücker in Breslau. Ein Land, nach dem ein Volk genannt, Das ans der Bibel wohlbekalmt, Und gegen das selbst Zebaoth Gekänipst, als Israel in Noth. Jetzt trägt den Namen noch ein Mann, Deß Buch kein Weib entbehren kann; Er lindert Schmerzen, lindert Pein, Ist Menschenfreund für Groß und Klein. III. Drei hebräische Homonyme. Bon K. in R. Drei Thiernamen wollt mir sagen: Ein Thier, das oft bei Fcstgeiagen, Eins, das weilt, wo Schmerz und Zagen, Ein Drittes, gut beim Lastcniragen. Um Euch nicht zu sehr zu plagen, Könnt in „Sch'mini" ihr'S erfragen: ES diirscn in deS Juden Magen Sich alle drei hinein nicht wage». IV. Hebräisches Mort-Näthjel. Von I. Ezapsk, in Koschmin. Am Passah-Feste es gemieden werden muß, Doch rückwärts gelesen fteljf« frei znm Genuß, Einst bringt es den Völkcrsrnhlingsgrnß, Dann endet aus Erden Haß und Verdruß. Vcraniworllcher Rcdacienr Dr. Ra hm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese. Leipzig.