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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 14-15 (1885) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
14-15 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 58 (sequence 6)
Language
German
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— 58 — Nachdem er sich entfernt hatte, fragte Nürnberger den Buchhändler mit lebhaftem Interesse: — Wer ist dieser Heer? — Das ist Hauptmann Holden, erwiderte Rosner. — Holden? Hm! Hat der Man» immer so geheißen? — Fällt ihm nicht ein! Früher hat er Kohn geheißen. — Kohn! murmelte Nürnberger betreten vor sich hin und blätterte weiter in den Büchern. Ueber eine Weile kommt ein bildhübsches junges Mädchen zur Ladenthür hereingeflattert und reklamirt die jüngste Nummer des „Bazar". Während der Gehilfe im rückwärtigen Laden das Gewünschte herauskramt, bemüht sich Rosner, seine reizende Kunde galant zu unterhalten. Nürnberger betrachtet vom dunklen Winkel ans unter seinen buschigen Augenbrauen hervor die schlanke Gestalt und horcht mit Interesse auf das Gespräch. Die glockenhelle Stimme der jungen Dame mulhete ihn sympathisch an und er hatte seine Freude an ihrer Art. die ein anziehendes Gemisch von weiblicher Zurückhaltung und mädchenhafter Heiterkeit war. Als das schöne Fräulein mit seinem Bazar sich empfohlen hatte, da fragte Nürnberger mit noch regerem Interesse, wer denn das herzige Kind sei? Das war Fräulein Hardenberg .... ehemals Fräulein Kohn, erwiderte der Buchhändler lächelnd. Sie bildet sich zur Sängeri« aus; entschieden ein großes Talent. Als Fräulein Nohn war sie um ihre Earrisre besorgt, daher hat sie sich den breit ansklingenden Namen beigelegt. Nürnberger war sichtlich betroffen. Es kamen »och mehrere Kunden, aber er wagte nach keinem Namen mehr zu fragen. Die höhnische Laune des Zufalls fügte es, daß sich unter de» Kommenden und Gehenden noch drei oder vier Kühne fanden. Den Schriftsteller überkam eine eigenthümliche Unruhe, Rosner bemerkte neckisch zu ihm: „Sonderbar! Wissen Sie denn nicht, Herr Doktor, daß ich selber früher auch Kohn geheißen habe? Und wissen Sie nicht, daß eigentlich jeder Mensch ehedem Kohn geheißen hat, daß Ihr Urahnherr jedenfalls auch ein Kohn gewesen ist?" Der ohnehin düster veranlagte Nürnberger war von dieser Aeußernng tief erschüttert. Er verfiel fortan in Melancholie und starb nachmals mit der fixen Idee, er heiße Kohn. — Es giebt sogar einen portugiesischen Kohn; und zwar ist dies einer der hervorragendsten Männer der Landesgeschichte. Dom Diago Caon, aus gut deutsch: Herr Jakob Cohn, der Entdecker von Congo. Ich sammle also Kohns, Kahne und Köhne und mein Auge ist auf diesen Sport so gut gedrillt, d»ß mir in einer ganz unbekannten Gasse, in einer ganz fremden Stadt dieser Name unter viele» hundert Tafeln und Aufschriften zu allererst auffällt. Als ich eines Abends über den Hanptplatz von Bayreuth spazierte, schimmerte mir, vom Silberglanze des Mondscheines übergossen, vor Allem der trauliche Kohn entgegen. Wo immer ich herumkomme, es läßt mich nicht ruhen, bis ich mir nicht wenigstens einen Kohn für meine Sammlung an die Nadel gespießt habe. Verstimmt durchwanderte ich im letzten Sommer die Straßen von Stuttgart. Ich mochte nach allen Seiten hin anslugen so scharf ich nur immer konnte: ich fand keinen Kohn. Was sollen mir die Bildergallerie des Königsschlosses und die orientalischen Wunder der Wilhelma! Was frommt mir der Stolz der schwäbischen Küche, das köstliche Gericht der Spätzle mit Sauerkraut! Was habe ich mit den schwarzen Schwänen auf dem Teiche des Parkes, was mit all' den sonstigen Sehenswürdigkeiten der Residenz zu schaffen! Ich brauche meinen Kohn und kann ich keinen Kohn mir finden, dann: yiam diemque perdidi! Der unerbittliche Baedeker lenkte meine Schritte nach dem alten Palais; dort sollte ich in der Kapelle das Altarbild, ein Werk des großen Klappermann. bewundern und mit schuldiger Ehrfurcht die Bank onstaunen, in welcher — nach Varnhagen — die allerhöchsten Herrschaften dem Höchsten ihre Dankesopfer darbringen ... Da — im Dunkel der Thoreinfahrt leuchtet mir von einer kleinen Thür ein Täfelchen mit der Aufschrift in güldenen Lettern entgegen: „Sebaldns Trauhold Köhnlein, k. Kellermeister." Nun hatte ich endlich meinen Kohn, wenn er auch nur ein Deminutivum war. Befriedigt spießte ich ihn zu den andere». In Darmstadt vermochte ich mir nur ein einziges Stück aufzntreiben und auch dieses war ein schwächliches Exemplar, seines Zeichens ein Hausirer. Selbstverständlich prangte sein Name nicht ans einer Firmatafel, ich mußte ihn mühselig ans dem Adressenbnche zu Tage fördern. Er pflegt am „langen Tage" über den reichen Banquier Oppenheim den Segen zu sprechen. Was will der urülteste ungarische Adel unserer Köleseys und Szemeres besagen gegen den altjüdischen Adel eines Kohn! Was war dieses Geschlecht in de» Tagen der heilige» Vorzeit! Sie waren die Aristokratie des auserwählten Volkes Gottes; sie waren die mächtige Klasse der Hohepriester, der Minister und Satrapen, durch gemeinsames Interesse und feste Disziplin davor gefeit, daß Andere Bresche legen in ihre stramm gefügten Reihen. Fürwahr, große Herren waren sie! Ist doch die Verwandtschaft zwischen dem persischen Khan und dem hebräischen Kohn eine augenfällige. Und heute? In alle Welt zersprengt und zerstreut, mit Füßen getreten, gebeugt, aber ungebrochen, besteht das alte Geschlecht aufrecht heute wie ehedem. Der erbarmungs- 1 lose Hohn fand den Kohn in jedem semitischen Antlitz, er erblickte das Abbild seiner Beine in jedem Säbel und in jeder gebogenen Latte; er las seinen Namen in alle alten und neuen Idiome hinein und scheuchte die Menge von den Repertorien des universellen Wissens mit dem Witze zurück: dieselben seien Kohn hinten und vorn, nämlich Kon versativns-Lexi k o n und der Wiener Journalistenverein mache seinem Namen alle Ehre: er fei eine wahre Cohneordia. Es war der Witzeleien kein Ende und ist's noch nicht bis auf den heutigen Tag. Der ewige Kohn. Denn Kohn duldet,. Kohn ist ausdauernd, auf Kohn hagelt es seit tausend Jahren und darüber Hieb und Schlag; und weil er unter ihrer Wucht nicht zusammenbricht, härten und stählen, läutern und kräftigen sie ihn. Ei Kohn, du Jude du! Magst dich nicht magyarisiren, gelt?! Und der Kohn rafft sich aus und nimmt einen magyarischen Namen an. Er wird Magyar an Geist und an Zunge; er verlegt sich auf Sprachforschung, er verfaßt die anerkannt beste ungarische Grammatik, er schreibt Theaterstücke nnd Verse voll glänzender Poesie in magyarischer,Sprache. Ei du säbelbeiniger Kohn, du Feigling du! Mit dir sollen wir in der Civilehe unser Blut vermengen?! . . . Und Kohn eilt auf den Turnplatz und trainirt seine schwammigen Muskeln zur Härte des Stahles; er lernt schießen, er erscheint aus allen Fechtböde» und Mensuren und kreuzt seine Klinge mit jenen der geflirchtetsten Raufbolde. Ei dn Kohn, nichtsnutziger Junge du! Wen Du morgen deine Lektion nicht fehlerlos weißt, wirst du ausgestoßen! — Der kleine Kohn ist so ein „puer mediocris“, nicht besser und nicht schlechter, als die anderen, die alle um ein gut Stuck weniger lernen, als er; aber sie kommen mit heiler Haut durch die Klasse, weil der Herr Lehrer ihnen wohlwill; den kleinen Kohn aber verabscheut er, den blöden, sommersprossigen rothhaarigen Jungen. — Und nun wirft sich der kleine Junge, der Kohn, in seinem nagende» Schmerz mit aller Kraft auf's Lernen und erlernt bis morgen früh, und bis zu jedem Morgen sein Pensum so, daß ihn beim Aussagen kein Orkan aus dem Context bringen könnte. Er war gezwungen, ein tüchtiger Student zu sein, Dank der Abneigung des Herrn Professors. So ist's! Der Kohn muß der Correkteste von Allen sein, sonst ist er auch schon der ärgste Schurke; er muß der Strebsamste sein, sonst ist er der größte Taugenichts. Zm »' Zehren einem 2^ einander >" drannlichger weil ÖM*' frommte ihn versicherte: Moriz 3Bie it Haar! ßoi sind nichld : stell' i @ut tn vain Brnnn Siet i grimmig fal stännnchen vom manne & hallte fi die Treppe Flasche voll Morst Mnam Kopfe i Warle & in, chr muß bei schlimmsten sch bi" dulde mit it meines herz junuf und Ändape M Iso. ÖO gelö der Li ' ■ *-.»3^-- f

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