Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 5 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492351-9586216-9585089--0284-9585092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 19 — afet «n. U 'tan, b| ^«nb diq?.'«schnelle ""'•^tciten m der «, «er."!chkn, »ch >ni! eine! i«r ft. iu diesem ai!“«"? SBaruj »ec ntirfi hm Sollte dieser >esverrä!herin" N doch, das krlengeschmeidc. bnt sie beides, ' schon verübte \ isigte er ans inl'ich uijiiiteit, Sltinobien bei!>ich Geschäft!" ' schrie Judith rasen zu Wen Hände zu ihm öden gesenkt, so diesen berührten tntel umhüllten, e. und berührte nicht. Lynch, näß." sagte er tiih die mirren schaute zu dem der Iaukbackil : sagte sie: und wen« ich fe schuldlos erc LandSmänuin. »rttepng folfll? lalirie«. ent A. eiwihsvermitiler der A-l « JCOII-S, ekel eines!agk- . daß« mie cr »ch Tochter nicht als Braut eines Ketzers zn sehen, keine Augen für derlei Dinge, er sah »nr das „feine, seidne Lehrnjüngel", das sein Eidam werden sollte. Mir Armen erging es damals nicht besser. Ich schwieg ztvar nicht, sondern raste die erste Zeit ^vie ein Wahnsinniger, aber nach und nach verfiel ich in schweigen, in ein sehr unheimliches Schweigen. Ich fühlte, das; die Gedanken anfingen sich i» mir ,zu verwirren und ich hatte nur das dunkle Bewußtsein, das; ich immer tiefer i„ Trübsinn verfalle. — Der Arzt, der mich damals behandelte — denn ich lag auch damals an einer schweren, hitzigen Krankheit darnieder — rieth der Mutter, daß sie mit mir in eine andere Stadt übersiedle, damit ich nicht vft Gelegenheit habe, Ester zu sehen, denn ihr Anblick, behauptete er, mühte nur dazu beitragen , daß ich unrettbar in Melancholie verfalle ... So geschah es, daß wir nach einer anderen, meiner Heimath nachbarliche Stadt auszvgen. Das war selbstverständlich nur um sv weniger Grund, den Onkel vvn seinem Borhaben abznhalten, ja er beeilte sich vielmehr, seine Tochter rasch unter die Haube zu bringen, wie um auf einmal allen Vorwürfen, mit welchen seine Frau ihn während der gan.eu Zeit überschüttete, ein Ende zn machen und seinen Entschluß unerschütterlich zu erhalten. In meinem neuen Heimathsstädtchen heilte zwar nicht mein liebekcankes Herz, aber es gelang mir wenigstens mein bische» Verstand zn retten, wozu mir meine Bücher viel verhalfen, i» welche ich mich ganz versenkte. Bon Partien jedoch, mit welchen die Heirathsvermittler mich überhäuften — denn an solchen mangelte es auch dort nicht — ließ ich! mit mir kein Wort rede». Freilich kostete mich das einen harten j Kampf, namentlich wenn so meitie zärtliche, liebevolle Mutrer mit flehendem Blicke vor mich hintrat und mir sagte, sie möchte ihr Leben darum geben. wenn sie mich i»lr einen einzigen Tag, an der Seite einer liebevollen Gattin glücklich sehen könnte — aber ich wußte sie immer mit den Worten zu vertrösten: „Soll ich nur erst die Ruhe meines Herzens wieder finden!" Biel schlimmer jedoch erging es inzwischen der armen Ester in ihrem Eheznstande Ihr Mann, das fromme, seidne Lehrnjüngel nämlich, entpuppte sich als einen ganz andern — er wurde plötzlich ein Moderner. Nicht im Bezug auf Sitten, sondern in Beziehung auf Aeußerlichkeiten. Der „antike Spodik" wich einem stutzerischen Kastorhut, die altmodische Pekische einer mit modernem Schnitte und die Schmachtlöckchen verschwanden nach und »ach bis keine Spur mehr von ihnen zurückblieb. Allerdings wäre ein solcher Verlust nicht zu beklagen, wen» er nur mit dem alten Rock auch die alte Rohheit und Unwissenheit abgestreist hätte; allein diese hafteten weiter an ihm fest und sv konnte ihm die Mvdernisirung nur ein Freibrief zum Laster werden. In der Thal fing er seit jener Zeit an, ganze Stunden vom Hause wegzubleiben und dann gar ganze Vor- und Nachmittage. Wo er diese Zeit zubrachte? An Ausreden fehlte es ihm nicht — er wußte jeden Tag etwas anderes vorzuschützen! Doch sein Aufenthaltsort sollte nicht lange Geheimniß bleiben. . . . Eines Tages kehrte er tief in der Nacht nach Hause zurück, und in welch einem schrecklichen Zustande! Der Hut zerknittert, der Rock, der bis an den Kragen mit Koth besudelt war, zu beiden Seiten weit geöffnet, das Haar wild aufgesträubt, der Kragen aufgerissen und dazu rollten seine Auge», wie die eines Wilden und sein Gesicht brannte in fieberhafter Röthe. Angekleidet, wie er gekommen, warf er sich auf sein Bett, tollte mit Händen und Füßen um sich her,^ sprach ein wirres Zeug zusammen und in einem und demselben Augenblicke, konnte er zehnmal lachen und weinen. Erschrocken lief die arme Ester zu ihren Eltern und erzählte ihnen, ihr Mann sei wahnsinnig, oder jedenfalls schwerkrank nach Hause zurückgekehrt. Die Tante versäumte keinen Augenblick und eilte an die Seite des Schwererkrankten, doch kauni daß er sie neben sich gewahrte, begrüßte er sie mit einer so schallenden Ohrfeige, daß ihr Funken vor den Augen flogen. Ganz eine ähnliche Gabe erhielt auch einige Augenblicke später von ihen der Onkel, der sieh in seine furchtbare Näbe magre. Beide — Schwiegervater und Schwiegermutter — hielten sich zwar seit jenem Augenblicke von dem so freigebigen Schwiegersöhnchen in respektabler Entfernung, doch zeigten sie große Besorgniß über seinen Zustand, den sie für einen hitzigen hielten, und sie ließen eiligst den Arzt holen. Der Arzt bestätigte auch in der That, daß ihr Schwiegersohn sich in einem sehr hitzige» Znstaud befinde, doch fügte er mit einem spöttischen Lächeln hinzu, daß ein solcher in der vulgären Sprache — Betrunkenheit genannt wird. Tags darauf verließ auch der über Nacht Genesene das Bett, allein jetzt war es offenkundige Sache, daß der Mann der armen Ester sich ganze Tage mit einem verlotterte» Gesindel in Spelunken herumtreibe. War einmal die Sache publick, dann schwand bei ihm der letzte Rest von Schamgefühl und mit der Schnelligkeit einer galoppirenden Schwindsucht ging es mit denr „seidnen Lehrnjüngel" immer tiefer abwärts. Jetzt gar fing man an. täglich einen andern Gegenstand im Hause zu vermissen: heute eine» silbernen Löffel, morgen eine Zuckerschale und ei» anderes nral einen sitbernen Leuchter — kurz, er verschmähte keinen Gegenstand, ver ihm unter die Hand geriet!), weil er ja für Alles reißende Abnahme hatte, er war nämlich leidenschaftlicher — Kartenspieler. (Fortsetzung folg,.) Todtenschau pro 1884. Ich habe jüngst an dieser Stelle aus vr. Strausbergs Selbstbiographie einige von denjenigen Partien eitirt, in welchen er sich über seine Herkunft und bei dieser Gelegenheit über Juden und Judenthum in. Allgemeinen ausläßt. Und wen von de» jüdischen Lesern hätte es nicht mit Wehmuth erfüllt, wenn er, auf seine einstigen Glaubensbrllder schauend, sagt: „Biele Tausend der edelsten Söhne dieses großen Geschlechtes sind in allen Zeiten zum Christenlhum übergetreten und dem Judenthum verloren gegangen. Die Nachkommen derselben sind heute unter den höchste» Familien zu finden: leider aber hat der unverdiente Haß der Christenwelt viele begabte Juden zum Uebertritt veranlaßt. Dadurch sind nach und nach die Spuren ihrer Herkunft gänzlich vermischt worden und somit ist für die Gesammtheit eine große Quelle der Ehre und Anerkennung versiegt." Bon ähnlichen Erwägungen ausgehend, ist vielfach in diesen Blättern angeregt worden, wenigstens eine umfassende Zusammenstellung derjenigen jüdischen und dem Judenthum entstammenden Größen in Kunst und Wissenschaft, in der Litteratur, auf den Gebieten der Industrie und des Handels zu schaffen, soweit solches sich bewerkstelligen läßt. Bisher hat dieser Gedanke keine genügende Ausführung gefunden, wenngleich Anfänge mehrfach dazu gemacht sind. Ich selbst habe bereits seit einem Deeennium alles mir mögliche Material für eine solche Arbeit zusammengetragen, leider haben Zeit und Umstünde die weitere Ausführung bislang zurückgehalten. Aus diese,» Grunde sehe ich denn auch seit Jahren die in der ersten Januarwoche jeden Jahres in unseren größeren politischen Zeitungen veröffentlichten Liste berühmter Todten aus dem abgeschlossenen Kalenderjahre ein und ziehe mir die Juden und „wahrscheinlichen" Jude» heraus. Vielleicht wäre es aus dem angedeuteten Grunde nützlich, wenn jüdische Blätter gleichfalls alljährlich einen solchen kurzen Auszug bringen, und ihre Leser veranlassen wollten, diese Liste zu ergänzen, resp. zu berichtigen. Nach der mir über das Jahr 1884 vorliegenden Todtenliste haben wir an Männern von Bedeutung verloren: den Parlamentarier Eduard Laster, vr. Julius Cohnheim, Professor der Pathologie und