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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 3 (1885) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
3 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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— 11 »klgte sich e,?erJe tabfüoä hnrlichj >«>ith; $ i» f^mütfen reines PrM fließ S^mQcl gefficnbet :iuei JjeunbeJ?* enflarrg es bitter inen fsänd, mib ' Samuel. iie¥t. betrautet nael „ich, mmizei »gern. 0 Samuel, seine t Gesicht so den iel’4 letzte Sorte »ich thnn," dachte ritb. ß unb betrachtete ibe, die großen, j löne Achmeid tvird . mt tytbtti," fern ÄU s, des j inmal einjulafjen. : as Halsband in < das Geschmeide, nit diesem Men* Sacket einhändigte, erhabene Herrin, Packet entgegen, h. Ei» losibares iudigeS, snrstliches „e, bis ans die en, goldgeMen tauf, de»" # ,d den Gl»»i der ckcn und ihre Retji heiße»?' f«Ste?SÄS '^DaSiere isi Eure Sache, ba wir landeinwärts fliehe». Scho» beginnt es zu dunkeln, bie Sonne in der Donau blaue Fluthen zu sinken, also hurtig, beeilt Euch, ich warte hier, und nehme Euch gleich mit mir, denn nicht soll ich ohne Euch zurückkehren, nicht bars ich ohne bas Gelb, Achmeid, der hoben Herrin, wieder vor die Augen treten. Hörst Du, das Gelb, Jude," schloß Jussus nochmals ma()nenb. „Sorge nicht, Jussus!" lächelte L>amuel. „Doch die Gewänder, wie sollen wir sie Dir wieder einhänbigen?" fügte er fragend hinzu. „O, die behaltet Ihr! Deiner Tochter schenkt sie Achmeid, und die Mcinigen — meincntwcgen wirs sie in die Donau, wen» sie Dir lästig sind. Du bist ja glücklich daran, Jude, verstehst und sprichst türkiseh nnd russisch, kannst für Türke oder Russe gelten. Nimmt man Euch gcsangen, nichts Schlimmes kann Euch dadurch geschehen," beruhigte ihn Jussus. «amuel zog von einem seiner Finger einen einsachen Ring mit einem hellblauen Stein. „Hier nimm", sagte er, ihn Jnssuf reichend, „ich weiß, daß Euch Edelsteine Gutes und Schlimmes bedeuten, dieser—" „O cm Türkis!" glückstrahltc der ernste Türke. „Er ist ei» Stückchen steingewordener Himmel, von jenem siebenten - und schönsten des Propheten. Er tvird mir Glück bringen, ich danke Dir," und bedächtig steckte er ihn a» de» kleinen Finger der linken Hand, Samuel aber schritt der Thür zu, die in ein Nebengemach füh-.te, während Judith, wie über -alles Gehörte nachdenkend, sinnend und wie betäubt vor sich hinstarrte. „Babang (Dein Vater) geht, folge ihm, mclek" (Engeld störte sie Jussus aus, halb türkisch, halb russisch redend, „es ist hohe Zeit, mache Dich fertig!" Da hob sie die schönen, träumerische» Augen. Sic trafen auf Jsmael, der leise mit ihrem Vater flüsterte. Dunkle Gluth stieg ihr ins Angesicht. Da winkte ihr Samuel. An Jsmael vorbei schlüpfte sie zur Thür hinaus, von Samuel gefolgt. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Silhouetten aus Galizien. Bon Nathan Samuely. XVI. DaS Tupfer! auf dem I. Sie gingen stille, traurig und jeder für sich abgesondert durch das Leben, in welchem sie vereint so unendlich glücklich gewesen wären. Ihn nannte man in der ganzen Stadt „Ahrele der Bachur")" und sie „Ester die Agune*)". Sie befanden sich bereits damals, als ich sie kennen gelernt, tief in den Fünfzigern, doch ließ ihr Gesicht nicht im Entferntesten ein solches Alter vcrrathen. Er hatte eine stolze, aufrechte Gestalt, trug den Bart, in welchem sich kaum ciiizelne graue Härchen zeigten, immer schön gerundet und sein Gesicht, auf welchem ein ewiger Ernst lag, drückte keineswegs mürrische Unzufriedenheit, sondern Würde und Lebensweisheit aus. Sie wieder war voll und rundlich, ihr schönes Gesicht, auf welchem kein einziges Fältcheu zu sehen war, war von einer jugendlichen Frische angehaucht und ihre tiefblauen Augen, könnte man fast sagen, leuchteten in jungfräulichem Glanze. Allerdings war auf ihrem Gesichte ein wehmüthiger Zug nicht zu verkenne», aber dieser verbarg sich immer unter einem holdseligen Lächeln, das ihre Lippen stets umspielte. Er wohnte in einem kleinem Häuschen, außerhalb der Stadt und war inimer über seinen Büchern zu finden — sie wieder bei einer alten Vertvandten und ivar stets bei ihrer Hand, arbeit zu sehen, — doch gab es keine» Tag, ob Sommer oder Winter, daß er sie nicht bei ihrer alten Verwandten aussuchle, und wer in solche» Augenblicken es zusah, wie sie sich einander so tief in die Augen schauten, lonnte keinen *) Der Hagestolz. **) Die vom Manne Verlassene. Augenblick zweifeln, daß er vor sich ein glühendes Liebespaar habe, welches alle paradiesischen Freuden der reinsten Liebe sich aus den Augen sog. Etwas wie ein geheimnißvoller Schleier umgab das Leben dieser alte» Leute, der mich mehr als einmal lüstern machte, hinter denselben zu blicken; doch wollte es mir eine zeitlang nicht gelingen, weil er jedem Gespräch, das daran grenzte, vorsichtig auszuweichen verstand. Einmal jedoch bot sich mir gute Gelegenheit dazu, die ich auch ausnützte. Er ergab sich nämlich einem sehr traulichen Gespräche, in welchem er mir eine interessante Begebenheit seines Lebens initlheiltc. Er hatte eine merkwürdige Gabe des Erzählens, das man ihn tagelang anhören konnte, so lebendig und greifbar verstand er alles zu schildern. „Nun" sagte er, nachdem er seine Erzählung beendet, „da habe ich Ihnen schon wieder ein Stück von meinem Lebe» aus dem Präsentirteller gereicht . . ." Das bot gute Gelegenheit. „Das interessanteste Stück", beeilte ich mich zu erwidern, „geht mir dennoch verloren . . ." „Welches meinen Sie?" „Nämlich jenes, das mir das Geheimniß enthüllen sollte, warum Sie Hagestolz geblieben!" „Lassen Sie das", sagte er abwehrend, „das ist eine traurige Geschichte!" „Ein Freund", wendete ich ein, „wie ich hat ein Anrecht drauf, an allem, was Sie betrifft, thcilzunehmen." „Meinetwegen", gab er »ach einem kurzen Bedenken nach, „warum soll ich es Ihnen verschweigen?" Ec versank eine Weile in trauriges Hinbrüten. „Eigentlich", begann er bald darauf wieder mit einem wehmüthigen Lächeln, „könnte ichs kurz machen und Ihnen sagen, die unglückliche Geschichte meines Lebens ist ei» „Tüpferl auf dem i". „Was? — ein Tüpferl auf dem i!" mußte ich ebenfalls mit einem Lächeln wiederholen. „Sie würden nicht lachen" erwiderte er ernst „wenn Sie die Tragweite jenes Tüpferl kennen sollten — ja, ein einzig fehlendes Tüpferl auf dem i genügte, das Leben, das Glück, alle paradiesischen Hoffnungen zweier liebenden Seelen zu zertrümmern!" Wieder hielt er eine» Augenblick stille an. „Haben Sie noch immer Lust" wandte er sich darauf an mich „haben Sie noch immer Lust, die Geschichte dieses Tüpferl anzubören?" „Ja" erwiderte ich „ich bin nur um so neugieriger". „Gut, so hören Sie nun!" (Fortsetzung folgt.) Neujahr. Ist die Theilnahme an der Feier und den Festlichkeiten des bürgerlicheit Neujahrs, die Entgegennahme und Aeußerung von Neujahrswünschen, die Veranstaltung von öffentlicheu und privaten Belustigungen und die Betheiligung daran, vom jüdisch - religiösen Standpunkte verboten? Solche Fragen wurden mir vorgelegt, und ich antwortete: „Nach meiner Ansicht nicht verboten." Denn mit dem 1. Januar beginnt nicht das christlich-kirchliche, sondern das allgemein bürgerliche Neujahr. Die Juden haben auch schon früher, iyährend ihres e. ufenthalts im heiligen Lande, ein bürgerliches Jahr neben dem religiösen gehabt ,T“1 und m M. Rösch H. 1,1), und die Jayresrechnung vom 1. Januar übernahmen Juden und Christen von den Römern, da sie von Julius lLäsar, nicht von der christlichen Kirche, eingeführt wurde, die zu jener Zeit noch g . nicht bestand. Die Römer-begannen ursprünglich ihr Jahr mit dem Monat März, zählten wie alle alten Völker vom Frühjahr ab und rechneten nach dem Monde. Jeder Umlauf des Mondes um die Erde bildete seinen Monat, und solcher

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