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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 3 (1885) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
3 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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Monate konnte man beliebig viele zu einem Jahre rechnen. Die Römer rechneten, wie auch Andere (vgl. Genes. 24,55) ursprünglich 10 Monate zu 1 Jahr; daher die Benennung der Monate 7—10 mit September bis December. Erst als man die Ausgleichung eines solchen Mondjahres mit dem Sonnenjahr, der llmlaufszcit der Erde um die Sonne, suchte, fügte Julius Cäsar die 2 Monate Januar und Februar hinzu. Daher die Benennung „Julianischcr Kalender". Das christliche Kirchenjahr begann in der frühesten Zeit mit der den Weihnachten vorhergehenden Advcntzeit, jedoch wich man davon spater vielfach je nach den verschiedenen Spaltungen in der Kirche ab. Der Ncujahrstag als solcher hat demnach für die Juden nichts Anstößiges, und die Feier dieses Tages steht durchaus nicht auf gleicher Sinse mit der Feier des Weihnachtsfestes, welches, wenn auch wie andere christliche Feste im Judenthnm wurzelnd, doch außer dem gleichzeitigen Zusammenhang mit den, Heiüenthum eure specifisch christliche Bedeutung hat. I» der Mitfcier dieses Festes liegt daher mindestens eine Gedankenlosigkeit der Juden. Nach dem bürgerlichen Jahr rechneten die Juden schon früher bei Geschäften und Verträgen; daher heißt diese Rechnung schon von der Seleucidischcn Aera her: 711*11212 po, aera confciactuum. Auch heute rechnen wir für das bürgerliche Leben nach dem bürgerlicher' Jahresanfang in Gerneinschaft mit den Christen, unbeschadet unseres besonderen Jahranfangcs für das religiöse Leben. Nur die Jahreszahl, welche man an das bürgerliche Jahr geknüpft hat, ist christlich. 1885 zählt man jetzt angeblich nach Jesu Geburt, obgleich weder dessen Geburtsjahr noch -Tag geschichtlich feststeht. Von der» 25. December ist es sogar nach christlichem Zcugniß und Zugeständniß bekannt, daß dieser Tag willkürlich als solcher angenommen worden ist und Jesu Geburtstagsfeier nur einen symbolischen Zusammenhang mit diesem Tage hat?) Für die Juden ist demnach die Jahreszahl bei der Neujahrsfeier theils nicht historisch, theils gleichgültig; sie kommt bei der Mitfeier des Jahresanfangs, der für das bürgerliche Leben auch bei den Juden eine Bedeutung hat, nicht in Betracht. R-A. Allerlei für den Familientifch. Volksschulen vor 1900 Jahren. Eine in Philadelphia erscheinende Zeitung bringt folgende Mitthcilung über das Schulwesen in Palästina zur Zeit Christi: „Ein jüdisches Kind wurde gewöhnlich bis zum Alter von sechs Jahren von seinen Eltern behütet und unterrichtet, dann wurde ihm ein befranstes Kleid (Talis mit Zizzis) gegeben und cs selbst unter die Aufsicht eines Lehrers gestellt. Der Unterricht war ein elementarer. Eine Schule oder ein Lehrer war für je 25 Kinder gefordert. Die Schule durfte nicht in einem dichtbevölkerten Stadttheile oder in der Nähe eines Flusses gelegen sein, über den man nur auf einer unsicher« Brücke übersetzen konnte. Die Eltern pflegten nachzusehen, daß ihre Kinder bei dem Lehrer rechtzeitig am Platze seien. Die hebräischen Schriften waren unter den ersten Gegenständen, in denen die Knaben und zwar zuerst mündlich unterrichtet wurden; sobald sie lesen konnten, wurden Theile des alten Testaments auf Pergament gebracht, oder wenn die Zöglinge dürftig waren, wurden Theile im Sande des Fußbodens copirt. Dazu wurden Leseslücke gewählt, die für die Fähigkeit und den Fortschritt der Kinder passend waren. Der elementare Unterricht sollte einfach und populär sei». Allgemeine Erziehung war eine hervorragende jüdische Idee. Die Juden hielten an der Meinung fest: „Die Welt wird durch den Athem der Kinder in den Schulen erhalten", *) Ist cs nicht eigcnthümlich, daß hiernach das christliche Jahr nicht am 25. December, dem angeblichen Geburtstage Jesus,sondern acht Tage später, gewissermaßen feinem Bris-dlilad-Tage, zählt. (Red.) und: „Eine Stadt, in der es keine Schule giebt, muß zu Grunde gehen". Kleine jüdische Characterziige. Bon M. Sp. in Neustadt a. Rbg. In einem kleinen Orte wohnte ei» Jude. Die übrige Bevölkerung bestand aus Katholiken. Diese hätten es nun gern gesehen, wenn sich der Jude taufen ließe. Zu diesem Zwecke ließ ihn der Geistliche zu sich rufen. Nach längerer Weigerung ließ der Jude sich endlich überreden und erklärte, daß er, um endlich von den Aufdringlichkeiten und sonstigen Chikancn der Nachbarn Ruhe zu haben, die Taufhandlung pro k'orvaa an sich vollziehen lassen wolle. Er dachte bei sich im Herzen, doch nach wie vor Jude bleiben zu wolle». Der Geistliche machte ihn mir den Satzungen der neuen Religion bekannt, u. A., daß einem frommen Katholiken das Fleischessen an, Freitag verboten sei, und mau sich mit Fisch begnügen müsse. Nach vollzogener Taufe entließ ihn der Geistliche mit den Warten, daß er fortan nicht mehr Jude, sondern Christ sei. Nach längerer Zeit wollte sich der Geistliche von der Gläubigkeit seines Täuflings überzeugen. Er wählte einen Freitag Abend, um ihn zu besuchen. Aber wie erschrak er, als er eintrat. Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Vor ihm stand eine gedeckte Tafel, auf welcher zwei Lichter brannten, und daran saß der getaufte Jude mit seiner Familie und verzehrte mit großem Wohlbehagen einen Kalbsbraten. „Was essen Sie da?" fragte der Geistliche. „Fisch", antwortete der Jude. „Sie wollen mir doch nicht sagen, daß das Gericht Fisch ist", erwiderte der Geistliche. Da sprach der Jude: „Nun ich will Ihnen die Sache erklären. Heute Nachmittag »ahn, ich das' Kalbfleisch und verfuhr damit, wie Sie mit m i r bei der Taufe. Ich goß Wasser darüber und sprach: „Kalbfleisch, Du bist fortan kein Kalbfleisch, sondern Fisch." Schweigend entfernte sich der übereifrige Geistliche und nahm sich vor, sobald keinen Juden zu taufen. ilätljfcl-Aufgabe«. I. Zweisilbige Kuchsiabenriilhsel. Von A. Spcicr in Heinebach. Ein „i" hinein Ein Edelstein. Statt „i" ein „e“ Einen Lohn ich sch'. H. Deutsches Homonym. (Scherzräthsel.) Bon E. in R. Gewöhnlich kauft man den Artikel Ein ganzes Pfund für ein Paar Nickel! Tyiiv ihn halt' Simfon Gott zum Kunden, Doch schccht Geschäft dabei gefunden. HI. Hebräisches Homonym. Bon I. Eck mann in Nienburg. Ein Thal ist's, lvohl bekannt, Wird in der Bibel oft genannt. Den gleichen Namen führt ein Holz Das einstmals barg Israels Stolz. Ausiösung der Räthsel in Ur. 2. I. a) Rausch. 121*1 (©ift). b) Argos. 13*1S Kästchen). II. Lack, sac, pl2 III (Fäden am Tallis). 2'^DS (Götzenbilder). Richtige Auflösungen sandten ein: Lehrer S. Ries in Bruchsal, (für III. D,I3,?3 1. B. Kön. 7,17). Felix Perles in München. (n’32i „Schaufäden und Lorke," giebt ein besonderes Räthsel.) Herz und Sali Cohen (alle 4 richtig!) Betty Weil aus Merzig (W. in B. Das geogr. Räthsel — salsch. Z. W. in U. H. u. III. falsch). Die Auslösung der Prcisräthsel und die Rainen der richtigen Treffer (bis jetzt 9) — Raummangels wegen — erst in nächster Nr. Verantwortlicher Redakteur vr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig. « » I 3

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