Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 3 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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iii 10 — neugierig darauf. Ein kostbares Perlenhalsband zeigte sich den erstaunten Blicken. Doch Niemand äußerte einen Laut. Prüfend nahm es Samuel auf und ließ es durch die schmalen Finger gleiten, doch keine Miene seines sanften Angesichts verzog sich. „Und welchen Preis bestimmte Deine hohe Herrin?" fragte er ohne auszusehen. „Jedes nur irgend annehmbare Gebot wird ihr recht sein", versetzte der Eunuch ohne Zögern. „So werden wir schnell handelseinig werden", lächelte Samuel. „Kriegszeiten, Iheure Zeiten: ich biete ihr 50.000 Piaster". „Sage 60,000 Jude, und Du machst noch immer das vorzüglichste Geschäft," entgegnete der Eunuch und fügte hinzu: „Nein, sage 70,000, denn auch ich bedarf eines Verdienstes, ist es doch mein Verdienst, daß gerade D n zn diesem Handel ausersehen worden." „Du kennst mich, und ich durch Dich, Achmeid, Deine hohe Gebieterin, und weil dem so ist, wurde ich dazu auserwählt," bemerkte Samuel ruhig und mit einem Anflug gerechten Stolzes. „Man braucht mich, weil inNoth; doch immerhin, Du sollst auch 70,000 Piaster erhalten, aber eine Bedingung »och knüpfe ich daran. Schlau bist Du, o Türkensohn, doch Klugheit überbietet Schlauheit." Alle horchte» gespannt aus, am eifrigsten Jsmael, indem er nach Judith schaute. „Allah Akbar", (Gott ist groß) und Mohammed, sein Prophet," verneigte sich dankend der Ennuch, „und war mir gnädig, daß er Dich erlenchtete und meinen Anspruch genehmigen hieß. Sage nun den Deinigen und Jussuf wird Alles thun, um auch ihm gerecht zu werden." „Gut denn, nickte Samuel. „Sage Deiner Herrin Achmeid, auch ich muß diesen bedrohten Mauern entfliehen, ich und meine Tochter. Ich bedarf dazu Erlaubniß und Hülfe, ja eine türkische Eskorte. Du verstehst mich?" „Alles Jude, doch das Geld —" „Erhältst Du hier von meinem Freunde Rathanael, sobald ich mit meinem Kinde Silistria den Rücken zugekehrt, seinen Mauern entronnen." Während dieser seiner Worte hatte Samuel Feder und Papier ergriffen. Er schrieb eifrig, flüsterte dann Rathanael einige Worte zu, worauf dieser unter jenes Geschriebene seinen vollen Namen setzte. Mit den Worten: „Hier nimm!" reichte Samuel Jussuf das Papier. Zögernd ergriff es Jussuf, mißtrauisch überflog es sein dunkles Auge. Doch bald nickte er befriedigt, die Abfassung in türkischer Sprache, der ganze Inhalt des Schreibens beruhigte ihn. „Er haftet mit seinem Kopf", lachte er, grimmig nach Rathanael hinschauend. Judith stieß einen leisen Schrei aus, und Jsmael trat erschreckt einen Schritt auf seinen Vater zu. Doch dieser sagte ruhig: „Mit meinem Kops". Jussuf barg nun das Papier sorgfältig in seinem breiten Gürtel. „Ich eile nun zu meiner hohen Gebieterin, Achmeid, um ihr den Erfolg meiner Sendung und Dein Begehr mitzutheilen; bald kehre ich zurück, und bringe Euch Kunde" — Kaum hatte sich die Thür hinter der hohen Gestalt Jussuf's geschlossen, so stürzte Judith vor und ihrem Vater zu Füße». „Vater, wir fliehen also?" hauchte sie leise. „Ja, mein Kind, bangt Dir davor? gegenfragte Samuel, ihr gebeugtes Köpfchen aufrichtend, um ihr ins Auge zu schauen. Doch Judith hielt die süßen, schönen Sterne gesenkt. „O nein, Väterchen, nein, es freut mich sogar," flüsterte sie leise mit erglühenden Wangen. Aber so leis sie diese Worte auch geflüstert, Jsmael's lauschendes Ohr hatte sie dennoch vernommen. Seine Stirn umwölkte, seine Züge verdüsterten sich, doch Klugheit schloß ihm den Mund. Unbefangen trat er näher. Er neigte sich über das Perlenhalsband. „Wahrlich ein kostbares Geschmeide, jede Perle tadellos, und ein kleines Capital schon werth. Schlingt sie, die herrliche Kette, einmal um Euren schneeigen Hals, schöne Judith; wenn Jemand außer Achmeid. so ist sie Euch zu schmücken würdig," sagte er der Knieenden, ihr edles und reines Profil mit sengenden Blicken betrachtend. Zürnend hob Judith das blonde Haupt. „Dein Compliment ist noch plumper, als Dein Versuch, mich zum Hierbleiben zn bewegen, es gewesen," stieß sie hervor. „Judith!" warnte sie Samuel, doch zu Jsmael gewendet fügte er sanft hinzu: „Was haltet Ihr, was meint sie, Sohn meines Freundes?" „Daß sie mich haßt und verachtet!" erklang es bitter von des jungen Mannes Lippen. „Nicht doch, Jsmael, man haßt nur seinen Feind, und verachtet nur den Missethäter," begütigte ihn Samuel. „Dann dünlt ihr ineine Liebe eine Missethat. betrachtet sie mein Herz als ihre» Feind," versetzte Jsmael nicht weniger bitter. „Sprachst Du ihr von Beiden?" „Ein wenig", gestand Jsmael ohne Zögern. „So thue es nicht wieder", entschied Samuel, seine Tochter in seine Arm schließend, und ihr Gesicht so den Blicken des Jünglings entziehend. Der verliebte Knabe legte sich Samuet's letzte Worte zu seinen Gunsten aus. „Er wird es für mich thun," dachte er, sich Judith's Rede und Gelöbniß erinnernd. Diese entwand sich den Armen des Vaters und betrachtete nun auch ihrerseits das kostbare Geschmeide, die großen, glänzende» Perlen. „Perlen bedeuten Thränen, auch die schöne Achmeid wird sich nur weinend von diesem Schmuck getrennt haben," bemerkte sie träumerisch. Da öffnete sich abermals die Thür, um Jussuf's, des Eunuchen, prächtig bekleidete Gestalt noch einmal einzulasse». Sei» erster Blick fiel aus Judith und das Halsband in ihrer Hand. „Legt es um Euren schönen Hals, das Geschmeide, schönes Mädchen, und bekleidet Euch auch mit diesem Allen," jagte Jussuf, indem er Judith ein großes Packet eiuhündigte, „denn so wünscht und erbittet es meine erhabene Herrin, Achmeid, des großen Oiner Pascha Kadin." Ueberrascht, bestürzt »ahm Judith das Packet entgegen, und auch neugierig öffnete sie es sogleich. Ein kostbares Gewand schimmerte ihr entgegen, ein vollständiges, fürstliches Costüm, wie es Achmeid zu tragen pflegte, bis auf die üblichen Gesichtsschleier und die zierlichen, goldgestickten Pantöffelchen. Entzückt ruhten Judith's Augen darauf, denn nicht gleichgültig war sie gegen die Pracht und den Glanz der herrlichen Stoffe und Sächelchen, die sie schmücken und ihre Reize noch blendender hervorheben sollten. Jussuf weidete sich einige Augenblicke an ihrer Freude, ihrem Erstaunen, dann aber wandte er sich an Samuel, und diesem ein zweites Packet, das er noch in Händen gehalten, überreichend, flüsterte er ihm geheimnißvoll zu: „Jussuf hat Dir von seinen eigenen Gewändern alles zusammengesucht, dessen Du bedarfst. Geh', bekleide Dich damit, und mache Dich reisefertig, sammt Deinem schönen Töchterlein." „Was meinst Du, was soll dies heiße»?" fragte Samuel überrascht und nicht ohne Mißtrauen. „Daß es meine hohe Gebieterin so befiehlt", lachte Jussuf, „Du und Deine Tochter, Ihr sollt dem Gefolge Achmeid's einverleibt werden, denn auch sie will schon heut' Nacht ihre Flucht in's Werk setzen. So werdet ihr ohne Aufsehen zu erregen, und Unbequeinlichkeite» ausgesetzt zu werden, vor die Thore der Stadt gebracht. Das Weitere ist 'l f li