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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 3 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
3 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1883. m 3. Jüdisches -5^3- Jur Werhultung u. Kklkhrung für die israelitische Jugend. Inhalt Himmelsgluth. Bon vr. I. Goldschmidt-Weilburg. — Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung. — Jüdische Silhouetten aus Galizien. Das Tüpferl aus dem I. Von Nathan Samuely. — ^Neujahr. — Allerlei für den Familientisch. Volksschulen vor 1900 Jahren. — Kleine jüdische Charakterzüge. — Räthsel-Aufgaben. und Lösungen. Himrnelsgluth. (>ju»i Wochen»bsch»ift Schernaussj I Moses sali auf Horcb's Höhe», Nicht könnt' er es sich erkläre», Einen Dornbusch glüh'» in Flamme», Die nicht konnte» ihn verzehre». Wunderbar ist die Erscheinung, Hoch, er traut den Augen kaum! Und er wollte näher treten, Ob es Wirklichkeit, ob Traum. 8. Doch cs rief des Herren Stimme: „Moses, bleibe ruhig dorten, Den» cs ist, wo du auch stehest, Heil'gcr Boden aller Orte»! Und von einem heilige» Standpunkt Ist es einzig zu verstehe», Was du als ei» Wunderbares Als ein Näthsel hast gesehen. „Tritt nicht näher — denn dich selber Hier deinAnge nur gewahrte: Deiner Sendung Pflicht und Schranken Die Erscheinung öffenbarte. Was du staunend wahrgenommen, Hat dich selber dir enthüllt, In dem glüh'nden Dornbusch sahst du Deines eignen Lebens Bild. 1. „Moses, deines Volkes Klagen Hab' ich liebevoll vernommen, Und die Stunde der Erlöiung Aus Egypten ist gekommen. Und du bist's, den ich berufe, Aus dem Joch fie z« befrei«, D« sollst meines Wortes _ Bote, Du ihr Führer, Lehrer sein. s. Führer, Lehrer eines Volkes Mus« gar oft dem „Dornbusch" gleichen, Mus> oft steche» und »crwunde», Nicht in Schwäche zaghaft weiche». Und cs musi in Himmelsflammcn Sprüh'» der „Dornbusch" hoch und hehr, Und cs flnthct um de» „Dornbusch" Auch des Haffes Fcncrmccr. ft. Doch vergebens schlägt des Haffes Flammenfluth um den zusammen, Der mit seinem ganzen Wesen Glüht i» heilge» Himmelsslammcn. Und des Himmels Gluth gicbt Wärme Und cs strahlet hell ihr Licht, Und sic schützet und sie stärsct Stählet»»» vcrzchrctnicht. r. „Israel sollst ans Egypten Führen du und cs belehre»! Gleich dem Dornbusch — stich, verwunde, Glühe, ohne zu verzehre»! Weh dem Dornbusch, weh dem Führer, Flammet er in ird'scherGluth, Fürst und Volk verzehrt der ird'schcn Leidenschaften Flammenwnth!" — s. Und so ist cs auch geschehen Wie des „Dornbusch's" Wunder drohte. — Als beim „Hadcrwaffcr" Moses In des Zornes Flammen lohte, Sprach der Herr: „In Erdcngluthcn Ist der „Dornbusch" bald dahin! Sterben mufit du, darfst, o Moses, Ins gelobte Land nicht zieh'»! r. I. Goldschmidt, Weilburg. Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung aus dem russisch-jüdischen Leben.*) Von Emilia P.r. II. In Siliftria «Fortsetzung.) „Allah il Allah", sagte der Eunuch mit über der Brust gekreuzten Armen sich verneigend. Dann hestctc er seine großen, schwarzen Augen auf Samuel. „Jussuf, Du!" rief Samuel ihn erkennend. „Sag an, was führt Dich zu mir, was wünscht Achmeid, Deine hohe Herrin, befiehlt sie, daß ich ihr meine Kostbarkeiten und Geschmeide vorlege?" Ernst schüttelte Justus das beturbante Haupt. Er strich sich den dunklen Vollbart, und noch um einige Schatten dunkler erschien sein braunes, schönes Angesicht, als er erwiderte : „Meine Herrin und Gebieterin will — fliehen." „Fliehen!?" erklang es unisono von den Lippen aller Anwesenden. Gravitätisch nickte der Eunuch. „Einem erneuten Sturm der Russen halten wir nicht mehr Stand. Wir sind verloren, wenn keine Verstärkung oder fremde Hülfe uns naht, und Omer Pascha, mein hoher Gebieter, fühlt sich zu schwach, um den feindlichen Truppen auf freiem Felde entgegentreteu zu können". Leise, hastig hatte er dies hervorgestoßen. Jetzt heftete er seine tvild - rollenden Augen abwechselnd auf jeden Einzelnen und rief mit rauher Stimme und drohender Gebcrde: „Doch hütet Euch wohl, uns zu verrathen! Tod und Verderben drohen dem Elenden, der es wagen sollte, und er entgeht uns nicht, noch seiner Strafe!" Mit der Hand nach dem Säbel, dem Jattagan, fassend, gab er diesen seinen Worten noch verständnißvollere Bedeutung. „Fürchte nichts, nicht unser Vortheil, nicht unser Gewerbe sind Spionage und Verrath," belehrte ihn Samuel sanft und ruhig, mit dem Gleichmuth eines Unverletzlichen und der Würde eines Patriarchen. „Sprich, was wünscht Deine hohe Herrin von mir, was kann ich für sie thun, in welcher Weise ihr die Flucht bewerkstelligen helfen, ich ein Jude, ein Russe und Feind, und doch ihr Freund und gehorsamer Diener?" „Klug und wahr sprichst Du, o Jude, und Vieles, doch Leichtes ist Dir für meine Herrin, die schöne Achmeid, zu thun vergönnt. Sie bittet Dich sogar, die Edle, ihr Deinen Beistand nicht zu versagen. Hier sieh' her, wandte dies Geschmeide in Gold, und Achmeid wird sich Deiner stets dankbar erinnern." Bei diesen Worten zog er Etwas aus den Falten seines bunten gestickten Gürtels, trat an den Tisch, an dem Samuel saß, und legte es daselbst nieder. Aller Augen hefteten sich *) Nachdruck verboten.

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